Auf den Hund gekommen und dann ausgemustert für Selektion von guten und schlechten Arbeitskollegen

Corona-Spürhunde mit Millionen Steuergeldern ausgebildet und dann bei VW ans Werkstor gekettet?

von Alexander Wallasch

Die Trainer und Projektleiter aus Hannover haben über zwei Jahre an der Forschung und Ausbildung ihrer Hunde gearbeitet. Sie haben dabei über eine Million Euro Steuergelder ausgegeben. Und jetzt gibt es keine Aufgabe für ihre so hoch spezialisierten Hunde?© Quelle: Pixabay Dog

1,3 Millionen Euro berappte der Steuerzahler für ihre Ausbildung. Auf der Suche nach einem Verwendungszweck nach der Pandemie verirrt sich ein Hannoveraner Professor in einer Dystopie.

Zuerst veröffentlicht bei epochtimes.de.

1,3 Millionen Euro berappte der Steuerzahler für ihre Ausbildung. Auf der Suche nach einem Verwendungszweck nach der Pandemie verirrt sich ein Hannoveraner Professor in einer Dystopie.

Eine Altenpflegerin nimmt ihre Mischlingshündin einmal die Woche mit ins Pflegeheim. Für die von ihr versorgten und gepflegten alten Menschen ist dieser tierische Gast ein Quell der Freude. Die Hündin ist eine ruhige Vertreterin ihrer Art, sie lässt sich willig streicheln und nimmt auch gerne die angebotenen Leckerlis.

Nun mag das für ein über Jahrtausende hinweg so eifrig domestiziertes Wesen eine einigermaßen erträgliche, passive Tätigkeit sein. Aber der Hund auf dem Sofa als Streichelzoo ist ein Ereignis der Neuzeit. Geht man wenige Generationen zurück, wird aus dem umsorgten Gefährten das Nutztier; kaum eine Hunderasse, der nicht für einen bestimmten Zweck physische wie charakterliche Merkmale verstärkt angezüchtet worden sind.

Ganz vorn dabei der Wachhund, der Blindenhund oder der Vierbeiner als Jagdbegleiter und Fährtensucher. Letzteres hat in jüngerer Zeit für besondere Aufmerksamkeit gesorgt, als es Forschern gemeinsam mit Hundetrainern gelang, die Nase des Hundes gezielt zur Früherkennung von Krankheiten und als eine Art Warnsensor, etwa bei akuten Diabetes-Unterzuckerungen, zu nutzen. Ein Quantensprung in der Hundeausbildung könnte man sagen.

Auch eine Sensibilität der Hundenase für Krebs und andere Krankheiten wurde bereits erfolgreich antrainiert. Aus dem Zollspürhund, der harte Drogen am Flughafen aus dem geschlossenen Koffer heraus erschnüffelt, wurde der Lebensretter für erkrankte Menschen.

Der Hund als Retter des Menschen findet sich wieder im Motiv des gutmütigen Schweizer Bernhardiners, der mit dem Schnapsfass am Hals Lawinenopfer aufspürt. In Wahrheit haben die tierischen Helfer allerdings zu keiner Zeit Hochprozentiges ausgeschenkt.

Schnaps hin oder her: Der Hund erwärmt die Seelen einsamer Menschen. Aber die treuen Geschöpfe sind leider immer wieder von autoritären Systemen und Charakteren missbraucht worden, Angst und Schrecken zu verbreiten und an den kurzen Leinen der Düstermänner in ihren langen Ledermänteln die Zähne zu fletschen.

Sensible Seelen unter den Hundeliebhabern mögen so einen Eindruck bekommen haben, als das niedersächsische Wissenschaftsministerium im Herbst 2021 das Pilotprojekt „Back to Culture“ mit 1,3 Millionen Euro förderte, um Hunde zu trainieren, Corona-Infektionen aufzuspüren.

Ausgedacht hatte sich das die Tierärztliche Hochschule Hannover, eigentlich ein Ort, an welchem Hundebesitzer der Region Hoffnung schöpfen, wenn der Tierarzt um die Ecke nicht mehr weiterkommt mit seiner Diagnose des erkrankten Hundes.

Ende 2021 wurden die ersten Corona-Schnüffelhunde bei Konzertveranstaltungen eingesetzt. Vor wenigen Tagen gab es die abschließende Auswertung des probeweisen Einsatzes der Corona-Spürhunde.

Veröffentlicht wurde das Ergebnis in der Fachzeitschrift „BMJ Global Health“. Der niedersächsische Minister für Kultur und Wissenschaft äußerte sich begeistert, das Ergebnis zeige, „dass der Einsatz der Hunde eine Option sein kann, und ist ein weiterer Beleg für die Kreativität und Innovationskraft Niedersachsens.“

Die von den Studienmachern vermeldeten Ergebnisse klingen dann so:

„Die SARS-CoV-2-Spürhunde erreichten eine diagnostische Spezifität von 99,93 Prozent (Erkennung negativer Proben) bzw. eine Sensitivität von 81,58 Prozent (Erkennung positiver Proben). Die Gesamtrate übereinstimmender Ergebnisse betrug 99,68 Prozent. Die Mehrheit der Teilnehmenden war mit unterschiedlichen Impfstoffen und Impfschemata geimpft worden.“

Studienmacher Professor Holger Volk ergänzt begeistert:

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass SARS-CoV-2-Spürhunde in einem realen Szenario eine hohe diagnostische Genauigkeit erreichen können. Impfstatus, frühere SARS-CoV-2-Infektion, chronische Erkrankung und Medikation der Teilnehmenden hatten keinen Einfluss auf die Leistung der Hunde, eine akute Infektion zu erkennen. Außerdem zeigt die Studie, wie es organisatorisch gut möglich ist, Corona-Spürhunde im Alltag einzusetzen.“

Aber was passiert jetzt mit den Hunden, wenn eine Corona-Infektion lediglich noch den Rang einer Erkältung hat?

Die Trainer und Projektleiter aus Hannover haben über zwei Jahre an der Forschung und Ausbildung ihrer Hunde gearbeitet. Sie haben dabei über eine Million Euro Steuergelder ausgegeben, sie haben nach einer Erprobungsphase Erfolge vermeldet und jetzt gibt es keine Aufgabe für ihre so hoch spezialisierten Hunde?

Das darf nicht sein. Und das ließ Professor Holger Volk, dem Leiter der Studie, keine Ruhe. Gegenüber dem NDR sagte er:

„Der Hund ist in diesem Fall ein Frühwarnsystem. Große Firmen wie Continental oder Volkswagen hätten mit ihnen ein relativ günstiges Screening-Tool, um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhöhen.“

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Was hier spontan klingt wie die verzweifelte Vermarktung eines zwischenzeitig überflüssigen Produktes, scheint genau das zu sein. Denn wer von einem Frühwarnsystem spricht, der geht von einer Zeit ohne Inzidenzen aus, wo Hunde an Werkstoren routinemäßig Mitarbeiter nach Krankheiten abschnüffeln sollen.

Wie muss man sich den Vorschlag des Professors praktisch vorstellen? Werden demnächst verschiedene Hunde auf unterschiedliche Krankheiten hin trainiert und muss dann der Werktätige vor Arbeitsantritt einen Spießrutenlauf entlang einer werkseigenen, hoch spezialisierten Hundestaffel absolvieren?

Denkt man diese dystopisch groteske Szene einmal zu Ende, wohin könnte das führen? Möglicherweise dahin, dass auch Personalabteilungen dieser Betriebe vor Einstellungsgesprächen Hunde den Gesundheitszustand der verstörten Bewerber erschnüffeln. Verdacht auf Diabetes? Oder gar Krebs? Oder auch Schwangerschaften im Frühstadium? Auf Wiedersehen, Ihre Bewerbung muss leider abgelehnt werden. Es tut uns leid, der Hund hat Verdächtiges angezeigt.

Die Linkspartei hat sich übrigens schon vor Jahren über Pläne aufgeregt, dass Diensthunde im Strafvollzug jeden Besucher, Rechtsanwalt oder wer dort Zugang hat nach Drogen abschnüffeln sollen. Von der Linken hieß es dazu:

„Wenn Sie das ernst meinen, müssten Sie jeden Rechtsanwalt, jedes Kind, jede Oma, die ihren Enkel besucht, beschnüffeln lassen. Da muss ich ganz klar sagen: Dieser Eingriff in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger ist mit uns nicht zu machen.“

Und den Irrsinn noch weitergedacht: Was passiert mit jenen Menschen, bei denen der Hund eine Infektion anzeigt? Mal abgesehen davon, dass im selben Moment jede Art von Schweigepflicht, wie sie in Krankheiten diagnostizierenden Arztpraxen gegeben ist, eklatant verletzt würde, wie geht es da weiter? Wird die Person zwangsisoliert, beim Arzt zwangsvorgeführt, werden umstehende Mitarbeiter und Kollegen aus den Abteilungen gleich ebenfalls in Quarantäne geschickt?

Die Vorschläge des Professors lassen sich beliebig skalieren und weiterspinnen: Trainiert man diese Hunde demnächst auch darauf, Ungeimpfte von Geimpften zu isolieren? Und könnten diese Hunde darüber hinaus in Bussen, Bahnen und in öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden?

Ein besonderes Schockpotenzial haben die Weiterverwendungsvorschläge der nicht mehr benötigten Schnüffelkompetenzen der Hunde auch aus der historischen Perspektive.

Menschen mithilfe von Hunden von anderen zu selektieren, gehört zu jenen Bildern der NS-Zeit, die sich tief in die deutsche Seele eingebrannt und Teil der Maxime „Nie wieder“ geworden sind. Professor Holger Volk muss schon gewichtige Gründe haben, hier dennoch zu intervenieren und vorzupreschen.

Noch etwas könnte die Akzeptanz für eine Wiederauflage dieser schrecklichen Bilder erhöhen: Nicht vorzustellen, wenn die Liebe zum Hund dazu führt, dass Hundehalter diese potenziellen neuen Jobs über ihre Bedenken stellen, wenn diese Klientel verführt würde, den Ledermantel wieder anzuziehen und die Einwegfessel-Kabelbinder zum Einsatz zu bringen.

Nein, vor den Werktoren bei Volkswagen und auch anderswo haben diese gelehrigen Hunde aus Hannover nichts verloren. Beeindruckend mögen die gelernten Fähigkeiten sein, gebt den Hunden also ihr verdientes Leckerli, aber lasst sie nicht auf die Menschen los, um den einen vom anderen zu trennen.

Nein, das hat noch nie zu etwas Gutem geführt, seit der Nachfahre des Wolfes den Menschen auf seinen Wegen begleitet und ihm treue Dienste leistet. Beispielsweise in einem Altenheim, wo er Demenzkranken ein Lächeln auf die verwirrten Gesichter zaubert, weil sie etwas Vertrautes spüren: Beispielsweise eine kalte, nasse Hundenase auf dem Handrücken. Oder eine warme Zunge, die aus der hingehaltenen Handinnenfläche mit aller Vorsicht und Dankbarkeit den hingehaltenen Hundekuchen aufnimmt.

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