„Papa, Du Arschloch“

An Weihnachten mit verschwurbelten Eltern diskutieren ist kontraproduktiv

von Alexander Wallasch (Kommentare: 14)

Besser sei es, folgendermaßen zu reagieren: „Erkenne zunächst die Not des Gegenübers an und drücke dein Mitgefühl aus.“© Quelle: Pixabay / Victoria_Watercolor, Montage Alexander Wallasch

Neulich rief mich ein Freund an, wir verplauderten uns mal wieder. Ich muss es Ihnen, liebe Leser und Freunde, nicht mehr erzählen: Gute Gespräche sind in dieser Zeit wertvoller als Gold.

Wir sind zusammen zur Schule gegangen, mein Freund und ich kennen uns gut, Wir wissen was wir im positiven Sinne voneinander zu halten haben. Mein Freund hat zwei Söhne. Und was er jetzt aus seiner Familie erzählt hat, hat mich – ich finde kein passenderes Wort dafür – betroffen gemacht.

Dazu muss man wissen, dass er jemand ist, von dem man früher gesagt hätte: „Der kann keiner Fliege was zuleide tun.“ Mein Freund ist frei von falsch. Meine Großmutter erzählte immer, früher war so ein Menschenbild eher die Regel als die Ausnahme. Mein Freund ist demnach übergeblieben aus der Welt meiner Großmutter.

Er ist eher der Typ, der mehr geknickt als wütend ist. Ich bin meinen Lesern deshalb noch einmal mehr dankbar, dass ich auch mit meinen wütenden Gedanken immer noch ein Publikum finde. Ich empfinde es, wie es ist: Eine dankbare Situation.

Mein Freund hat diesen Resonanzraum leider nicht. Er hat aber noch seine Familie samt seiner erwachsenen Söhne, mit denen er sich über alles, was ihn bewegt, austauschen kann.

Könnte man annehmen, denn das stimmt leider nicht mehr, wie er mir jetzt kurz vor Weihnachten erzählte. Er fürchtet sich regelrecht vor Weihnachten.

Dazu muss man ebenfalls wissen, dass sich mein Freund sehr gerne unterhält. Er ist so ein Plauschtyp. Ich bin ihm öfter dafür dankbar, weil ich merke, dass ich längst die Tastatur im Übermaß als Gesprächspartner nutze, was wiederum die Gefahr birgt, potenziell asozial zu werden und Kommunikation auf die Rolle des neugierig fragenden Journalisten zu reduzieren.

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Mein Freund fürchtet sich vor Weihnachten, weil er, wie er es ausdrückte, gesagt bekommen hat, er habe „das Maul“ zu halten.

Als er seiner Frau neulich beim Abendbrottisch seine Meinung zu den Einwanderungsplänen der Bundesregierung erzählte, wurde er von einem Sohn rüde unterbrochen und als „Arschloch“ beleidigt. Sein Sohn hatte sich mit diesen Worten erhoben und ist nach draußen verschwunden.

Der zweite Sohn hatte sich ihm gegenüber schon früher jedes politische Gespräch verboten, sonst würde er die Begegnung sofort abbrechen, hatte er gedroht.

Jetzt kenne ich meinen Freund sehr gut und länger noch, als ihn seine Söhne kennen. Er ist sicher alles andere als ein radikaler Charakter. Bisweilen habe ich in den Jahrzehnten unserer Bekanntschaft schon gedacht: „Um Himmelswillen, hau doch endlich mal auf den Tisch“. Aber ich weiß, dass entspräche nicht seinem Naturell.

Mein Freund muss jetzt still sein. Was seine Frau dazu sagt? Die verhält sich, was man gemeinhin ambivalent nennt, was meint, dass jemand „nicht so genau weiß“.

Weil man das heutzutage extra erwähnen muss: Sie lebt mit meinem Freund zusammen. Einer seiner Söhne hatte neulich auch die Mutter beschimpft und ihr ein Stockholm-Syndrom zum Vater unterstellt, wohl weil sie auf diese typisch mütterliche Art und Weise zwischen Vater und Söhnen vermitteln versuchte.

Gerade erst, erzählte mein Freund weiter, hatte sich seine Frau furchtbar aufgeregt über die Vergewaltigung einer Zehnjährigen durch einen Asylbewerber aus Burundi. Aber als er das Gespräch aufnahm und sich ausließ über die neuesten Zuwanderungspläne der Ampel, sagte sie nur zu ihm: „Ach, jetzt lass doch mal.“

Mein Freund ist eher das Pflaster als der Finger in der Wunde. Trotzdem sitzt die Regierung jetzt mit am Weihnachtsbaum und achtet darauf, dass er die Klappe hält und nirgends unter dem Schorf stochert.

Das alles ist schlimmer als diese Weihnachtsfeste, von denen unsere Eltern erzählten, als die Oma dem Opa sagte: „Ach hör doch mal auf mit den Geschichten“, und ihm dabei einen wohlwollenden Klaps auf den Hinterkopf gab, noch ein Schnäpschen eingoss, damit Ruhe war, weil Opa wieder aus Krieg und Gefangenschaft erzählt hatte. Er begann damit nach dem zweiten Schnaps und es endete etwa ab dem siebten, also musste die Oma dazwischen nur fleißig nachschenken, der Boden des Glases sollte nie trocken sein.  

Es ist schlimmer, weil der Hass und die Zerrüttung intensiver geworden sind. Staatlich geförderte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und staatliche Institutionen haben einen Keil in die Familien getrieben. Die Familie wurde als Keimzelle des Widerspruchs identifiziert.  

Und hier insbesondere die alten weißen Väter, ihr Wissen und ihre Kompetenz. Ihre Lebenserfahrung und ihr Widerspruch stehen den woken Ideologen im Weg, sie gilt es auszuschalten. Und wenn das über die Kinder geht, umso besser:

„Fluter“, dass kostenfreie Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung aus dem Hause der Bundesinnenministerin Nancy Faeser schrieb den Kindern schon im Dezember 2020 – kein Witz – einen „Spickzettel für Corona-Diskussionen“:

„Fluter“ einleitend:

„Das Thema Corona wird dieses Jahr in vielen Familien unterm Weihnachtsbaum liegen. Wie diskutiert man am besten mit Impfgegnern und Corona-Leugnern? Fünf Experten geben Tipps.“

Liest man heute, zwei Jahre später, was damals die Regierung Jugendlichen gegen ihre Eltern empfohlen hat, erschrickt man aus der zeitlichen Distanz zutiefst, was noch vor 24 Monaten möglich war, ein echtes Desaster.

Da werden den „Corona-Leugnern“ Sätze unterstellt und dann von angeblichen Experten kommentiert. Sätze wie dieser hier: „Lieber krieg ich Corona, als dass ich weitere Monate alleine bin.“

Im Jugendmagazin der Bundesregierung antwortet der „Experte“, Psychoanalytiker Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath: „Das ist eine Aussage voller Resignation und auch versteckter Aggression.“

Man will es nicht für möglich halten, aber Schultz-Venrath empfiehlt den Jugendlichen gegen ihre älteren Verwandten gar nicht erst zu argumentieren. Das sei „kontraproduktiv“. Besser sei es, folgendermaßen zu reagieren: „Erkenne zunächst die Not des Gegenübers an und drücke dein Mitgefühl aus.“

Der Sohn soll dem Vater gegenüber feststellen: „Du arme Sau!“ Mein Freund musste sich die Alternative anhören: „Du Arschloch.“

Wie von Loriot erfunden und Herrn Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath gegenüber in die Badewanne gesetzt, erklärt die Virologin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff den Jugendlichen in dieser staatseigenen Pseudo-Bravo:

„Würden wir dem SARS-CoV-2-Virus so begegnen wie den Influenzaviren in einer Grippesaison – ohne Mundschutz, Lüften oder Kontaktbeschränkungen: Ich mag mir nicht vorstellen, in welcher Lage wir uns jetzt befänden.“

Heute können wir Frau Prof. Dr. Rübsamen-Schaeff sagen, in welcher Lage wir uns befinden: Nach fast drei Jahren „Mundschutz, Lüften oder Kontaktbeschränkungen“ liegen schwer erkrankte Kinder in den Krankenhäusern, die Medikamente werden knapp, Experten haben sich längst still und heimlich davon gemacht, die Impfopferzahlen steigen rapide.

Wie man an der Geschichte meines Freundes gut ablesen kann, hat sich die Indoktrination in den Köpfen der Kinder verankert. Den Experten mag es noch gelingen, sich still und heimlich von ihren alten Dogmen und Narrativen zu lösen.

Den Kindern gelingt es nicht mehr, sie sind für neue Argumente nicht mehr zugänglich, können sich keine eigene Meinung mehr bilden, beleidigen ihre Eltern und sind am Ende unglücklich in einer kalten von oben gesteuerten Welt angekommen.

Warum? Weil Freiheit immer auch die Freiheit der eigenen Meinungsbildung ist. Freiheit ist allerdings auch der ganz selbstverständliche Moment, dass Kinder sich irgendwann von ihren Eltern lösen, eigene Wege gehen und eigene Familien gründen. Das alles geschieht in Respekt, Achtung, Liebe und Zuneigung.  

Das zu zerstören, sind die Vertreter der woken Ideologie angetreten und sie haben unzweifelhaft großen Erfolg damit, sie ernten heute den Hass, den sie vor Jahren in den Familien gesät haben.

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