Der unsichtbare Faden für eine unheilige Verbindung

Alles für den Endsieg: Wie Springer und Palantir ein Netzwerk aus Medien, Rüstung und Politik spinnen

von Alexander Wallasch

Journalismus auf dem Scheideweg© Quelle: Grok

Stell dir vor, ein amerikanisches Tech-Unternehmen mit CIA-Wurzeln entscheidet mit, welche Nachrichten du liest, welche Waffen Deutschland kauft und wie Kriege in Zukunft geführt werden. Klingt nach Verschwörungstheorie? Leider nicht. Es ist der Springer-Palantir-Komplex – ein enges Geflecht aus Medienmacht, Rüstungsinteressen und Politik, das gerade in Deutschland immer sichtbarer wird.

Während die Bundeswehr Palantir aus guten Gründen ablehnt, fährt das Axel-Springer-Haus eine massive Pro-Palantir-Offensive. Gleichzeitig fließen Millionen der Döpfner-Familie in Projekte, die direkt mit Palantir-Gründer Peter Thiel verknüpft sind. Und in der Ukraine läuft schon, was hierzulande noch blockiert wird: KI-gestützter Krieg wie aus dem Silicon-Valley-Lehrbuch.

Die Nato setzt bereits KI-Software von Palantir ein. Die Bundeswehr nicht. Der Grund ist brisant. Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums (InspCIR) der Bundeswehr, erklärte offen:

„Das machen in der Nato tatsächlich Vertreter der Industrie, also der Firma Palantir. So sehr wir an der Funktionalität interessiert sind (…) so unvorstellbar ist es eben momentan, Industriemitarbeiter auf den nationalen Datenbestand zuzulassen.“

Stattdessen setzt Deutschland auf europäische Anbieter – zwei deutsche und einen französischen. Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte bereits im Februar Bedenken wegen Peter Thiel, dem Mitgründer von Palantir und Investor beim Drohnenhersteller Stark Defence.

Trotz anfänglicher Hürden bekam Stark später einen Auftrag über mehrere hundert Millionen Euro – mit strengen Auflagen des Bundestags, dass Thiel keine operativen Befugnisse hat. Es geht hier nicht nur um Software. Es geht um Kontrolle. Wer die KI bedient, der sieht alles, analysiert alles und entscheidet mit.

Palantir Technologies wurde mit Unterstützung der CIA mitgegründet und ist heute eines der engsten Tech-Partner des US-Militärs. Die Software wird für Datenfusion, Zielerkennung und Entscheidungsfindung im Gefecht genutzt. Im März 2026 hat der stellvertretende US-Verteidigungsminister Feinberg per Memo das „Maven Smart System“ (MSS) von Palantir zum offiziellen „Program of Record“ erklärt. Das bedeutet: langfristige Milliarden-Finanzierung und verpflichtende Einführung in allen US-Streitkräften.

In der Ukraine ist Palantir bereits tief integriert. CEO Alex Karp war im Juni 2022 der erste Chef eines großen westlichen Konzerns, der Selenskyj nach dem russischen Einmarsch traf. Karp beschreibt seine Software selbst so: „Man kann es sich gewissermaßen wie ein Betriebssystem für den Krieg vorstellen.“

Genau zu diesem Zeitpunkt startet Axel Springer eine regelrechte Palantir-Kampagne. Zuletzt veröffentlichte die „Welt“ einen großen Artikel mit der Schlagzeile: „Als würde man über Hexerei sprechen“ – Alex Karp hält Deutschland eine Standpauke“. Geschrieben von Filipp Piatov – einem der zentralen Figuren der Springer-Ukraine-Berichterstattung und enger Mitarbeiter von Paul Ronzheimer.

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Im Artikel kommt Karp ausführlich zu Wort, darf sich wundern, warum Deutschland zögert, und seine Software anpreisen. Ein Hinweis darauf, dass Karp von 2018 bis 2020 selbst im Aufsichtsrat der Axel Springer SE saß? Fehlanzeige.

Anschließend folgte in der „Bild“ eine ähnliche Exklusiv-Strecke – wieder von Piatov. Das istz kein Journalismus mehr, das ist Kamagne. Keine kritische Gegenstimme des Vizeadmirals Daum, keine Erwähnung der Datenschutz- und Souveränitätsbedenken. Stattdessen nur Karp: stolz, empört, werbend.

Das Netzwerk geht aber noch tiefer: Alex Karp war nicht nur Aufsichtsrat bei Springer, er ist bis heute eng mit dem Haus verbunden. Moritz Döpfner, Sohn von Springer-Chef Mathias Döpfner, arbeitete als Chief of Staff für Karp-Partner Peter Thiel. Thiel investierte Ende 2024 laut „Manager Magazin“ 50 Millionen US-Dollar in den Döpfner Capital Fund. Dieser Fonds wiederum investierte in den Drohnenhersteller Stark Defence – genau jenes Unternehmen, an dem Thiel beteiligt ist und das nun Bundeswehr-Aufträge erhält.

Der frühere „Bild“-Chef Johannes Boie arbeitet heute für den Drohnenhersteller Helsing. Springer-Journalisten wie Julian Röpcke (ebenfalls Wechsel zu einem Drohnenhersteller), Paul Ronzheimer und Ulf Poschardt erhielten 2022 den Verdienstorden der Ukraine – für ihre Berichterstattung, die vielen als Waffen- und Milliarden-Propaganda gilt. Ronzheimer lehnte den Orden ab, die anderen nicht. Das sagt alles über jene, die nicht ablehnten.

Je länger man dieses Geflecht betrachtet, desto klarer wird das Bild. Palantir verdient am Krieg. Rüstungsfirmen wie Stark und Helsing verdienen am Krieg. Und Springer verdient mindestens an der emotionalen, einseitigen Berichterstattung, die jede Kritik an Waffenlieferungen oder Verhandlungen als „Putin-Versteherei“ abtut.

Der Verdacht liegt nahe: Präsident Selenskyj und seine Emissäre traten oft so fordernd auf, weil sie genau wissen, wer in Washington, Berlin und im Silicon Valley von der Fortsetzung des Krieges profitiert. Und Putin? Er hat mit seinem Einmarsch einen Konflikt auf ein Level gehoben, auf dem Palantir, Drohnen-KI und westliche Rüstungskonzerne erst richtig skalieren können.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um das zu sehen: Wenn dieselben Personen und Firmen gleichzeitig Medien beeinflussen, Rüstungsaufträge sichern und politische Narrative setzen, dann ist das keine zufällige „Vernetzung“ mehr. Das ist ein Interessenkomplex, der demokratische Souveränität und journalistische Unabhängigkeit aushöhlt.

Die Bundeswehr hat diese schmutzigen Deals bisher abgewiesen. Die Frage ist: Wie lange noch, wenn Springer, Döpfner & Co. weiter Druck machen?

Der vorliegende Text ergänzt den dazu bereits veröffentlichten:
https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/der-springer-palantir-komplex

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