Toddn Kandzioras Wochenrückblick 14/2021

Wenn die Schwarz-Rot-Weißen Fahnen wehen

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Wenn die Schwarz-Rot-Weißen Fahnen wehen
Heute, mehr als dreißig Jahre später, da wehen sie auch im Mittelmeer stolz im Wind. Die schwarz-rot-weißen Fahnen der ANTIFA. © Foto: Pixabay / Peter H

Heute Morgen wurde ich durch einen Artikel im Netz indirekt an den 20. April 1989 erinnert. An diesem Tag, es war ein sonniger Donnerstag saßen die Rasselbande und ich im Hofe eines vier Etagen großen Wohnhauses im östlichen Stadtteil Braunschweigs in Nähe des Prinzenparks und freuten uns bei Kaffee, Bier und Mettbrötchen über einen warmen Frühlingstag.

Wir waren eine knapp zwanzigköpfige Truppe, die das komplette Haus bewohnte. Heute könnte ich mir in diesem Stadtteil Braunschweigs nicht einmal ein Zimmer leisten. In den Achtzigerjahren waren die Mietpreise im Östlichen recht günstig, das Viertel noch nicht erfolgreich gentrifiziert und von besserverdienenden Akademikern, Lehrern und der grünen Wählerschaft bevölkert. Es gab damals im Viertel viele Eckkneipen wie „Schwarzer Kater“, „Treuer Husar“, Rosen Eck“ oder „Fasanenkrug“.

Heimelige Orte der Zusammenkunft, in denen wir mit den alteingesessenen Nachbarn bei Bier und Kartenspiel saßen. Wir klönten über unsere Fußballer der „Aahntracht“ oder lästerten über die Schwarzen (CDU) ab. Unser Bäcker Ambrecht war keine fünfzig Meter vom Haus entfernt. Fleischer Hundertmark eine Straße weiter und an der Straßenecke gab es einen richtigen Tante-Emma-Laden, in dem Frau Schmidke seit mehr als sechzig Jahren schon hinterm Holztresen stand und sich freute, dass wir jungen Leute noch bei ihr und nicht im Discounter einkauften.

Heute wird das Viertel von aufwendig renovierten Häusern geprägt, deren Wohnungen in Eigentum umgewandelt wurden. Kneipen gibt es längst keine mehr. Die wurden ebenfalls zu Eigentumswohnungen umgewandelt. Die ersten Kiezkneipen schlossen in den Nullerjahren, da die Stammgäste u.a. nach und nach wegstarben. Andere verließen ihre Wohnungen, da sie mit den steigenden Mietpreisen nicht mithalten konnten oder wurden durch Eigenbedarf gerichtlich zum Auszug genötigt. Die letzte Kneipe erlag zu Beginn dieses Jahres den Coronamaßnahmen. Auch Fleischer Hundertmark schloss vor Jahren seinen Betrieb, da die neu Hinzugezogenen in der Mehrzahl dem Verzehr von Fleisch eher abgeneigt waren.

Frau Schmidkes kleiner Einkaufsladen wurde komplett entkernt und dem Zeitgeist entsprechend in einen trendy Bio-Shop umgewandelt. Ein Szenetreff, in dem ein Apfel so viel kostet wie früher ein Bier samt Korn bei Kalle im Treuen Husaren. Die alte museumsreife Inneneinrichtung aus deutschen Kolonialwarenzeiten stammend, die landete auf Schuttcontainern und da inzwischen keine Wohnung über Öfen verfügte, konnte das Holz nicht einmal mehr einen kalten Arsch erwärmen.

Am besagten 20 April 1989 war die Welt im Kiez also noch in Ordnung und wir guter Dinge auf dem Hinterhof beim späten Frühstück. Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Horde NAZIS lärmend und SIEG HEIL brüllend sich aufmachte durch das Viertel zu marschieren. Diese hatten im nahen gelegenen Stadtpark den Hundertsten ihres Führers gefeiert. Einem gescheiterten Kunstmaler aus Österreich, dem in unserer Stadt die deutsche Staatsbürgerschaft geschenkt wurde, damit er die Welt, bzw. halb Europa und einen Teil der Bevölkerungen in Schutt und Asche legen konnte.

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Die Horde, es mögen ihrer vierzig bis fünfzig stramme Jungs gewesen sein, zog aus dem Park kommend in unser Viertel. Einem groß angelegten Park, in welchem noch heute das Podest steht, auf welchem Hitler zu Beginn der Dreißiger ein gespaltenes Volk anbrüllte, das man es bis zu unserem Haus hätte hören können. Wir wurden überrascht. Aus mehreren Gründen. Erstens war uns der Geburtstag des Führers schnuppe und daher hatte niemand an diesen gedacht, bzw. dass dieser vor Ort gefeiert werden würde. Zweitens über den Anruf von den Rockers. Der Präsi selbst rief uns an. Fragte, ob wir Hilfe benötigen.

Wir, noch immer keine Ahnung von nichts, verneinten, bedankten uns aber für seinen Anruf und fragten dan doch noch nach, wie er denn auf die Idee käme. „Wir hören gerade über Polizeifunk das es bei euch Probleme gäbe.“ Aha. Probleme. Unsere Rockers trugen zwar, wie auch Lemmy von Mötorhead gerne Orden und Insignien des dritten Reichs auf Kutte und Maschine, aber so richtige NAZIS, nein, das mochten auch sie nicht. Präsi meinte dann noch bevor er auflegte, er könne uns zur Vorsicht seine Prospects schicken. Wir – inzwischen das alte Röhrenradio auf den Hof geholt – lauschten dem Polizeifunk.

Was wir hörten klang nach Ärger. Es wurde von einer Horde „Fußballjungs“ erzählt, die in Richtung „Schweinehaus“ ziehen. Man solle die aber machen lassen. Die Fußballjungs. Die vom Schweinehaus hätten eine Abreibung verdient. Oha. Mit Schweinehaus war das unsere gemeint. Und mit Fußballfans war diese Sieg Heil brüllende Horde gemeint, die wir inzwischen hören konnten. Dann wurde auf Polizeifunk weiter gemeldet, dass sich in einer Nebenstraße mehr als hundert ANTIFA Aktivisten versammelt hätten. Auch deren Parolen konnten wir bald schon hören.

Wir riefen also beim Präsi zurück und sagten ihm, dass wir uns über seine Prospects sehr freuen würden. Die wären schon auf dem Weg antwortete er und dann wünschte er uns noch eine Menge Spaß. Den hatten wir aber nicht wirklich. Unsere Hunde waren durch das Gebrülle aus verschiedenen Richtungen ganz unruhig geworden. Als die Fußballjungs dann tatsächlich brüllend vor unserem Hauses entlang marschierten waren die knurrenden Tölen nicht mehr zu halten. Sie rissen sich los und sprangen der kahlköpfigen Horde kläffend entgegen. Wir hinterher. Das sich darstellende Kräfteverhältnis war unvorteilhaft für uns. Und dann ging es los.

Das der Kampf in einem engen Bereich zwischen zwei Hauswänden stattfand kam uns entgegen. So konnten immer nur drei gegen drei gleichzeitig kämpfen. Nur das die Nachhut des Gegners der unseren eins zu zehn überlegen schien. Als unsere Vorhut durch verschossenes Tränengas nicht mehr sehen konnte wohin es zu schlagen galt, musste die Nachhut ran. Wir hatten aber nur die eine. Doch die hielt tapfer stand, bis endlich mehrere schwere Motorräder hörbar wurden. Präsis Kavallerie kam auf ihren Harleys zur rechten Zeit und im letzten Moment. Wie der Kampf weiter verlief und es dank der Kavallerie für unsere Fußballfans derart eng wurde, dass die Polizei noch einschreiten musste, das ist heute Nebensache. Denn nun und endlich komme ich zum Punkt dieser Kolumne. Zu dem, was ich Euch eigentlich erzählen wollte.

Die ganze Zeit über, in der wir uns damals „gerade“ gemacht haben hörten wir die ANTIFA in einer Nebenstraße laut und deutlich ihre linken Parolen schreien. NAZIS RAUS schien ihr größter Hit zu sein. Die über Straßen hinweg, deutlich hörbare ANTIFA wäre an diesem Tag der Kahlen Horde zahlenmäßig überlegen gewesen. Und all die vielen und tapferen ANTIFANTEN hätten, wären sie uns an diesem Tag zur Hilfe geeilt, einen großen antifaschistischen Sieg erringen können. Doch sie kamen nicht! Weder um unserer kleinen Rasselbande zu helfen noch ihre besungenen Nazis rauszuschmeißen. Sie blieben in der Nebenstraße und schrien uns einzig zur Unterstützung ihre Parolen zu.

Heute, mehr als dreißig Jahre später, da wehen sie auch im Mittelmeer stolz im Wind. Die schwarz-rot-weißen Fahnen der ANTIFA. Ganz oben an der Fahnenstange des Rettungsschiffes Sea-Watch-4, welches u.a. von der evangelischen Kirche mitfinanziert wird. Der Kirche, der ich angehöre, aus der ich in der nächsten Woche auszutreten gedenke. Ich kann ihre Heuchelei nicht mehr ertragen. Ich bin nicht mehr gewillt eine derart populistische Kirche mitzufinanzieren. Eine Kirche, die nur eine Denkrichtung – nämlich die linksgedrehte – zu akzeptieren scheint. Mein Glaube, der wird auch ohne eine Mitgliedschaft in dieser bestehen können.

Für diesen, meinen Glauben brauche ich keine sich positionierende Kirche. Weder belehrende Oberhirten noch politisierende Bischöfe die dieser Tage ihre ganz eigene Interpretation von Religion zu vermitteln versuchen. Wenn „Jesus ein Antifaschist ist“, wie es der katholische Religionslehrer Jakob Frühmann in einem Interview stolz im ANTIFA Shirt ausdrückt, dann mag das zutreffen. Der Jesus, dem ich vertraue, dem mein Glauben gilt, der war an diesem sonnigen Donnerstag vor so vielen Jahren als Antifaschist mit den meinen. Ich sehe Jesus als Antifaschist nicht inmitten einer Fahne schwenkenden ANTIFA, die Parolen schreit in einer Nebenstraße.

Wo wäre unsere alte Rasselbande heutzutage wohl am Start, wenn wir wie ANTIFA und andere linke Initiativen, Vereine oder Stiftungen nicht nur finanziell derartige Unterstützung erhielten? Was würden wir in dieser verrückten Zeit tun? Wieder so jung und knackig wie dereinst, muskelbepackt ohne Rücken und Knieprobleme. Mit reichen Eltern, kirchlich und staatlicher Rückendeckung gesegnet? Würden wir dann vor Libyen mit einem großen Boot umher kreuzen und tagelang darauf warten, das skrupellose Schlepperbanden uns mit Menschen für Europa beliefern? Würden wir uns in Berlin dafür Orden an die Brust heften lassen, um uns bei einem fürstlichen Dinner im Schloss Bellevue im Glanze des Bundespräsidenten zu suhlen? Oder würden wir nicht eher versuchen, den Millionen ihr Glück Suchenden, den so vielen, die zu uns kommen wollen, nicht vor Ort unterstützen, jene Mindeststandards zu schaffen, die einem jedem Menschen dieser Erde als Menschenrecht zustehen damit diese sich erst gar nicht auf einen beschwerlichen und gefährlichen Weg machen müssen?

Ich würde in dieser Zeit in fremden Ländern lieber tiefe Brunnen graben, damit die Menschen Wasser bekommen und versuchen jedem Konzern in den Arsch zu treten, der Menschen wegen des Profits vor Ort das Wasser raubt. Wir würden Schulen und Krankenhäuser errichten und dafür sorgen, dass diese nicht wieder im fremden Interesse zerstört werden. Wir würden Sonnenkollektoren dort, wo sie von Nutzen sind, anschließen.

Unsere damalige Rasselbande würde heute Bäume pflanzen und weniger Bäume fällen. Wir würden Gemüsegärten und Felder anlegen, versuchen alte Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Wir würden Hand anlegen, damit die Menschen weiterhin dort leben können, wo sie geboren wurden. In ihrem Heimatland. Wo ihr Herz ist. Wo ihre Ahnen begraben liegen. Warum sollten Menschen sich noch auf den Weg nach Europa machen wollen, wenn sie auf ihrem Land leben können? Eben. Die Rasselbande würde keine Fahnen hissen oder Parolen grölen. Wir bräuchten uns nicht in den sicheren Nebenstraßen des besseren Lebens verstecken und würden uns nicht damit zufriedengeben, dass gute nur zu wollen. Wir würden dafür kämpfen. Und sollte uns irgendjemand von der Arbeit abbringen, etwas dagegen haben, vielleicht unserer Hände Arbeit zerstören wollen, dann rufen wir den Präsi an, auf das er uns wieder die Kavallerie zur Hilfe schickt.

Tja. Und sonst noch so. Was war noch diese Woche? Corona war. Corona ist und Corona bleibt. Da führt uns weder ein Drosten, dass Merkel oder die Zahnfee Lauterbach vorbei. Ansonsten kann ich diesen Personen nicht mehr zuhören. Ich habe diese Woche die Ohren und Augen dichtgemacht. Es wurde mir unerträglich. Habe das Radio höchstens einmal am Tag zu den Nachrichten angestellt und musste es dann sofort wieder ausstellen, wenn eine dieser Personen den Mund aufmachte.

Ich ertrage ihre Stimmen nicht mehr. Die von Merkel. Lauterbach. Drosten. Söder. Der Ursula von der Leyen. Ich bin ihrer überdrüssig. Ich werde nichts gegen diese Personen mehr tun können. Meine Worte hier schon gar nichts. Sie werden durchregieren. Koste es, was es wolle für ein Volk, das keines mehr zu sein scheint. Das, so macht es auf mich den Eindruck, im Grunde aufgegeben hat. Wie ich vielleicht auch. Dann habe ich noch mitbekommen, dass es in der Ukraine scheppern könnte. Der Putin soll Schuld haben. Ist klar. Wer sonst. Wie es ausschaut, wird Biden wohl den nächsten Friedensnobelpreis bekommen. Er muss jetzt nur ein paar Bomber über die Krim fliegen lassen. Dann wird das schon. Nun werde ich zynisch. Mit Recht. Leider.

Das letzte Wort heute von Alexis de Toqueville: (29. Juli 1805; †16. April 1859 in Cannes) Er war ein französischer Publizist, Politiker und Historiker.)

„In den demokratischen Republiken geht die Tyrannei anders (als in Despotien) zu Werk; sie geht unmittelbar auf den Geist los. Der Machthaber sagt hier nicht mehr: ‚Du denkst wie ich, oder Du stirbst‘; er sagt: ‚Du hast die Freiheit, nicht zu denken wie ich (…), aber von dem Tag an bist Du ein Fremder unter uns. Du wirst Dein Bürgerrecht behalten, aber es wird Dir nichts mehr nützen ( …) Du wirst unter Menschen wohnen, aber Deine Rechte auf menschlichen Umgang verlieren. Wenn Du Dich einem unter Deinesgleichen nähern willst, so wird er Dich fliehen wie einen Aussätzigen; sogar wer an Deine Unschuld glaubt, wird Dich verlassen, sonst meidet man auch ihn. Gehe hin in Frieden, ich lasse Dir das Leben, aber es ist schlimmer als der Tod‘.

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