Was im Folgenden wie eine Verschwörungstheorie klingt, ist Realität, die bittere Wahrheit über einen gigantischen Kontrollverlust der westlichen Demokratien – eine Dystopie, die in ihrem düstreren Kern etwas Religiöses offenbart.
Worum geht’s? Stell dir ein Unternehmen vor, das 2003 – nur zwei Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 – gegründet wird. Das erklärte Ziel: Verstreute Daten aus vielen Quellen in Echtzeit zusammenführen, um den nächsten großen Anschlag zu verhindern. Die Gründer sind Peter Thiel und Alex Karp, Peter Thiel ist Mitgründer von PayPal und Palantir und Alex Karp ist Mitgründer und CEO von Palantir.
Das entscheidende Startkapital kommt nicht von den üblichen Silicon-Valley-Investoren, sondern von In-Q-Tel – dem strategischen Venture-Capital-Arm der CIA.
Kurz zu In-Q-Tel. Dieser Geldgeber ist der Venture-Capital-Arm der US-Geheimdienste. Hier vor allem der CIA. Gegründet 1999, investiert er Steuergelder in Tech-Startups, die für nationale Sicherheit, Überwachung oder Militär nützlich sein könnten – genau so kam Palantir früh an Geld und Unterstützung. Palantir ist ein CIA-Unternehmen.
Etwa zwei Millionen Dollar plus enge technische Zusammenarbeit. Die CIA war nicht nur Geldgeber, sondern praktisch der erste und lange Zeit wichtigste Kunde. Die Software – später „Gotham“ genannt – wurde mit und für die Geheimdienste entwickelt. Und um die Ausdehnung zu verdeutlichen: Schon 2017 hat das deutsche Bundesland Hessen die Palantir-Software „Gotham“ eingeführt und nutzt sie unter dem lokalen Namen hessenDATA.
Der Name „Palantir“ von Palantir Technologies stammt aus „Der Herr der Ringe“: ein magischer Seh-Stein, mit dem man alles überwachen kann. Heute, im Jahr 2026, ist Palantir ein milliardenschwerer Konzern. Seine Plattformen werden weltweit von Geheimdiensten, Pentagon, NSA, FBI und Armeen genutzt – für Datenfusion, Überwachung, Logistik und immer stärker für KI-gestützte Kriegsführung und Entscheidungen in Echtzeit.
Die Eskalation: Am 18. April 2026 veröffentlicht der offizielle Account @PalantirTech einen Thread mit dem Titel „The Technological Republic, in brief.“ Darin fasst Palantir die Kernideen aus einem Buch von CEO Alex Karp in genau 22 Punkten zusammen.
Die zentralen Botschaften dieses Manifest der Macht lauten: Silicon Valley schuldet dem Land eine moralische Schuld und muss sich aktiv an der Verteidigung beteiligen. Schluss mit der „Tyrannei der Apps“ und purem Konsum. Der Westen brauche wieder militärische Stärke. Und diese werde im 21. Jahrhundert vor allem durch Software aufgebaut.
Weiter heißt es da: KI-Waffen kommen sowieso – die Frage sei nur, wer sie baut – Tenor hier: besser wir als China oder Russland. Das Unternehmen plädiert für Wehrpflicht statt Berufsarmee. Die Nachkriegs-Entwaffnung von Deutschland und Japan sei eine Überkorrektur gewesen. Das Unternehmen nimmt hier ganz deutlich auch Deutschland und Europa ins Visier.
Aber wie einflussreich ist Palantir Technologies bereits? Das Unternehmen ist bereits extrem einflussreich – vor allem mit Blick auf die US-Regierung und den Militärbereich, aber zunehmend auch in der kommerziellen KI-Welt.
In Zahlen: Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei etwa 340–350 Milliarden US-Dollar. Das macht Palantir zu einem der wertvollsten Tech-Unternehmen weltweit. Für 2026 plant das Unternehmen einen Umsatz von 7,18–7,20 Milliarden Dollar.
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Wie verkauft Palantir Technologies selbst diesen Kraken aus Geheimdienst und dystopischen Weltherrschaftsfantasien? Das Unternehmen sieht sein Tun als nüchternen Realismus für das Überleben des Westens in einer gefährlichen Welt.
Aber es gibt immer noch ein paar Kritiker, die sich trauen: Yanis Varoufakis, ehemaliger linker griechischer Finanzminister und scharfer Kritiker des Tech-Feudalismus, formulierte jeden der via X veröffentlichten 22 Punkte neu. Varoufakis spricht von „Killer-Robotern“, „techno-feudalem Lehen“, Angst als Verkaufsstrategie und Wehrpflicht für die Armen, während Palantir kassiert. Der linke Politiker sieht eine Remilitarisierung inklusive einer Rückkehr des Faschismus. Und Varoufakis fürchtet zudem eine kommende Rassenhierarchie mit Palantir-Gründern und Elon Musk an der Spitze sowie „Untermenschen“ für bestimmte Aufgaben.
Was spricht dagegen, dass der linke Ökonom übertreibt? Palantir sagt selbst Dinge wie „Software that dominates“ und fordert offen mehr Wehrpflicht und weniger Ethik-Debatte bei KI-Waffen – das ist provokant genug.
Varoufakis’ Version setzt dem eine eigene Provokation entgegen und überzeichnet. Was der Grieche hier präsentiert, steht in der Tradition der großen linken Anklageschriften. Damit folgt Varoufakis solchen Schriften, wie Naomi Kleins „Schock-Doktrin“.
Und er trifft einen wunden Punkt: Palantir war nie ein neutraler Tech-Konzern. Es ist das Produkt einer 23-jährigen engen Symbiose zwischen Silicon Valley und den Geheimdiensten. Die Software profitiert von weltweiten Konflikten und wird in realen Kriegen eingesetzt. Also was strebt ein Unternehmen an, das an Kriegen Gewinne macht?
Man muss nicht spekulieren oder lange drumherum reden. Hier müssen nicht einmal Verschwörungstheorien bemüht werden, alles liegt ja offen da. Und jetzt obendrauf noch ein selbstbewusster wie alarmierender 22-Punkte-Thread mit der Botschaft auf der Meta-Ebene: Ihr könnt uns nichts mehr. Sieht so die reale „Weltherrschaft“ aus, die sich durch so viele Verschwörungstheorien zieht?
So mutige Kritiker wie Varoufakis kritisierten das öffentliche Manifest eines Unternehmens, dessen Kern seit Gründung Überwachung, Daten-Dominanz und militärische Anwendungen sind. Das Monster hat also längst einen Namen, Milliarden an Staatsaufträgen und sitzt tief in den Strukturen von Geheimdiensten und Militär.
Wer jetzt noch glaubt, moderne Technologie sei nur Apps und Bequemlichkeit, der muss jetzt tapfer sein. In der aktuellen Phase zeigen sich diese Freiheit verschlingenden Unternehmen auf bedrohliche Weise selbstbewusst. Tatsächlich hat das Dominieren begonnen – und der 22-Punkte-Plan ist die ideologische Gebrauchsanweisung dafür. Die Frage für Kritiker wie Varoufakis ist nicht mehr, ob dieses Monster existiert. Die Frage ist, ob wir es noch rechtzeitig erkennen und begrenzen können.
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Kommentar von Schwar Zi
Es gibt einen geflügten Satz der Benjamin Franklin zugeordnet wird: "Wer die Freiheit aufgibt um mehr Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!"
Ich denke damit ist alles gesagt. Und wem dies nicht reicht, ich empfehle Edward Swoden. Dessen Infortmationen sind inzwischen 13 Jahre alt. Glaubt ernsthaft jemand, die Entwicklung wäre stehen geblieben?
Nur Fakt ist auch, selbst wenn man gegen Ismalistische Terroristen vorgehen wollte, so muss man ehrlich sagen, getroffen hat es alle Menschen. Und wir in Deutschland können davon ja besonders ein Lied singen.