Guido Heuer umarmt AfD-Spitzenkandidat Siegmund – und die Brandmauer löst sich plötzlich in Luft auf?

Die Umarmungsfalle von Magdeburg – wie die CDU der AfD die absolute Mehrheit wegkuscheln will

von Alexander Wallasch (Kommentare: 2)

Verzweifelter CDU-Wahlkampf 2026 in einem Bild© Quelle: Ostdeutsche Allgemeine Zeitung/Christian Schroedter, Screenshot

Was als mutiger Bruch mit der Brandmauer verkauft wird, ist eine clevere Wahlkampf-Inszenierung: Die CDU will sich für wankelmütige AfD-Wähler wählbar machen und Ulrich Siegmund die absolute Mehrheit nehmen. Der AfD-Landeschef hat die Falle sofort durchschaut.

Was die CDU jetzt in Sachsen-Anhalt macht, will wahlkampftaktisch klug sein. Sie suggeriert dem Wähler, es gebe keine Brandmauer mehr, die CDU wäre damit als Juniorpartner der AfD wählbar.

Und genau das ist der wunde Punkt: Es gibt auch in Sachsen-Anhalt noch genug Wankelmütige, die zwar eine Politikwende wollen, die aber nicht gänzlich immunisiert sind gegen zehn Jahre Diffamierungskampagne gegen die AfD. Wer dieser Klientel so kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt vorgaukelt, es könne ein Ende der Brandmauer geben, der will vor allem eines: Die CDU wieder wählbar machen in Sachsen-Anhalt.

Julian Reichelt (Nius) hat heute früh ein Foto des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund geteilt, der auf einer Veranstaltung von Guido Heuer, Fraktionschef der CDU in Sachsen-Anhalt, umarmt wird. Oder sollte man bedrängt sagen? Heuer sitzt an einem eigenen Tisch neben Siegmund, der an seinem Tisch sitzt. Und Heuer beugt sich weit rüber zu Siegmund und berührt ihn vertraulich an Schulter und Hand.

Die Szene ist schnell erklärt: Siegmund hat das Mikrofon in der Hand und Heuer kann nur dazwischen gehen, wenn er eben in dieses Mikrofon spricht, also beugt er sich rüber.

Julian Reichelt beurteilt die Szene heute unter anderem so:

„Ein mutiger Moment, der das Land verändern könnte. Guido Heuer, Fraktionschef der CDU in Sachsen-Anhalt, zeigt auf einer Wahlkampfveranstaltung Schulter an Schulter mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund demonstrativ, was er von der Brandmauer hält: gar nichts (…). Der Osten wird im September die herrschenden Verhältnisse wegwählen und wegfegen.“

Heuer der Mutige. Oder doch der Verzweifelte? Ulrich Siegmund, der mit der AfD in Sachsen-Anhalt kurz vor der absoluten Mehrheit steht, sieht das freilich ganz anders. Er hat das Bild mit seinem schärfsten Konkurrenten nicht via X geteilt. Er hat sogar das Gegenteil getan. Vor wenigen Minuten schrieb Ulrich Siegmund, der die Zwangsumarmungsfalle offenbar sofort erkannt hatte, unmissverständlich in Richtung Heuer:

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Politiker, die heute von angeblichen Brandmauern nichts wissen wollen,
noch vor zwei Monaten gemeinsam mit den Linken eine Parlamentsreform gegen die AfD auf den Weg gebracht haben,
seit Jahren einen AfD-Vizepräsidenten verhindert haben, mich als Ausschussvorsitzenden wegen des Potsdamer Kaffeekränzchens abgewählt haben,
unser Land und unser aller Zukunft für die Macht und ihre Koalition verraten und gegen die Wand gefahren haben.
Das alles ist Teil der Show, um unsere absolute Mehrheit zu verhindern.Da spielen wir natürlich nicht mit. Wir können unser Land nicht mit denen retten, die es in diese Lage gebracht haben.Deshalb: 45 % + X! Deshalb: Vision 2026!

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Fast bemitleidenswert ist hier eine Lautäußerung der Grünen Kathrin Göring-Eckardt, die zu besagtem Bild schrieb:

„Die NoAfD will die CDU zerstören. Hier mit aktiver Hilfe derselben. Es ist ein Drama“.

Die graue Grüne begreift nicht einmal ansatzweise, worum es hier wirklich geht. Göring-Eckardt glaubt, die Anti-AfD-Seite wolle die CDU politisch fertigmachen, indem sie ihr Nähe zur AfD vorwirft und sie damit bei gemäßigten Wählern diskreditiert. Sie begreift die Taktik ihres eigenen Lagers nicht, dem es nur darum geht, die CDU für die paar Prozent wankelmütige AfD-Stimmen wählbar zu machen und Ulrich Siegmund die entscheidenden Prozente zur absoluten Mehrheit zu nehmen.

Wahltaktisch eine Meisterleistung von Guido Heuer, die ihn nicht mehr kostet, als sich einmal öffentlich zu Siegmund hinüber zu beugen, wenn die Fotografen gerade günstig stehen.

Übrigens: Auch der sonst so clevere Maximilian Krah hakt sich inhaltlich bei Göring-Eckardt und Reichelt unter und begreift nicht, um was es tatsächlich geht:

„So sähe es politisch im Osten aus ohne Merz und seinen Druck auf die Ost-CDU, sich selbst zu zerstören, um die schwarz-grünen Träume im Westen nicht zu belasten.“

Aber schadet nichts, der AfD-Landeschef hat sofort verstanden, was da versucht wird und entsprechend reagiert. Eine billige Umarmungsfalle, die Siegmund nicht nur durchschaut, sondern sofort öffentlich zerlegt hat.

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