Im Gespräch mit Jasmin Kosubek plaudert der „Junge Freiheit“-Herausgeber über sein militaristisches Weltbild

Dieter Stein und das düstere Vermächtnis des Vaters: „Natürlich“ opfere ich meinen Sohn

von Alexander Wallasch

Dieter Stein hat sich vor Jasmin Kosubek nackig gemacht© Quelle: Youtube/ Jasmin Kosubek, Screenshot

Zwischen Familiendrama und Wehrhaftigkeitsfantasie: Dieter Stein verteidigt den Ukrainekrieg als Chance für ein starkes Deutschland und beantwortet die Frage, ob er seinen Sohn für die Nation opfern würde, mit einem klaren „Jawoll“. Ein Interview, das mehr enthüllt, als er vermutlich preisgeben wollte.

Dieter Stein zu Gast bei Jasmin Kosubek. Ihr YouTube-Kanal hat gigantische 320.000 Abonnenten, was eine gute Reichweite ihrer Beiträge verspricht. Der 58-jährige Talkgast ist Herausgeber der „Jungen Freiheit“, eines der ältesten rechtskonservativen Magazine der Nachwende-Zeit. Frau Kosubek ist nicht dafür bekannt, ihren Gästen nach dem Mund zu reden. Beide kann man als Teil einer gemeinsamen Anti-Establishment-Blase betrachten.

Der durchaus altersattraktive Dieter Stein beginnt irgendwie zerknittert, mit sich ringend, knauserig, zitronig, aber nicht per se unsympathisch. Jasmin Kosubek spricht mit ihm zunächst über die Entstehung seines Blattes. Anschließend landen beide in Dieter Steins Jugendzimmer und sprechen über eine wandgroße Deutschlandkarte.

Frau Kosubek will wissen, ob es denn eine alte Karte war oder eine neuere. Dieter Stein erwidert, er habe die innerdeutsche Grenze an der Wand sogar mit Stacheldraht markiert. Deutschland war also schon in Steins Elternhaus ein Thema. Dann spricht Stein über das Dresdner Militärmuseum. Hier beschwert er sich, dass man einen modernen architektonischen Keil in ein historisches Gebäude getrieben habe. Der Keil allerdings wurde von Daniel Libeskind, einem jüdischen Architekten, entworfen. Allein diese Tatsache machte das dröge Museum auch international zu einem attraktiven Besuchsort. Das Militärmuseum beherbergt zudem eine moderne Ausstellung. Hier kann man den grausigen Leichengeruch des Schützengrabens im Ersten Weltkrieg erschnüffeln. Es gibt zudem eine Strecke mit ausgestopften Tieren, die im Krieg missbraucht wurden.

Für Dieter Stein ist all das nur Zeichen eines verkrampften Umgangs mit der Vergangenheit. Dass man hier überhaupt mit Vergangenheit umgeht, versucht, modern mit ihr umzugehen, und vielleicht auch einen kritischen Blick auf die Militärtradition Deutschlands zu werfen, findet beim militärisch geprägten – dazu gleich mehr – Stein keine Beachtung. Der nennt als eines seiner Leitthemen, wie schwer es den Deutschen falle, Frieden mit sich zu machen.

Stein erinnert sich an eine Rollback-Erwartung bei der Ablösung der sozialdemokratischen Regierung durch den CDU-Kanzler Helmut Kohl. Auch das zeigt das knapp eineinhalbstündige Gespräch: Diese Zeit hat Stein maßgeblich geprägt, hier haben sich bei ihm ein paar Glaubenssätze gefestigt, aber auch Schicksalsschläge wie den frühen Tod des Vaters. So eine Rollback-Erwartung gab es auch beim Amtsantritt der Regierung Merz, aber die CDU hat hier abermals enttäuscht.

Es holt den Zuschauer emotional ab, wenn Dieter Stein offen über seine Familiengeschichte erzählt. Er hat zwei Brüder und zwei Schwestern. Der Vater ist Militär. Das Gespräch gewinnt, wo Stein so offen und freigiebig mit privaten Dingen umgeht. Jasmin Kosubek versteht es allerdings auch glänzend, ihn dort abzuholen.

Stein berichtet über den frühen Tod seines Vaters, der in die Anfangsphase seiner frühen Verlegerschaft fällt. Und er bedauert, dass sein Vater nicht mehr sein Gesamtwerk „Junge Freiheit“ anschauen und stolz auf den Sohn sein konnte, der in seinem Sinne agiert – die eigene Arbeit also als Vermächtnis und ganz im Zeichen des zu früh gestorbenen Vaters.

Der ist, so erfährt man, an einer aggressiven Demenz erkrankt und bereits mit 57 verstorben. Dieter Stein reflektiert dazu bald verwundert, er sei jetzt zwei Jahre älter. Das berührt und hier ringt der ansonsten gefasste und an Angriffe von Außen gewöhnte Stein in der geschützten Kosubek-Atmosphäre mit sich.  Aber Stein bleibt auch seinen inneren Dämonen gegenüber stabil.

Interessant auch jener Moment, wo sich Dieter Stein explizit zu Götz Kubitschek äußert, der ja ebenfalls Bundeswehr-Hintergrund hat wie Stein selbst. Kubitschek war vielgelesener Autor bei „Junge Freiheit“, beide haben lange zusammengearbeitet. Hier insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Institut für Staatspolitik (IfS), das viel später vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft werden sollte.

Dieter Stein berichtet mit Blick auf Kubitschek davon, dass es immer einen Druck von außen gibt und eine Radikalisierung innen, wenn es um konservative Bewegungen geht. Das sei seine Erfahrung. Man fragt sich stellenweise, warum sich Stein überhaupt dieser Diskussion mit Frau Kosubek stellt. Es wirkt ja während des gesamten Gesprächs so, als habe er eigentlich gar keine Lust dazu.  

Stein vermittelt durchgehend das Gefühl, dass er solche Gespräche alle schon tausend Mal geführt habe und eigentlich gar keine Lust mehr dazu habe, sich zum hundertsten Mal neu zu erklären.

Aber wer weiß, mag er gedacht haben, vielleicht nutzt es ja der „Jungen Freiheit“. Und hier wissen jene, die mit ihm zu tun haben, dass Dieter Stein, was seine verlegerische Arbeit angeht, durchaus auch aggressive und raumgreifende Bewegungen vollziehen kann. Wo Dieter Stein vorher noch auf Distanz zum Institut gegangen ist und gesagt hat, dass das nichts mit der „Jungen Freiheit“ zu tun habe, erzählt er via YouTube wiederum, dass besagte Einrichtung „im Kielwasser der Jungen Freiheit“ gegründet wurde. Also einerseits doch irgendwie stolz auf die Verbindung, andererseits natürlich unter dem Druck der Beobachtung durch den Verfassungsschutz dann in der Distanzbewegung.

Stein beschreibt noch einmal, wo er sich mit Kubitschek überworfen hatte, und nennt konkret jenen Moment, als die NPD, die Stein rechtsextrem sortiert, einen kurzen Frühling hatte, in den sächsischen Landtag einzog und Kubitschek hier ergebnisoffen einer NPD-Zeitung ein Interview gab. Er habe sich darüber empört, dass im Interview die Möglichkeit verpasst wurde, die NPD auch inhaltlich zu kritisieren.

Unterhaltsam die Frage von Kosubek an Stein, ob es für ihn denn ein „zu rechts“ gebe. Antwort: „Natürlich“. Und Stein erzählt auch, was er von Sellners Identitären hält, deren Mannschaft er rechtsextreme Lebensläufe zuweist. Die Identitären sind für Stein „ein Durchlauferhitzer für Personen, die schon vorher verbrannt waren“.

Aufschlussreich auch, wo ihn Jasmin Kosubek auf einen Verriss über Björn Höcke anspricht, der ein paar Jahre her ist, wo ihn Stein als nationalen Sozialisten markiert hatte, der sich aber selbst nie so nennen würde. Stein rudert zurück und meint, natürlich sei Höcke heute nicht verfassungsfeindlich. Also doch kein nationaler Sozialist mehr?

Dieter Stein nennt, was Höcke macht, absichtlich schwammig. Ist es auch absichtlich provokant, wenn Höcke wieder und wieder mit den Versatzstücken aus den düsteren zwölf Jahren spielt? Interessantes Bonbon nebenbei: Dieter Stein behauptet, dass Höckes in Kubitscheks Antaios-Verlag erschienenes Buch zur Hälfte von Götz Kubitschek geschrieben wurde. Und dann fällt wieder einer dieser zitierbaren Sätze, die man über solche Formate schreibt: „Höcke wäre besser Lehrer geblieben“, antwortet Stein auf die Frage, was er heute von der politischen Arbeit von Höcke im thüringischen Landtag hält.

Na klar, auch Frau Kosubek muss sortieren, kann nicht alles berücksichtigen. Unerwähnt blieb so, dass Stein eine Webseite führt, die regelmäßig Petitionen für die AfD durchführt. An der Stelle ist er kein Journalist mehr, sondern politischer Aktivismus für die AfD, da ist Stein ganz nahe bei Jürgen Elsässer. Nur dass der im Interview erklärt hatte, dass beides zusammen gehe: Journalismus und ein bisschen Aktivismus.

Dieter Stein meint, er kenne seine „Pappenheimer“ und diese rechte Szene. Dazu die These, dass es viele Protagonisten in der rechten Szene gebe, die schon mehrfach ihre Biografie verbrannt hätten und trotzdem in neue Projekte gingen, um diese zu kontaminieren. Und hier nennt Stein konkret Götz Kubitschek. Auch Höcke soll so jemand sein und Teile seines Umfeldes. Bemerkenswert, dass Dieter Stein die Isolierung der AfD auch als Verschulden von innen betrachtet und nicht ausschließlich als Druck von außen.

Hatte Stein zunächst leidenschaftlich kritisiert, dass andere zu schwammig sind, flüchtet er sich ins Schwammige, als es um die Einordnung des Ukrainekriegs geht. Er spricht in militaristischen Bildern vom „heldenhaften Kampf der Ukrainer“ und kritisiert eine zu positive Haltung der AfD gegenüber Russland.

Hier bleibt Stein ganz in traditionellen Feindbildern verfangen. Zu diskutieren wäre hier allerdings die Unterstützung der Bundesrepublik für diesen Krieg. Die Eröffnung einer Schicksalsgemeinschaft mit einem Land, mit dem wir in keinerlei Bündnissen stehen. Hier wird Stein so schwammig, wie er es anderen vorwirft. Amüsant der verblüffte Blick von Herrn Stein, als Kosubek direkt erwidert, Steins Haltung zur Ukraine sei doch ein sehr starkes Mainstream-Narrativ.

Und sie erklärt ihrem Gast weiter, dass der Ukrainekrieg doch etwas mehr sei als nur die Verteidigung einer Nation gegen einen Angreifer. Na klar, es geht um die Vorgeschichte. Es geht auch um die Zerstörung von Nord Stream 2. Auch darauf wird Stein angesprochen. Aber der ist verliebt in einfache Lösungen. Und hier passt bei Stein dann alles zu seiner Vorgeschichte, die er ausgiebig ausgebreitet hat.

Jasmin Kosubek ist hier wie nebenbei auch ein vielsagendes Psychogramm gelungen – gewissermaßen die Kür einer solchen Interviewführung. Bei Stein ist es die Familiengeschichte, der offenbar traumatisierende frühe Tod des Vaters. Das alles zeigt einen Mann, der längst seine Zugbrücke hochgezogen hat und keine neuen Experimente wagen möchte. Wahrscheinlich seit den 1990er-Jahren schon nicht mehr.

Wenn man aber die Welt der Gegenwart mit den Augen des jungen Steins von 1990 betrachtet, dann kommt es zu Verzerrungen, dann leidet die Sehschärfe: Dieter Stein meint mit Blick auf Nord Stream 2, Selenskyj habe möglicherweise von alledem nichts gewusst. Ein schräger Versuch, der daran erinnert, dass es mal eine groteske Debatte darum gab, ob Hitler überhaupt etwas vom Holocaust gewusst habe.

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Dieter nennt die Sprengung „einen unfreundlichen Akt“. Er sieht überhaupt keine Veranlassung, dass damit seine Grundhaltung zur Ukraine beschädigt sein könnte. Frau Kosubek sticht weiter in die Wunde. Und wie man es erwarten konnte, versucht Dieter Stein dann auch noch, diesen kriegerischen Akt gegen die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen, indem er wörtlich sagt, die ganze Pipeline wäre doch sowieso eine „Schnapsidee“ gewesen. Die für ihn viel wichtigere Frage sei sowieso: Wie wird Deutschland souverän?

Aber ist nicht Steins Haltung zur Ukraine so besonders wenig souverän, bis dahin gehend, dass der deutsche Botschafter in der Türkei die ukrainische Fahne an das Botschaftsgebäude hängen ließ und der Kanzler aus der Unterstützung der Ukraine eine Schicksalsfrage auch für Deutschland gemacht hat?

All diese inneren Widersprüche in der eigenen Argumentation stören Stein nicht. Stein legt noch einen drauf, und argumentiert, dass viele auf der rechten Seite nicht bereit wären, ihr Land zu verteidigen. Deutschland sei erst wirklich souverän, wenn wir einen Verteidigungswillen hätten.

Dieter Stein mag nicht begreifen, dass das während des andauernden Ukrainekrieges und dieser gefährlichen Verknüpfung mit einer Schicksalsfrage für Deutschland der unpassendste Moment überhaupt ist. Schlimmer: Hier wurde eine Grundsehnsucht bei Stein geweckt, die keinen Aufschub duldet: Die Militarisierung der Gesellschaft als Vermächtnis an den Vater. Hier will Dieter Stein sich verdient machen.

Das ist nach knapp einer Stunde Interview jener Moment, wo Dieter Stein wackelt, wo er hadert, wo die Stimme höher geht, wo er drumherum redet und doch selbst genau weiß, dass er hier einen dunklen Fleck in seiner Argumentation hat, den er selbst nicht aufhellen möchte, weil er eben so tief bis hin zur Familiengeschichte verhaftet bleibt als Gefangener seiner eigenen Dämonen.

Jetzt mit Blick auf die Haltung der Bundesregierung zum Ukrainekrieg könnte so etwas wie ein Lebenstraum des Dieter Stein in Erfüllung gehen: Endlich Deutschland wieder als Militärmacht zu platzieren. Dieter Stein hat wahrscheinlich seit den 90er-Jahren das allererste Mal das dringende Gefühl, ganz nah dran zu sein an der Verwirklichung eines militarisierten Deutschlands, wehrhaft, angriffslustig und was immer man in den letzten 150 Jahren von einem militarisierten Deutschland so erzählen kann.

Und Jasmin Kosubek macht das natürlich goldrichtig: Exakt an der Stelle lässt sie ihn einfach plaudern, schweigt vielsagend, wohl weil sie merkt, wie schrecklich sich ihr Gegenüber verplaudert. Das hat fast etwas Gnadenloses, aber die Journalistin kann hier nicht der Anwalt von Stein sein. Sie stützt den Kopf auf ihren Arm und fragt lächelnd: „Ich überlege gerade, wo ich hier ansetze.“ Und da weiß man dann noch genauer, dass sie ihn gerade knietief in die Honigfalle hat tapsen lassen.

Stein meint, wir könnten es uns abschminken, eine Pipeline nationalen Interesses wieder neu zu eröffnen. Aber zuvor hatte er gerade noch die Souveränität Deutschlands als wünschenswert bezeichnet. Wäre sie wünschenswert, wäre auch die Pipeline möglich. Frau Kosubek fragt: „Wo ist das Problem, dass Deutschland seine nationalen Interessen auch im energiepolitischen Bereich durchsetzt?“

Es gäbe die Nation nicht, wenn nicht vorher Leute ihre Haut dafür hingehalten hätten, erwidert Dieter Stein. Nun ist die Erinnerung der Deutschen an der Stelle sehr lebendig, was zwei Weltkriege mit einem großen Blutzoll angeht. Was diese beiden Kriege mit der Werdung einer Nation zu tun haben, kann auch ein Dieter Stein nicht wirklich erklären. Weil es einfach Unsinn ist. Stein geht also weiter zurück und landet beim deutsch-französischen Krieg 1870/71.

Frau Kosubek spiegelt die Haltung der allermeisten jungen Leute in Deutschland wider, als sie fragt, was es denn für eine Gegenleistung gebe, an der Front sein Leben für Deutschland zu geben. Bildung, Sicherheit? Für die ich dann das Kostbarste geben soll, was man habe, das Leben?

Und Dieter Stein schlingert um etwas herum, das er zum ersten Mal im Elternhaus vom Vater hörte, verinnerlichte und weiter ausgebaut hat: Es gehe um die Befreiungskriege. Und die Bundeswehr habe doch weiterhin das Eiserne Kreuz. Zudem spricht er von den napoleonischen Kriegen und verheddert sich erneut.

Dieter Stein bemängelt weiter, dass unsere Gesellschaft es nicht aushalten würde, dass wir in einem Konflikt Menschen verlieren. Aber in welchem Jahrzehnt lebt dieser Mann eigentlich? Im Nachkriegsdeutschland wurde darauf hingearbeitet, dass eben diese Akzeptanz nicht mehr vorhanden ist, dass man zuerst und auch danach auf Diplomatie setzt und das Motto „Nie wieder Krieg!“ zur Staatsräson gemacht hat.

All das wirft Dieter Stein hier über Bord wie unnötigen Ballast auf seiner Zeitreise zurück in die Kaiserzeit und den Sommer 1914. Aber es bleibt eine zivilisatorische Entwicklung, dass wir niemals wieder wollen, dass junge Männer im Krieg sterben. Das sei nichts Schlechtes, erinnert Kosubek ihren Gesprächspartner.

Dieter Stein erwidert, dass er es sehr bedauere, dass seine beiden Söhne, als sie 18 wurden, nicht gleich den Einberufungsbescheid bekommen hätten. Wenn es hart auf hart komme, rufe das Vaterland, sagt Dieter Stein. Und wieder macht es Jasmin Kosubek richtig und lässt ihn einfach erzählen. Und Stein redet sich ein weiteres Mal um den Verstand.

Hier wird es dann auch richtig abstoßend, wenn der Vater bald diabolisch lächelnd darauf hofft, dass sein jüngster Sohn, der gerade 18 geworden ist und den Fragebogen zur Bundeswehr gekriegt hat, vielleicht doch noch zur Bundeswehr kommt. Das würde den Vater stolz machen, sagt Stein wörtlich. So stolz, wie Dieter Stein seinen eigenen Vater stolz gemacht hat?

Wie schrecklich ist das denn, wenn Väter ihren Söhnen wünschen, dass Handwerk des Tötens zu lernen, anstatt Tischler oder Architekt zu werden? Da schwingt dann alles mit, was dieses steinsche Deutschsein so  unattraktiv macht und was die Welt in so tiefe Verwerfungen geführt hat über zwei Weltkriege hinweg. Dieter Stein verkörpert das auf so erschreckende Weise, dass einem 2026 der Atem stockt.

Erschreckend auch, wie wenig Selbstreflexion bei Dieter Stein stattfindet. Und dann noch eine Eskalation: Frau Kosubek fragt Stein, ob es für ihn okay wäre, dass sein Sohn das Leben für das Land gibt. Und Dieter Stein antwortet: „Natürlich“. Hier stockt einem abermals der Atem und man versteht auch den um Beherrschung bemühten Blick von Frau Kosubek im Anschluss an die Antwort von Dieter Stein. Und weil das alles so schrecklich ist, fragt Jasmin Kosubek ein zweites Mal nach: „Sie sind bereit, ihren Sohn zu opfern?“ Darauf kommt ein militärisch verkniffenes „Jawoll!“ und sonst nichts.

Steins Hände bleiben unterm Tisch. Er schaut, als habe er gerade etwas sehr Bedeutsames gesagt. Aber es war nur besonders traurig. Als Frau Kosubek zusammenfasst, dass seine Ideologie und sein Blick auf die Nation noch das Leben seines Sohnes trumpft, fällt Stein nichts anderes ein, als zu antworten, er wisse gar nicht, warum das jetzt so kompliziert gemacht werde.

Das ist die deutsche Tradition des Gehorsams, von der auch Kubitschek mal irgendwo geschwärmt hatte. Denn darum geht es ja, um Gehorsam auch der Nation gegenüber. Das alles bleiben Relikte aus einer Zeit, die niemand mehr wiederhaben möchte, was Dieter Stein hier aber geschickt ausblendet.

Aber Dieter Stein legt noch einen drauf: Der Krieg sei ja schon da: Auf den Straßen mit Clan-Kriminellen usw. Kosubek bohrt weiter: Auf die Frage, ob er den Begriff „Remigration“ nutzen würde, verneint Stein. Das sei ähnlich wie mit dem Begriff„Neuer Rechter“. Da müsste man sich immer wieder erklären. Auch hier versteht Dieter Stein das Prinzip nicht. Es wird wohl nie einen Begriff geben, der akzeptiert wird, wenn es darum geht, anstehende Abschiebungen durchzuführen. Die Antideutschen warten nicht auf einen wohlklingenderen Begriff, es geht ihnen um die Sache.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass Dieter Stein auch in Sachen Ukraine, vor allem deshalb für diesen Krieg ist, weil hier die Möglichkeit im Raum steht, dass sich endlich auch Steins heilige Bundeswehr als Nachfolger der Wehrmacht militärisch einbringen kann. Ein Lebenstraum in Stahlgewittern. Endlich der Krieg als unmittelbarer Nachweis von Männlichkeit im Sinne Ernst Jüngers, der dem Vater doch verwehrt wurde.

Bei den Steins scheint traditionell alles auf das Einfachste heruntergebrochen: dort der Feind, hier die Waffe und die Verteidigung. Da gibt es dann keine Debatten mehr. Keine dieser endlosen Diskussionen mit diesen des Pazifismus Verdächtigen.

Dieter Stein hat sich vor Jasmin Kosubek nackig gemacht. Spannend für jene, die einmal wissen wollten, wer Dieter Stein ist und was ihn ausmacht. Und Dieter Stein weiß jetzt noch genauer, warum er solche Gespräche besser gemieden hätte.

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