Der Autor, Künstler und aussichtsreiche AfD-Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus, Julian Adrat, sollte dem Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Adrat hatte in einem X-Post eine Kaulitz-Shampoo-Werbung negativ kommentiert.
Adrats Rechtsanwalt Dirk Schmitz klagte gegen die Unterlassung und verlor in erster Instanz. Adrat will weiter klagen. Schmitz und Adrat sind Autoren bei Alexander-Wallasch.de. Das macht neugierig, also habe ich berichtet. Auf meinem eigenen Portal und bei Tichys Einblick.
Der Spiegel fand zunächst nicht erzählenswert, dass Adrat gegen Kaulitz klagte, aber jetzt, wo die erste Runde vom Gericht Kaulitz zugesprochen wurde – für Adrat eine krasse Fehlentscheidung – hat der Spiegel dieses Urteil zu einem Sieg gegen die AfD gemacht.
Ist Adrat „die“ AfD? Er ist zunächst einmal Kandidat in Berlin. Rechtfertigt diese Tatsache die Schlagzeile „Bill Kaulitz legt sich mit der AfD an“? Zumindest war Bill Kaulitz so leichtsinnig und geschwätzig, in einem gemeinsamen Podcast mit seinem Zwillingsbruder etwas über die Motivation seiner Unterlassungsaufforderung gegen Adrat auszuplaudern. Er wollte dem Berliner „AfD-Idioten“ mal einen „reinwürgen“. Das allerdings könnte bei einer zweiten Runde vor Gericht schnell zu einem Bumerang für Kaulitz werden. Der „Spiegel“ hat Kaulitz’ Ausfälle veröffentlicht:
„Kaulitz selbst gab sich in seiner Podcastfolge betont locker. ‚Ich mahne so was eigentlich gar nicht ab‘, behauptete er, ‚aber da dachte ich halt, das ist so ein AfD-Vollidiot.‘ Der schreibe ausgerechnet als Politiker so freche Sachen, ‚dem kann man mal einen reinwürgen‘.“
Der Redakteur des Spiegel-Artikels hatte schon einmal als ganz junger Autor beim Hamburger Magazin über eine homoerotische Erfahrung erzählt, aber dann seien ihm „Tanga-Linda“ aus dem Lateinkurs, „Hanni und Nanni aus dem Nachtclub“ und „Bio-Babsi auf einer WG-Party von Hauke“ über den Weg gelaufen und diese vielversprechende kurze Homo-Episode war beendet:
„Der schwule Student vom Burgwochenende. Wir telefonieren viel, schließlich hat er einen Narren an mir gefressen. Ich muss mir Komplimente über meine Locken und meinen Hintern anhören, erfahre dafür aber Geheimnisse aus der Welt der Frauen.“
Seitdem fühlt sich Marc Röhlig, so heißt der „Spiegel“-Autor übrigens, immer mal wieder queeren Themen verpflichtet bis hin zu einem glühenden Fanal für die Regenbogenflagge etwa im Juni 2025:
„Die Politik sollte umso sichtbarer für Gleichberechtigung eintreten – und das positive Symbol der Regenbogenflagge verstärken.“
Wenn sich irgendwo Eltern sorgen, dass ihre Kinder in der Schule einer „Frühsexualisierung“ unterworfen werden, hält ihnen „Spiegel“-Autor Röhlig entgegen: „Das ist Homophobie, getarnt als Kinderfürsorge.“
Nur drei Tage vor diesem Artikel im Juni 2025 hatte der „Spiegel“ die damalige Queer-Beauftragte interviewt und das Interview mit einem Zitat überschrieben:
„Mein Traum wäre eine Bill-Kaulitz-Stiftung, die in Ostdeutschland helfen würde“.
Und so kommt dann alles zusammen. Röhlig macht sich übrigens öfter Mal über Eltern von Kleinkindern lustig. Zur Schlagzeile „Roboter singt und tanzt mit Kitakindern“ kommentierte Röhlig noch im Juni 2023 mit Blick auf den Roboter:
„Hoffentlich war der nicht queer, sonst rastet die CSU wieder aus.“
Damals könnte Röhlig noch nichts über eine Entgleisung wissen, welche der „Welt“ drei Jahre später folgende Schlagzeile wert war: „Amadeu Antonio-Stiftung förderte Theaterprojekt mit Porno-Vorfall – Polizei ermittelt gegen Frauen“. Hier wurde Neuntklässlern Oralverkehr zwischen Männern gezeigt.
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Der Spiegel-Autor war in den vergangenen Jahren immer wieder Verteidiger der Arbeit der Amadeu-Antonio-Stiftung. Schon eine stichprobenartige Recherche bringt Erstaunliches zutage. Während ich als Autor bei Tichys Einblick (TE) einen Skandal um eine Hexenjagd auf blonde Kinder mit Zöpfen in Kitas aufdeckte – der Artikel gehört bis heute zu den meistgelesenen bei TE–, schwang sich damals nur wenige Tage später der Spiegel zu einer Verteidigung dieser Hetzjagden gegen Eltern auf – Autor war damals Marc Röhlig.
Jener Röhlig, der im Februar 2018 eine Kita-Broschüre über lesbische Mütter verteidigte, als diese kritisiert wurde. Röhligs Argumentation damals: Die Broschüre „richtet sich nicht an Kinder, sondern an Erzieher. Und sie handelt auch nicht von Sex oder von Sexualaufklärung – sondern vom richtigen Umgang mit sexueller Vielfalt.“
Ach so, der Titel der Broschüre lautet: „Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben“.
Ein weiteres Beispiel der Arbeit des „Spiegel“-Autors spannt einen Bogen über 20 Jahre hinweg und wird vom „Spiegel“ illustriert mit einem Foto, das den jungen Marc Röhlig kumpelhaft umschlungen mit einem Flüchtlingsjungen zeigt, und der Schlagzeile dazu:
„Unser Redakteur betreute vor 20 Jahren geflüchtete Kinder – jetzt traf er einige von ihnen wieder.“
Und im Text heißt es dann unter anderem:
„Es gab einen Spielraum im Keller, darin zerschlissene Stoffkissen, mehrfach geklebte Bilderbücher, Stofftiere aus Spendensammlungen. (…) Die Jungen und Mädchen, die ich betreute, waren zwischen vier und zwölf Jahre alt, heute sind sie erwachsen.“
Thematisch ist das natürlich grundsätzlich ein interessantes Thema, denn es geht der Frage nach, was Integration wirklich bedeutet.
Und das ist nur ein kleiner Queerschnitt der Arbeit jenes Autors, der sich jetzt für den „Spiegel“ mit dem Fall Adrat versus Kaulitz befasst hat, über den Alexander-Wallasch.de schon viel früher berichtet hatte. Marc Röhlig nutzte zunächst mal die Gelegenheit, meine Arbeit für seine Spiegel-Leser einzuordnen:
„Die juristische Auseinandersetzung zwischen Kaulitz und Adrat sorgte in rechten Kreisen für Aufregung. So berichtete Rechts-außen-Blogger Alexander Wallasch zunächst darüber.“
Nein, lieber Marc, nicht „zunächst“, sondern zuerst. Aber das sind Feinheiten. Gröber will der „Spiegel“-Autor dort sein, wo er mich als „Rechts-außen-Blogger“ bezeichnet. Aber wie soll mich das treffen? Wo ist „Rechts-außen“ aus dem Blickwinkel eines linksradikalen „Spiegel“? Wohl ziemlich genau in der Mitte dieser merkwürdigen Rechts-Links-Skala.
Heute ist demnach „Rechts-außen“, wer den Geist der alten Friedensbewegung wach hält, wer nicht zu den Kriegstreibern gehört, wer sich gegen die Wehrpflicht ausspricht, wer nicht mühelos vom Journalismus in die Rüstungsindustrie wechselt und zurück.
Heute ist „Rechts-außen“, wer keinen Orden für Kriegspropaganda annimmt oder wer nicht dazu schweigt, wer politisch dafür verantwortlich ist, wenn die Kriminalitätsstatistik in bestimmten Bereichen explodiert.
Oder nochmal anders ausgedrückt: Dieses merkwürdige „Rechts-außen“ müsste doch längst als Absender über dem Pressekodex stehen. Der erste Satz dort lautet – und dem ist dann auch nichts weiter hinzuzufügen:
„Die im Grundgesetz der Bundesrepublik verbürgte Pressefreiheit schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein.“
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Kommentar von T S
Schon sehr erbärmlich mit solchem Mangel an Anspruch Polemik zu verbreiten. Aber was erwartet man noch anderes von einem Relotiuslügelisten.
Über das was dieser duschgelkämmpige Drittklassenrestpromi gegen den Autoren und potentiellen Abgeordneten in Spe vorzubringen hat erfährt man leider nicht so viel, insbesondere was der Anlass des Rechtsstreits war (da macht sich wohl unsere Presse- und Informationsfreiheit wieder mal bemerkbar).
Es bleibt zumindest der Eindruck daß hier mal wieder versucht wird seinen Schwund in die Bedeutungslosigkeit durch zeitgeistkonformen Aufmerksamkeitsschinderei auszubremsen.
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Kommentar von Max Meier
Gut, jeder, wie er mag - ich fände es jedenfalls nicht sehr sinnvoll, sich mit dem Kaulitz-Zwilling wegen dieser bescheuerten Shampoo-Werbung auf ein rechtliches Scharmützel einzulassen. Kostet Geld und bringt nichts, zumal wie man weiß, vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand ... Verschafft diesem ehemaligen Kinderstar nur eine Schlagzeige und die erwünschte Aufmerksamkeit im "Kampf gegen Rechts".