Arbeitsplätze oder Frieden schaffen ohne Waffen – und mit Massenentlassungen?

Die Totschießgewerkschaft IG Metall: Vom Friedenskämpfer zur Rüstungsschmiede – oder doch nicht?

von Alexander Wallasch

IG Metall (Militär?): Die fünfte Kolonne der Rüstungsindustrie?© Quelle: Wikipedia/VW Kubelwagen Type 82 (1944) (owner Hermann Muller) pic.JPG, IGM, Screenshot, Montage: Wallasch

Während Teile der IG-Metall-Spitze den Kurs von SPD und Grünen in Richtung Kriegswirtschaft mittragen, formiert sich gerade eine starke Gegenbewegung in den VW-Werken von Braunschweig bis Wolfsburg: „Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!“ – ein offener Richtungsstreit um die traditionelle Friedenspolitik der Gewerkschaft.

Muss sich die IG Metall in der Automobilindustrie Sorgen machen, dass ihr von rechts eine neue Konkurrenz erwächst, die es so in ihrer Geschichte bisher nicht gegeben hat? Autor Gregor Leip, selbst über vier Jahrzehnte im Automobilbau tätig, hat für Alexander-Wallasch.de zuletzt ausführlich darüber berichtet.

Unter anderem schrieb Leip:

„Nach Jahrzehnten nahezu unangefochtener Herrschaft verliert die IG Metall bei Volkswagen und Mercedes spürbar an Boden. Die Belegschaften wählen 2026 klar anders: Starke Rückgänge in Wolfsburg, Zuwächse für CGM und erstmals Mandate für den Verein ‚Zentrum‘ – ein klares Zeichen von Unmut über Sparpakete, Transformation und das alte Machtgefüge von Gewerkschaft und SPD.“

Erleiden die Gewerkschaften das Schicksal ihrer Mutterpartei SPD, die sich wiederum auf den Weg gemacht hat, der FDP ins Vergessen, in die politische Demenz zu folgen? Aber das Phänomen ist nicht auf die SPD beschränkt: Die Zeitenwende erfasst auch die Grünen, die sich ebenso wie die SPD und die Union, die sich in den Augen vieler als Kriegstreiber und Wohlstandsvernichter aufgestellt haben.

Bleiben wir bei der Autoindustrie: Zuerst wurde die Verbrenner-Technologie beerdigt, um dann festzustellen, dass der Strom eben nicht einfach so aus der Steckdose kommt und etwa die Batterietechnik alles andere als eine deutsche Technik-Domäne ist, von der Rohstoffbeschaffung mal ganz abgesehen.

Vor wenigen Tagen musste Volkswagen hunderttausend E-Autos wegen Brandgefahr zurückrufen. Einziger Vorteil hier: Wenn ich kein positives Image mehr habe, gibt’s auch nichts mehr zu zerstören. Der sozialistische Mobilitätsalbtraum: Kein Privatbesitz mehr, kein Auto. Und wenn doch, dann ein Share-Wagen, der niemanden mehr gehört und an der öffentlichen Steckdose hängt.

Wo Massenentlassungen wie ein Damoklesschwert über den Betrieben hängen, weil die Gewerkschaften sich der grünen Verbrennervernichtung angedient haben, ohne dass eine konkurrenzfähige und wirtschaftliche Alternative in Sicht gewesen wäre, da kommt man schon mal auf Ideen, die radikal mit der eigenen Geschichte brechen – Grüne und SPD haben es als Kriegstreiberparteien in der Ukrainefrage vorgemacht, die Gewerkschaften ziehen nach: Volkswagen auf dem Weg zur größten Rüstungsschmiede zwischen Emden und Charkow!

Dazu passt, dass alte Genossen wie Sigmar Gabriel als ehemaliger niedersächsischer Ministerpräsident selbst im Aufsichtsrat von Volkswagen saßen und Gabriel jetzt im Aufsichtsrat von Rheinmetall sitzt – eine perfekte Scharnierfunktion.

Die IG Metall hatte bei Volkswagen vor zwanzig Jahren bereits einen Sündenfall hingelegt, als im Zuge der VW-Korruptionsaffäre herauskam, dass aus der Firmenleitung des Volkswagen-Konzerns heraus Mitglieder des Betriebsrates mit Geld, Luxusreisen und Edelhuren in ihren Entscheidungen korrumpiert worden waren. Wohl nur aus Mangel an echter Konkurrenz überlebte die IG Metall diesen schlimmen Verrat an den Angestellten und Arbeitern, die sie vertreten. Eine Konkurrenz steht heute aber längst in den Startlöchern.

Umso mehr gilt es, sich alter Werte zu besinnen, versus willfährig der Politik zu folgen, welche die Verbrennertechnologie beerdigt hat, ihr aber jetzt eine Renaissance bescheren möchte, indem die abgewickelte Volkswagen-Technologie zur Hallo-wach-Spitze der deutschen Rüstungsproduktion werden soll.

Zuletzt hatte sich die Bundesregierung ein perfides trojanisches Pferd ausgedacht und Volkswagen zum potentiellen Partner der israelischen Iron-Dome-Produktion gemacht. So sollen weit über 2000 Arbeitsplätze im Volkswagenwerk Osnabrück gerettet werden. Und wer würde es wagen, die (vermeintliche) Rettung von Arbeitsplätzen zu kritisieren oder gar Stimmung gegen eine Verteidigung Israels zu machen? Selten hat der Begriff trojanisches Pferd besser gepasst.

Erwartbar steht die IG Metall in Osnabrück weitgehend hinter der Entscheidung und geht hier den kriegerischen Weg der SPD und der Grünen mit. Nicht, dass Volkswagen nicht längst via MAN Tangenten in die Rüstungsindustrie hätte, aber über Standorte wie Osnabrück und Produkte wie den Militär-Amarok droht die Eskalation.

Mit dem kollektiven Gedächtnis der Massen ist es so eine Sache. Allerdings werden sich die altgedienten Belegschaften der Volkswagenwerke an die Geschichte ihrer IG Metall als Speerspitze der Friedensbewegten erinnern – die Ostermärsche sind hier nur ein Stichwort.

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Die Friedensbewegtheit der IG Metall ist umfangreich dokumentiert, auch die Suchmaschinen landen viele Treffer. Exemplarisch hier eine Rede von 2013: „Friedensinitiativen statt Kriegspolitik – gegen die Rückkehr des Krieges in die Politik“. Dort hieß es vor 13 Jahren von der IG Metall:

„Wir lassen uns nicht abhalten. Weder von Wind und Wetter. Noch davon, ob ‚Frieden‘ gerade Konjunktur hat.“

Fokus am Rande, in der gleichen IG Metall-Rede heißt es auch:

„Atomwaffen sind überall in falschen Händen, auch in Israel. Und sie wären bei den iranischen Machthabern oder in Nordkorea ebenfalls in falschen Händen.“

Die Gewerkschaften haben ihre Macht nicht verloren, aber sie befinden sich 2026 in einer tiefen Identitätskrise. Es gibt in der IG-Metall-Spitze weiterhin die Mitläufer und Profiteure, die jeden Kurs der Politik mitgehen, von Corona über die illegale Massenzuwanderung bis Verbrenner-Aus und Ukrainekrieg.

Aber zwischen Braunschweig und Wolfsburg formiert sich eine neue Kraft, die sich auf die Wurzeln der IG Metall besinnen und der Überzeugung sind: Gewerkschaftsarbeit ist Friedensarbeit. Das fällt naturgemäß zuerst linken Medien auf.

Aber jetzt kommt’s: Das ist längst offizieller Kurs auch der AfD-Führung! Und hier hat offenbar eine Gruppe in der IG Metall beschlossen, dass sie die DNA der IG Metall nicht kampflos der AfD und neuen AfD-nahen Gewerkschaften überlassen wollen. Eine DNA, die übrigens schon in der Satzung der IG Metall zur Friedenspolitik verankert ist.

Am 23. März 2026 veröffentlichte die IG Metall einen Aufruf zum Download für die Betriebsräte samt Unterschriftenliste. Und offenbar traf diese Aktion in den Volkswagenwerken auf Resonanz. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, inwieweit sich diese IG-Metall-Friedensbewegung 2.0 zu einem echten Richtungsstreit auswachsen kann.

Hier der Aufruf im Original:

„Wir IGM-Kolleginnen und -Kollegen bei VW schauen mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmende Kriege. In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht.

Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise, die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie auszunutzen. Aufrüstung sichert nicht den Frieden, sondern bereitet Kriege vor. Wenn die Regierung einen „Notstand“ ausruft, wird das Streikrecht beschnitten, gibt es Arbeitsverpflichtung und Anordnungen zu extremer Arbeitszeitausdehnung.

Im „Kriegsfall“ kommt laut „Arbeitssicherstellungsgesetz“ (ASG) eine Zwangsverpflichtung unter Androhung von Gefängnis für sogenannte Spezialisten aller Berufsgruppen hinzu. In den Schützengräben der Welt sterben Menschen wie du und ich nicht für höhere Werte, sondern für die Interessen großer Kapitaleigner.

Die Rüstungsindustrie jubelt über explodierende Gewinne. Die Wiederaktivierung der Wehrpflicht ist in Vorbereitung, um künftig uns und unsere Kinder in Kriege zu schicken. Aktuell steigen mit dem Krieg im Nahen Osten sofort die Preise für Benzin. Schon wird von höherer Inflation gesprochen.
Diese Entwicklung machen wir nicht mit!

Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen. Unterstreichen wir unsere Losung „Kampf um jeden Arbeitsplatz!“ und setzen wir uns aktiv für unser Ziel „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ ein (IGM-Satzung unter § 2 “Aufgaben und Ziele der IG Metall“). Und wir rufen den IG-Metall-Vorstand, den Betriebsrat und alle Mitglieder auf: Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!“

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