von Rechtsanwalt Dirk Schmitz M.A.
Felix W. Zimmermann, Chefredakteur der linkswoken Legal Tribune Online, hat ein Problem mit dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Die AfD kommt auf 43,8 Prozent, das BSW auf 5,3 Prozent. Im neuen Landtag besitzen beide zusammen 44 von 83 Mandaten – eine absolute Mehrheit.
Nun könnte man das als demokratisches Wahlergebnis zur Kenntnis nehmen.
Zimmermann hat eine bessere Idee: Man müsse eine „Expertenregierung“ installieren, um eine AfD-geführte Regierung zu verhindern. Und weil selbst die Linke bei diesem Manöver nicht wirklich mitmachen möchte, bekommt sie vom LTO-Chefredakteur „Feuer“ – und noch erklärt, was ihre demokratische Pflicht sei. Das muss man erst einmal schaffen: Ein „unabhängiger Rechtsjournalist erklärt der Linken, sie bekämpfe den „Faschismus“ nicht konsequent genug, er titelt:
Ausgerechnet die Linke will "Faschismus" nicht verhindern.
Zimmermann übernimmt dabei nicht nur die Gleichsetzung einer möglichen AfD-Regierung mit „Faschismus“ und einer Gefahr für die Demokratie. Er malt auch gleich das passende Katastrophenszenario aus: Die AfD könne Polizei, Verfassungsschutz, Schullehrpläne sowie Beamten- und Richterernennungen kontrollieren und damit den Staat „aushöhlen und umbauen“.
Das klingt weniger nach nüchterner rechtswissenschaftlicher Analyse als nach politischem „Sportpalast“. Besonders reizvoll ist der belehrende Ton. Eine Expertenregierung gegen die stärkste Partei sei selbstverständlich demokratisch, erklärt Zimmermann. Wer daran Anstoß nehme, müsse eben lernen, wie parlamentarische Demokratie funktioniert. Schließlich wähle nicht das Volk die Regierung, sondern das Parlament. Danke für die Nachhilfestunde.
Genau diese Art politischer Pädagogik dürfte allerdings erklären, warum das Misstrauen gegen einen bestimmten Typus westdeutscher Medien- und Politikelite nicht nur im Osten inzwischen so groß ist: Der Bürger darf wählen – anschließend erklären ihm die politisch und moralisch besser Unterrichteten, welche Konsequenzen aus seiner Wahl gezogen werden dürfen und welche besser nicht.
Für erfahrene DDR-Bürger hört sich das verdächtig nach der „Vereinigung der Juristen der DDR“ (VdJ) an. Die war die offizielle Berufsvereinigung der Juristen in der Deutschen Demokratischen Republik, die mit der Wiedervereinigung aufhörte zu existieren. Die VdJ war eng in das politische System der DDR eingebunden und unterstand der Führung des SED-Staatsapparates. Sie verstand sich als Instrument zur Durchsetzung „sozialistischer Gesetzlichkeit“ – eng gekoppelt mit innenpolitischer Rechtspropaganda.
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Bei Zimmermann besitzt diese Attitüde biografische Folgerichtigkeit. Bevor er LTO-Chefredakteur wurde, arbeitete er beim ZDF, unter anderem für Frontal 21, und trat als ZDF-Rechtsprophet vor die Kamera.
Man erkennt die Schule: Der Ton des öffentlich-rechtlichen Demokratie-Erklärers: Die richtige politische Haltung steht fest, anschließend wird juristisch erläutert, warum sie selbstverständlich auch demokratisch ist.
Dass ausgerechnet die Linke das Modell einer sogenannten Expertenregierung für „höchst gefährlich“ hält, bringt Zimmermann sichtbar aus dem Konzept. Denn in seinem Weltbild müsste sie doch gemeinsam mit allen übrigen „Demokraten“ nur ein Ziel verfolgen: die AfD um jeden Preis von der Regierung fernzuhalten. Vielleicht liegt genau hier der Denkfehler.
Demokratie besteht nicht darin, ein Wahlergebnis so lange institutionell nachzubearbeiten, bis politisch das gewünschte Resultat herauskommt.
Selbstverständlich darf eine parlamentarische Mehrheit einen parteilosen Ministerpräsidenten wählen. Verfassungsrechtlich kann das völlig zulässig sein. Politisch darf man trotzdem fragen, welches Demokratieverständnis dahintersteht, wenn nach einem Wahlergebnis von fast 44 Prozent für eine Partei sofort Konstruktionen diskutiert werden, deren ausdrücklich erklärter Zweck darin besteht, genau diese Partei von der Regierung fernzuhalten. Das ist die eigentliche Debatte. Zimmermann führt sie allerdings nicht. Er setzt vielmehr voraus, dass die Verhinderung einer AfD-Regierung das demokratisch Gebotene sei.
Immerhin fehlt noch ein Vorschlag: Philipp Amthor als parteiloser Chef einer unabhängigen Expertenregierung. Für diese Zurückhaltung sollten wir wirklich dankbar sein.
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Kommentar von T S
Zielgruppe sind offensichtlich die medial kurz aufgeblitzten "1000 Juristen" mit ihrem inszenierten Betteln um ein Verbot der zuspruchsstärksten Partei Deutschlands.
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Kommentar von F. Lo
LTO kommt mir eigentlich immer eher gemäßigt vor, der Text des Herrn W. Zimmermann ist aber doch klare Parteipolitik und hat nicht unbedingt mit Jura und Wissenschaft zu tun.
Sein Plädoyer für eine „Expertenregierung“ (nur in Sachsen-Anhalt oder auch in anderen Bundesländern?) klingt nett, hat allerdings einen strukturellen Schönheitsfehler.
Nämlich: Deutschland ist heutzutage noch mehr als früher ein stark parteipolitisiertes Land, in dem man Personen, die nicht einer politischen Richtung zuzuordnen sind, mit der Lupe suchen kann. Nur große Idealisten gehen davon aus, dass „Experten“ ja komplett unabhängig werten und entscheiden, nicht (partei-)politisch und weltanschaulich voreingenommen sind, tja, sind halt auch nur Menschen.
Egal ob Fachleute für Migration, mein Lieblingsökonom Marcel Fratzscher, Bundesverfassungsgericht oder Kontrollgremien von ARD und ZDF mit ihren gesellschaftlich repräsentativen Gruppen (nur Beispiele), oft werden einzelne Personen zumindest implizit danach beurteilt, welcher Partei sie mutmaßlich nahestehen, welche Meinung sie zu diesem und jenem Thema haben, sogar wenn sie nicht von Parteien in Organisationen geschickt wurden/von diesen vorgeschlagen wurden bzw. offiziell keiner Partei angehören. Gerade in den Kommentarbereichen von Zeitungen merkt man, dass viele kritische Bürger keinen hundertprozentigen Respekt mehr gegenüber „Fachleuten“ für dieses und jenes pflegen, fragen, welches Vorleben, welchen Job die Betroffenen vorweisen, wer ihnen schon mal zu einem Preis verholfen hat. Die „Alternative zur AfD-Regierung“ wäre formal vielleicht eine „Expertenregierung“ in den Worten von Herrn Zimmermann, faktisch aber doch wohl eher ein Team aus Menschen, die den Nicht-AfD-Parteien zugeneigt sind.
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Kommentar von Icke aus Berlin
Das gilt natürlich nur, wenn es gegen die AfD geht.
Wenn die antidemokratische und antisemitische Linke in Berlin stärkste Partei wird, wenn auch nur mit 25%, gilt das natürlich nicht. Da ist Rot-Grün-Rot unter Führung der Linken und der SPD als kleinster Partner selbstverständlich das demokratische Ergebnis des Willens der Berliner.
Der Regierungsauftrag für die Linke ist klar und eindeutig, das müssen wir akzeptieren, auch wenn rechnerisch Schwarz-Grün-Rot möglich ist.
Da spielt es auch keine Rolle, dass auf der Wahlparty der Linken der Wahlsieg mit arabisch-türkischen Tänzen und schwenken von Palästinensertüchern gefeiert wurde, zusammen mit einem "führenden Clan-Mitglied" und einem pro-palästinensischen Aktivisten.