Großer Andrang in Halle: Eine Schlange einmal um das Messegelände

Buchmesse „Seitenwechsel“ in Halle

von Gregor Leip

Andrang und Prominenz© Quelle: Christian Witt

Die zweite Seitenwechsel-Buchmesse in Halle (Saale) platzte aus allen Nähten. Schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung um 10 Uhr reichte die Schlange bald einmal um die Messehallen herum. Eine Stunde später nahm der Andrang immer noch kein Ende.

Von Außenreporter Gregor Leip

Als Wessi staunte man über die Geduld und Ruhe, mit der die überwiegend aus Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland kommenden Besucher hier auf Einlass warteten. Aufbruchstimmung liegt in der Luft.

Die Veranstaltung mit über einhundert Ausstellern in zwei großen Hallen wurde von Susanne Dagen vom BuchHaus Loschwitz organisiert. Die große Bühne war bei fast allen Rednern bis auf den letzten Platz gefüllt. Eröffnet wurde die Messe vom „Bild“-Kolumnisten Harald Martenstein, der unter anderem über die freie Presse in einer gut funktionierenden Demokratie sprach.

Gegen Mittag stellte AfD-Chef Tino Chrupalla die zweite Auflage seiner Autobiografie „Handwerker – Meister – Politik“, erschienen im Leopold Stocker Verlag, vor. Der Applaus zwischen den einzelnen Abschnitten seiner Rede wollte nicht enden. Eindrucksvoll auch der Andrang in Halle 1 beim Stand von Götz Kubitschek und seinem Antaios Verlag, der eine große Fülle an Buchmaterial aufgelegt hatte. Ein weiterer vielbeachteter Stand war der von Roland Tichy und Tichys Einblick – Maximilian und Roland Tichy zeigten sich dem Publikum angesichts des Andrang in bester Laune.

Und der dritte große Player war „Kontrafunk“. Burkard Müller-Ulrich hatte für die Messe eigens ein Studio aufgebaut, aus dem auch live gesendet wurde. Die Besucher hatten Gelegenheit, den Radiomachern durch ein Gläsernes Studio live zuzusehen und einmal mitzuerleben, wie die Arbeit eines Radiosenders funktioniert. Die von Müller-Ulrich moderierte Sonntagsrunde – dieses Mal mit Jan Karon („Glut“) und dessen Ex-Kollegen Ralf Schuler („Nius“) – war vor der Studioglasscheibe bestens besucht. Auch der Moderator Julian Adrat – seit neustem Berliner Abgeordneter –, sendete sein Format „Mann und Frau“ live.

Wir begleiteten einen weiteren Kontrafunk-Moderator durch die Hallen: Dem ehemaligen „Spiegel“-Feuilleton-Chef Matthias Matussek ging es wie vielen anderen Vertretern der alternativen oder freien Medien, die sich einen Bekanntheitsstatus erarbeitet haben: Alle paar Minuten musste er stehen bleiben, um Autogramm- oder Selfie-Wünsche zu erfüllen.

Achim Winter war mit „Winters Woche“ und den „Winter Files“ nach Halle gekommen. Mit am Stand auch sein Sidekick Mike, der Fischhändler aus Frankfurt. Auch hier eine lange Schlange von Freunden und Fans. Alle wollten ein Foto mit Winter oder ein Autogramm.

Burkhard Müller-Ulrich machte geduldig Kilometer. Man sah ihn nicht nur am Kontrafunk-Stand, sondern in der gesamten Messehalle hin und her flitzen, überall im Gespräch. Und wer ihn erst einmal in eines verwickelt hatte, ließ den Radiomacher nicht mehr so schnell gehen.

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SeitenWechsel in Halle

Kritik an dieser Veranstaltung zu üben fällt schwer. Einzig die Abwesenheit berichtender Journalisten jenseits der alternativen oder freien Medien wirkte befremdlich. Diese Medien haben sonst keinerlei Berührungsängste: Auf jeder AfD-Veranstaltung mit ordentlicher Gegendemonstration huschen Vertreter von Stern, Spiegel, ZDF und ARD hin und her, um sich ihre große Nazi-Geschichte zu basteln. Ihre Abwesenheit verdeutlichte aber auch, dass hier in Halle auf der zweiten Seitenwechsel-Buchmesse offenbar nichts zu holen war, aus dem sich ein diffamierender Bericht hätte basteln lassen können. Oder doch: Der „Deutschlandfunk“ bastelte später einen Kurzbericht samt „dpa“-Fotos von sieben Omas gegen Rechts vor der Messehalle.

Die Messe-Besucher trugen tütenweise schwer beladenes Buchmaterial nach Hause. Wie man von Seiten der Etablierten so eine begeistert aufgenommene Veranstaltung liegen lassen kann, gehört mit zu den Kuriositäten der Messe.

Polizeikräfte hielten sich im Hintergrund auf den Parkplätzen auf. Sie waren mit vielleicht einem Dutzend Mannschaftswagen vor Ort, ohne sichtbar zu werden.
Vor dem Personaleingang der Aussteller hatte sich eine kleine Gruppe der üblichen Fotografen der linksradikalen Szene positioniert, um jedes einzelne der eh schon bekannten Gesichter zu fotografieren. Die vorbeigehenden Zuschauer und Besucher ließen sich davon nicht beeindrucken – die Herrschaften wurden fast vollständig ignoriert.

Ein weiteres Highlight des ersten Tages setzte noch Gerald Grosz. Der Österreicher hielt eine aufwühlende Rede, die zu einem Rundumschlag von Merkel bis Merz wurde und frenetisch bejubelt wurde.

Der Veranstalter hatte an mehreren Ausgängen der Hallen für kulinarische Angebote gesorgt – von der Bratwurst bis zu Fingerfood in Form von Laugenbrezeln und mehr. Die Preise waren angemessen. Die Aufenthaltsdauer der einzelnen Besucher lässt sich schwer festmachen, aber wir gehen davon aus, dass jeder mehrere Stunden zwischen den Ausstellern suchte und fand, was für ihn von Interesse waren. Samt Foto mit dem jeweils persönlich favorisierten Macher der Neuen Medien.

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