BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig sagt: Weder Siegmund noch Schulze, sondern ein Dritter!

5,3 Prozent diktieren den Sieger – BSW will Siegmund absägen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 2)

„Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen und ich möchte genauso wenig oder vielleicht noch weniger Herrn Schulze wählen.“© Quelle: Youtube/Tagesschau, Screenshot

Die fünf Sitze des BSW hingegen sind nicht mehr als ein Hebel. Wer den Hebel über das Mandat stellt, macht aus Demokratie ein Nadelöhr für Leute, die den Gewinner nicht ausstehen.

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026 hat die AfD mit Ulrich Siegmund klar gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sitzt mit fünf Abgeordneten genau auf dieser empfindlichen Nahtstelle. Die BSW-Spitzenkandidatin für Sachsen-Anhalt ist Claudia Wittig – zuvor bei der Linkspartei, nun Gesicht des BSW im Land.

Frau Wittig erklärte am 6. September in der ARD öffentlich, weder Siegmund noch CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wählen zu wollen. Sie warb stattdessen für einen überparteilichen Ministerpräsidenten mit wechselnden Mehrheiten.

Der folgende Brief nimmt sie beim Wort.

Sehr geehrte Frau Wittig,
 
durchdenken wir das mal zu Ende, ohne die übliche Nebelkerze:
 
Wenn Ihr überparteilicher Ministerpräsident mehr sein soll als ein Satz für die ARD, wer bleibt dann am Ende als Schnittmenge? Er soll nicht AfD, nicht CDU, hart genug für Siegmunds Lager und formal gerade noch der Dritte, den Sie nicht „Siegmund“ nennen müssen. Das ist die einzige Variante, in der Ihr Modell nicht sofort als Verweigerung entlarvt wird.
 
Aber natürlich war diese Wahl eine Personenwahl. Die Leute haben nicht abstrakt „ein Modell wechselnder Mehrheiten“ angekreuzt. Sie haben Köpfe gewählt! Siegmund hat seinen Kreis gewonnen, Schulze hat den seinen verloren. Das Kreuz galt einem Gesicht, einer Stimme, einem Typ – wenn Sie so wollen dem Mann mit der hellblauen Simson.
 
Genau deshalb tritt Ihr Ausweg dem Wähler ins Gesicht. Sie sagen: Der Sieger darf nicht Sieger sein, der Verlierer darf es auch nicht, also nehmen wir einen Dritten und ihr habt gefälligst damit zu leben.
 
Das ist dieselbe Arroganz, die die AfD groß gemacht hat. Vorgetragen von einer Fünf-Sitze-Fraktion, der die Masse der Wähler in Sachsen-Anhalt offenbar schon jetzt auf die Nerven geht. Eine Kleinstfraktion erklärt der größten Wählergruppe, ihr Personenauftrag sei nett, aber bitte durch unsere Filteranlage.
 
Die Parallele des BSW zur AfD ist unübersehbar und für Sie unbequem. Beide leben vom Satz, das Kartell muss weg. Beide treffen sich bei Migration, Energie, Sanktionen, Misstrauen gegen Anstalten und Brandmauer. Aber der Unterschied ist dennoch elementar: Es ist die Größe des Auftrags. 43,8 Prozent und ein gewonnenes Direktmandat sind ein Personenmandat!
 
Die fünf Sitze des BSW hingegen sind nicht mehr als ein Hebel. Wer den Hebel über das Mandat stellt, macht aus Demokratie ein Nadelöhr für Leute, die den Gewinner nicht ausstehen.
 
Also ja: Wenn Sie Ihren Satz ernst meinen, wer wäre denn Ihr Kandidat? Sagen Sie es offen, statt Enthaltung als Charakter zu verkaufen. Aber tun Sie nicht so, als sei das Vermittlung. Es ist die Korrektur einer Personenwahl durch eine Mini-Partei. Siegmund ist der Gewählte. Jeder andere wäre ein Umweg, mit dem Sie den Namen umgehen, den die Mehrheit laut gerufen hat: Sieg-mund! Sieg-mund! Sieg-mund!
 
Legen Sie einen Umschlag mit einem Namen auf den Tisch. Oder Sie lassen die Personenwahl gelten und hören auf, mit fünf Sitzen die Menschen in Sachsen-Anhalt zu schulmeistern. Ein Drittes, das allen schmeichelt und niemanden demütigt, gibt es nach diesem 6. September nicht! Leben Sie damit.
 
Gruß von nebenan aus Niedersachsen,
Ihr Alexander Wallasch
 
 

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