Wenn der öffentlich-rechtliche Elefant im Raum steht: Die AfD darf einfach nicht punkten. Punkt.

Chrupalla bei Miosga: Der Spiegel feiert den Schauprozess

von Alexander Wallasch

Wenn Miosga mit dem Vorschlaghammer kommt, bringt man besser keinen Pinsel mit.© Quelle: ARD/ Mediathek, Screenshot

Gestern bei Caren Miosga war nicht Moderation, sondern Exekution. Der Spiegel bestätigt: Die AfD darf keinen Punkt machen. Nie. Seit zehn Jahren dasselbe Drehbuch – nur die Masken sind jetzt endgültig gefallen.

Die Meldungen kamen gestern via Social Media im Sekundentakt: „Die grillt den!“ und „Um Himmels willen, ich kann gar nicht hinschauen“, andere bekannten, dass sie immer mal wieder umschalten mussten, um überhaupt ertragen zu können, was die Moderatorin Caren Miosga da mit dem AfD-Chef Tino Chrupalla zur besten Sendezeit veranstaltet.

Zunächst mal eine grundsätzliche Feststellung: Ja, man kann sich besser gegen eine bestimmte Form der Angriffe, Diffamierungen und Diskreditierungen durchsetzen, als es Tino Chrupalla gestern Abend zur besten Sendezeit gelungen ist. Wer ins Haifischbecken steigt, muss eine Harpune im Köcher haben oder eben in einem Gitterkäfig hinabsteigen.

Chrupalla kam in Badehose zum Schwimmen und wurde mehrfach heftig gebissen. Und der AfD-Chef ist längst nicht mehr nur der einfache Handwerksmeister aus dem Osten, als der er bisweilen noch verkauft wird. Tino Chrupalla ist auch ein redegewandter Politiker, der seine hölzerne Phase am Pult im Plenum längst abgestoßen hat.

Was war also los gestern bei Miosga? Das ist so einfach wie wenig befriedigend erklärt: Wer unter solchen unfairen Verhältnissen, wie sie bei Miosga vorlagen, punkten will, der muss zu Miosga werden. Und Chrupalla hat das gestern abgelehnt. Ob nun aus Unwillen oder Unvermögen, spielt dabei keine Rolle.

In eigener Sache: Ich war bundesweit ab 2015 der Erste, der regelmäßig alle vier öffentlich-rechtlichen Talkshows Woche für Woche rezensiert hat. Damals gehörten diese Besprechungen zu den meistgelesenen Texten bei Tichys Einblick überhaupt. Fazit: Nach zehn Jahren hat sich nichts geändert, dazu muss man nur exemplarisch eine Rezension zu einer Maischberger-Sendung aus Januar 2016 lesen: Damals stand Frauke Petry noch der AfD vor.

Um zu verstehen, um was es seit über einem Jahrzehnt geht, reicht es, sich die Medienberichterstattung der regierungsnahen Zeitungen von heute anzuschauen, die mittlerweile fest zum Vernichtungsritual der Regierung und des Regierungsfernsehens dazugehören.

Und der „Spiegel“ liefert heute Morgen so Unterirdisches, dass man attestieren kann, dass hier alle Masken gefallen sind: Es geht um die Zerstörung der AfD, um den ‚Kampf gegen Rechts‘, um das Ende des Journalismus oder schlicht um Regierungspropaganda.

Der „Spiegel“ beginnt mit Donald Trump und der Miosga-Frage an Chrupalla, ob Donald Trump ein Vorbild für Deutschland sei. Das sei eine Frage, in der schon alles drinstecke – so das Blatt – und die ein Politiker nur mit „Nein“ beantworten könne. Der Spiegel sagt auch warum:

„Wie könnte ein dauerlügender, hämischer, rassistischer, die internationalen Beziehungen mit Füßen tretender, auf demokratische Institutionen und das Völkerrecht pfeifender, autoritärer und Schlägertruppen einsetzender Unternehmer, um es mal wohlwollend auszudrücken, denn wohl ein Vorbild sein?“

Und dann wäre Trump als Thema der Sendung auch erledigt gewesen. Aber die Sendung sei dann doch weitergegangen, weil AfD-Chrupalla der Gast war. So beginnt der „Spiegel“.

Das Blatt wollte anschließend erkannt haben, dass Miosga noch etwas anderes im Sinn hatte:

„Worauf Miosga es eigentlich anlegte, war wohl unter anderem, Konfliktlinien innerhalb seiner Partei kenntlich zu machen.“

Und noch etwas will der Spiegel erkannt haben. Auch das Blatt hatte – hier überwiegend Autor Arno Frank – irgendwann angefangen, regelmäßig diese ÖR-Talkshows zu besprechen, nachdem man bemerkt hatte, dass Tichys Einblick mit seinen Besprechungen regelmäßig im Ranking in Social Media die ersten Plätze belegte.

Erkannt haben will der Spiegel heute früh, dass die AfD-Vertreter immer in Talkshows kommen, um den Moderator über den Tisch zu ziehen. Das ist so jenseits des Tatsächlichen, dass man schmunzeln muss, auch ob der Durchsichtigkeit:

„Wann immer jemand von der AfD in einem Talkstudio sitzt, ist allerdings auch die Moderation im Zentrum der Beobachtung. Erkennt sie die Strategien, mit der sie über den Tisch gezogen werden soll, und wie reagiert sie darauf? Lässt sie Unsinn durchgehen? Welche Schlüsse hat sie aus all den schwierigen, teilweise grundlegend gescheiterten Talks mit AfD-Leuten gezogen?“

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Begreift der „Spiegel“ noch selbst, was er da macht, oder ist es schon ein Reflex, ein Automatismus? Die AfD darf keinen Punkt im TV machen. Punkt! Und macht sie es doch, hat sich der Moderator über den Tisch ziehen lassen. Es geht prinzipiell darum, mit allen Mitteln AfD zu verhindern.

Auch mit unfairen Mitteln! Nichts anderes sagt der „Spiegel“.

Das muss man begreifen. Es geht nicht mehr um Fairness. Oder um die lächerliche Falschbehauptung, die etablierte Politik und die Medien hätten sich jetzt vorgenommen, die AfD in der Diskussion zu stellen, wie es etwa nach dem internen CDU-Gipfel zum Umgang mit der AfD hieß. Im regierungsnahen öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat sich seit zehn Jahren, also mit Beginn der illegalen Massenzuwanderung, rein gar nichts geändert, ich kann es bezeugen, ich war von Anfang an dabei.

Und was wir dabei nicht vergessen dürfen: Wer heute volljährig bzw. 16 Jahre alt und wahlberechtigt ist, muss sich diese konzertierte Diffamierungs- und Ausgrenzungskampagne gegen die AfD seit dem ersten Grundschuljahr anhören!

Aber weiter beim „Spiegel“ zur gestrigen Miosga-Talkshow mit Chrupalla. Hier soll man sich erneut die Miosga-Bundestags-Vorwahl-Sendung mit dem grünen Robert Habeck anschauen: Aus journalistischer Sicht eine abstoßende Liebeserklärung einer Moderatorin an das Objekt ihrer Begierde. An Fremdscham unübertroffen. Hier kann sich Chrupalla eigentlich glücklich schätzen, dass er nicht auf diese Weise Angriffsfläche eines durchgedrehten Turteltäubchens geworden ist. Oder im ganzen Satz: Wenn Habecks Turteltäubchen zur Furie wird.

Dem „Spiegel“ ist es übrigens auch aufgefallen. Der schreibt dazu: „Miosga versuchte diesmal gar nicht erst, mit Chrupalla soft talk zu machen.“

Und das Blatt bestätigt obendrein, dass Chrupalla zu unterschiedlichen Themen durchaus auch nachdenklich und selbstkritisch antwortet. Aber immer, wo das passiert, ist die Flanke offen und Einfallstor für den nächsten Übergriff der regierungstreuen Caren Miosga.

Nur ein Beispiel:

„Chrupallas Versuch, den Krieg in der Ukraine mit den Sicherheitsinteressen Russlands zu begründen, die ‚man ein Stück weit mitberücksichtigen‘ sollte, konterte sie handfest: ‚Was Sie da erzählen, ist reine Kremlpropaganda.‘ Mehrmals mahnte sie, er solle bei den Fakten bleiben.“

Chrupalla erklärt weiter: „Ich sehe aktuell nicht, dass Deutschland von Russland bedroht ist.“ Nichts, aber auch gar nichts an diesem Satz ist illegitim. Es ist eine klare und unmissverständliche oppositionelle Haltung entgegen den Narrativen der Bundesregierung. Und natürlich ist diese Haltung eine Debatte wert, aber sie ist kein Unsinn.

Man kann natürlich kritisieren, dass Russland eine Bedrohung geworden ist, seit Deutschland so massiv die Ukraine unterstützt. Aber das ist nicht die Denkrichtung der Etablierten. Es ist die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei: Sollen die Waffenlieferungen der Bedrohung etwas entgegensetzen oder führen sie erst dazu?

Der „Spiegel“ outet sich. Es geht nicht darum, Argumente auszutauschen. Es geht darum, die AfD mit allen Mitteln zu verhindern. Wirklich mit allen:

„Im Grunde war ihre Moderation schon gelungen – konzentriert, nachsetzend, vorbereitet war sie auch. Es blieb nur die Frage nach dem Elefanten im Raum: die nach der Normalisierung einer rechtsextremen Partei durch Präsenz im Talk.“

Das heißt nichts anderes, als dass die AfD für den „Spiegel“ per se im Zwangsgebührenfernsehen nichts verloren hat. Und Miosga wird es exakt genauso sehen. Aber worüber dann diskutieren? Dann ist das regierungsnahe Öffentlich-Rechtliche der erklärte Feind der AfD – nichts daran ist eine neue Nachricht. Und wenn der Spiegel mit dem Vorschlaghammer kommt, bringt man besser keinen Pinsel mit.

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