Zudem fordert Kühnen – nicht verwandt mit dem Neonazi Michael Kühnen – von anderen Wirtschaftsakteuren ein aktiveres Bekenntnis zur Demokratie. Er grenzt die AfD explizit aus.
Das ist nicht nur eine politische Meinungsäußerung – das ist der Keks-Kapitalist als selbsternannter Moralapostel. Kühnen begründete seine Haltung auch wirtschaftlich und bewies damit einmal mehr, dass er noch naiver ist, als es Daimlerchef Dieter Zetsche 2015 war, als der mit Blick auf die illegale Massenzuwanderung von einem zweiten Wirtschaftswunder fabulierte. Naiver, weil über ein Jahrzehnt Erfahrungen mit der illegalen Massenzuwanderung später. Kühnen erklärte:
„Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen offenen Handel in Europa, wir brauchen stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen. (…) Vor diesem Hintergrund ist die AfD für mich keine Alternative – weder unternehmerisch noch persönlich.“
Um den Gesamtkontext zu verstehen ist ein Ausflug in die Historie des Unternehmens von Bedeutung für die Aussagen Kühnens: Das Unternehmen hat zwischen 1940 und 1945 über 800 Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter eingesetzt, weit mehr als jahrzehntelang zugegeben. Die große Mehrheit waren junge Frauen aus Polen und vor allem der Ukraine.
Die Einzelschicksale sind grauenvoll. Die verschleppten Frauen wurden im besetzten Kiew und Umgebung zwangsrekrutiert, in Viehwaggons nach Hannover verschleppt, in Barackenlagern eingepfercht, mit stigmatisierenden Abzeichen versehen, schlechter bezahlt, schlechter ernährt und schlechter medizinisch versorgt. In Zeitzeugenberichten – etwa von Ewgenija Schkoda, ebenfalls eine Verschleppte – wird von tragischen Vorfällen während der Verschleppung berichtet: Zwei Mädchen sprangen in Kiew aus dem Fenster, um der Zwangsrekrutierung zu entgehen – eine starb dabei.
Die allgemeinen Bedingungen für so verschleppte Ukrainerinnen waren hart. In vielen deutschen Betrieben starben Zwangsarbeiter durch Unterernährung, Krankheiten, Erschöpfung oder Misshandlungen. Bei Bahlsen gibt es dazu keine konkreten Zahlen.
Bahlsen produzierte Verpflegung für die Wehrmacht und galt dementsprechend als kriegswichtiges Unternehmen. Bahlsen leitete sogar eine Fabrik in Kiew und profitierte systematisch vom NS-Ausbeutungssystem. Die ukrainischen Ostarbeiterinnen standen in der NS-Rassenhierarchie ganz unten und wurden entsprechend behandelt.
Besonders unerträglich daran: Bahlsen gilt in den Köpfen von Millionen Deutschen bis heute als die pure Harmlosigkeit. Verbunden mit schönen Kindheitserinnerungen: Der berühmte Leibniz-Keks mit den kleinen Knabberecken, den Oma früher mit einer Tasse Kakao oder Milch servierte. Die bunt bedruckten Dosen unter dem Weihnachtsbaum. Die ungesunden aber leckeren Pick-up-Riegel in der Pausenbrotdose der Kinder. Das Gebäck, das für gemütliche Familienrituale, Sonntagnachmittage und unbeschwerte Genüsse stand.
Bahlsen-Produkte stehen für Vertrauen, Tradition und deutsche Gemütlichkeit - unschuldig, kindlich, behütet. Aus werblicher Sicht gesprochen ist das der elementare Markenkern: Dieses Image von Großmutter, Kindheit und Geborgenheit macht Bahlsen so wertvoll auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Und genau dieses Unternehmen, das mit solch einem harmlosen, emotional positiv besetzten Produkt Millionen verdient, hat seine dunkle Vergangenheit jahrzehntelang beschönigt oder verdrängt. Es ist den Nachfahren der so furchtbar geschundenen Frauen nicht erklärbar, warum die Aufarbeitung so spät und so erzwungen erfolgte.
Bis 2019 lebte im Familienunternehmen die abgrundtief miese Legende weiter, man habe die Zwangsarbeiter gut behandelt und gleich bezahlt wie Deutsche. Dann plauderte Verena Bahlsen, die Urenkelin des Gründers, genau diese Verharmlosung öffentlich aus. Die „Zeit“ fasste 2019 zusammen:
„Die Unternehmerin Verena Bahlsen sagt, was sie denkt. Das kommt gut an. Nun hat sie die Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg verharmlost.“
Es folgte ein gewaltiger Shitstorm. Erst der massive öffentliche Druck führte zur Entschuldigung und zum Auftrag einer Historikerstudie. Erst 2024, also 79 Jahre nach Kriegsende, erschien die umfassende Studie „Die Geschichte des Hauses Bahlsen. Keks – Krieg – Konsum“ von Hartmut Berghoff und Manfred Grieger. Sie legt das wahre Ausmaß der Ausbeutung schonungslos offen.
Bis heute schafft es Bahlsen nicht, auf der eigenen Webseite, auf das Schicksal der Frauen detaillierter hinzuweisen oder den leidenden Mensch dahinter zu zeigen. Stattdessen beschränkt man sich auf eine Fotografie des Unternehmens von 1933. „Heil Hitler, Klaus Bahlsen“, so unterschrieb der damalige Firmenchef. Die Bahlsen-Brüder waren NSDAP-Mitglieder und SS-Unterstützer.
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Die Familie spricht nun von unentschuldbarem Unrecht und räumt ein, die offensichtliche Frage nach der eigenen Rolle im Krieg nie ernsthaft gestellt zu haben. Das ist keine proaktive, aus innerer Überzeugung kommende Vergangenheitsbewältigung, das ist Krisenmanagement nach einem selbstverschuldeten Skandal.
Aber wo ist der Kontext zu den neusten Aussagen von Bahlsen-Chef Kühnen? Erst nach dieser späten, nur durch Druck erzwungenen Enthüllung positioniert sich Bahlsen besonders lautstark als moralisch überlegener, weltoffener, migrationsfreundlicher Konzern.
Remigration sei nicht akzeptabel, blabla, man fordere von der gesamten Wirtschaft Haltung gegen die AfD und Vielfalt als Unternehmenswert. In der Werbung nennt man das klassisches Corporate Whitewashing. So wie man für die Wehrmacht Kohle verdient hat, will man sie auch mit einer AfD-Beschimpfung abstauben.
Wenn ein Unternehmen einen Charakter hat, dann ist der von Bahlsen wirklich abgrundtief mies: Man übertüncht die eigene NS-Vergangenheit, inklusive der Ausbeutung ukrainischer Zwangsarbeiterinnen, mit überkompensierender Political Correctness und weltoffenem Tamtam.
„Wir haben aus der Geschichte gelernt“ heißt übersetzt: Wir distanzieren uns heute so radikal von jeder migrationskritischen Position, dass niemand mehr an die ukrainischen Frauen denken soll, die damals gegen ihren Willen für unseren Keks-Konzern anschaffen mussten. Damals verschleppte man sie zur Ausbeutung nach Hannover. Heute wird jede Forderung, unkontrollierte Zuwanderung zu begrenzen, gescheiterte Integration zu korrigieren oder Remigration durchzusetzen, als moralisch verwerflich gebrandmarkt.
Während Deutschland mit den realen Folgen von Massenmigration kämpft – explodierende Sozialkosten, Parallelgesellschaften, importierte Kriminalität, Fachkräftemangel trotz hoher Zuwanderungszahlen – erklärt der Bahlsen-Chef, dass genau diese Sorgen mit den Unternehmenswerten unvereinbar seien.
Die Entfremdung der wirtschaftlichen Elite in Reinform: Man verdient am deutschen Markt und an der Loyalität vieler normaler Bürger, verachtet aber deren berechtigte Ängste um innere Sicherheit, kulturelle Identität und die Zukunft ihrer Kinder.
Ein Kekshersteller, dessen Marke für harmlose Großmutter-Gemütlichkeit, Kindheitserinnerungen und unschuldigen Genuss steht, dessen Vorfahren aber vom NS-Zwangsarbeitssystem mit ukrainischen Frauen profitierten, versucht nach jahrzehntelanger Verdrängung und einer extrem späten Aufarbeitung, sich durch aggressive Wokeness reinzuwaschen.
Authentische Moral oder gelebte Verantwortung? Pustekuchen. Dafür opportunistische Imagepflege auf Kosten der eigenen Kunden. Bahlsen sollte bei Leibniz-Keksen, Choco Leibniz und Pick-up bleiben. Die politische Moralpredigt und die Erziehung der Deutschen überlässt man besser denen, die die Konsequenzen der geforderten Politik nicht nur in der Bilanz, sondern jeden Tag im Alltag tragen müssen: Die Kunden von Bahlsen.
Aber machen wir es mal wie Bahlsen. Nur bleiben wir dabei bei der Wahrheit und folgen mal einer alarmistischen grüngefärbten Erzählung:
Bahlsen-Produkte gelten heute als ungesunde Industrieprodukte voller Zucker, gesättigter Fette und leerer Kalorien, die praktisch keine Nährstoffe liefern und direkt zu Gewichtszunahme, Diabetes-Risiko und Herzproblemen beitragen. Wer sie regelmäßig isst, schadet seiner Gesundheit bewusst – sie sind nichts weiter als industriell optimierte Dickmacher mit minimalem Nutzen und maximaler Suchtwirkung.
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