Gebäck wo der Hochstapler Weimer seine dicke Windbeutel backte

Aus der Hochstaplerbude wird die Brötchenbude: Potemkin backt jetzt

von Alexander Wallasch

Das abgrenzte Schild „Weimer Media Group“ hängt noch© Quelle: privat

Eine aufmerksame Leserin schickt Fotos vom Tegernsee. Danke! Unter dem abgeblätterten Schriftzug der Weimer Media Group hängt jetzt Madame Croissant. Nach Autoren, die keine waren, und Partnern, die keine waren, räumt der Verlagseingang für Blätterteig.

Alexander-Wallasch.de hat die Weimer-Affäre aufgedeckt. Die Chronologie der Weimer-Affäre haben wir über viele dutzend Artikel hinweg veröffentlicht, von der Buchmesse-Rede im Oktober 2025 bis zur aktuellen Stunde „Weimer-Wallasch“ im Bundestag und der Verbindung Weimers zu den Landesmedienanstalten die mich heute verfolgen.

Ein kurzer Rückblick: Weimer wetterte in Frankfurt gegen „geistigen Vampirismus“, und ich öffnete „The European“. Dort standen Autoren, die nie welche waren, Texte ohne Freigabe, Löschungen in der Nacht, Unterlassungen, ein Gipfel, der Nähe zu Entscheidungsträgern als Paketpreis verkaufte – und Partner, die auf Listen prangten, obwohl sie hinterher sagten, sie seien nie Partner gewesen.

Das Lügengebäude war immer größer als das Haus. Genau deshalb muss man das Haus ansehen. Eine aufmerksame Leserin hat mir jetzt Fotos vom neuesten Stand Tegernsee, Seestraße 16 geschickt. Eine kleine, putzige Ladenzeile, dahinter ein Wohnhaus. Eine Hausnummer, mehrere Türen. Wer nur das Handelsregister liest, findet dort die Weimer Media Group, einen Optiker und einen Buchladen.

Unter dem noch hängenden Schriftzug WEIMER | MEDIA GROUP lag der straßenseitige Eingang der Media Group. Daneben war zeitweise ein Kinder-Secondhand. Weiter rechts in der Straße lag „kadegu“, der analoge Ableger des „Kaufhauses des Guten“. Eröffnet hat ihn 2023 Valentin Weimer, einer der Söhne von Wolfram Weimer und Christiane Goetz-Weimer, der den Onlinehandel der Familie schon als junger Webmaster ebenso mitgebaut hatte, wie die Hochstaplerseite „TheEuropean“.

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Genau vor diesem kioskartigen ranzigen kleinen Verlagseingang hängen jetzt große weiße Plakate: „Croissants. But different.“, QR-Codes zu Instagram und zu madame-croissant.de/jobs. Auf der Website der Kette steht „Madame Croissant Tegernsee – Coming Soon“.

Madame Croissant ist kein Weimer-Ableger. Es ist ein Kölner Franchise, 2022 gegründet, Expansion über Partnerfilialen. Wer den Tegernsee-Store lokal führt, ist öffentlich nicht genannt. Es gibt keinen Beleg, dass die Familie jetzt backt. Das Firmenschild über der Tür ist Relikt. Es wurde offenbar nur noch nicht entfernt. Niemand da, der die alten Buchstaben der Weimer-Hochstaplertruppe abkratzt. Wer den Akt aber zufällig filmen sollte, der kann damit ein symbolträchtiges Bild machen.

Irgendwo im Netz findet sich auch noch eine Weimer Neureuth GmbH, die außer der Sitzadresse überhaupt kein Bezug zur Weimer Media Group haben soll. Ihr einziger Zweck sei die private passive Geldanlage und Altersvorsorge im Kontext einer von Weimer selbst genutzten Immobilie, keinerlei gewerbliche Tätigkeit. Unternehmenszweck nun das Halten und Verwalten eigenen Vermögens.

Nun erklärt die GmbH das Wohnhaus, aber nicht den Blätterteig. Man muss das nicht größer machen, als es ist. Es ist klein, und genau das ist die Pointe. Eine Firma, die sich als Medienhaus in die Tegernseer Seestraße einschrieb und Größe an die Fassade schraubte, räumt den sichtbaren Eingang für eine Croissant-Kette. Oben der alte Name. Unten der neue Geruch. Aus der Hochstaplerbude wird die Brötchenbude. Potemkin backt jetzt.

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