Die Neue Osnabrücker Zeitung muss sich wie im Himmel gefühlt haben dort oben auf dem Kanzleramt gemeinsam mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Entsprechend strahlen die Kollegen in die Vorweihnachtszeit wie die besagten Honigkuchenpferde und im Hintergrund leuchtet der Fernsehturm in den Abendhimmel.
Das kann man ja alles machen. Das wirkt auf sympathische Weise provinziell. Aber dann sollte man anschließend seine Arbeit vernünftig machen. Die Osnabrücker beginnen so, wie die „Welt“ beim gemeinsamen Dachau-Besuch mit Weimer: Hieß es bei „Welt“ noch „Ein klarer, kalter Novembermorgen“, wird das lyrische Herz aus Osnabrück konkreter: „Aus dem achten Stock des Kanzleramts leuchtet ein Büro noch in den spätherbstlichen Abendhimmel.“
Und eine Bildunterschrift lautet noch tapfer:
„Im achten Stock des Kanzleramts wird die Luft dünn: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Interview mit unseren Redakteuren Rena Lehmann und Daniel Benedict.“
Aber wer schon ins Kanzleramt eingeladen wird, der sollte seine Hausaufgaben gemacht haben. Seit den Vorwürfen, politische Kontakte zu veräußern, sei Weimer im „Krisenmodus“, schreibt das Blatt. Dass der Kulturstaatsminister sich zu dem Zeitpunkt bereits einen Monat lang gegen die Enthüllungen von Alexander-Wallasch.de zur Wehr setzen musste, findet hier einfach nicht statt.
Auch nicht, dass die Enthüllungen von Alexander-Wallasch.de Mitte November zu einer aktuellen Stunde im Bundestag führten inklusive zwölf Redebeiträge aus den unterschiedlichen Fraktionen: Fehlanzeige. Der Skandal war im Bundestag angekommen. Höher geht es nicht. Die Lunte brannte, das Fass explodierte, als wenige Tage später die 80.000 Euro dazukamen.
Hier geht es auch nicht darum, dass die Enthüllungen von Alexander-Wallasch.de im Zentrum der Staatsaffäre stehen, sondern schlicht darum, dass die etablierten Medien es auf diese 80.000 Euro für Politikerbeeinflussung reduzieren wollen mit nur einem Gedanken: Wenn wir das abräumen, dann ist Weimer rehabilitiert! Staatsrechtler Prof. Ulrich Vosgerau hatte via X nämlich bereits angedeutet, dass das exakt der Weimer-Spin sein könnte.
Aber nein: Es geht um eine Reihe Unterlassungserklärungen, welche von den Weimers abgegeben werden mussten. Es geht um mehr als tausend beklaute Autoren auf einem Portal, das jahrelang als zentrales Produkt der Weimer Media Group verkauft wurde. Es geht um Urheberrechtsverletzungen. Es geht um Hinweise auf Bilanzfälschung. Um falsche Medienpartner, die von den Weimers vermarktet wurden, aber niemals ihre Zustimmung gegeben hatten. Es geht um falsche Lebensläufe, um falsche Auszeichnungen. Es geht um eine verfälschte Unternehmenshistorie, es geht um Anmaßung und Größenwahn und um einen pseudo-Ausstieg aus dem Unternehmen, mit dem sogar der Bundestag von Weimer vorgeführt wurde. Und noch um vieles mehr, dass Alexander-Wallasch.de aufgedeckt hatte.
Kurz gesagt: Es geht sowohl um strafrechtlich relevante als auch ethisch-moralische Verfehlungen. Es geht um einen Kulturstaatsminister, der in Wahrheit ein Hochstapler in ganz großem Stil ist und das schon seit Jahrzehnten!
All das hat Alexander-Wallasch.de über viele Wochen recherchiert und es kommen täglich neue Recherchen dazu, die sich ebenfalls allesamt exakt in das Bild eines notorischen Hochstaplers einfügen.
Die Verteidigungsstrategie des Ministers besteht nun darin, die Anschuldigungen auf seinen Werbeflyer für Unternehmen zu reduzieren. Und exakt da setzen auch die Gefälligkeitsjournalisten der Osnabrücker Zeitung an.
Das ist schon ein verdammt schräger Humor, wenn man Wolfram Weimer auf dem Dach des Kanzleramts gestellt hat, der Kulturstaatsminister laut wird und dann sagt die Osnabrücker Zeitung wörtlich: „Wechseln wir das Thema“.
Oder nein, es ist kein schräger Humor, sondern journalistisches Vollversagen. Zunächst verbreitet Weimer im Interview weiter die Legende, er habe keinen Einfluss mehr auf die Weimer Media Group. Und dann darf er noch jammern, was ihm die „Zeit“ zuletzt so bereitwillig souffliert hatte: „Quereinsteiger aus der Wirtschaft einfach kritischer beäugt“.
Nein, es geht um Unterlassungserklärungen und Betrugsverdacht. Es geht um ein Weimer-Unternehmen, das – angesichts der versammelten Müllmedien – bis heute mit folgendem geradezu humoristisch-grotesken ersten Satz bewirbt: „Die WEIMER MEDIA GROUP hat sich auf anspruchsvollen Qualitätsjournalismus spezialisiert.“
Das ist lächerlich. Und wer wie Weimer dann gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt, „Ich habe als Staatsminister für Kultur und Medien noch viel vor“, der muss es sich gefallen lassen, dass man diese Vorhaben an Weimers bisherigen unternehmerischen Vorhaben misst. Und das bedeutet automatisch seinen Rücktritt.
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Der bayerische Ministerpräsident kennt Weimer recht gut. Und Markus Söder hat den Daumen bereits gesenkt: Amt und Unternehmen geht nicht zusammen! Er hätte auch ehrlicher sagen können: Wir können uns in der Bundesregierung keinen notorischen Hochstapler leisten.
Und anstatt Weimer festzunageln, wie man es im Journalismus nennt, lässt die Zeitung Weimer einfach weiter seine AfD-Legende spinnen:
„Für die AfD bin ich der Hauptgegner ihrer aggressiven Kampagnen. Da werden auch Grenzen überschritten. Wir können nicht hinnehmen, dass unser Land in den Rechtsautoritarismus abrutscht.“
Beinahe amüsant ist hier, dass Kulturstaatsminister Weimer sofort wieder in die Hochstapelei verfällt. Aber die AfD ist Oppositionspartei im Deutschen Bundestag. Hauptgegner der AfD ist entsprechend ihrer Rolle selbstverständlich die Bundesregierung. Und wenn sich der Bundeskanzler einen Hochstapler als Strippenzieher hinüber nach Bayern zur CSU und zu den Medien im Allgemeinen leistet, dann ist Weimer automatisch mit im Blickfeld der Opposition. Entsprechend kam scharfe Kritik auch von der Linkspartei.
Und mit Beginn der Enthüllungen von Alexander-Wallasch.de veröffentlichten auch der linke Spiegel und das ansonsten regierungsnahe Portal T-Online Weimer-kritische Berichte. Aber hier geht es Weimer noch um etwas anders: Nämlich darum, Alexander-Wallasch.de als Aufdecker dieses Skandals zu diskreditieren. Geht man davon aus, dass die Fraktion sich mit Weimer penibel abgestimmt hat, ging Weimer dabei besonders weit: Er ließ nämlich in der aktuellen Stunde den ebenfalls in Gelnhausen geborenen CDU-Abgeordneten Pascal Reddig ans Pult des Deutschen Bundestags treten mit nur einem Auftrag: Alexander Wallasch als Aufdecker der Weimer-Staatsaffäre zu diffamieren und zu diskreditieren bis hin zum „Putinversteher“.
Um sich dann auch noch darüber zu belustigen, dass Alwexander-Wallasch.de Werbeanzeigen auf der Webseite nicht verkaufen konnte und um Paypal-Unterstützung bittet. Das andere Portale aggressiv um Abonnements werben, interessierte Reddig hier ebenso wenig, wie die Tatsache, dass Ausgrenzung kritischer Stimmen dazu geführt hat, dass Google alle Werbeflächen bei Alexander-Wallasch.de gekündigt hat.
Die Verteidigungsstrategie des Hochstaplers stellt Weimer ins Zentrum der politischen Mitte – er sagt es selbst im Interview:
„Die politische Mitte darf bei wichtigen Gesellschaftsdiskussionen nicht schulterzuckend zugucken und schweigen. Wir müssen deutlich zeigen, wofür die Mitte steht. Denn die politischen Ränder werden immer lauter und größer.“
Der Kulturstaatsminister, der als Erstes die Gendersprache aus seinem Amt verbannte, will jetzt Antifa sein. Und warum will er das? Weil Alexander-Wallasch.de umfassend und Enthüllung für Enthüllung über mittlerweile sechs Wochen Weimers Hochstapelei und Betrügerei öffentlich machte. Rechtanwalt Dirk Schmitz schrieb in einer umfassenden juristischen Würdigung bereits am 16. Oktober: „Minister Weimer ist Straftäter“.
Die Neue Osnabrücker Zeitung will auf dem Dach des Kanzleramts – gab es dazu auch Mohnkuchen? – von Weimer wissen: „Denken Sie über einen Rücktritt nach?“ Antwort von Weimer: „Ich werde mich den rechten Trollen nicht beugen, wenn sie Kampagnen machen gegen einen bürgerlichen Kulturpolitiker, der sie inhaltlich angreift.“
Das muss man sich nochmal langsam vorlesen: Der Hochstapler sieht sich als „bürgerlichen Kulturpolitiker“ und Alexander Wallasch ist ein „rechter Troll“, der sich nur gegen einen „bürgerlichen Kulturpolitiker“ wehrt, der seinerseits Wallasch im „Kampf gegen Rechts“ womöglich „inhaltlich angegriffen“ hat?
Das ist so hanebüchen bekloppt vom Weimer, dass die Interviewer der Osnabrücker Zeitung auf dem Dach des Kanzleramts einen massiven Schub von Stockholm-Syndrom bekommen und als Gefälligkeitsjournalisten die sie nun Mal sind, den Noch-Kulturstaatsminister vor sich selbst schützen wollen: „Wechseln wir das Thema.“
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