Jetzt werden die Tage wieder länger – Raum für Veränderung

Uns ist der Sinn für Verhältnismäßigkeit verloren gegangen

von Jan-Heie Erchinger (Kommentare: 9)

Es ist eine Herausforderung, in diesen Zeiten hoffnungsfroh und zuversichtlich zu bleiben.© Quelle: Pixabay / Cowins

Die Wintersonnenwende ist rum; jetzt werden die Tage wieder länger. Es ist eine Herausforderung, in diesen Zeiten hoffnungsfroh und zuversichtlich zu bleiben. Winter-allgemein und 2022-konkret gleichermaßen. Ganz besonders, wenn es dann sogar eine sogenannte Dunkelflaute gibt.

Diese hat allerdings auch etwas Konstruktives: Träumern, die ernsthaft meinen, wir könnten schon jetzt gaaaanz leicht mit Erneuerbaren klarkommen, gab die Phase der Dunkelflaute in den letzten Wochen hoffentlich zu denken, denn alle verfügbaren Kraftwerke laufen.

Ganz so weit sind wir nur mit Erneuerbaren noch nicht. Die mittelfristige Dekarbonisierung ist sicher richtig, aber bei einigem, was man über das Knie brechen will, wird oft mehr kaputt gemacht als verbessert.

Was vielen bei uns fehlt, ist ein gut entwickelter Sinn für Verhältnismäßigkeit!

Auf NDR-Radio kam gerade wieder eine Huldigung an die unverhältnismäßig agierenden Klima-Kleber: Eine junge Journalistin berichtet gendernd und begeistert von einem „Aktionstraining der Letzten Generation“ in Hamburg.

O-Töne von Mitgliedern der Letzten Generation werden minutenlang mit deren vermeintlichen Argumenten abgespult … Zitat sinngemäß: ,,Wir nötigen keinen, wir stören lediglich ... das ist ziviler Ungehorsam ... Wir sind der Alarmknopf bzw. der Alarm in einem Haus, das brennt ... selbst die Grünen machen doch gar nichts für's Klima ...´´

Ich nehme kein einziges kritisches Wort der Journalistin dazu wahr. Es ist nichts weniger als eine öffentlich-rechtliche Werbe-Aktion für diese Leute.

Das Unverhältnismäßige und Ungerechte an dieser „Letzten Generation“ besonders in Deutschland ist, dass sie behaupten, wir würden uns quasi gar nicht aktiv und konstruktiv mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen.

Das Gegenteil ist der Fall. Konkret und medial. Deutschland hat nach einer Statistik des Bundesumweltamtes Stand Juni 2021 immerhin 41 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 vermindert.

Und medial wird dieses Thema von morgens bis abends beackert. Kinder werden in Kinder-Nachrichten geradezu verängstigt, ihnen wird das Vertrauen in die Zukunft mit völlig maßlosen Zukunfts-Hiob-Grusel-Bildern planvoll zerstört.

Fast nie wird auf den mathematisch-proportionalen Verhältnisfakt hingewiesen, dass wir in Deutschland seit Jahren schon innovativ und finanziell mit Forschung, Entwicklung und Ökosteuern nicht zu knapp bei dem Projekt der Dekarbonisierung der Welt konstruktiv und konkret anpacken.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Will man kraftvoll gegen den Klimawandel angehen, sollte man in ärmeren Schwellenländern investieren. Unbestritten kann man da mit der gleichen Investitionssumme wesentlich mehr CO2-Minderung für die Welt rausholen. Aber nein, die letzte Generation schaut nicht über den Tellerrand, klebt sich hier im fairen Deutschland auf die Autobahn. Das ist klar unverhältnismäßig.

Und ich will noch einmal auf die Ermordung einer 14-Jährigen zurückkommen. Hatten Olaf Scholz oder Nancy Faeser eigentlich einen Termin in Illerkirchberg?

Dazu zwei weitere Meldungen:

Die Südwestpresse schreibt:
„Ministerpräsident von Baden-Württemberg warnte vor voreiligen Schlüssen nach der Tat von Illerkirchberg. ,Ich kann nur warnen, irgendwelche Zusammenhänge aufzustellen, bevor überhaupt die Tat aufgeklärt ist.'“

Oliver Stock schreibt im Focus:
„Baden-Württemberg will Afghanen abschieben - doch Nancy Faeser blockiert“.

Der konkrete Fall dahinter: Ausgerechnet in Illerkirchberg, wo gerade zwei Mädchen Opfer eines Mannes aus Eritrea geworden sind, kam es 2019 schon einmal zu einem schweren Verbrechen. Eine 14-Jährige war damals von vier Afghanen in ein Asylbewerberheim gelockt und dort von ihnen vergewaltigt worden.

Der Anklageschrift zufolge wurde die Minderjährige zuvor mit einem Betäubungsmittel wehrlos gemacht. Dafür wurden die Täter 2021 zu rund zweijährigen Haftstrafen verurteilt. Einer der Verurteilten ist seit März 2022 wieder auf freiem Fuß und lebt in Baden-Württemberg. Seither bemühen sich die Behörden des Landes um die Abschiebung des Mannes. Doch das Bundesinnenministerium will nicht.

Das alles betrübt sehr. Ich werde trotz allem versuchen, die minimal längere Helligkeitsphase pro Tag wahrzunehmen. Ich werde trotz allem versuchen, schöne Weihnachtstage mit meiner Familie zu verbringen. Ich werde an die Opfer des schrecklichen Krieges in der Ukraine denken und auf friedenspolitische Einsichten beider Seiten hoffen und mich nicht vom Öffentlich-Rechtlichen mit einer Kriegsrhetorik von Pannen bei Haubitzen und Pumas einlullen lassen.

Und noch etwas: Boris Becker ist wieder in Freiheit – und die Tage werden länger.

Ihnen allen ein schönes und gemütliches Weihnachtswochenende!

(Quelle: privat)

Einen Kommentar schreiben

Sie können die Kommentare mit BBCode formatieren. Nutzen Sie ggf. einen BBCode Generator.

Was ist die Summe aus 1 und 4?

Kommentare