In der Nacht wurden in meinem Wohnumfeld Plakate aufgehängt. Nicht eines. Mehrere. Laminiert, vorbereitet, mit Kabelbindern befestigt. Darauf mein Gesicht. Darunter die Frage: „Ist dein Nachbar ein Vasall der AfD?“ Auf einem anderen Plakat: „Ist dein Nachbar ein Faschist?“ Darunter meine Website. Dazu ein QR-Code.
Die Botschaft gilt nicht mir. Sie gilt meinen Nachbarn.
Wer meine Texte für falsch hält, kann sie zitieren. Wer meine Haltung ablehnt, kann widersprechen. Wer mich für einen schlechten Journalisten hält, kann das begründen. Das gehört zu einer offenen Gesellschaft. Etwas anderes ist es, nachts ein Gesicht auszudrucken und es an Laternen im Wohnviertel zu hängen. Dann ist der Artikel nicht mehr das Thema. Dann ist die Person das Thema. Dann soll das Umfeld unsicher gemacht werden.
Das ist keine Debatte. Das ist ein Pranger.
Meine Kinder sollen am Morgen nicht das Gesicht ihres Vaters an einer Laterne sehen – verbunden mit der Frage, ob dieser Mann ein „Faschist“ sei. Das ist kein Meinungsstreit mehr. Das ist ein Übergriff in den Alltag.
Eine solche Aktion will nicht überzeugen. Sie will markieren. Sie will, dass jemand am Briefkasten stehen bleibt und denkt: Ist der da drüben einer von denen? Sie will Abstand, Misstrauen, soziale Kälte. Sie will Familie und Nachbarschaft in den Konflikt ziehen.
Das heutige Deutschland ist keine Diktatur von 1933. Aber wir müssen Lehren daraus ziehen. Gerade deshalb muss man Methoden erkennen, wenn sie in neuer Form auftauchen: die öffentliche Markierung eines Menschen vor seinem sozialen Umfeld. Nicht das Argument steht im Mittelpunkt, sondern die Kennzeichnung.
Wer so etwas macht, rechnet mit Angst. Mit Rückzug. Mit einem Journalisten, der das Maul, weil das Wohnviertel zum Schlachtfeld gemacht wurde. Aber diese Rechnung geht nicht auf. Ein Plakat an einer Laterne beendet keinen Journalismus. Es zeigt nur, wie sehr manche Leute ihn fürchten. Der Pranger funktioniert nur im Dunkeln. Deshalb veröffentliche ich die Bilder. Sichtbarkeit ist die einzige wirksame Antwort.
Diejenigen, die das geplant haben, wollten Gerede im Treppenhaus, sie wollen Denunziation, Diffamierung und Ausgrenzung. Jetzt bekommen sie eine öffentliche Debatte – mit Namen, Bildern und dem Recht jedes Lesers, sich selbst ein Urteil zu bilden.
Wer meine Arbeit kennt, weiß, was jetzt zählt: nicht nachts Gegenplakate kleben, nicht auf dasselbe Niveau gehen.
Lesen. Teilen. Widersprechen, wo nötig. Unabhängigen Journalismus jetzt unterstützen.
Genau darin liegt die Entgegnung. Nicht Isolation, sondern Reichweite. Nicht Einschüchterung, sondern Rückhalt. Nicht Stille, sondern mehr Stimme. Jeder gelesene Text, jede Weiterempfehlung, jede Unterstützung macht aus dem geplanten Pranger einen Beleg dafür, dass solche Methoden nicht wirken.
Wer mich zum Schweigen bringen wollte, hat den Anlass geliefert, noch deutlicher zu sprechen. Ein laminiertes Gesicht an der nächsten Laterne ist ein Eingeständnis und kein Sieg.
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Kommentar von Maria Eing
Guten Morgen Herr Wallasch,
beherzt decken Sie auf, halten den Spiegel und seine Auswirkungen, seine Absichten vor - klar , präsent, präzise.
Das ist Licht auf das Zerstörende, Spaltende, Trennende bringen und es so zu Entlarven, Entmachten.
Es ist eine Einladung sich für ein friedliches, respektvolles Miteinander einzusetzen und es gemeinsam zu leben.
Vielen Dank
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Kommentar von Pat Mair
"Wenn Ihr Euch fragt, wie das damals passieren konnte...
weil sie damals so waren,
wie Ihr heute seid."
-Henry M. Broder
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Kommentar von HoNi
Sorry, aber ich könnte kotzen!!! Ich weiß, ich kann mich gerade nicht zurückhalten, aber dieses ... grrrrrr.
Ich muss abbrechen...