Der "Focus" berichtet heute als einer der ersten, und nun ist es raus: Der russische Geheimdienst soll hinter dem Drohnenanschlag in Leipzig stecken. Heute wollen Außenminister Johann Wadephul und Innenminister Alexander Dobrindt das gemeinsam verkünden, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz bereits im ARD-Sommerinterview eine weitgehende Einigung in der Bundesregierung angekündigt hatte, wie zu reagieren sei.
Andere Hardliner hoffen bereits auf einen NATO-Fall oder etwas Ähnliches, um die Bündnisstaaten endlich in einen direkten Krieg gegen Russland zu ziehen – ein Bestreben, das viele Protagonisten in den letzten Monaten offen verfolgt haben.
Etwa Roderich Kiesewetter (CDU) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) schrieben den Leipzig-Vorfall sofort Russland zu und forderten NATO-Konsultationen nach Artikel 4 sowie eine härtere Eskalation gegen Moskau. Kiesewetter nannte Deutschland sogar ein „Kriegsziel“ und hielt deutsche Bodentruppen nach einem Waffenstillstand für denkbar.
Der "Spiegel" stellte zugleich die Frage nach dem Bündnisfall, während die NZZ prüfte, ob der Drohnenfund als bewaffneter Angriff Artikel 5 auslösen könnte.
Der US-Nachrichtensender ABC äußerte unter Berufung auf US-Geheimdienste den Verdacht, dass Markenzeichen des russischen Militärgeheimdienstes GRU entdeckt worden seien: Die Sprengstoffe und die Konstruktion der Drohne seien „typisch“ für den GRU gewesen, eine Einschätzung, die gemeinsam mit deutschen Sicherheitsbehörden getroffen worden sei.
Niemand kann das ohne Gegenbeweis ausschließen. Doch die Notwendigkeit eines solchen Anschlags, um den Krieg gegen Russland auszuweiten, wirft Fragen auf – und es gibt große Interessengruppen, die genau das betreiben, inklusive der Rüstungsindustrie, die hier ein Milliardengeschäft über einen langen Zeitraum diagnostiziert oder erhofft hat.
Was weiß man bisher über diesen Anschlag? Zunächst war es eine Drohne, die per Fußkick von einem Mitarbeiter außer Gefecht gesetzt wurde – ein Busfahrer soll sie im Tiefflug getroffen und zu Boden gebracht haben. Eine weitere Drohne soll gegen ein Flugzeug kollidiert sein – später hieß es, es hätte auch Vogelschlag gewesen sein können. Die Drohne, die zunächst per Fußkick gesichert worden sein soll, war eine mit Sprengstoff.
Eine weitere Drohne wurde später auf einem Feld in der Nähe des Flughafens gefunden, ebenfalls mit Sprengstoff im Umfeld. Was für ein Zufall. Kann das sein, dass ausgerechnet die Drohne, die dann in das Triebwerk gekommen sein soll, gerade keinen Sprengstoff geladen hatte? Sonst hätte es – zumindest aus Laiensicht – zu einer schweren Explosion kommen können.
Um was geht es also? Geht es darum, hier ein Drohszenario aufzubauen, oder ist es tatsächlich Schlechtleistung des russsischen Geheimdienstes, der eigentlich eine Katastrophe erreichen wollte?
Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein zentraler Umschlagplatz für ukrainische Antonov-Frachtmaschinen und NATO-Transporte, darunter Munition. Eine der Maschinen soll am Vortag noch mit militärischer Munition beladen gewesen sein.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass Russland und Putin aus militärischer Perspektive jeden Grund haben, Versorgungslinien der ukrainischen Armee auszuschalten. Schließlich führt man diesen Krieg und will ihn gewinnen oder zumindest in einen Vorteil kommen.
Die massive Unterstützung der Freunde der Ukraine – Deutschland, England, Frankreich und andere – hat eine Versorgungslinie entstehen lassen, ohne dass man in der Lage wäre, diese Versorgung anders als durch Kriegshandlungen zu unterbinden. All das muss mitgedacht werden. Aber auch hier liegt der große Schatten der Verweigerung einer diplomatischen Lösung über allem.
Wir haben einerseits eine begründete Erklärung dafür, dass man aus russischer Perspektive diese Wege zerstören wollen würde. Andererseits wissen die Russen genau, was das in der Konsequenz bedeutet, wenn es als Angriff gegen die NATO gewertet wird. Russland hat nun schon etliche Male erklärt, wo die rote Linie überschritten ist, und es ist immer wieder eine neue rote Linie.
Das heißt, der Westen und die Freunde der Ukraine haben ein leichtes Spiel, dieses versuchte Attentat oder diese Drohnenfunde mit Russland in Verbindung zu bringen.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Nun gibt es allerdings ein großes Manko über diesen ganzen unklaren Sachverhalt, und das ist die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines, die auch sofort den Russen in die Schuhe geschoben wurde und von der man heute weiß, dass es ein ukrainischer Anschlag war – mit Hinweisen, dass US-Dienste im Vorfeld davon wussten.
Fest steht einzig, dass wir hier an einem neuralgischen Punkt in einer gefährlichen Situation stecken. Der Westen hat hier zum ersten Mal eine reale Gelegenheit und wird diese womöglich wahrnehmen, in den Krieg gegen Russland einzusteigen, der über die Unterstützung der Ukraine weit hinausgeht.
US-Präsident Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit erklärt, er wolle diesen Krieg beenden – im Wahlkampf erst innerhalb von 24 Stunden, dann innerhalb weniger Monate. Dieses Ziel ist faktisch aufgegeben worden zugunsten von „Make America Great Again“. Die USA haben sich gegenüber den Europäern bereit erklärt, den Krieg nicht beenden zu wollen, sofern die amerikanische Rüstungsindustrie den größten Brocken dieser Kriegsmasse an Waffen produzieren und verdienen kann.
Auch die Aufrüstung der europäischen Partner geschieht vielfach mit amerikanischem Material. Die amerikanische Rüstungsindustrie liefert mittlerweile über 35 Prozent ihrer Produkte in diesen neuen Markt – das war vorher deutlich geringer.
Gleichzeitig haben wir Medien wie Springer, die sich ganz auf den Kurs der Ukraine verlegt haben und parallel Rüstungsgipfel veranstalten, wo Kontakte zur Politik genutzt werden, um sie mit der Industrie zusammenzubringen – oft in Geheimhaltung. Zusätzlich ist es eine gigantische Verdienstsparte für Springer, dessen Redakteure und Mitarbeiter sich der Ukraine verschrieben haben.
Leitende Redakteure wie Julian Röpcke arbeiten mittlerweile bei ukrainisch-deutschen Drohnenunternehmen. Die Familie Döpfner investiert in Drohnengeschäfte über Peter Thiel, der wiederum versucht, sein Palantir-System in Europa zu installieren. Wir haben hier eine Gemengelage, die einem Molotowcocktail neben einem Lagerfeuer ähnelt. Der aktuelle Fall dieser Drohnen ist der ideale Sprengsatz, alles zum Explodieren zu bringen.
Nur wenige vernünftige Stimmen äußern sich noch. Im Gegensatz zu Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ haben wir es hier nicht mit Schlafwandlern zu tun, sondern mit politischen Akteuren, die ganz genau wissen, was sie tun.
Sie haben ein klares Ziel: Diesen Krieg eskalieren zu lassen, Russland zu besiegen und es wie zu Jelzins Zeiten wieder zur Beute westlicher Agrokapitalisten zu machen.
Die Verkündigung kommt wenige Tage nach Reisen und Abstimmungen, zeitlich nah an der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag. Deutschland folgt am Ende amerikanischen Direktiven, trotz aller Betonung auf Eigenständigkeit. Russland hat natürlich jeden Grund, alle Versorgungslinien anzugreifen – ähnlich wie die Amerikaner damals in Kambodscha und Laos die Ho-Chi-Minh-Pfad-Linien bombardierten, obwohl diese Länder nicht direkt beteiligt waren, und noch Jahrzehnte später Minen hinterließen.
In Deutschland gibt es Dutzende Ausbildungszentren für ukrainische Soldaten. All das muss man sehen, ohne in den Reflex zu verfallen, jede Unklarheit sofort zum Kriegsgrund zu erklären. Die Akteure wissen, was sie tun. Und jetzt wird es gefährlich von Bielefeld bis Passau.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung
Kommentare
melden
Kommentar von gnomen est Omen
Anscheinend ist die wirtschaftliche Situation in Deutschland und großen Teilen Europas so dermaßen desaströs, daß nur noch eine kriegerische Auseinandersetzung mit anschließender Währungsreform hier, zynisch gesprochen; Abhilfe, oder wie man das auch immer nennen mag, schaffen kann.
Anders kann ich mir das ständige Drehen der Eskalationsspirale nicht erklären. Wir sind doch im Grunde schon lange Kriegspartei. Ein Glück, daß Putin eine Engelsgeduld zu haben scheint. Doch er wird nicht ewig leben, und keiner weiß wer oder was nach ihm kommen wird. Was hier betrieben wird ist nicht nur Kriegstreiberei par excellence, sondern auch der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge. Denn falls irgendwer glaubt Frankreich oder die USA würden uns im Ernstfall zur Seite stehen wenn die ganze Sache wirklich eskaliert, der ist nur eines:
Fürchterlich naiv.
Wir benehmen uns wie ein Chihuahua der dem ausgewachsenen Kampfhund des Nachbarn ständig ans Bein pinkelt.
melden
Kommentar von Kornelia Bromme
Celler Löcher überall!
melden
Kommentar von Max Meier
Ich halte diese ganze Drohnengeschichte für eine durchschaubare Inszenierung unserer ukrainischen oder sonstigen "Freunde", um einen Kriegsgrund bzw. einen Vorwand zum Kriegseinstieg für D. zu konstruieren. Es dürfte nicht schwer sein, eine Drohne etwa auch mit russischen Komponenten oder Markierungen auszustatten, um den gewünschten Eindruck zu erwecken. Dass die Drohne nicht explodiert ist oder möglicherweise gar nicht explodieren sollte, könnte auf eine Inszenierung hindeuten - unsere Freunde würden natürlich keine ukrainische Antonov in die Luft jagen wollen, sondern nur medienwirksam die Drohne präsentieren (nachdem diese von einem heldenhaften Busfahrer aus der Luft gekickt wurde). Wäre dies wirklich ein russischer Anschlag gewesen, wäre er vermutlich auch geglückt bzw. professioneller durchgeführt worden. Aber wie gesagt, ich glaube gar nicht daran - an Nord Stream hat man doch gesehen, wie knallhart hier fremde, antideutsche Interessen durchgesetzt werden. Nieder mit den Kriegstreibern!
melden
Kommentar von Gert Friederichs
Zitat Wallasch: "Und jetzt wird es gefährlich von Bielefeld bis Passau."
Welch grandiose Bescheidenheit! Oder Kurzsicht!
Antwort von Alexander Wallasch
War der Deutschlandbezug – aber netter Versuch ;)
melden
Kommentar von stephan manus
Mal schauen nach welchen Personen gefahndet werden wird. Russen oder Ukrainer. Oder nach keinen, weil niemand etwas weiss. Es geht den Altparteien nur um Eskalation.
Klar ist, dass die Ukraine schnell frisches Geld und Waffen benötigt. Das wird Selenski m.E. nun bekommen. Insgesamt eine Tragödie für die Ukraine. Militärisch, politisch, wirtschaftlich und demografisch ist ein sog. failed state status nicht mehr abzuwenden.
melden
Kommentar von Jürgen Frohwein
Alles riecht nach...Überfall auf den Sender Gleiwitz