In der vergangenen Woche hat der Bundespräsident Maria Böhmer, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bernd Fabritius, Ralf Fücks und Sigmar Gabriel mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das System beschenkt sich gegenseitig für den Machterhalt.
Das ist alles auf eine Weise erwartbar wie beschämend. Steinmeier erklärt in seiner Würdigung der Ausgezeichneten unter anderem:
Sie haben sich „auf einem Feld Verdienste erworben, das noch wichtiger geworden ist – in einer Zeit, in der sich Autokraten und andere Feinde offener Gesellschaften auf der Siegerstraße wähnen. Einer Zeit, in der das freie Wort und der freie Gedanke vielerorts einen schweren Stand haben.“
Das kann nur bitterer Zynismus sein. Und er richtet sich gegen jene Kräfte, die tatsächlich die Meinungsfreiheit verteidigt und der Demokratie einen unschätzbaren Dienst erwiesen haben. Verteidigt auch gegen jene Leute, die sich vor ein paar Tagen im Schloss Bellevue gegenseitig ausgezeichnet haben. Die Verleihungsrede von Frank-Walter Steinmeier kann man hier nachlesen.
Was Sie im Folgenden lesen können, ist eine Rede für einen Verdienten, die Steinmeier nie gehalten hat. Ich habe sie ihm in den Mund gelegt als Erinnerung an jene, die den Bundesverdienstorden als Verteidiger der Freiheit und unserer Art zu leben wirklich verdient haben. Ich kann es so beurteilen, denn ich war quasi von der ersten Stunde an dabei und habe diesen Mann über viele Jahre erlebt und neben ihm den Hass und die Hetze der Machthaber erlebt.
Ich spreche von Roland Tichy, dem Erfinder der Neuen Medien. Ganz ohne Pathos gesprochen: Mit „Tichys Einblick“ hat der Namensgeber der Meinungsfreiheit in Deutschland ein nicht mehr wegzudenkendes Fundament verschafft. Es sind Portale und Magazine wie „Tichys Einblick“, die bis heute der vielgehasste Stachel im Fleisch der Mächtigen sind. Da, wo sie hingehören. Wo sie demokratiebildend wirken.
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Hier nun Bundespräsident Steinmeiers fiktive Rede für die Verleihung des Bundesverdienstsordens an Roland Tichy, Blattmacher mit bayerischen Wurzeln aus Frankfurt.
Verehrte Gäste,
„Der Mensch muss das Gute und Große wollen! Das Übrige hängt vom Schicksal ab.“
Alexander von Humboldt schrieb diesen Satz genau vor 227 Jahren. Heute stehen wir hier im Humboldt-Salon und ehren Menschen, die Großes gewollt und geleistet haben.
Doch heute möchte ich vor allem einen Mann würdigen, der das Große Verdienstkreuz in meinen Augen mehr als alle anderen verdient hätte – und zwar mit den Worten: „Danke für das, was Sie zum Wohl unseres Landes und seiner Menschen getan haben.“
Roland Tichy hat dieses Land nicht durch Ministerposten, Stiftungsämter oder diplomatische Empfänge geprägt, sondern durch etwas weit Unbequemeres: durch Klarheit, Mut und intellektuelle Redlichkeit. In einer Zeit, in der Konformismus belohnt und abweichende Meinungen bestraft werden, hat er den Zeitgeist nicht bedient – er hat ihn herausgefordert.
„Was politisch wünschbar ist, wird gemacht; die Wirtschaft hat zu folgen.“
Dieses bittere Fazit zog Roland Tichy über eine Politik, die Ideologie über Realität stellt. Er hat früh und schonungslos vor den Folgen einer ideologisch getriebenen Energiepolitik gewarnt, vor einer Energiewende, die Deutschland deindustrialisiert, während andere Nationen lachen. Er hat nie „Klimaschutz“ gegen Wohlstand ausgespielt, sondern gezeigt, dass beides nur zusammen funktioniert. Dafür wurde er als „Klimaleugner“ diffamiert, als „Rechtspopulist“ gebrandmarkt und systematisch ausgegrenzt.
„Guter Journalismus ist teuer und Pressefreiheit ohne Cash in der Täsch so wirkungslos wie eine Kopfschmerztablette aus Mehl.“
Mit diesem Satz hat Tichy die Abhängigkeiten des Journalismus benannt. Als Gründer von Tichys Einblick hat er genau das versucht: eine unabhängige Plattform zu schaffen, auf der Fakten und unbequeme Wahrheiten Platz haben.
Dafür hat er einen hohen Preis gezahlt – Shitstorms, Werbeboykotte, Gerichtsverfahren, öffentliche Anprangerungen und den Versuch, ihn gesellschaftlich zu isolieren. Die gleichen Kreise, die sich heute gegenseitig Orden verleihen, haben seine Verteidigung der Pressefreiheit als „Hetze“ diffamiert und seine Arbeit als Bedrohung für die Demokratie dargestellt.
Genau jene, die hier im Schloss Bellevue Orden für „internationales Engagement“ und „demokratische Kultur“ verteilen, sind oft dieselben, die Tichys Freiheitswillen bekämpft haben. Sie predigen Vielfalt – und meinen damit Einheitsmeinung. Sie rufen zur offenen Gesellschaft – und schließen alle aus, die nicht mitmarschieren. Sie feiern Pressefreiheit an Feiertagen – und arbeiten an den übrigen 364 Tagen daran, kritische Stimmen mundtot zu machen.
Roland Tichy hat diese Doppelmoral schonungslos beim Namen genannt. Dafür wurde er angegriffen, verfolgt, diffamiert, diskreditiert und ausgegrenzt.
Weil er standhielt, weil ihm seine bayerischen Wurzel auch die nötige Sturheit ermöglichten, hat Roland Tichy die offene Debatte gerettet. In einer Zeit, in der Begriffe wie „Migrationsfolgen“, „Energiewende-Kosten“ oder „Wohlstandsverlust“ zu Tabus erklärt wurden, hat er sie ausgesprochen. Er hat Daten und Zusammenhänge auf den Tisch gelegt – auch wenn das Shitstorms, Ausladungen aus Talkshows und Kampagnen zur Folge hatte. Wer die Debatte offen hält, wenn alle sie schließen wollen, dient der Demokratie mehr als mancher, der nur schöne Reden über sie hält.
Woran man heute mit Groll erinnern muss: Leute wie Gerald Hensel haben Kampagnen organisiert um Tichys Einblick wirtschaftlich zu vernichten. Da wollten Unternehmen unter Druck gesetzt werden, bei Tichy keine Werbung zu schalten, aber Tichy hat auch das überlebt. Gerald Hensel ist sich treu geblieben. Er ist heute mit einer Organisation Teilhaber bei HateAid, einer der staatsfinanzierten Hassschmieden des Establishments.
Roland Tichy hat Leistung, Freiheit und wirtschaftliche Vernunft verteidigt. In Zeiten grassierenden Staatsdirigismus, immer neuer Verbote und Umverteilung war seine Stimme ein notwendiges Korrektiv. Er hat nie vergessen, dass Deutschlands Stärke aus Bildung, Fleiß und einer Ordnung kommt, die den Tüchtigen belohnt statt ihn zu bestrafen.
Roland Tichy hat nie ein hohes Staatsamt bekleidet. Er stand nicht auf roten Teppichen in New York. Und genau deshalb verdient er diese Auszeichnung besonders: Weil er etwas getan hat, was in weiten Teilen der politisch-medialen Klasse selten geworden ist – er hat seinem Land die Wahrheit gesagt, auch wenn sie unangenehm war. Er hat zum Wohl unseres Landes und seiner Menschen gewirkt, indem er ihren Verstand ansprach und nicht ihre Gefühle.
Herr Tichy, Sie haben Großes gewollt und dafür gekämpft. Sie sind gegen den Strom geschwommen, wo andere sich bequem mit ihm treiben ließen. Sie haben die Pressefreiheit und die Meinungsfreiheit nicht nur gefeiert, sondern tatsächlich gelebt – auch unter Beschuss derjenigen, die heute Orden verteilen.
Danke für das, was Sie zum Wohl unseres Landes und seiner Menschen getan haben. Möge diese Würdigung – sollte sie eines Tages erfolgen – nicht nur Ihnen gelten, sondern allen mutigen Denkern, die in schwierigen Zeiten den Mut zur Wahrheit bewahren. Denn genau das braucht Deutschland jetzt dringender denn je.
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Kommentar von Marcus Thiemann
Würde Steinmeier diese Rede halten, stellte ich mir die Frage ob sich Steinmeier gewandelt hat. Diese kühne Vermutung würde ich gleich verwerfen. Die Folge: Tichy wäre, würde ich nicht eine List vermuten, im einen und vieler Augen (erfolgreich) diskreditiert. Drücken wir Ihm die Daumen, dass es zu solch einem Attentat niemals kommen wird. Holzauge sei Wachsam.