Martin Sellner über Ceuta, Massendemos und den Unterschied zu Deutschland

„Die Spanier haben noch Reconquista im Blut“

von Alexander Wallasch

Martin Sellner hört Wolf Biermann: „Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit“© Quelle: X/ Martin Sellner, Screenshots

Martin Sellner sieht in den spanischen Demonstrationen eine gesunde Gegenwehr eines Volkes, das leben will – patriotischer und weniger gespalten als die Deutschen. Den eigentlichen Krieg führt er nicht in der Ukraine, sondern um Heimat und Mehrheit im eigenen Land.

Ich interviewte Martin Sellner in den vergangenen zehn Jahren wiederholt – schon bei Tichys Einblick. Der österreichische Aktivist und Autor, Mitgründer der Identitären Bewegung Österreich und einer der bekanntesten Vertreter des Remigrations-Konzepts, bleibt für viele eine Reizfigur. Ulf Poschardt hat ihn einmal positiv erwähnt.

Anlass für dieses Gespräch sind die Ereignisse um Ceuta und die darauffolgenden Demonstrationen auf dem spanischen Festland. Martin Sellner war dort vergleichsweise früh vor Ort. In Spanien stehen Wahlen bevor. Es geht um den Unterschied zwischen spanischer und deutscher Reaktion, um den Charakter der Proteste und darum, was daraus für Europa folgt.

Du warst – mit Blick auf Ceuta – als einer der ersten vor Ort, als die sogenannte Invasion die Exklave überrannte. Und du hast doch auf dem spanischen Festland eine Demonstration mitorganisiert. Haben die Spanier mehr patriotisches Blut in den Adern als die Deutschen? Die sind nämlich vorgestern relativ schnell und relativ kompakt in vielen großen Städten für ihre Exklave auf die Straße gegangen. Wie hat das auf dich gewirkt?

Ja, eine Massendemo. Das spanische Volk will leben, hatte ich auf X geschrieben. Das ist eine sehr gesunde und sehr gute Reaktion. Die Tage von Sanchez sind gezählt. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass auch unsere Aktivisten vom Save Europe Act unter den Demonstrierenden waren. Die weiteren Ereignisse auf Ceuta haben Sanchez gezeigt, dass er so nicht weitermachen kann.

Die Bilder von den Demonstrationen in Spanien, die wir vorgestern veröffentlicht hatten, zeigen Familien, Mütter mit Kindern, junge Männer tätowierte usw. Also da scheint diese Homogenität der unterschiedlichen Lager nicht in der Form stattzufinden, wie bei uns, obwohl es natürlich auch Gegendemonstrationen gab.

Ganz genau. Man kann durchaus sagen, die Spanier sind als Volk noch patriotischer und haben ein besseres Immunsystem gegen diese linke Politik.

Nun haben die Spanier ihren Sanchez selbst gewählt, der im Grunde genommen eine ganze Zeit lang Merkel 2.0 dargestellt hat. Was war da los?

Wie ist Sanchez gewählt worden? Sanchez hat ein zusammengewürfeltes Bündnis aus linken, regionalistischen Parteien, Antifa-Parteien und der abgewirtschafteten Sozialdemokratie aufgebaut. Sprich: Sanchez hat ein buntes, fleckiges Bündnis von teilweise vollkommen unterschiedlichen Akteuren aufgebaut. Ich würde aber trotzdem sagen, dass der Mehrheitswille des spanischen Volkes in eine patriotische Richtung geht. Ich glaube, dass hier auch das Pendel zurückschwingen wird.
Vor allem scheint Sanchez eine gute Lektion für die Spanier gewesen zu sein, wo die Reise hingeht, wenn sie links wählen. Und ich glaube, dass die Spanier sich das sehr gut merken werden, was uns heute passiert ist.

Auch Spanier waren Gastarbeiter der Generation meiner Großeltern. Es gab Italiener und Griechen, noch bevor gezielt in der Türkei angeworben wurde. Diese Spanier, diese Griechen, diese Italiener wurden von unseren Großeltern nicht immer freundschaftlich behandelt. Sie sind zum Arbeiten gekommen und wurden in der alten Bundesrepublik vielfach auch als Kanaken diskriminiert.

Jede Form von Massenzuwanderung erzeugt natürlich immer gewisse Schocks. Aber gerade die Spanier, die hier gearbeitet haben, sind zum überwiegenden Teil auch nach Spanien zurückgekehrt. Oder sie haben sich, wenn sie dageblieben sind, perfekt assimiliert und angepasst, was eben dazu führte, dass anfängliche Vorbehalte sofort nachgelassen haben.

Warum? Es gab keinen einzigen spanischen Terroranschlag, es gab keine Massenvergewaltigungen durch Italiener. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einer binneneuropäischen Migrationsbewegung, die es in Europa schon seit Jahrhunderten, Jahrtausenden immer gab, und einer nichteuropäischen Massenmigration oder Ersetzungsmigration.

Ich kann nur sagen, ich stehe voll und ganz auf der Seite unserer spanischen Brüder. Wir sind im besten Austausch mit spanischen Aktivisten. Wir sind mit Stolz eine europaweite Bewegung.

Vergleiche die spanische patriotische Bewegung bitte mal mit der britischen Bewegung etwa rund um Tommy Robinson. Wo ist der Unterschied?

Wir sehen in Spanien die Massendemonstrationen. Und es gibt sie auch in England. Deutschland hinkt ein bisschen hinterher. Ich glaube, dass tatsächlich in Spanien die Bewegung noch stärker ist, weil es mit VOX eine starke patriotische rechte Partei gibt im Stile der AfD und FPÖ.

Und die Spanier sind ein heißblütiges Volk. Die haben noch ein bisschen Reconquista im Blut, vor allem, wenn man bedenkt, wie die Einwohner von Ceuta in ihrer Verzweiflung im Staatsversagen dann diese illegalen Lager letztlich abgerissen und von den Stränden beseitigt haben. Das würden sich die Gentlemen auf der Insel nicht trauen. Und natürlich noch weniger die Deutschen.

Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst. Ich glaube, es war die Merkel-Regierung. Die haben sich einmal bemüht um spanische junge Menschen. Die sollten hier in Arbeit gebracht werden. Man hat Jugendprogramme gemacht, aber die wollten alle nicht bleiben. Dieses Projekt einer Zuwanderung direkt aus den europäischen Ländern scheint komplett vergessen und gescheitert.

Ich erinnere mich dunkel daran. Aber vor allem kann ich mich auch sehr gut erinnern, dass es erst kürzlich zum ersten Mal eine negative Wanderungsbilanz der Polen vorliegt. Die Polen verlassen Deutschland. Das heißt, die europäische Migration, die eine Zeit lang tatsächlich auch für Deutschland wirtschaftlich wichtig war, weil man einen Mangel an eigenen Kindern hatte – ein grundlegendes Problem –, die lässt jetzt nach, und die gehen jetzt alle wieder zurück in ihre Heimatländer. Deutschland steht jetzt alleine mit seinen Syrern, Afghanen und sonstigen Raketenwissenschaftlern da.

Etwa Thomas Fasbender, Debattenchef der Berliner Zeitung, hat sich mehrfach auf X kritisch auch in eure Richtung geäußert. Er wolle nicht in einer Welt von blonden, blauäugigen Menschen leben usw. und das wäre auch alles ganz furchtbar. Und er hat das dann auch gegen die AfD gerichtet. Hier haben sich offenbar bestimmte Medienschaffende in den vergangenen zehn Jahren kaum mit dem Thema illegale Massenzuwanderung beschäftigt. Selbst Julian Reichelt hat ein paar Jahre gebraucht, Anschluss zu den Informationen zu finden. Jetzt kommen Leute wie Ulf Poschardt, der sich ebenfalls wieder einarbeiten muss. Es ist immer wieder wie eine Welle. Und immer wieder wird alles neu durchgekaut. So tritt man auf der Stelle und die Probleme und Verwerfungen werden immer größer. Zaudern aus Unwissen. Empfindest du das ähnlich?

Absolut. Ich finde es wirklich ermüdend, wie diese uralten Vorurteile vorgebracht werden. Das muss man einem Poschardt zugutehalten, der beginnt allmählich, diese Hemmungen abzubauen. Falls Herr Fasbender Probleme mit Menschen blonder Haarfarbe hat, dann ist das natürlich erstmal sein Pech und sein Problem. Ich mag sehr viele blonde Menschen gerne, aber dann kann er sich zumindest mal mit mir treffen. Bei mir besteht diese Gefahr nicht, dass dann seine Phobie getriggert wird (lacht). Man kann ihm ganz einfach erklären, wie er leider immer noch von den Mainstreammedien belogen wurde. Ich glaube, das sind Vorurteile. Wir bauen diese Vorurteile ab, Schritt für Schritt. Und bin überzeugt, dass tatsächlich alle am Ende den Weg von Herrn Poschardt gehen werden und merken: Ja, man muss sich auch mit uns auseinandersetzen. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir gehen hier nicht mehr weg.

Ulf Poschardt hat klar gesagt, er werde weiter CDU und FDP wählen.

Ich will jetzt auch nicht zu viel über ihn reden. Aber zumindest diese Dämonisierung, dass man uns wie giftige Insekten behandelt, die wird schrittweise zurückgefahren. Denn die Leute merken doch, es ist vor allem peinlich. Und ich glaube, dass tatsächlich die Leute erkennen werden, dass diese Strategie des Nichtengagements auf Dauer nicht funktionieren wird.

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Auch Du wirst seit Jahren massiv angegriffen. Musst du auch lernen, an einer bestimmten Stelle bestimmten Leuten zu verzeihen und zu vergessen?

Absolut. Ich bin zwar hochemotional, aber ich bin auch viel zu faul, um nachtragend zu sein. Ich bin da immer frei nach Wolf Biermann: „Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit.“

Am Ende will ich ja nur haben, dass die Leute zur Vernunft kommen. Und wenn die dann endlich mal aufhören, uns zu verfolgen, zu zensieren, zu debanken und das Land mit weiterer islamischer Massenzuwanderung zu fluten, dann ist mir das vollkommen egal. Mir ist auch egal, was jemand gestern gedacht hat, wenn er heute das Richtige denkt.

Im Braunschweiger Audimax der Universität habe ich übrigens Ende 1979 genau dieses Lied Wolf Biermann von der Bühne gehört. Das war damals noch eine richtig geile linksradikale Aufbruchsstimmung.

Ist auch ein geiles Lied, ich kann es nicht leugnen, da haben die Linken uns noch einiges voraus, was die Lieder betrifft (lacht). „Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit“ – Was für eine schöne Zeile: Ja, wir brauchen gerade dich und deine Heiterkeit! Denke ich genauso. Und die Heiterkeit lassen wir uns nicht nehmen.

So geht es dir dann auch bei Ton Steine Scherben?

Ja, durchaus. Wobei ich dann immer eher so die Barden mag. Ich bin ja doch auch eine zartbesaitete Künstlerseele (lacht). Aber ja, musikalisch habe ich der Linken schon einiges abzugewinnen.

Bei euch sehe ich – mit Blick auf den Ukrainekrieg – überhaupt kein klares friedensbewegtes und pazifistisches Bekenntnis. Ich habe persönlich schon Angst davor, was hier gerade passiert. Und ich sorge mich sehr um meine Söhne. Ich bin da schon ganz traditionell friedensbewegt, wie es früher die Linke war. Warum ist der Friedenswille bei euch so schwer erkennbar?

Ehrlich gesagt liegt es daran, dass wir uns als Bewegung, also wenn es konkret um die Identitäre Bewegung geht, aus geopolitischen Fragen schlicht und ergreifend raushalten.

Wir sehen, was gerade geschieht, als existenzielle Bedrohung. Im Unterschied zu uns hatte die Generation der Achtundsechziger den Luxus, sich keine Sorgen machen zu müssen über Islamisierung in den Schulen, tägliche Gruppenvergewaltigung, Scharia, Patrouillen in ihrem Viertel. Aber das ist heute unser Hauptproblem.

Und da verstehe ich auch völlig, dass junge Menschen in Deutschland einfach nicht mehr den Kopf und den Geist haben, sich um alle Probleme der Welt zu kümmern und für Ho Chi Minh heute oder morgen für Tibet zu demonstrieren, weil es einfach so krass um ihre Zukunft geht und sie das direkt spüren. Ich würde sagen, das ist vor allem ein Generationenkonflikt.

Einspruch. Denn was nutzt der Kampf gegen Islamisierung, wenn uns die deutsche Bundesregierung hier in einen Krieg mit Russland treibt. Das wird dann das viel größere Problem sein als besagte Islamisierung.

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Ich sage den Leuten, das können sie gerne machen. Aber für diese Bundesregierung, vor allem unter diesen Bedingungen, kenne ich keinen, der da bereit wäre, sich in einen Krieg führen zu lassen. Das wird nicht funktionieren. Das ist mein Eindruck. Damit werden wir ziemlich gegen die Wand laufen.
Die einheimische patriotische Jugend wird einfach klarmachen: Wir wollen zuallererst mal sichere Straßen, sichere Innenstädte haben. Und das ist im Moment unser großer Krieg, muss man da sagen. Unser großer Krieg ist der Kampf um unsere Heimat und unsere Zukunft. Darum, nicht Minderheit im eigenen Land zu werden. Und das nimmt all unsere Ressourcen und all unseren Fokus ein.

Ich will noch mal intervenieren: Wenn es die deutsche Bundesregierung so weit treibt, dass wir hier in einen Konflikt mit Russland geraten, dann müssen wir unsere Freiheit ja auch gegen Russland verteidigen. Aber nur, weil Merz es dann am Ende so weit getrieben hat.

Im schlimmsten Fall, wenn man uns in den Krieg zieht, muss man natürlich kämpfen, auch wenn man diesen Krieg nicht verursacht hat. Ich glaube aber nicht, dass es dazu kommt. Denn die europäischen Völker und die europäische Jugend sind nicht bereit, diesen Preis zu zahlen, vor allem nicht für die Babyboomer-Generation. Sobald das geschieht, sind einfach alle raus und hauen ab.

In der Ukraine gibt es ja sehr viele nationalistische, patriotische Jugendliche, die auch ihre Geschichte haben – Holodomor als Stichwort. Da gibt es eine Vorgeschichte für diesen Patriotismus. Man kann über den ukrainischen Staat sagen, was man möchte, aber der hat halt vor diesem Krieg nicht seine eigene Bevölkerung mit Moslems und Afrikanern ausgetauscht und sie dafür verfolgt, wenn sie gesagt haben: „Alles für die Ukraine“, im Gegenteil.

Ein Staat, der sein eigenes Volk und gerade die eigenen Patrioten so mies behandelt, derartig unterdrückt, derartig verfolgt, der kann, wenn er auf einmal auf patriotisch macht, nicht mit den jungen Leuten rechnen für einen Krieg, den keiner wirklich versteht. Dann fliegen sie ziemlich auf die Schnauze. Es könnte einen ähnlichen Effekt haben wie der verlorene Krieg für das Zarenreich oder der Vietnamkrieg in Amerika.

Brauchen wir eine politische Amnestie für die Verantwortlichen der illegalen Massenzuwanderung, um überhaupt Zukunft gestalten zu können? Müssen wir da ein Auge zudrücken?

Es braucht zuerst einmal aus meiner Sicht Untersuchungen und Ermittlungen und danach kann man über eine Amnestie sprechen. Ähnlich wie das zum Beispiel bei der DDR der Fall war, da ist ja auch nicht jeder Grenzpolizist, jeder Stasi-Beamte verurteilt worden. Aber es braucht zumindest mal eine umfassende Aufarbeitung. Das halte ich schon für notwendig und richtig und wichtig.

Zugleich aber sage ich: In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht. Es geht nicht um Rache. Es geht mir darum, Österreich, Deutschland, Italien, Europa zu retten. Das hat für mich die absolute Priorität. Und Tribunale etc. sind für mich alles zweitrangig. Das Wichtigste ist, jetzt sofort diese Leute aus den Machtpositionen entfernen und eine richtige Politik umsetzen.

Danke für das Gespräch!

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