Von Sascha Rauschenberger
Dass das in aller Regel ein Eintrag ist, der auch nicht annähernd gut oder auch nur akzeptabel ist, wissen die wenigsten. Und wenn doch, dann wird es aus Bequemlichkeit ignoriert.
Artikel über 8000 Zeichen, also das, was ich gewöhnlich schreibe, werden oft nicht mehr gelesen.
Bei Kochrezepten würde ich auch aufgeben, ganz ehrlich. Aber wenn es um Dinge geht, die eine Gesellschaft betreffen, die Zukunft eines Landes oder gar Einfluss auf das Leben meiner (nicht existenten) Kinder hat, dann sollte man sich doch die Zeit nehmen, sich jenseits von 8000 Zeichen zu informieren, oder?
Warum scheitern komplexe Projekte, werden hirnrissige Gesetze gemacht oder geschehen seltsame Dinge, wenn man beispielsweise etwas bauen will? – Weil die Komplexität so groß ist, dass 8000 Zeichen noch nicht mal mehr für eine sog. „Summary“ reichen, die gewöhnlich alles ist, was Politiker zu Gesetzentwürfen lesen, bevor sie im Plenum die Hand heben.
Klagen vor Gericht zu Verwaltungsfragen haben oft Tausende von Seiten. Selbstverständlich erwarten wir, dass Richter das alles lesen und verstehen. – Doch wenn sie so arbeiten wie Politiker oder wir selbst, dann dürfte die Annahme unbegründet sein. Man sollte von Glück sprechen, wenn sie es überfliegen.
Natürlich bestreiten Politiker, Richter und auch Journalisten, das zu tun. Sie würden mit treudoofem Blick genau das Gegenteil sagen und beschwören, alles gelesen zu haben, was zur Zustimmung, zum Urteil oder zum Artikel reicht.
Heute nimmt man noch eine KI hinzu, von der keiner weiß (oder wissen will), wer sie für was und wie programmiert hat. Man nimmt ihr Ergebnis für bare Münze. Wenn Grok das nun liest, schreit sie vermutlich, dass das nicht stimmt und sie stets bemüht ist, so gut wie möglich zu arbeiten. Hier solltest du wissen, dass diese Formulierung eine glatte 5 im Zeugnis ist.
KIs sind nicht schlecht, aber sie unterliegen wirtschaftlich-technischen Aspekten. Ergo geben sie die Informationen raus, die sofort ohne wirkliche Tiefensuche verfügbar sind. Das muss eine KI auch, denn ihre Ressourcen reichen nicht aus, allen alles in wirklicher Tiefe zu beantworten. Dazu weiß sie, dass der Leser gern nichts über 8000 Zeichen liest. Ergo ist wirklich umfassende Tiefe auch nicht nötig.
Das mag für Otto-Normalverbraucher auch gut und richtig sein, aber für Menschen mit dem Anspruch, sich umfassend und interdisziplinär zu Themen zu informieren, reicht das nicht. Es sollte auch nicht für Schüler reichen, die ihr Wissen gerade aufbauen. Für Studenten schon gar nicht, denn die Wissenschaft lebt von den Schnittstellen, gerade auch zu anderen Disziplinen, sofern sie erkennbar sind. In Promotionen erwartet man genau diese Schnittstellen zu diskutieren. Gern dann auch mit Quellenangabe, was für etliche Menschen schon zu schwer ist und zur eigentlichen KO-Leistung wird.
KIs zeigen uns die Quellen zumindest, denn sie fügen sie hinzu. Leider alles nur Level-1-Recherche.Und dieser Recherche vertrauen wir mehr und mehr. Wir betrachten uns als gut informiert, wenn wir das konsumiert haben.
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Ihre Unterstützung zählt
Schon mal ein und dieselbe Suche in der Wikipedia in unterschiedlichen Sprachen zum gleichen Thema gemacht? – Allein hier sind die Ergebnisse überraschend. Googelt mal Personen und Begriffe linker Gesinnung oder das, was die Wiki zu rechten Persönlichkeiten zu sagen hat. Dann vergleicht das mit der französischen oder englischen Ausgabe. Der Begriff Zensur kann nicht schöner zum Ausdruck kommen.
Aber dann müssten wir ja nicht-deutsche Quellen lesen. Ergo unsere Fremdsprachenkenntnisse bemühen… Und da waren sie wieder, meine drei Probleme, richtig?
Natürlich kann man sich die Texte in ein Übersetzungsmodul packen. Machen wir doch alle. Klar doch…Seien wir ehrlich: Das tun wir NICHT! Wir erwarten, dass das andere für uns machen, und konsumieren dann das, was da rauskommt, als die ultimative Information zu dem Thema. Natürlich in der Journaille unseres Vertrauens.
Frage: Können wir wirklich jemandem informationstechnisch vertrauen, der beispielsweise argumentativ die Komplexität von Migrantengewalt auf 8000 Zeichen runterbrechen kann?
Wenn das geht, was geht dann noch?
Die Frage der Zustimmung zur EU-Verfassung ohne Volksentscheid? Lässt sich sicher in 8000 Zeichen gut begründen, warum man das nicht muss und warum das besser unsere hochgebildeten Abgeordneten machen sollten. Und genau so wurde es bei uns gemacht. Andere EU-Mitglieder ließen das Volk abstimmen und siehe da, das Ergebnis war überraschend.
Wer immer die Kontrolle und die Verteilung von Informationen beeinflussen, gestalten oder unterdrücken kann, kann auch das Verhalten und die Zustimmung der Bevölkerung … gestalten.
Wenn der Staat und die Medien aber diese Gestaltung übernehmen, dem Souverän gegenüber, dann ist das nicht Information, sondern verbrecherische Manipulation und mit Sicherheit nicht zum Vorteil für uns.
Der mündige Bürger hat die Pflicht, sich zu informieren. Faulheit und Bequemlichkeit sind da keine gestaltenden Merkmale. Sich informiert zu halten ist eine Pflicht, die Arbeit bedeutet und jenseits von Heute- und Tagesschau-Sendung abzulaufen hat. Wer beide als hinreichende Informationsgrundlage betrachtet, könnte sich auch wieder einen Volksempfänger ins Wohnzimmer stellen. Der wurde damals vom Staat gesponsert. Warum wohl?
Keine Ahnung, wie viele Zeichen das nun sind, aber mal ehrlich: Fühlt ihr euch nun gut zum angedachten Thema informiert? So richtig hinreichend?
Da dann…
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Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem auch als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.
Als Analyst im Bereich Sicherheitspolitik schrieb er diverse Artikel u.a. auch zum Ukrainekonflikt und zur inneren Sicherheit.
Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich strategisches Projektmanagement und Arbeitswelt der Zukunft (Demographie / Future Work) tätig und Autor diverser Romane und Fachbücher.
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