Toddn Kandzioras Wochenrückblick 04/2021

Waterboarding über der Winkekatze

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Waterboarding über der Winkekatze
„Mögest du in interessanten Zeiten leben“ - chinesischer Fluch © Foto: Pixabay / Tania Van den Berghen

Toddn Kandziora hat immer noch den Corona-Blues. Was wäre wohl, gäbe es eine Impfung gegen den Blues noch vor der Spritze gegen Corona? Der fehlende Friseur wäre Nebensache. Blöd nur, dass der Regierung auch die Bazooka-Impfung mit den 75-Prozent-Novemberhilfen so gründlich misslungen ist. Hätte aber auch nichts genutzt für die, denen der Blues schon im November 2019 an der Hosennaht klebte.

Wo anfangen, wo aufhören? Ich bin in der zurückliegenden Woche wohl mehr durcheinander gewirbelt worden als gewöhnlich. Das mag an den dunklen Tagen im Januar liegen oder an den wöchentlichen Instandsetzungsarbeiten meines Zahnarztes, von denen ich letzte Woche berichtete. Mag es an den inflationär ins Haus wirbelnden Rechnungen und gelben Mahnschreiben der letzten Dringlichkeitsstufe oder doch der allgemeinen Situation geschuldet sein – jedenfalls sind das meine Affen, die mich täglich begleiten und gefüttert werden wollen.

Aber ich will niemanden runterziehen. Das machen Drosten, Merkel & Co jeden weiteren Tag im Corona-Blues schon zur Genüge. Ich weiß, viele von euch haben ebenfalls die „Schnauze“ voll und sehen den Streif am Horizont immer noch in weiter Ferne, manch einer sieht in gar nicht mehr.

Ein paar Freunde von mir haben die Hoffnung auf ein Ende der Coronamaßnahmen fast aufgegeben. Jetzt rieselt gerade draußen ganz friedlich der Schnee und deckt die Landschaft zu, als wärs eine wärmende Decke, fast fühlt man sich eingelullt, da stülpt uns die Regierung abrupt die nächsten immer hilfloser anmutenden Corona-Maßnahmen über die Köpfe als wärs ein nasser oller Sack aus Guantanamo. Dabei dachten wir gerade noch: Hey, das war es jetzt aber bestimmt!

Genau: Immer ausgerechnet mitten in dieses sich einstellende Gefühl hinein, dass wir in Kürze wieder freier würden atmen könnten. Der Napf der Freiheit wird hingestellt und weggezogen, hingestellt und weggezogen und wieder hingestellt.... Ist das so? Ist das Absicht, oder steckt ein Plan hinter allem? Woher soll ich das wissen? Ich werde nicht eingeladen in Davos mit den Bestimmer*innen an einem Tisch zu sitzen um perfide Unanständigkeiten auszudenken, mit denen die Weltbevölkerung gepiesackt werden soll. Bewusst herbeigeführte Katastrophen um Milliarden von Menschen auf Linie zu bringen? Aber um welche Ziele durchzusetzen? Da wüsste ich schon gerne genauer.

Ebenso wenig bin ich dabei, wenn sich die Herren der technologischen Revolution über ihr gesichertes, visuelles Intercom beugen um das Vermögen der Weltbevölkerung unter sich aufzuteilen. Ich würde schon gerne einmal Mäuschen spielen, wenn sich Jeff Bezos, Elon Musk, Mark Zuckerberg vielleicht sogar mit Tim Cook zum entkoffeinierten Kaffeeplausch treffen um ihre eigene Version des göttlichen Olymps zu erschaffen.

Aber hätte ich in diesem merkwürdig künstlichen Himmel überhaupt eine hörbare Stimme? Wahrscheinlich müsste ich dort sowieso meine dumm-prekäre Unterschichtengusche halten und mich in die Ecke verkuschen. Ich säße allenfalls am Katzentisch dieser konstruierten Welt. Alles was mir bliebe, wären meine alten, obsolet gewordenen Phantasien. Bastel ich gerade an den nächsten Verschwörungstheorien? Gar an rechten?

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Oha, Ihr merkt schon, ich bleibe durcheinander. Aber was war das auch für eine Woche! Große Aufregung um elitäre Frisuren! Wenige Auserwählte durften sich frisieren lassen, andere Wagemutige trafen sich zur Nacht in Tiefgaragen zu illegalen Friseurterminen wie früher zum Crackpfeife rauchen. Alle anderen mussten ohne Knistern aber auch ohne ondulierte Haare auf die Straße.

In diesem Deutschland kann einem 2021 sonst ganz Selbstverständliches genommen, geraubt oder verweigert werden. Sogar das, was man nicht hat! Die Arbeitsstelle, wenn man sich nicht impfen lassen viel, die Skatrunde zu dritt im Privaten, der Besuch von Verwandten im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Ja sogar das freie Atmen ist limitiert, wo beispielsweise eine Maskenpflicht wie ein Bannstrahl selbst noch die weiträumigen Parkplätze von Aldi, Lidl und Co mit der Merkel-Maskerade belegt.

Deutschland geht morgens um halb zehn mit unordentlicher Haarpracht auf die Straße. Dieses – na ja – Ungemach stand in der Bild-Zeitung an drei Tagen in Folge auf dem Titel! Großes Getrommel über die Promis vom Fußballprofi bis hin zur geliebten Kanzler*in, die auf frischer Tat mit einer akkuraten Dreiwettertaft-Frisur ertappt wurde. Die können, aber wir dürfen nicht, schrieben die Redakteure aus dem Homeoffice beleidigt.

Und dann das ganz große Ding mit der alles rettenden Impfung: Der goldene Schuss gegen Corona wurde den sehnsüchtig wartenden Achtzig-plus-Menschen sogar per Posteinwurf angekündigt. Aber schnell war klar: Der Stoff reicht vorne und hinten nicht. Die Hotlines waren innerhalb weniger Stunden überlastet von nervösen Anrufen der Zielgruppe und ihrer Angehörigen. Gesundheitsminister*Innen gerieten in Erklärungsnot. Bundesgesundheitsminister Spahn wurde zum inhaltsleeren Schönredner. Zum Backgroundsänger einer Boygroup ohne Text und Maske und ohne Impfstoff natürlich.

Währenddessen wurde fleißig ein Gesetz nach dem anderen verabschiedet. Die Bevölkerung wird gar nicht erst informiert, stattdessen Corona-Talkshow-Terror in Endlosschleife. Und die sedierte Bevölkerungen macht das zu meiner großen Verwunderung auch noch alles mit. Die Union sprengte in Umfragen längst die vierzig Prozenthürde – Konrad Adenauer hatte kaum mehr Zustimmung als Deutschland am Boden lag und die Bevölkerung noch nicht einmal ausreichend mit der guten Butter auf dem Brot geimpft war. Stattdessen gab es englische Margarine.

Das große deutsche Wirtschaftswunder besteht jetzt schon seit Generationen, die Welt profitiert ebenso lange davon. Die Deutschen sitzt derweil daheim vor dem Wand-TV und schaut von Kleber bis Maybrit was sie brav zu schauen haben, damit sie mitbekommen, was sie mitbekommen sollen, was sie zu schlucken haben.

Ach ja: Eine bislang nur für Steuerzwecke erdachte elfstellige Steuer-ID soll jetzt nach den Plänen des Innenministeriums als sogenannte Bürgernummer für an die fünfzig verschiedene – so nett wird es im Behördenjargon umschrieben: – „Register“ gelten. Nach Informationen der dpa soll das Thema nächsten Mittwoch im Bundeskabinett behandelt werden um dann zur Unterschrift vorgelegt zu werden. Und was ebenfalls im Interesse unserer geliebten, politischen Entscheider*innen liegen wird, ist das Durchwinken einer Reform des „Netzwerkdurchsetzungs-Gesetzes“ - denn das bestehende ist in seinen Einschränkungen nicht mehr hinreichend. Ein Gesetz das uns dem kontrollierenden, dem fast alles wissenden Überwachungsstaat nach Orwellscher Dystopie verdächtig nahe bringen wird.

Ach ja, im letzten Sommer noch weigerte sich Frank-Walter Steinmeier das Netzwerkdurchsetzungs-Gesetz zu unterzeichnen. Aber in diesem Corona-kontaminierten Sommer 2020 wurde auch behauptet, das niemand wegen der Gesundheitsmaßnahmen seinen Arbeitsplatz verlieren würde, das es eine Lüge von Verschwörungstheoretikern wäre, das ein zweiter Lockdown vor Weihnachten verkündet wird, und hört, hört, es wurde darauf bestanden, das auch „normale“ Masken schützen.

Das war letzten Sommer. Es wird immer einen Sommer vor dem nächsten Sommer geben. Jetzt haben wir Ende Januar 2021 und was im kommenden Sommer für richtig und wahr erklärt wird, das kann im Sommer 2022 wiederum falsch und eine Lüge sein. Man gewöhnt sich! Immerhin, wir leben in spannenden Zeiten. „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ ist ein Sprichwort, das auch als chinesischer Fluch bezeichnet wird. Und das alles Gute aus China käme, kann man trotz Glückskeks und Maneki-neko-Winkekatze aktuell auch nicht gerade behaupten.

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