Das große Scheitern: Der Grüne Volker Beck und die Deutsch-Israelische Gesellschaft

Berliner stehen nicht an der Seite Israels – Demo ohne Demonstranten

von Alexander Wallasch (Kommentare: 10)

Kaum Berliner und kein Mitglied der Bundesregierung gingen für die deutsch-israelische Sache auf die Straße.© Quelle: Julian Adrat

Volker Beck rief jetzt zu einer Solidaritäts-Demonstration für Israel auf, die heute um 14 Uhr begann. Es kamen ein paar Freunde des Grünen. Die Berliner wollten nicht. Es wird einsam um Israel und die Juden in Deutschland.

Video von der Demo ohne Demonstranten

Wenige Tage nach den Terroranschlägen der Hamas auf Israel mit über 1000 Todesopfern und vielen Verletzten boten die Bundesregierung und die mit ihr verbundenen Nichtregierungsorganisationen alles auf, ihre Solidarität mit Israel zu demonstrieren, der Bundespräsident selbst stellte sich an die Spitze einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor, die Tagesschau schrieb damals:

„Emotionale Großkundgebung in Berlin: Tausende Menschen haben ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt - und ihre Solidarität mit Israel gezeigt. Bundespräsident Steinmeier sagte, der Schutz jüdischen Lebens sei "Bürgerpflicht"“

Frank-Walter Steinmeier erklärte am 22. Oktober 2023, jeder einzelne Angriff auf Juden erfülle ihn mit Scham und Zorn. Viele Deutsche hatten damals so etwas wie Anstand, ihrer Wut gegen Steinmeier nicht auf einer Solidaritätskundgebung für Israel Raum zu geben, das nutzte der Bundespräsident eiskalt aus. Aber nicht nur er, die gesamte Führungsschicht des Landes war erschienen.

Mittlerweile sind fast vier Monate vergangen, die Zahl der Todesopfer des Straffeldzuges der Israelis im Gaza-Streifen ist fünfstellig, darunter viele Kinder.

Nicht nur in Deutschland, weltweit wird Israel ein Genozid vorgeworfen. Hatte der Bundeskanzler im Oktober noch erwähnt, Israel habe das Recht, sich gegen diesen Terror zu verteidigen und Deutschland stehe dabei fest an Israels Seite, ist davon mittlerweile deutlich seltener die Rede, das linke deutsche Establishment steckt in einer Deutungskrise fest zwischen Auschwitz und Gaza.

Exemplarisch dafür ist die deutsch-israelische Gesellschaft mit ihrem grünen Präsidenten Volker Beck, er war fast 25 Jahre lang bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages und setzte sich für die Rechte Homosexueller ein. In den zweieinhalb Jahrzehnten war er zeitweise rechtspolitischer, menschenrechtspolitischer, innenpolitischer, religionspolitischer sowie migrationspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2022 ist er Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

Volker Beck rief jetzt zu einer Solidaritäts-Demonstration für Israel auf, die heute um 14 Uhr begann. Auf dem Twitter-Account von Beck nahm das allerdings kaum jemand zur Kenntnis. Die Webseite der Gesellschaft informierte:

„Berlin, am Neptunbrunnen/Alexanderplatz, 14.00 Uhr – Abschlusskundgebung am Denkmal für die ermordeten Juden Europas/Ebertstr., ab 15:00 Uhr – Demonstration, NIE WIEDER IST JETZT, Gemeinsam gegen linken, rechten und islamistischen Antisemitismus – DEUTSCH-ISRAELISCHE GESELLSCHAFT E.V.“

Noch bis kurz vor 14 Uhr hatten sich kaum mehr als ein paar Dutzend Berliner vor dem Brunnen und dem Roten Rathaus versammelt. Gegen 14 Uhr 30 machten sich etwa einhundert bis einhundertfünfzig Menschen gegenseitig Mut und mit vielleicht zwanzig Flaggen Israels auf dem Weg zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Volker Beck ging mit seinen wenigen Begleitern hinter einem Banner, auf dem geschrieben stand: „Gegen jeden Antisemitismus“.

Auf der Webseite der Gesellschaft steht vor einem Davidstern: „Solidarität mit dem angegriffenen Staat Israel.“ Und auf der News-Seite der Gesellschaft steht wiederum: „DIG-Präsidium: Internationale Anstrengungen zum Abwenden einer humanitären Katastrophe in Gaza müssen verstärkt werden.“

Zählt man diejenigen zusammen, die Volker Beck selbst aus seiner Community mobilisiert haben mag, dann sind kaum mehr als eine Handvoll Berliner unter den Demonstranten, die nicht unmittelbar mit den Organisatoren zu tun haben. Und man muss sich in diesen Tagen in diesem neuen Berlin nicht mehr die Frage stellen, ob Mut dazu gehört, sich offen zu Israel zu bekennen, sondern nur noch, wie viel Mut es dafür braucht.

Volker Beck, der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft trägt auf seiner braunen wattierten Winterjacke einen Aufkleber mit der Aufschrift „FCK HAMAS“. Ein paar Regenbogenflaggen werden mitgeführt, zwei oder drei davon mit dem Davidstern bedruckt. Einige der Wenigen tragen Plakate mit den immer noch von der Hamas entführten Israelis. Fast alle dieser Plakate, die in Berlin plakatiert wurden, sind sehr schnell wieder von Anhängern der Hamas bzw. von deutschen pro-palästinensischen Gruppen entfernt worden.

Fazit: Volker Beck hätte dieses Risiko nicht eingehen dürfen. Und schon gar nicht an diesem Ort, vor dem Neptunbrunnen, an dem sich Anfang November 2023 tausende Pro-Palästina-Demonstranten versammelten und jubelten, als Deutsch-Palästinenser den Brunnen erklommen und ihre Fahnen schwenkten. Die Welt titelte damals: „In Kämpfermanier erklimmen sie den Neptunbrunnen und hissen die Palästinenser-Fahne“.

Diese Bilder gingen um die Welt und diesen Bildern muss man etwas Wirkmächtiges entgegensetzen, wenn man sie denn neutralisieren will. Volker Beck hat mit seiner versprengten Schar heute das genaue Gegenteil dessen erreicht. Er hat neue Bilder geschaffen, die der palästinensischen und islamischen Seite vor allem eines zeigen:

Auch in Deutschland wird es einsam für die israelische Seite. Nicht ein einziges Mitglied der Bundesregierung oder ein Vertreter des Bundestages ging heute mit Volker Beck für die deutsch-israelische Sache auf die Straße.

Mindestens zehntausend Gründe sprachen heute dagegen.

Für Alexander-Wallasch.de vor Ort war Autor Julian Adrat. Er lieferte auch das Foto- und Videomaterial.

Julians exklusiver Vorort-Bericht:

Es ist windig, 11 Grad, vor dem Berliner Rathaus wehen acht Flaggen, die europäische, die israelische, die deutsche, die berlinerische und vier ukrainische. Am Neptunbrunnen ist eine Pro-Israel-Demo „Nie wieder ist jetzt. Gemeinsam gegen linken, rechten und islamistischen Antisemitismus“ angekündigt. Mitinitiator und Grünen-Politiker Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, hatte auf X geworben. Er hat über 100 000 Follower.

Ebenfalls angekündigt sind Berlins Kultursenator, CDU-Mann Joe Chialo, die 26-jährige Lehrerin Paula Ranft vom Jungen Deutsch-Israelischen Forum und Eren Güvercin, Mitglied der Islamkonferenz. Viele tragen Israelflaggen, Bilder von Entführten, Regenbogenflaggen, davon ein paar mit Davidstern, und eine iranische Flagge mit Löwen, der von der islamischen Revolution mit dem aus vier Sicheln und einem Schwert stilisierten Wort „Allah“ ersetzt wurde.

Der öffentliche Raum ist erstmalig wieder in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg zur Gefahrenzone geworden, eine Kippa zu tragen, ist hochgefährlich, keine Synagoge kommt ohne Polizeischutz aus, viele Juden sitzen auf gepackten Koffern. Noch wenige Minuten vor dem offiziellen Beginn um 14 Uhr sind es ein paar Dutzend Demonstranten. Ich scanne den QR-Code, überweise per PayPal acht Euro und erhalte eine der stählernen Erkennungsmarken, die von den Familien der von der Hamas Entführten hergestellt werden. „Bring them home“, auf englisch und hebräisch.

Auf der Demo gegen „rechts“ im Februar waren es Hunderttausende, auf der Pro-Hamas-Demo am selben Ort waren es Tausendschaften, der Neptunbrunnen wurde bestiegen und die Palästina-Flagge gehisst, die Bilder gingen um die Welt. Einige Hundert waren es am Vorabend, die in Kreuzberg für die Freilassung der RAF-Terroristin und Mörderin Daniela Klette demonstrierten und von einem Großangebot der Polizei in Schach gehalten werden mussten.

Auf der Demo für Solidarität mit Israel waren es am Sonntag, dem 10. März 2024, im Land der Shoa und „Staatsräson“, rund 150 Personen. Wie viel braucht „gemeinsam“? Wie viel braucht „nie wieder ist jetzt?“ Volker Beck trägt auf seinem Parka den Aufkleber „F*ck Hamas“. Wahrscheinlich erfordert selbst das heute Mut.

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Kommentare