Von Gregor Leip
Der Volkswagen-Aufsichtsrat berät heute über den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und mögliche Schließungen mehrerer Standorte. Während in den letzten Wochen noch medienwirksam angebliche Wachstumsmärkte gefeiert und Lieferanten beim jährlichen Treffen „We Circle“ in Wolfsburg mit dem Volkswagen Group Award ausgezeichnet wurden, sieht die Wirklichkeit düster aus.
Von den elf Preisträgern des Volkswagen Group Award 2026 stammen alle aus dem Ausland. Es gab keinen einzigen deutschen Gewinner. Ausgezeichnet wurden vor allem Tech-Riesen und Spezialisten für Software, Halbleiter und Batterien.
Die ungefeierten deutschen Mittelständler, die traditionell am Verbrennungsmotor hängen, stehen unter beispiellosem Druck. Nach Hunderten Insolvenzen in den Vorjahren kamen 2026 weitere Großinsolvenzen und Werksschließungen bei Zulieferern hinzu. Die Nachfrage nach Verbrenner-Komponenten sinkt dramatisch, während der Hochlauf der Elektromobilität stockt und die Abnahmemengen von Volkswagen ausbleiben.
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Noch symbolträchtiger ist die aktuelle Expansion: Volkswagen startet in Usbekistan mit den Marken VW und Jetta – vollständig aus China gesteuert und mit Fahrzeugen aus chinesischen Werken beliefert. Der Konzern feiert das als Erfolg.
Trotz des 11,8-Prozent-Anteils von Niedersachsen, der seit dem VW-Gesetz von 1960 das Unternehmen vor feindlichen Übernahmen schützen sollte, hat sich Volkswagen durch seine Manager immer weiter von deutschen Interessen entfernt. Gefeiert werden ausländische Großkonzerne, neue Märkte werden aus China bedient – während der Aufsichtsrat gleichzeitig über Schließungen deutscher Standorte berät.
Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm stehen auf dem Prüfstand. Dies ist keine schicksalhafte Entwicklung, sondern die Quittung für jahrelange Management-Fehler, politische Ideologie und die Kapitulation vor dem grünen Zeitgeist. An der Spitze des Versagens steht der ehemalige Konzernchef Herbert Diess. Sein fataler Fehler war die fast religiöse Fixierung auf die E-Auto-Wende. Statt die eigenen Stärken auszubauen und auf effiziente moderne Diesel zu setzen, wurde alles auf die teure ID.-Flotte konzentriert.
Die modernen Diesel von Volkswagen waren einst Weltspitze – sparsam, robust und ideal für Vielfahrer. Unter dem Druck von Dieselgate, EU-CO2-Hysterie und grüner Politik wurden sie systematisch diskreditiert. Kunden wurden verunsichert, Märkte den Chinesen und Hybriden überlassen. Ideologie statt Ingenieurskunst.
Es ist eine bittere Randnotiz, dass dieser „Abwickler“ des VW-Erfolgs nach seinem Ausscheiden noch rund 36,9 Millionen Euro zwischen 2022 und 2025 erhalten hat. Der jahrzehntelange Technologie-Transfer nach China hat die eigene Souveränität zerstört.
Volkswagen steht sinnbildlich für das, was in Deutschland schiefläuft: Wenn Politik und Management die Basis der eigenen Stärke zerstören, bleibt am Ende nur der Sozialplan. Die Belegschaft zahlt den Preis. Die Manager von gestern haben die Boni kassiert. Und die Kunden kaufen woanders.
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