Poschardt organisiert für Springer die inoffizielle FDP-Kampagne

Das letzte Aufgebot: Kubicki als menschlicher Bremsklotz gegen die AfD

von Alexander Wallasch

Kubicki soll den AfD-Durchmarsch verhindern© Quelle: Youtube/Westend, Screenshot

Die FDP ist mit der Ampel verendet. Jetzt soll der 74-jährige Kubicki den Leichnam schminken, bis der wählbar erscheint. Die Kumpels Poschardt und Reichelt aus dem Springer-Universum jubeln bereits – plötzlich ist die FDP wieder „die letzte Hoffnung“. Das Establishment gibt noch einmal alles.

Mitte März 2025 waren wir auf dem Weg zum Reichstag und stolperten direkt über einen Christian Lindner, der gerade von seinem letzten Arbeitstag kam. Er erklärte uns gegenüber selbstzufrieden, er sei jetzt Privatmann.

Lindner hatte noch 2017 eine Regierung mit der Union abgelehnt, weil die Grünen mit zur Jamaika-Koalition gehörten. Aber 2021 war dem FDP-Parteichef klar, wenn er jetzt nicht zufasst, dann wird es keine dritte Chance auf den Posten des Finanzministers geben.

Zwar nahm die FDP traditionell das Wirtschaftsministerium, Köpfe wie Lambsdorff, Bangemann, Möllemann, Brüderle und Rösner sind hier zu nennen, aber Lindner meinte, als Finanzminister gäbe es eine Kontrolle über den Haushalt. Und so könne die FDP ihre Kernziele einer linkeren Koalition besser durchsetzen. Lindner nutzte seine letzte Chance, endlich einen Bundesministerposten in seinen Lebenslauf einzutragen. Auf Teufel komm raus?

Das Ergebnis ist jedenfalls bekannt. Die FDP half den Grünen dabei, zu vollenden, was Merkel angefangen hatte. Die illegale Massenzuwanderung wurde legalisiert samt Turboeinbürgerungen, die „Herrschaft des Unrechts“ heiliggesprochen samt Corona-Regime. Und zuletzt wurde das Schicksal des Landes an jenes der Ukraine gebunden, der Bypass von Berlin nach Kiew pumpt weiter Milliarden um Milliarden.

Wolfgang Kubicki war zu dem Zeitpunkt seit zwölf Jahren Christian Lindners Stellvertreter als Parteivorsitzender. Und wer nun gedacht hat, am Aas der FDP gebe es nichts mehr von den Knochen zu schaben, der irrt: Der 74-jährige Kubicki ist seit gestern Parteivorsitzender der FDP, er will das Ruder herumreißen und die FDP wieder in die Landesparlamente und den Bundestag führen. Der wird zwar erst wieder 2029 gewählt, aber die Stimmen werden lauter, die Merz nicht mehr die volle Distanz zutrauen.

Kubicki soll nun mit einem „Kubicki-Effekt“ dafür sorgen, dass der AfD weitere Wachstumstriebe abgebissen werden. Die Analysten haben die INSA-Prognosen gelesen, welche besagen, dass die AfD die stabilste Wählerschaft hat. Also muss irgendeine konservative Alternative zur Alternative suggeriert werden. Es ist so durchsichtig, wie es selten eine Kampagne war.

Können Kubicki und die FDP auf die Vergesslichkeit der Wähler hoffen? Hoffnung machen könnte der Wahlerfolg der Linken von 2025. Da reichte ein entsprechendes Medieninteresse an ein paar TikTok-Auftritten der Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek, ihre Partei aus der Fünfprozentzone auf über 8 Prozent zu heben. Oder anders ausgedrückt: Wenn die etablierten Medien bei Kubicki mitspielen und ordentlich Kampagne machen, dann kann die FDP als eine weitere koalitionsfähige Kraft gegen die AfD in den Bundestag einziehen.

Und hier kommt schon der ehemalige „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt ins Spiel, der sich als Enfant terrible der Mainstreammedien geriert und dazu nach „Shitbürgertum“ mit „Bückbürgertum“ eine zweite Streitschrift ins Rennen wirft. Poschardt bleibt bekennender FDP-Wähler: „Ich habe sie natürlich gewählt logischerweise wie immer“. Vor sechs Monaten erklärte er in einem öffentlichen Gespräch mit Kubicki im „Westend“ Verlag, er sei noch nicht über den „Enttäuschungsschmerz“ hinweg, dass sich „eine seiner festesten Koordinaten im parteipolitischen System“ in die Luft gesprengt hat.

Aber im Mai 2026 ist auch das überwunden und Poschardt macht wieder FDP-Propaganda. Amüsant dabei: So richtig zufrieden war Poschardt nicht mit dem FDP-Parteitag, er hätte verschiedenes anders gemacht, also mault er am heutigen Sonntagmorgen ein bisschen, um dem frischgebackenen Parteichef Kubicki klarzumachen, seine Unterstützung gebe es aber nicht zum Nulltarif – ach, es geht ja kaum durchsichtiger.

Das alles ist so authentisch wie Poschardts Hymne auf den Elektro-Ferrari, der nun – nebenbei bemerkt – endlich Poschardts metrosexuellen Punkgestus aus dem Fluidalen heraus materialisieren könnte. Anfang April meinte Poschardt bei „Welt“-TV, seit Kubicki seinen Hut in den Ring geworfen habe, gäbe es wieder Leute, die über die FDP reden. In dem Moment allerdings war Poschardt selbst zu hören, so läuft das.

Und weil Poschardt dauerhaft hinterherhängt, war die AfD schwuppdiwupp wieder „Protestpartei“ – die Analysen erzählen allerdings das Gegenteil, keine Partei hat eine so gefestigte Stammwählerschaft, wie eingangs schon erwähnt. Und so wie nun Poschardt den Elektro-Ferrari bewirbt, so macht er es mit der FDP, wohlwissend, dass die AfD den eigentlich Wumms hat. Die FDP sind die Elektro-Konservativen, die AfD fährt Verbrenner und drückt an der Ampel auch gern mal aufmerksamkeitsstark und selbstbewusst Gaspedal.

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In seiner Kolumne über Wolfgang Kubicki schrieb Poschardt:

„Kubicki ist die letzte Chance für die FDP. Scheitert er, war es das. Die aktuelle Neugier öffnet ein Möglichkeitsfenster. Das muss er nutzen und ein starkes, junges, vor allem auch weibliches Team um sich herum aufbauen.“

Und das bringt dann Poschardt-Kumpel Julian Reichelt auf den Plan. Der sekundiert und schreibt via X zum FDP-Parteitag:

„An diesem Wochenende wird Friedrich Merz von seiner eigenen Großmäuligkeit eingeholt werden: Wolfgang Kubicki wird der Union drei bis vier Punkte abnehmen und sie unter zwanzig Prozent schicken. Mark my words.“

Oder hier:

"So lustig, wie Konstantin Kuhle und Co sich schon auf ihr Zeitalter der Woke-FDP gefreut und jahrelang linkes Zeug erzählt haben und nun von einem 74-Jährigen abgekocht werden, weil der den Zeitgeist einfach besser versteht als sie."

Was man an der Stelle mal nüchtern attestieren sollte: Jeder durchläuft offenbar den gleichen Erkenntnisprozess mit Blick auf den rasanten Zerfall des Eigenen. Und die meisten kommen am Ende nicht mehr an der AfD als Oppositionsführer vorbei. Dieser Prozess beginnt mit dem üblichen mulmigen Gefühl, generiert aus einem Jahrzehnt der „Dämonisierung der AfD“, wie es der AfD-Hasser und Spiegel-Autor Hasnain Kazim gerade freimütig eingestand.

Aber nicht jeder beginnt damit zum selben Zeitpunkt. Die Selbstüberwindung des Dämons benötigt Zeit. Julian Reichelt von „Nius“ etwa schimpfte noch wie ein Rohrspatz über Björn Höcke, blieb dabei aber im Bauchgefühl stecken, wo es durchaus reale Kritikpunkte gegeben hätte. Dann aber eine schleichende Annäherung über die Dämonisierung hinweg Richtung Alice Weidel und Ulrich Siegmund. Wie bei Poschardt alles im Krebsgang, zwei Schritte vor, einen zurück, heute mit Schnellroda liebäugeln, morgen wieder alles verteufeln, um übermorgen Benedikt Kaiser und Martin Sellner „spannend“ zu finden und am Folgetag diese Kühnheit schnell wieder einzuholen – dabei immer entspannt im Springer-Bett liegen bleibend.

Melanie Amann hatte im Gespräch mit Poschardt entsprechend leichtes Spiel, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen, und Amann ist lange nicht die hellste Kerze auf der Torte, deshalb traute sich Poschardt überhaupt hin.

Wolfgang Kubicki will die FDP über die Fünfprozenthürde heben. Der Parteitag hat die Brandmauer zur AfD bereits gezogen, so wie es das BSW vorgemacht hat. Die FDP ist der letzte Versuch der Etablierten, eine Wende für Deutschland zu stoppen, einen AfD-Durchmarsch zu stoppen.

Ob die AfD es am Ende besser kann, weiß niemand. Aber niemand streitet ab, dass sie es anders machen wollen. Das reicht immer mehr als Legitimation eines Aufbegehrens gegen das Bestehende, gegen den Niedergang. Kubicki macht den Sargnagel für Deutschland. Und gehämmert wird der Nagel von den üblichen Verdächtigen aus dem Springer-Universum. Wieder gehen wertvolle Jahre verloren.

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