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Unsere Grönlandreise: Die Jäger bringen frisches Robbenfleisch

von Christian Witt (Kommentare: 1)

Seehundsteak in der Pfanne ist schwierig, man muss das Fleisch vorher kochen© Quelle: Christian Witt

„We wanted to have peace, no fight anymore.“ Amarok erinnert an Proteste gegen U-Boote und Lärm – und verbindet die spirituelle Jagd mit der globalen Verantwortung: Tiere haben einen Geist, und der Mensch schuldet ihnen Rechenschaft.

Von Christian Witt

Ich komme vom Brættet, dem Fischereihaus unterhalb der Altstadt. In dem länglichen Gebäude mit Blick auf den Fjord verkaufen die Fischer tischweise ihren Fang. Einige Fische liegen da, vor allem aber zerlegtes Seehundfleisch.

„Gibt es hier Walfleisch?“, frage ich eine Kundin, die mich erst mit den Augen und den Augenbrauen, dann mit einem englischen „Good morning“ begrüßt hat. Sie kauft eine größere Menge Seehundfleisch am Stück für eine Suppe. Ich komme mit ihr ins Gespräch. Seehundsteaks in der Pfanne seien schwierig, man müsse das Fleisch vorher kochen. Dann empfiehlt sie viel Knoblauch. Ich kaufe also zwei kleine Steaks, die vor meinen Augen von einer dicken Schicht weißen Fetts befreit werden. Ein kleines Probiertütchen für zehn Kronen, umgerechnet gut 1,30 Euro.

Im nahen Café mit Blick auf den Fjord treffe ich Amarok, eine Frau im besten Alter. Sie kommt aus Aasiaat, einige Bootsstunden entfernt an der Westküste Grönlands. Sie ist auf besondere Weise geschminkt, breite Linien ziehen sich bis zu den Schläfen hinauf. Zuvor hatte sie Gespräche und Fototermine im gegenüberliegenden Nationalmuseum. Dort wird die Geschichte der Inuit erzählt, die seit Mitte des 13. Jahrhunderts auf Grönland leben. Auch die Vorläufer sind erwähnt und die Nordmänner.

Amarok spricht ruhig, aber mit Nachdruck über die Jagd als kulturelles Rückgrat und existentielle Praxis. Jagd sei hier kein folkloristisches Relikt, sondern überliefertes Überlebenswissen: Kleidung aus Fell, gemeinschaftliches Handeln, Respekt vor dem Tier. „We are hunters who survive“, erzählt sie mir und beschreibt eine geschlossene Ordnung, einen Kreis aus Mensch, Tier und Umwelt.

Kritik von außen – etwa an der Jagd auf Robben oder Eisbären – verkenne diesen Zusammenhang. „Our ancestors never did pollution“, hält Amarok dagegen und kontrastiert industrielle Lebensmittelproduktion mit dem, was sie als „real candy, precious for us“ bezeichnet. Beiläufig, fast vertraulich, gibt sie mir später noch ein alternatives Rezept für Seehundsteaks mit Reis mit auf den Weg – weniger rustikal, alltagstauglich, sagt sie, und lächelt.

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Das Gespräch wird persönlicher, als Amarok von der ersten Jagd ihres Bruders erzählt: vom Töten des Tieres und vom anschließenden Weinen. Liebe und Notwendigkeit stünden nebeneinander, getragen von spirituellen Vorstellungen. Tiere hätten einen Geist, dem man Rechenschaft schulde.

„We love them, but we say in our culture, they came to us“, erklärt sie. Auch ihre eigene Biografie fließt ein: das Aufwachsen zwischen Tradition und Spott, die bewusste Entscheidung für die Arbeit mit Hunden, das Weitergeben von Wissen „from generations“. Der Tod des Vaters, eines großen Erzählers alter Geschichten, bleibt spürbar: „I miss my dad.“ Amaroks Vater spielte eine zentrale Rolle in dem Film „The Great Route“, der das Leben der Inuit in Westgrönland zeigt.

Politischer wird Amarok dort, wo Militär und äußere Interessen ins Spiel kommen. Sie erinnert an Lärm, U-Boote und Störungen der Jagd durch amerikanische Militärpräsenz, an den Protest der Jäger und an ein späteres Umdenken. Die Schließung von Basen erscheint ihr als bewusste Friedensentscheidung: „We wanted to have peace, no fight anymore.“

Ihre Sorge gilt der Arktis insgesamt – dem Schmelzen des Eises, der Verschmutzung, der globalen Verantwortung. „If ice getting melt, pollution – where do they want to go?“, fragt Amarok und verbindet persönliche Erinnerung mit einer leisen, eindringlichen Warnung.

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