Correctiv verfügt über Material aus dem gehackten NIUS-System

Correctiv sitzt in der NIUS-Redaktion: Die Frage ist, wer die Tür aufgemacht hat

von Alexander Wallasch (Kommentare: 2)

Wie das Material zu Correctiv kam, ist ungeklärt – Genau das muss jetzt auf den Tisch© Quelle: Nius, Grok

Es gibt Momente, in denen eine Redaktion aufhört, ein Arbeitsplatz zu sein, und zu einem Tatort wird. Heute früh war so ein Moment. Correctiv hat gegenüber NIUS eingeräumt, einen „umfassenden Datensatz aus dem System von NIUS.de“ einsehen zu können.

Die Anfrage datiert vom 5. Oktober. Darin wird nicht allgemein nach einem Artikel gefragt. Correctiv zitiert aus einem internen Entwurf vom 20. Januar 2026, rekonstruiert Fassungen, fragt nach redaktionellen Überlegungen und nach der Motivation hinter einzelnen Formulierungen. Notizen aus Redaktionskonferenzen sind Teil des Materials. NIUS sagt, die Daten stammen aus einem Hackerangriff Ende Mai. Der Vorgang werde bereits strafrechtlich und datenschutzrechtlich verfolgt. Correctiv bestreitet, an der Beschaffung beteiligt gewesen zu sein.

Das ist der Befund. Alles andere ist die Frage, die daraus folgt.

Julian Reichelt hat sie auf X so gestellt:

„Es ist ein einmaliger Vorgang in der deutschen Mediengeschichte. Die steuerfinanzierte, linke Aktivisten- und Kampagnen-Organisation Correctiv hat sich mithilfe von Kriminellen Zugang zum NIUS-Redaktionssystem verschafft und nach möglichen Informanten und Quellen von NIUS durchforstet. Correctiv bestreitet, an der Beschaffung direkt beteiligt gewesen zu sein, musste aber zumindest wissen, dass es sich hierbei um eine Straftat handelte. Anstatt NIUS auf die Straftat aufmerksam zu machen, durchforsteten Correctiv-Mitarbeiter mutmaßlich über Wochen das komplette Redaktionssystem, suchten nach Quellen und versuchten, interne Hergänge zu rekonstruieren, die eindeutig vom Redaktionsgeheimnis gedeckt sind. Was bei Correctiv geschieht, ist ein brutaler Angriff auf die Pressefreiheit durch staatlich finanzierte Aktivisten, basierend auf einer Straftat.“

Bei NIUS Live sagte er, aus der Ausführlichkeit der Anfrage müsse man schließen, „dass man über Wochen eine Straftat einfach verheimlicht hat“. Correctiv habe nicht gewarnt.

Daten anzunehmen und zu lesen ist für einen Journalisten nicht dieselbe Straftat wie sie zu stehlen. Mit dem Besitz beginnt aber die Verantwortung. Woher kommen die Daten? Wer hatte sie? Wann lagen sie bei Correctiv? Warum erfuhr NIUS davon erst durch eine Anfrage, die bereits aus Entwürfen und Konferenznotizen zitiert?

Correctiv wird teilweise staatlich finanziert. Bisher gibt es keinen Beweis, dass staatliche Stellen in dieser Kette stecken. Das sage ich ausdrücklich. Es gibt aber genug, um die Möglichkeit zu prüfen, statt sie als Verschwörung abzutun. Verdachtsberichterstattung ist kein Stilmittel. Sie ist Pflicht, wenn die Dichte der offenen Fragen eine Antwort erzwingt.

In Thüringen prüft der Untersuchungsausschuss 8/2 des Landtags nämlich genau das Muster, um das es hier geht: ob der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz und die politische Leitung des Innenministeriums das Amt zu politischen Zwecken missbraucht haben und ob die Pflicht zur Neutralität verletzt wurde.

Festgestellt ist das nicht. Untersucht wird es. Die Ämter sind weisungsgebunden, die Länder an den Innenminister, der Bund an den Bundesinnenminister. Politische Einflussnahme auf Sicherheitsbehörden ist in Deutschland kein Theoriefall. Sie ist Gegenstand parlamentarischer Aufklärung.

Merksatz: Wer freie Medien kontrollieren will, braucht keine Uniform. Er braucht einen Datensatz und eine Redaktion, die ihn auswertet.

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Freie Medien sind die vierte Gewalt, weil sie Regierungshandeln kontrollieren, nicht weil sie eine Farbe tragen. Meinung ist erlaubt. Eine politische Funktion ist es nicht. Rudolf Augstein hat die Devise auf einen Satz gebracht: Sagen, was ist.

Wer Orden annimmt, Kampagnen fährt und sich als Partner der Macht versteht, hat diese Umlaufbahn verlassen. Wer etwa von der Ukraine einen Orden im Zusammenhang mit der Waffenbeschaffung entgegennimmt, ist kein Journalist mehr. Das ist ein klar markierter Seitenwechsel.

Correctiv ist formal eine Redaktion. Politisch ist es der Apparat, der das Potsdamer „Geheimtreffen“ zur Deportationsgeschichte gemacht hat. Hunderttausende sind danach auf die Straße gegangen. Gerichte haben zentrale Zuspitzungen untersagt, darunter die Behauptung, bei dem Treffen sei die Ausweisung deutscher Staatsangehöriger diskutiert worden. Das Framing auf Basis einer Deportationslüge läuft trotzdem weiter, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Dieselbe Adresse verfügt jetzt über das Innenleben einer Redaktion, die genau diese Geschichte von Anfang an angegriffen hat. Da müssen alle Alarmsirenen angehen, denn diese Leute sind Vernichter.

Ich kenne das Muster aus der eigenen Arbeit. Diffamierung, gekündigte Konten, wegfallende Werbung, Streit um die VG Wort, Verfahren der Landesmedienanstalt, Summen, die als Strafe in die Kassen des Staates sollen. Ich behaupte nicht, dass dahinter eine Zentrale sitzt.

Aber nach dem Weimer-Skandal, den wir aufgedeckt haben, ermittelte zeitgleich die Landesmedienanstalt gegen uns, bei der Wolfram Weimer über Jahre beschäftigt war. Ein Indiz ist kein Beweis. Irgendwann konkurrieren aber zu viele Zufälle darum, Zufall zu bleiben.

Deshalb ist die Herkunft dieser Nius-Daten keine Nebenfrage und keine Geschmacksfrage. Es geht um die Arbeitsgrundlage jeder Redaktion, die sich nicht als Pressebüro der Regierung versteht. Recherche, Entwürfe, Konferenzen, Quellen. Wenn das Material bei einem staatlich mitfinanzierten Portal landet, das die eigene Straftat nicht meldet, sondern Wochen später in einer Anfrage ausbreitet, dann ist das Feuer im Haus!

Und deshalb uneingeschränkte journalistische Solidarität mit Julian Reichelt und seiner Redaktion! Nicht aus Gefälligkeit. Sie ist Mindeststandard. Kein Pardon für den Versuch, eine Redaktion über gestohlene Interna zu öffnen. Kein Pardon für eine kofinanzierte Redaktion, die sich dabei zum Werkzeug machen lässt.

Ja, noch fehlen die Beweise für eine staatliche Kette. Die Pflicht, sie zu suchen, fehlt nicht.

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