Die Beziehungen zwischen den USA, Israel und Marokko bilden seit den Abraham-Abkommen ein eng verwobenes strategisches Dreieck. Es verbindet Donald Trump, Benjamin Netanyahu und König Mohammed VI. und stützt sich auf historische Geheimdienstkontakte, territoriale Zugeständnisse und intensive militärische Zusammenarbeit.
Die Vorgeschichte beginnt auch mit privaten Kommentaren von Yair Netanyahu, dem Sohn des israelischen Ministerpräsidenten, und führt über das Abraham-Abkommen von 2020 und die Vertiefung unter Trumps zweiter Amtszeit direkt zur Migrationskrise in Ceuta Ende Juli 2026. Dabei zeigt sich besonders schillernd, wie soziale Medien Massenbewegungen orchestrieren können – analog zu früheren „Facebook-Revolutionen“.
Die Abraham-Abkommen sind 2020 unter US-Vermittlung geschlossene Normalisierungsabkommen zwischen Israel und arabischen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain, Marokko und dem Sudan. Die Abkommen sollen diplomatische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit ermöglichen.
Eine gewachsene enge Kooperation zwischen Israel und Marokko reicht bis in die 1960er-Jahre unter dem marokkanischen König Hassan II. zurück. So unterstützte etwa der Mossad mit Billigung des Königs aktiv die jüdische Emigration – „Operation Yachin“.
Der Mossad half auch bei der Abhörung arabischer Treffen vor dem Sechstagekrieg 1967, insbesondere bei der arabischen Gipfelkonferenz der Arabischen Liga im September 1965. Dort diskutierten arabische Staats- und Militärführer – unter anderem Nasser und König Hussein – über die Bereitschaft zu einem möglichen Krieg gegen Israel und eine gemeinsame arabische Kommandostruktur. König Hassan II. misstraute seinen arabischen Gästen und ließ die Beratungen sowie die Zimmer der Gäste heimlich aufzeichnen. Er gestattete einem gemeinsamen Team von Mossad und Shin Bet, ein ganzes Hotelstockwerk zu nutzen.
Diese und weitere geheimen Verbindungen, darunter personelle Netzwerke – eine Million Israelis haben marokkanische Wurzeln –, legten den Grundstein für spätere engere Beziehungen. Im Mai 2019 postete Yair Netanyahu auf Twitter/X
„Dear Arabs and Muslims. Want to free occupied Arab Islamic lands? Here’s a good start!“ („Liebe Araber und Muslime. Wollt ihr besetzte arabisch-islamische Länder befreien? Hier ist ein guter Anfang!“) mit einer Karte der spanischen nordafrikanischen Gebiete (Ceuta, Melilla und kleinere Peñones). Er verglich dies ironisch mit spanischer Kritik an israelischen Positionen zu Judäa und Samaria. Der Beitrag erschien im Vorfeld der Abraham-Abkommen und im Kontext spanisch-israelischer Spannungen.
Am 15. September 2020 wurde die Abraham Accords Declaration unterzeichnet. Marokko trat am 10. Dezember 2020 bei, der Sudan im Januar 2021. Um die Bedeutung Marokkos zu illustrieren: Mit Ausnahme des marokkanischen Außenministers Nasser Bourita gab es bis zur Zeremonie keine direkten Verhandlungen zwischen Israel und den anderen Partnern.
Gewissermaßen im Tauschgeschäft erkannten die USA unter Trump per Proklamation die marokkanische Souveränität über die gesamte Westsahara an und unterstützten Rabats Autonomieplan als einzige realistische Lösung. Auch Netanyahu war hier eng eingebunden. Mohammed VI. stimmte der Normalisierung der Beziehungen zu. Es kam zur Wiedereröffnung von Verbindungsbüros, Flügen und wirtschaftlich-diplomatischen Beziehungen.
Die Verhandlungen liefen über den königlichen Palast. Premierminister Saadeddine Othmani unterzeichnete formell neben Jared Kushner und Israels damaligem Nationalen Sicherheitsberater Meir Ben-Shabbat, der marokkanisch-jüdischer Herkunft ist. Auch der marokkanische Kronprinz Moulay Hassan war bei der Entgegennahme der US-israelischen Delegation anwesend.
Die Abkommen und die folgende Saharanerkennung als Quid-pro-quo schufen ein Muster, in dem territoriale Ansprüche durch westliche Partner belohnt werden. Spanien begrüßte die Normalisierung, bestand aber auf UN-Resolutionen für die Westsahara – die es vorher und nachher gab. Marokkos Premier eskalierte dahingehend, dass er Ceuta und Melilla als „so marokkanisch wie die Sahara“ bezeichnete. Spanien berief daraufhin die Botschafterin ein. Die Unterzeichnung führte zum Ende der Regierung Othmani.
Die Abraham-Abkommen stärkten Marokkos Position gegenüber Spanien und auf dem internationalen Parkett deutlich. Historisch gab es seit den 1970er-Jahren eine informelle Absprache, wonach Marokko die spanischen Enklaven nicht aktiv beansprucht, solange Spanien Gibraltar nicht zurückerhält – das 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg von britisch-niederländischen Truppen erobert wurde.
Die Abraham-Abkommen verschoben das Gleichgewicht jetzt zugunsten Rabats. 2023 erkannte Netanyahu offiziell die marokkanische Souveränität über die Westsahara an und schloss den Kreis.
2021 unterzeichneten Israel und Marokko ein „Defense Memorandum of Understanding“ – eine Absichtserklärung zur Verteidigung –, das erste seiner Art mit einem arabischen Staat. Hinzu kam ein gemeinsamer Plan über eine militärische Zusammenarbeit. Der ehemalige israelische General Benny Gantz erklärte im November 2021 in Rabat dazu: „We have just signed a defense cooperation MOU with Morocco. It is a very significant development…“ („Wir haben gerade eine Verteidigungs-Absichtserklärung mit Marokko unterzeichnet. Es ist eine sehr bedeutende Entwicklung…“)
Ebenfalls erwähnenswert in diesem Kontext: Israel nimmt seit etwa 2022/2023 an der US-geführten Übung African Lion teil. Und Rüstungskooperationen umfassen Heron-Drohnen, Barak MX-Luftabwehr, SkyLock Anti-Drohnen-Systeme, ATMOS-Artillerie und SpyX-Kamikaze-Drohnen.
Seit 2024/2025 produziert eine Fabrik des israelischen Rüstungskonzerns BlueBird Aero Systems (IAI-Tochter) Kamikaze-Drohnen im marokkanischen Benslimane. Diese Fertigungsstätte ist die erste israelische Rüstungsindustrie-Anlage in Nordafrika.
Wie eingangs erwähnt, stehen die Geheimdienste historisch und gegenwärtig in sehr engem Austausch. Diese Zusammenarbeit wird von den USA mittlerweile verstärkt. Im Fokus stehen Iran, Jihadisten im Sahel sowie Westsahara/Polisario/Algerien.
Die USA und Marokko arbeiten auch bei gemeinsamen Militärübungen in den Bereichen Aufklärung und Überwachung (ISR), elektronische Kriegsführung sowie bei gemeinsamen strategischen Plänen (Roadmaps) eng zusammen. Zusätzlich bildet das amerikanische Office of Security Cooperation in Marokko lokale Kräfte in Geheimdienstarbeit, Cyber-Sicherheit und Anti-Terror aus.
Der US-Drohnen-Hub – ein regionales Drohnen-Trainingszentrum der USA in Marokko – baut auf israelischer Hardware auf und schafft ein gemeinsames Testfeld gegen Drohnen-Schwärme. Marokko gilt den USA als wichtiger Nicht-NATO-Verbündeter. Marokko kauft in großem Umfang US-Waffen, darunter F-16-Kampfjets und Apache-Kampfhubschrauber. Zudem ist der Maghreb-Staat ein enger Partner der USA bei der Terrorbekämpfung und bei Friedensmissionen. Der Austausch ist hoch und vertrauensvoll.
Unter Trump und Netanyahu vertiefte sich diese besondere Zusammenarbeit weiter. Die USA verstärkten die Unterstützung für Marokkos Westsahara-Position. Im Januar 2026 war König Mohammed VI. Gründungsmitglied des „Board of Peace“ von Donald Trump. Diese auch „Peace Council“ genannte Gruppe ist eine von Trump initiierte internationale Organisation, die Konflikte weltweit – besonders im Nahen Osten und in Gaza – lösen will. Sie arbeitet – jedenfalls betonte der UN-Kritiker Trump es explizit – mit den Vereinten Nationen zusammen und soll eine neue, praxisorientierte Herangehensweise an Friedensprozesse bieten.
Marokko beteiligt sich auch an der International Stabilization Force (ISF) für Gaza – einer internationalen Stabilisierungstruppe unter dem Board of Peace. Marokkanische Offiziere und später Soldaten und Polizisten sollen bei der Sicherung, dem Training und der Stabilisierung des Gazastreifens nach dem Krieg mithelfen.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Als besonderes Zeichen der Wertschätzung benannte Marokko 2026 die Autobahn Tiznit–Dakhla, die durch die Westsahara führt, nach Donald Trump. Trump bedankte sich öffentlich und nannte es eine große Ehre.
Zwischen den USA und Marokko wurde zudem eine 10-Jahres-Roadmap (2026–2036) vereinbart. Dieser Fahrplan betrifft ausschließlich die bilaterale Verteidigungskooperation und regelt, wie die USA und Marokko in den kommenden zehn Jahren in den Bereichen Sicherheitsstandorte, alte Flugplätze, Cyber, Drohnen usw. zusammenarbeiten wollen.
Gerade erst im Juli 2026 unterzeichneten die USA und Marokko ein Memorandum of Understanding für das Africa Multidomain Training and Experimentation Center (AMTEC) in Tan-Tan im Südwesten des Landes. Das Zentrum soll bis etwa 2030 entstehen und umfasst eine Multidomain-Training Area, eine Drone Academy sowie ein Innovations- und Experimentierzentrum. Die Multidomain-Training Area ist ein Übungsgebiet, in dem gleichzeitig in mehreren Bereichen wie Luft, Boden, Cyber, elektronische Kriegsführung und Drohnen trainiert wird. Die Drone Academy bildet Soldaten und Partnerkräfte im Einsatz und der Abwehr von Drohnen aus. Die Militärübung African Lion 2027 ist als erster Praxistest vorgesehen.
Israel und Marokko unterzeichneten zudem einen gemeinsamen Militärplan für 2026. Die strategische Allianz, besonders bei der Erweiterung der Abraham-Abkommen, bleibt intakt. Kronprinz Moulay Hassan wird bereits auf die Fortsetzung dieser Linie vorbereitet.
Ende Juli 2026 überquerten schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Menschen, überwiegend junge Marokkaner, die Grenze nach Ceuta. Teilweise versuchten sie auch, die spanische Exklave Melilla zu erreichen. Dabei starben mindestens 57 Menschen. Spanische Geheimdienste hatten bereits vorab vor Busankünften in Fnideq (Castillejos) und vor einer möglichen „Geste der Großzügigkeit“ des Königs rund um den Throntag gewarnt. Die spanische Regierung soll diese Warnungen systematisch ignoriert haben.
Augenzeugen berichteten von Passivität oder sogar Wegweisung durch marokkanische Sicherheitskräfte. Erst viel später griffen diese massiver ein. Diese Invasion erinnert stark an den Ansturm von 2021, bei dem rund zehntausend Menschen die Grenze überquerten und der damals als politisches Druckmittel gewertet wurde.
Der spanische Regierungschef Sánchez und seine Behörden gaben vor allem Schleuser- und Menschenhändler-Netzwerken die Schuld: Diese hätten ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang Juli 2026 – keine sofortigen „Pushbacks“ bei Ankunft auf dem Seeweg – viral als „sichere Chance“ interpretiert. Wirtschaftliche Probleme und Jugendarbeitslosigkeit in Marokko waren Push-Faktoren.
Zu den angeblichen raschen massenhaften Rückführungen gibt es kaum Filmaufnahmen. In den sozialen Medien heizte das jetzt die Idee an, dass es gar keine Rückführungen in dem Maße gab.
US-Präsident Trump kritisierte vor allem Spanien und nicht Marokkos Regierung. Bei einer Kabinettssitzung sagte er: „I saw Spain yesterday, and I watched the catastrophe that took place. It looks like an invasion of a country… Hundreds of thousands of people. And that same thing’s going to happen to us if the Republicans don’t get elected, except worse…“ („Ich habe gestern Spanien gesehen und die Katastrophe beobachtet, die dort stattgefunden hat. Es sieht aus wie die Invasion eines Landes … Hunderttausende von Menschen. Und genau dasselbe wird uns passieren, wenn die Republikaner nicht gewählt werden – nur noch schlimmer …“
Das State Department (unter Außenminister Marco Rubio) nannte den Vorfall „unacceptable“ und „egregious violation“ der spanischen Souveränität, stellte sich „an die Seite des spanischen Volkes“ und schob die Schuld ausdrücklich auf die „deliberate efforts of the Spanish Government to enable and facilitate mass illegal migration into Europe“. Marokko wurde von Rubio weder kritisiert noch direkt erwähnt.
Zur Erinnerung: Sánchez hatte US-Militäraktionen im Nahen Osten kritisiert und US-Militärflugzeugen die Nutzung spanischer Basen erschwert.
Am 30. Juli 2026 (Krönungstag in Marokko) veröffentlichte das State Department eine lobende Erklärung: Glückwünsche an den König und das Volk, Betonung der „longest friendship in American history“ (fast 250 Jahre), Würdigung Marokkos als „anchor of regional stability and security“ (Abraham Accords, Sahel), Bekräftigung der US-Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara und Unterstützung des Autonomieplans.
Aber warum gab es hier keine öffentlichen Vorwürfe an Marokko trotz dessen Zuständigkeit für die Grenzsicherung? Die strategische Partnerschaft (Abraham-Abkommen, Anti-Terror, Westsahara-Unterstützung) gibt Rabat faktisch eine Art Carte blanche.
Dass Marokkos Partner nichts von der Planung der Invasion mitbekamen, erscheint unwahrscheinlich. Moderne Dienste (CIA, NSA, Mossad) erfassen routinemäßig virale TikTok-/WhatsApp-/Facebook-Kampagnen, Buskonvois und Ansammlungen.
Die Mobilisierung der 60.000 ähnelte dem Arabischen Frühling von 2010/11 mit Facebook/Twitter als Koordinationsplattformen. Ebenso erinnerte sie an die iranischen Protestwellen.
Zu Ceuta führten 2026 öffentliche WhatsApp-/Facebook-Gruppen mit Zehntausenden Mitgliedern, TikTok-/Instagram-Videos erfolgreicher Überquerungen, Karten, Ausrüstungstipps und Hashtags (#Haraga, #Fnideq, #Hijma).
Marokkanische Medien sprachen von „perversen“ oder algerisch gesteuerten Gruppen, spanische Behörden von Schleusern, die das Gerichtsurteil viral ausnutzten. Auch in Marokko gab es zuvor junge Proteste über die sozialen Medien. Hier wird es heute extrem einfach und günstig, spontane Massenbewegungen zu organisieren – vor allem unter jungen, unzufriedenen Menschen mit Smartphone. Das ist zwar ein wiederkehrendes globales Phänomen und muss nicht zwingend das Ergebnis einer gesteuerten Geheimdienst-Operation sein. Aber welcher Geheimdienst würde so etwas liegen lassen?
Die Abraham-Abkommen haben Marokko gestärkt und die regionale Architektur verändert. Für die Enklaven bedeuten sie ein potenziell asymmetrisches Machtverhältnis und Gelegenheiten für diplomatischen Druck, wenn Spanien mit den Partnern dieses Abkommens in Konflikt gerät.
In angespannten Phasen, etwa wenn Sánchez Israel-Politik kritisiert, Palästina-Anerkennung fordert, Waffenembargos beschließt oder bei US-Basen zögert, tauchen sofort Stimmen auf, die Ceuta und Melilla als „in marokkanischem Territorium gelegen“ oder „koloniale Enklaven“ beschreiben – so etwa zuletzt US-Kongressmitglieder, Think-Tanks und einzelne israelische Diplomaten.
Donald Trump legt großen Wert auf globale Chokepoints – Panama-Kanal, Straße von Hormuz, Bab el-Mandeb, Malakka und Gibraltar. Die Straße von Gibraltar ist einer der wichtigsten: Verbindung vom Atlantik zum Mittelmeer und ein gigantischer Handels- und Militärverkehr.
Gemeinsame Militärpläne und israelische Waffenlieferungen stärken Marokko an der südlichen Flanke Spaniens. Das Dreieck Washington–Rabat–Jerusalem bleibt bis heute eng verbunden über den 2020er-Deal und die fortgesetzte trilaterale Sicherheitskooperation. Die Fakten zeigen eine klare Priorisierung strategischer Partnerschaften gegenüber kurzfristigen Migrationskritiken.
Das strategische Dreieck USA–Israel–Marokko zeigt, wie eng verwobene Geheimdienst- und Militärpartnerschaften selbst bei der Ceuta-Krise 2026 greifen: Die massenhafte „Invasion“ erscheint kaum denkbar, ohne dass Washington und Jerusalem zumindest mitwissend – wenn nicht planend – im Hintergrund standen.
Marokko agierte hier als williger Akteur einer abgestimmten Strategie, die nicht nur spanische Souveränität unter Druck setzt, sondern gezielt Sanktionen gegen Sánchez und eine Schwächung Europas – womöglich auch Deutschlands – vorantreibt. So wird greifbar, dass in diesem Dreieck geopolitische Interessen und Einflusszonen klar vor kurzfristigen Migrationskritiken rangieren.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung
Kommentare
melden
Kommentar von stephan manus
Trump hat gestern schon Politik damit gemacht. Interview Camp David:
" I saw Spain yesterday...Invasion of a country by hundred of thousands people. The same thing is going to happen to us if Republicans dont get elected, except worse, much bigger."
Na ja, aber bei Trump glaube ich, sowas würde sich keiner wagen. So was geht nur in der EU/westlichen Europa.