Die Linke erklärt Remmo für unerwünscht. Reporter sehen ihn im Festsaal und im Backstage

Clan-Chef war Backstage: An der Tür abgewiesen – und trotzdem hinter der Bühne?

von Alexander Wallasch

War er es oder nicht?© Quelle: Grok

Die Partei hat eine fertige Formel: nicht eingeladen, nicht auf der Liste, rausgeschickt. Sie passt auf Neukölln. In Kreuzberg stehen drei Versionen unversöhnt nebeneinander. Genau dieser Widerspruch ist der eigentliche Skandal.

Die Berliner Linke sagt: Issa Remmo war nicht eingeladen, stand nicht auf der Anmeldeliste und es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu ihm. Die Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte im ZDF: „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt.“ Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand der Neuköllner Linken erklärte gegenüber dpa, die Veranstaltung sei öffentlich gewesen, auch ungeladene Personen hätten Zutritt gehabt. „Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt.“ Das klingt nach einem abgeschlossenen Fall. Aber es ist keiner: Das ist nur die Version, welche die Medien schlucken sollen.

Diese Geschichte beschreibt nur den einen Ort. In Neukölln ist sie tatsächlich nachvollziehbar. Der Journalist Yossi Bartal schilderte, er habe Remmo erkannt und die Organisatoren informiert, woraufhin Remmo aus dem Saal verwiesen worden sei. Aber das erklärt nur Neukölln, nicht Kreuzberg.

Im Festsaal Kreuzberg feierte der Landesverband. Und dort zerfällt die von den Linken gestrickte Remmo-Legende. Der Tagesspiegel schreibt nämlich, Remmo sei erst in Neukölln und dann bei der Landesparty gewesen. In Kreuzberg sei er „gleich im Backstage-Bereich verschwunden“. BILD berichtet, Reporter hätten ihn an beiden Orten gesehen, und setzt unter ein Foto aus Kreuzberg die Zeile: Gregor Gysi im VIP-Bereich, „Issa Remmo soll auch da sein“.

Die B.Z. schreibt, Remmo sei später auch in Kreuzberg aufgetaucht und schnell wieder verschwunden; trotzdem hätten ihn B.Z.-Reporter gesehen. Die NZZ beschreibt ihn nicht als Gerücht an der Tür, sondern als Szene im Saal: mit Begleiter unterwegs, im Gespräch mit ein paar Leuten, nicht lange geblieben.

Dagegen steht die zweite offizielle Linie. RTL und ntv berichten unter Berufung auf einen Augenzeugen, Remmo habe die Kreuzberger Party besuchen wollen, sei aber am Eingang abgewiesen worden. Eralp sagte RTL/ntv, er habe keine Einladung gehabt und sei „sofort raus gebeten“ worden.

Also nochmal: Dieselbe Partei, derselbe Abend, derselbe Mann: einmal an der Tür abgewiesen, einmal im Saal gesehen, einmal im Backstage-Bereich verschwunden. Diese drei Versionen sind von den berichtenden Medien bis heute nicht miteinander verrechnet worden. Warum nicht?

Wer die Abweisung für wahr hält, muss erklären, warum Tagesspiegel, BILD, B.Z. und NZZ Remmo innen verorten. Wer die Innen- und Backstage-Berichte für wahr hält, muss erklären, warum die Parteiformel „sofort raus gebeten“ den Vorgang in Kreuzberg nicht trägt. Beides zugleich unwidersprochen stehen zu lassen ist eine klaffende Leerstelle.

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Backstage ist dabei kein juristischer VIP-Status. Aus dem Wort allein folgt kein Pass, keine Ehrengastliste, keine Einladung. Es folgt aber eine andere Zugangslogik als die einer öffentlichen Veranstaltung. Der Publikumsraum ist nicht der Bereich hinter den Kulissen.

„Nicht eingeladen“ ist eine Aussage über die Liste. „Rausgeschickt“ ist eine Aussage über den Moment der Entdeckung. „Im Backstage-Bereich verschwunden“ ist eine Aussage über einen Weg, den normale Gäste in der Regel nicht haben. Die Linke beantwortet bisher nur die erste Ebene – und zwar mit der Erklärung für Neukölln.

Deshalb reicht der Satz von der öffentlichen Veranstaltung hier nicht. Ein Konzert kann öffentlich sein, ohne dass jeder auf die Bühne darf. Eine Wahlparty kann öffentlich sein, ohne dass jeder hinter die Bühne gelangt. Wer behauptet, Remmo sei ein völlig unbekannter, unerwünschter Mann ohne jede Beziehung zur Partei gewesen, muss umso präziser sagen, wie dieser Mann – falls die Kreuzberg-Berichte stimmen – bis in den abgegrenzten Bereich kam. Je größer die behauptete Distanz, desto erklärungsbedürftiger der Zugang, logisch.

Die Fragen sind kein Hexenwerk, sie lassen sich handwerklich beantworten ohne spekulativ zu werden.

Welche der drei Versionen hält die Berliner Linke für zutreffend? Stand Remmo auf einer Liste der Landesparty? Hatte er Bändchen, Akkreditierung, Begleitung? Wurde er am Haupteingang oder an einem zweiten Zugang kontrolliert? Wer hatte die Backstage-Kontrolle? Wer hat ihn dort gesehen? Existieren Einlasslisten, Security-Protokolle, Videoaufnahmen? Solange das offenbleibt, ist „nicht eingeladen“ keine Aufklärung, sondern eine Vertuschung.

Remmo selbst sagte der Berliner Morgenpost, von der Linken fühle er sich in Deutschland erstmals unterstützt. Das beweist keine Allianz. Es macht die offene Türfrage nur schärfer. Ein ungebetener Mann in einem vollen Saal ist ein Organisationsproblem. Derselbe Mann, von der Partei für unerwünscht erklärt, in den Berichten aber bei der Landesparty und hinter der Bühne: das ist die ungeklärte Tür.

Nein, nicht der VIP-Pass ist der Skandal. Der Widerspruch ist es. Wer öffnete Issa Remmo in Kreuzberg den Weg hinter die Bühne – oder warum behauptet die Partei eine Abweisung, während Reporter ihn innen beschreiben? Die Berliner Linkspartei wird diese Antwort geben müssen. Und die Antwort sollte gut überlegt sein, denn daran hängt das Schicksal einer Koalition unter linker Führung.

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