Von Philipp Lengsfeld
Dieser Text entstand auf Anregung von Alexander Wallasch. Ich mache mir schon seit Längerem Gedanken darüber, inwieweit unsere vertrackte politische Situation auch mit den Sprachprägungen zusammenhängt. Ich bin überzeugt davon. Und nicht nur, weil so viel gesellschaftliche Energie darauf verwendet wird. Und ich bin gewillt mich dem entgegenzustellen.
Das könnte der Start einer Serie werden, aber der angefragte Text über die Denunziationsvokabel „Kriegstreiber“ steht auch für sich. Dieses furchtbare Wort hat für mich alles, was die deutsche grünistische Moralrepublik so sehr liebt und womit sie auch so unheimlich „erfolgreich“ war.
An erster Stelle natürlich: „Kriegstreiber“ rührt an dem potentesten deutschen Gefühl, der „German Angst“. „Wir werden in einen Krieg getrieben“, „wir werden zum Kriegsgebiet“, „der dritte Weltkrieg wäre das Ende Deutschlands“ – wer kennt diese Sprüche nicht? Und keiner will Krieg! Noch weniger möchte irgendwer gegen seinen Willen in einen Krieg „getrieben“ werden. Und erst recht nicht von bösen Mächten, die ja auch immer stärker, da viel böswilliger als der gute Deutsche sind. Neben Angst, also noch die germanische Mischung aus Opfersucht und Opferstolz.
Und das ist die dritte Seite einer echten Wortmoralkeule: Angst und Opfertum kombiniert mit einer weiteren deutsch-grünistischen Allzweckwaffe: Der moralischen Anklage.
Denn dass ein „Kriegstreiber“ aus unlauteren Motiven handelt, muss nicht weiter erklärt werden, das ergibt sich aus dem Wort selber. Ein Wort ersetzt die gesamte politische Debatte – das haben wir in dieser Republik perfektioniert.
Und „Kriegstreiberei“ steht da natürlich nur ganz kurz vor „Völkermord“, ein Begriff der aber im momentanen deutschen Diskurs doch etwas zu brutal klingt: „Völkermörder“ hört man als Bezeichnung eher selten. Da wird lieber der vermeintlich wissenschaftlich-sachliche Begriff des „Genozid“ bemüht – diese Charakteranklage traut man sich im neoteutonischen Diskurs momentan nur über Bande. „Genozid“ betreibt laut Linken z.B. Israel, was die doch immer noch sehr zahlreichen Unterstützer des jüdischen Staates in Deutschland zu „Genozidtreibern“ machen könnte, aber auch diese kommunikative Linie traut man sich momentan doch eher noch nicht zu überschreiten.
Jetzt kann man mich natürlich herausfordern und sagen, „wie sollen wir es denn sonst nennen“? Verstärkt mit moralischer Entrüstung: Man muss doch über „Krieg“ und „Frieden“ noch reden dürfen!
Die Antwort ist nicht ganz leicht, aber ich versuche es mal mit einer Positiv- und einer Negativliste.
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Fangen wir mit der Negativliste an: „kriegstüchtig“, „friedenssüchtig“, „friedensliebend“ usw. usw. geht meines Erachtens nach alles gar nicht. „Krieg“ kann man ernsthaft sachlich kaum in Argumentationen verwenden, nicht umsonst nennen wir es im Deutschen und Englischen zu Recht „Verteidigung“ (Defense) – eine Demokratie wird nicht zum Aggressor (das ist das richtige Wort), führt keinen Angriffs- und Eroberungskrieg, überfällt seine Nachbarn nicht.
Aber gleiches gilt eigentlich auch für „Frieden“. „Frieden“ ist als Selbstbeschreibung von Staaten, Parteien oder auch Personen einfach nur verlogen, da muss ich nicht einmal den „Friedensstaat“ DDR mit seinem antifaschistischen Friedensschutzwall bemühen.
Echten Frieden wollen wir alle. Und natürlich ist das von mir gelegentlich in privat-politischen Diskussionen benutze „Friedensengel“-Fraktion ähnlich denunziatorisch, wie „Kriegstreiber“.
Wie gesagt, Frieden wollen alle, außer die Aggressoren. Aber Frieden ist eben kein Wert an sich: Ohne Freiheit gibt es keinen Frieden.
Was könnte ich mir als Positiv-Liste vorstellen?
„Verteidigungsfähig“ ist für mich eine klare Alternative zu „kriegstüchtig“. „verteidigungswillig“ oder „Freiheitsverteidiger“ oder gar „Freiheitskämpfer“ wären dann die Leute, die bei den Grünen vor 20 Jahre noch „Bellizisten“ hießen (als Gegenstück zu den damals noch sehr positiv gesehenen „Pazifisten“).
Vielleicht reicht einfach die gute alte Einteilung der Amerikaner: Falken und Tauben. Zwei legitime Strategien für echte Demokraten, für echte Patrioten: Für Frieden in Freiheit.
Sie können dem Autor schreiben: p.lengsfeld@arcor.de
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Dr. Philipp Lengsfeld, geboren 1972 in Ost-Berlin, ist parteilos politisch aktiv im liberal-konservativen Lager. Er war 20 Jahre Mitglied der CDU und von 2013 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seine Texte erschienen auf diversen Portalen, dies ist sein erster Text bei Alexander Wallasch.