Florian Seibel und die neue Generation der Kriegsgewinnler

Der deutsche Kriegsmilliardär

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

„War and lechery confound all!“© Quelle: Youtube/Quantum Systems, quantum-systems.com, Montage: Wallasch

Während Hunderttausende verrecken, verdienen einige prächtig. Vom Bundeswehr-Offizier zum Multimilliardär – wie Florian Seibel vom Ukrainekrieg profitiert. Eine Geschichte über Gewaltmärkte, politische Netzwerke und den modernen Typus des Rüstungsunternehmers.

Friedrich Schiller lässt im zweiten Teil seiner Wallenstein-Trilogie den als Plünderer besonders berüchtigten kroatischen General Isolani sagen: „Der Krieg ernährt den Krieg“. Und der Ethnosoziologe Georg Elwert prägte in den 1990er Jahren den Begriff „Gewaltmarkt“. Damit sind soziale Räume gemeint, in denen Gewalt als politische Strategie eingesetzt wird, um marktwirtschaftliche Interessen zu befriedigen.

Beides gehört zusammen, denn beschrieben werden Erscheinungsformen des Kriegsgewinnlers über Jahrhunderte hinweg. Der Gewaltmarkt 2026 wird dominiert von Drohnenherstellern. Die Fortdauer des Krieges stabilisiert den Markt für Drohnen und gewährt exorbitante Zuwachsraten. Ein schneller Frieden würde die Nachfrage stark reduzieren – ein klassisches Merkmal von Gewaltmärkten, in denen Akteure ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Konflikts haben können.

Wer sind die großen Kriegsgewinnler am Ukrainekrieg? Erkennt man gar Entwicklungen, den Krieg aus Gewinnstreben zu verlängern oder auszudehnen? Zweifellos ist das Drohnengeschäft der wichtigste Player auf diesem Gewaltmarkt. Und hier taucht ein Name immer wieder auf: Florian Seibel.

Seibel ist Mitinhaber und Gründer der Drohnenhersteller Quantum Systems und Stark Defence. Unternehmen, die zwischenzeitlich Milliarden schwer und zu den großen Kriegsgewinnlern des 2022 mit einem russischen Großangriff begonnenen Ukrainekriegs geworden sind.

Der 46-Jährige Seibel wurde nach seiner Schulausbildung umfassend an deutschen Universitäten ausgebildet. Er war von 1999 bis 2015 Offizier bei der Bundeswehr und absolvierte an der Universität der Bundeswehr München ein Studium zum Luft- und Raumfahrtingenieur. Nach seiner Verwendung als Hubschrauberpilot im In- und Ausland wechselte er 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der Universität. Sein Fachwissen auf dem Gebiet moderner Produktionsverfahren faserverstärkter Kunststoffe erwarb er während einer dreijährigen Industriekooperation der Universität mit der Firma Eurocopter. Seibel präsentiert sich aktuell beim Berufsnetzwerk LinkedIn mit der ukrainischen Flagge im Profil.

Wir haben es hier mit jemandem zu tun, der über viele Jahre eine hochwertige, vollständig öffentlich finanzierte Ausbildung und Berufserfahrung erhalten und sich anschließend selbstständig gemacht hat. Damit steht Florian Seibel in einer Reihe mit den jahrzehntelang akademisch in Deutschland ausgebildeten Uğur Şahin und Özlem Türeci (BioNTech), den einflussreichsten Unternehmern der Corona-Jahre – insbesondere gemessen an Seibels aktuellen Milliardenerfolg in Folge des Krieges und der so genannten Zeitenwende.

Die österreichische Ausgabe des Forbes-Magazin eröffnet 2023 eine Art Homestory über Seibel mit der Schlagzeile: „Der Mann für die Zeitenwende“. Dort heißt es unter anderem: „Wenige Tage vor Weihnachten sitzt Florian Seibel in einem Luxusanwesen in Beverly Hills und macht den Pitch seines Lebens.“

Forbes berichtet weiter, dass es zum Lunch Salat mit Streifen vom Rinderfilet gab. Gastgeber und Großinvestor war der deutschstämmige Milliardär Peter Thiel. Forbes schreibt, Quantum Systems habe seinen Erfolg „einer neuen Ära des Wettrüstens zu verdanken; die Welt bewaffnet sich wieder, vor allem Deutschland und Europa.“

Nicht nur Thiel selbst, auch seine Unternehmungen sind durchaus umstritten. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem CIA-startfinanzierten Unternehmen Palantir eine lückenlose Überwachungsmaschinerie für Staaten aufzubauen.

Aus deutscher Sicht ebenfalls interessant ist die Verbindung zum Axel-Springer-SE-Miteigentümer Matthias Döpfner, dessen Sohn Moritz Chief of Staff bei Peter Thiel war und den VC-Fonds Döpfner Capital führt, der wiederum 50 Millionen Dollar von Thiel bekommen haben soll, die der Döpfner-Sohn wiederum in Seibels Stark Defence investiert hat.

In diesem Licht muss man auch auf die umfassende Berichterstattung der Springer-Medien schauen, was Drohnen und ihre Hersteller angeht. Zwischenzeitlich ist auch Julian Röpcke, der ehemalige leitende Redakteur für Sicherheitspolitik und Konflikte von „Bild“ (https://www.bild.de/autor/julian-roepcke) – wie der mittlerweile Ex-„Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt, Ukraineverdienstordensträger für Propaganda – zu einem deutsch-ukrainischen Drohnenhersteller gewechselt.

Im April 2024 eröffnete der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck eine Drohnenfabrik in der Ukraine. An seiner Seite stand Florian Seibel, der Chef des Unternehmens. Noch 2023 hatte Seibel gegenüber dem Forbes-Magazin erklärt, „dass er niemals Waffen herstellen werde, das widerspreche der Haltung der Firma; zumal einige seiner wichtigsten Geldgeber nicht in Waffenhersteller investieren dürften.“ Seine vier Drohnenmodelle, so Forbes weiter, könnten „zivil und militärisch“ eingesetzt werden.

Auch wenn sie nicht über Nacht kam, sondern – aus unternehmerisch-strategischer Sicht – dem Fortschreiten des Ukrainekriegs Rechnung trug, muss man mittlerweile von einer Zäsur sprechen: Von „nie Waffen“ zu aktiver Front-Erprobung militärischer Systeme. Denn am 9. Juli 2026 berichtete Hartpunkt.de, ein deutsches Online-Nachrichtenportal, das sich auf Verteidigung, Sicherheitspolitik und Rüstung spezialisiert hat, ausführlich über ein neues Projekt von Quantum Systems, eine Zusammenarbeit unter anderem mit Daimler Trucks und der ukrainischen Nationalgarde.

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Quantum Systems liefert zehn Rad-UGVs vom Typ Mandrill sowie zehn Zetros-Lkw von Daimler Truck, die mit dem Quantum-Systems-Ground-Autonomy-Kit (MOSAIC) ausgestattet sind, an die ukrainische Nationalgarde. Die Fahrzeuge sollen im Rahmen eines mehreren Millionen Euro schweren Vertrags unter realen Frontbedingungen in der Ukraine erprobt und für ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm zur Modernisierung der militärischen Logistik genutzt werden. Daimler Truck fungiert hier als offizieller Partner. Beide Unternehmen wollen die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Fronteinsatz direkt in die Weiterentwicklung autonomer Bodensysteme einfließen lassen.

Mit dem Ende der Pandemie wurde das Ende der Impfungen eingeläutet, Şahin und Türeci trennen sich von ihrem Märchen vom Steuermilliardentopf. Bei Neu-Milliardär Florian Seibel ist ein vorläufiges Ende des großen Verdienens noch nicht in Sicht. Eine unbestimmte Fortdauer des Ukrainekrieges scheint heute wahrscheinlicher als ein baldiges Ende des hunderttausendfachen Tötens. Und immer wieder werden neueste Drohnenentwicklungen als Gamechanger beschrieben. Zudem ist der Ukrainekrieg hier zum größten Lehrmeister der NATO und westlicher Armeen in Sachen Drohnenkrieg geworden.

Florian Seibel ist der neue Typ des deutschen Rüstungsunternehmers – ehemaliger Soldat, technisch versiert, international vernetzt, politisch einflussreich und sehr kapitalmarktorientiert. Er verbindet Bundeswehr-Netzwerk, Silicon-Valley-Investoren, Medienhaus-Nachwuchs und direkten Draht in die Politik. Seibel profitiert vom Springer-Netzwerk, weil diese Medien stark pro-ukrainisch und verteidigungspolitisch aktiv sind.

Seibel profitiert zudem davon, dass es keinen nüchternen Blick auf den Ukrainekrieg gibt. Vom Pathos einer „Zeitenwende“ hinübergleitend in ein manichäisches und ideologisch-emotional geprägtes Denken. Die narrative Dominanz ist mittlerweile unüberwindbar. Und Seibel verkörpert hier den Kriegsgewinnler modernen Typus, man versteckt sich nicht schamvoll, sondern geht die Politik direkt an, wenn es darum geht, Steuermilliarden noch schneller für den Drohnenkauf freizubekommen.

Willkommen war hier die von vorn bis hinten unbewiesene und gesponnene Geschichte von russischen Drohnen über Deutschland. Davon vollkommen unberührt berichtete Döpfners und Poschardts „Welt“ noch vor wenigen Tagen das Gegenteil unter der Schlagzeile: „Russische Drohnen spionierten monatelang in Europa – Deutschland besonders oft Ziel“. Die „Welt“ beruft sich mit ihrer Fantasie-Meldung übrigens auf einen Bericht des Thinktanks International Institute for Strategic Studies (IISS). Hinter dem IISS stehen keine einzelnen „Strippenzieher“, sondern ein Netzwerk aus westlichen Regierungen, Rüstungsindustrie, Stiftungen und Golfstaaten (v. a. Bahrain).

Ohne das an dieser Stelle vertiefen zu wollen: Selenskyj bietet Bahrain aktuell und mit Blick auf den Iran-Krieg Drohnen-Defence-Partnerschaften und Expertise an – Counter-Drone-Technologie, die in der Ukraine gegen russische/iranische Drohnen erprobt wurden. Selenskyj hat Bahrain besucht und ein „Drone Deal“ vorgeschlagen – die Ukraine positioniert sich hier als Sicherheitsanbieter für den Golf.

Seit September 2025 ist Florian Seibel Startup-Beauftragter im Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI). Seibel soll hier den Brückenkopf bilden zwischen etablierten Konzernen und jungen Tech-Firmen. Der Verband hat sehr guten Zugang zu Ministerien, zum Bundestag und der EU-Kommission. Der BDLI ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in der deutschen Rüstungs- und Luftfahrtpolitik. Durch diese Rolle sitzt Seibel am Tisch mit den großen Playern und der Politik – ohne selbst ein Staatsangestellter zu sein.

Florian Seibel verkörpert den neuen Typus des deutschen Rüstungsunternehmers – technisch versiert, politisch vernetzt und kapitalmarktorientiert. Doch am Ende behält Shakespeare recht: „Krieg und Hurerei verwirren alles.“ Man versteckt sich nicht mehr schamvoll hinter der Fahne, sondern geht direkt an die Politik, um Steuermilliarden freizubekommen.

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