Offenbar herrscht bei dem einen oder anderen immer noch eine Unklarheit, wo die AfD eigentlich in der Ukrainefrage steht. Dafür sorgen nicht zuletzt bestimmte Player innerhalb der AfD, aber auch eine allgemeine Unsicherheit mit dem Thema, die Lautmeldungen sind hier eher verhalten, verglichen etwa mit Themen wie der illegalen Massenzuwanderung.
Also ordnen wir es mal ein: Die AfD vertritt seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 und besonders klar in den vergangenen Monaten eine konsistente Linie: Ende der militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine – rein humanitäre Hilfe ausgenommen.
Die AfD steht für eine sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und für eine Wiederaufnahme normaler Wirtschaftsbeziehungen inklusive Energieimporten.
Eine weitere Forderung – wir kommen gleich detailliert dazu — ist ein sofortiger Waffenstillstand sowie Friedensverhandlungen. Die Ukraine soll aus Sicht der AfD ein neutraler Staat außerhalb von NATO und EU bleiben. Im Vordergrund sollen endlich wieder deutsche Interessen stehen: Vor allem die Entlastung des Steuerzahlers, die Energieversorgung und die Vermeidung weiterer Eskalation.
Nun wird von Kritikern der Linie der Bundesregierung und des Westens immer wieder die Vorgeschichte erwähnt. Dazu und zu den Rahmenbedingungen des Konflikts betont die AfD seit Jahren, dass der Westen – insbesondere durch die fortgesetzte NATO-Osterweiterung, die Nichtbeachtung russischer Sicherheitsinteressen und die Unterstützung der Ereignisse auf dem Maidan 2014 – eine Mitverantwortung für die Eskalation trägt.
Der russische Angriff wird in einzelnen Anträgen als völkerrechtswidrig anerkannt, gleichzeitig wird jedoch stets darauf hingewiesen, dass der Krieg durch diplomatisches Versagen und geopolitische Fehlentscheidungen begünstigt oder verlängert worden sei.
Ein besonderer Aufreger innerhalb der AfD bleibt die Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines im September 2022. Die Partei von Weidel und Chrupalla sieht darin einen Akt der Sabotage gegen deutsche und europäische Energieinfrastruktur, fordert eine lückenlose Aufklärung und die Wiederinbetriebnahme der Leitungen.
Im Wahlprogramm 2025 etwa ist die Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Leitungen ausdrücklich festgeschrieben.
Parteivertreter argumentieren, dass Deutschland durch die Sprengung und die Sanktionspolitik massiv geschädigt wurde und dass eine Rückkehr zu günstigen Energieimporten aus Russland im nationalen Interesse liege.
Diese Grundhaltung zieht sich durch Bundes- und Landesebene und wird von der Parteispitze sowie den relevanten Fachsprechern vertreten.
Am 24. September 2026 debattierte der Bundestag den AfD-Antrag „Keine EU-Mitgliedschaft und keine militärischen Beistandsgarantien für die Ukraine“ (Drucksache 21/8124). Darin heißt es wörtlich:
„Die Bundesregierung wird unter anderem aufgefordert, (…) keiner ‚assoziierten Mitgliedschaft‘ oder vergleichbaren Zwischenform für die Ukraine zuzustimmen und einen EU-Beitritt der Ukraine auszuschließen. (…) Außerdem wendet sich die AfD-Fraktion gegen deutsche Mittel für den Wiederaufbau der Ukraine. Auch sei abseits humanitärer Hilfe jegliche deutsche finanzielle und militärische Unterstützung abzubauen, bis die Ukraine bereit ist, an ernsthaften Friedensverhandlungen mit Russland teilzunehmen.“
In der Begründung des Antrags steht zusätzlich:
„Die Antragsteller verurteilen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. (…) Gleichfalls trägt der Westen (…) eine Mitverantwortung für die unnötige und inhumane Fortführung und Verlängerung sowie mögliche Eskalation des Krieges.“
In der Aktuellen Stunde am 7. Oktober 2026 zum Thema „Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew – Milliarden für die Ukraine bei Sparmaßnahmen in Deutschland“ kritisierte der außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Markus Frohnmaier, die Höhe der Hilfen:
„Deutschland (hat) die Ukraine mit inzwischen 100 Milliarden Euro bilateral und weiteren 30 Milliarden Euro EU-Mitteln unterstützt (…). Die 130 Milliarden Euro Steuergeld des ‚ach so faulen deutschen Volkes‘, die verschenke Merz an sein wahres Vaterland, die Ukraine.“
Alice Weidel, Bundessprecherin und Fraktionsvorsitzende, erklärte im September 2026 in einem Interview:
„Wir werden auch die Zahlungen an die Ukraine und sämtliche Kriegsunterstützung einstellen. Wir werden auch erhebliche Rückforderungen stellen an die Ukraine.“
In weiteren Statements betonte Weidel die Ablehnung deutscher Soldaten in der Ukraine und die Priorität von Verhandlungen unter Beteiligung der USA und Russlands.
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Nach dem Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt brachten AfD und BSW gemeinsam den Antrag „Friedensgespräche statt Ausweitung des Krieges in der Ukraine“ ein. Über ihn wird heute am 14. Oktober 2026 in einer Sondersitzung des Landtags beraten.
Hier die Feststellung, dass Sanktionen, Waffenlieferungen und finanzielle Hilfen gescheitert seien. Weitere Forderungen: eine sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die Aussetzung der Waffenlieferungen, die Begrenzung finanzieller Hilfen auf humanitäre Unterstützung sowie ein sofortiger Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen.
Zentrale Forderung: Die Landesregierung soll dies per Bundesratsinitiative nach Berlin tragen.
Ulrich Siegmund, AfD-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt, erklärte dazu:
„Dieser Antrag ist sinnbildlich für den Willen zur Veränderung. Wir werden endlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, den politischen Druck auf Berlin zu erhöhen, sich endlich für ein Ende des Krieges statt seiner Verlängerung einzusetzen und die Milliarden an Steuergeld für die Menschen in unserem Land statt für Waffen auf den Schlachtfeldern der Ukraine auszugeben!“
Auf X schrieb Siegmund ergänzend:
„Schluss mit dem Krieg, Schluss mit den Zahlungen an die Ukraine!“
Im Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025 fordert die AfD eine neutrale Ukraine außerhalb von NATO und EU, die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland sowie die Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Leitungen.
Auch interessant dazu: Ein Antrag, Russland und Präsident Putin explizit für den Angriff zu verurteilen, wurde auf dem Parteitag abgelehnt.
Die Positionen sind auf Bundes- und Landesebene sind tatsächlich weitestgehend deckungsgleich. Die AfD stellt die Kosten für den deutschen Steuerzahler, die Belastung der Bundeswehr und die Energieversorgung in den Mittelpunkt und sieht weitere Waffenlieferungen als kriegsverlängernd.
Sie erkennt den Angriff Russlands in einzelnen Anträgen zwar als völkerrechtswidrig an, betont aber gleichzeitig eine Mitverantwortung des Westens und setzt auf Diplomatie statt weiterer Eskalation. Die Linie unterscheidet sich deutlich von der der Union, SPD, Grünen und FDP und überschneidet sich in Teilen mit der des BSW.
Kurz noch zur Bedeutung der „Ukraine- und Kriegsfreunde“ in der AfD wie etwa Rüdiger Lucassen und Tim Schramm: Innerhalb der AfD gibt es eine erkennbare, aber klare Minderheitenposition, die stärker an der Westbindung, der NATO und einer regierungsnahen Einschätzung Russlands festhält.
Diese Stimmen werden parteiintern manchmal abwertend als „Nato-Boys“ bezeichnet. Der prominenteste Vertreter dieser Richtung ist der Bundestagsabgeordnete und ehemalige verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen (Oberst a. D.). Er reiste im September 2026 nach Kiew (zur YES-Konferenz), sprach von einem klaren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands und kritisierte die verbreitete Russland-Affinität in großen Teilen der Partei und Fraktion offen.
Gleichzeitig fordert er ernsthaften diplomatischen Bemühungen betont deutsche Interessen – hier allerdings weniger Friedensinitiativen als den Zustand der Bundeswehr, der dann wieder der Ukraine nutzen könnte. Lucassen trat im April 2026 von seinem Sprecheramt zurück, nachdem er in der Ukrainefrage parteiintern unter Druck geraten war.
In der AfD gibt es vereinzelte Stimmen, die sich klar von der dominanten russlandfreundlichen bzw. unterstützungskritischen Linie abgrenzen. Diese Positionen bleiben jedoch Randerscheinungen. Sie haben bisher keine durchsetzungsfähige Gegenströmung bilden können und ändern nichts an der strategischen Ausrichtung der Parteispitze (Weidel, Chrupalla), der Fachsprecher (Frohnmaier) und der parlamentarischen Mehrheit der Fraktion.
Die abweichenden Stimmen sind hier eher ein Beweis für eine interne Debatte und Differenzierung, ohne die Programmatik oder das praktische Handeln der Partei wesentlich zu beeinflussen.
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