Das gleiche Muster wie bei Nord Stream: Sofort Kriegsrhetorik und „Ostflanke verteidigen“

Drohne trifft Rumänien – Merz schaltet auf Kriegsmodus

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Das alte Nord-Stream-Muster kehrt zurück: False Flag, sofortige Schuldzuweisung, Kriegsrhetorik© Quelle: Youtube/Tagesschau, Screenshot

Von „russischer Sabotage“ zu „Ostflanke verteidigen“. Wie dieselben Politiker und Medien uns wieder in den Krieg reden. Hier wiederholen sich gerade auffällig bekannte Eskalations-Muster.

Wer solche Sätze des Bundeskanzlers liest, der muss sich wirklich fragen, wie weit wir noch von einem totalen Krieg entfernt sind: „Wir sind bereit, jeden Zentimeter des alliierten Territoriums zu verteidigen“.

Zur Erinnerung: Es geht immer noch um den Ukrainekrieg und darum, dass die Bundesregierung Deutschland schicksalhaft an die Ukraine gebunden hat, die weder Mitglied der NATO noch der EU ist. Eine Ukraine, die mutmaßlich mit US-Unterstützung ein Spezialkommando losgeschickt hat, das die Nord-Stream-Pipeline zerstört hat – womöglich unter Mitwisserschaft der Bundesregierung.

Besagter Satz fiel hinsichtlich einer Explosion in bzw. an einem Wohnhaus in Rumänien, das von den dortigen Behörden auf eine Drohne zurückgeführt wird.

Wie sich Sprache hin zu einer Kriegsrhetorik verändert, zeigt in diesem Kontext auch Regierungssprecher Stefan Kornelius. Er erklärte den Vorfall als Anlass dafür, „dass wir die Drohungen an der Ostflanke ernst nehmen müssen“.

„Ostflanke“ steht in der Kontinuität des Zweiten Weltkrieges. Nach 1990 wurde Russland nicht mehr als Feind Nummer 1 der NATO angesehen, lange standen Militäraktionen außerhalb des NATO-Einflussgebiets im Fokus, wie etwa in Afghanistan. Erst 2014 mit der Annexion der Krim war der Begriff im NATO-Kontext öfter zu hören. Aber erst mit Beginn des Ukrainekrieges eskalierte die Verwendung.

Merz will also die Ostflanke verteidigen: „Der Drohneneinschlag in Rumänien zeigt einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation. Deutschland steht an der Seite unserer NATO-Verbündeten.“

Das erinnert allerdings an Aussagen zu den Nord-Stream-Pipelines von zwei der prominentesten deutschen Ukraine-Unterstützer. Zufall? So erklärte Roderich Kiesewetter (CDU) den Nord-Stream-Anschlag schon zwei Tage nach der Sprengung zu einem „Sabotageakt Russlands zur Abschreckung und Bedrohung“.

Und Agnes Strack-Zimmermann (FDP) teilte ebenfalls zwei Tage nach dem Attentat einen Artikel des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" mit der Schlagzeile „Kiesewetter und Strack-Zimmermann vermuten russischen Sabotageakt hinter Nord-Stream-Lecks“. Wörtlich sagte Strack-Zimmermann der Zeitung damals: „Je länger und brutaler der russische Überfall auf die Ukraine andauert, desto größer ist auch die Gefahr, dass es zu solch enthemmten Anschlägen kommt“.

Ein Jahr nach dem Attentat schrieb die „Welt“ vom „(schwersten) Anschlag auf die deutsche Energieversorgung seit dem Zweiten Weltkrieg“. Im gleichen Artikel wird Russland verdächtigt. Die Hinweise, die in die Ukraine führen, seien möglicherweise aus der Trickkiste (False Flag) der Russen.

Diese Info kam vom polnischen Geheimdienst. Die Polen hatten sich übrigens sehr intensiv bemüht, Deutschland von einer russischen Aktion zu überzeugen.

Heute weiß man, dass vielmehr dieses polnische Bemühen eine False-Flag-Aktion war. Polen war von Anfang an Gegner der Pipeline. Der Umgehungstransport durch die Ostsee hätte die bestehende russisch-polnische Jamal-Pipeline wirtschaftlich gefährdet. Polens Gas-Versorgung wird mittlerweile zu 35 Prozent aus den USA bedient. Das Volumen liegt mittlerweile bei 4,5–5 Millionen Tonnen LNG pro Jahr. Polen will sogar noch mehr Gas aus den USA importieren und es quasi als Unterhändler der USA an die Slowakei und Ukraine weiterleiten.

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Die „Welt“ verdächtigte also die Russen. Und keine zwei Monate nach der Sprengung bekam „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt den Verdienstorden der Ukraine für Propaganda überreicht. Vor wenigen Monaten hat Poschardt alle seine X-Posts und Kommentare gelöscht. Es ist also nicht mehr nachvollziehbar, wie er die Lage im Herbst 2022 kommentierend begleitete.

Poschardts „Welt“ zitierte damals den ehemaligen ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, zur Verleihung: „Durch Eure mutige Berichterstattung habt Ihr der Bundesrepublik die Augen eröffnet, dass dieser Krieg jeden Deutschen betrifft“. Es ist sicher keine Verschwörungstheorie, festzustellen, dass Melnyk seinen Präsidenten auf die „Verdienste“ seiner deutschen Freunde bei Springer aufmerksam gemacht hatte.

Aber zurück zur Drohne, die in Rumänien eingeschlagen sein soll. Der Kanzler erklärt via X:

„Der Drohneneinschlag in Rumänien zeigt einmal mehr Russlands Bereitschaft zur Eskalation. Deutschland steht an der Seite unserer NATO-Verbündeten. Der Vorfall zeigt erneut: Wir brauchen eine starke NATO-Präsenz an der Ostflanke. Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen.“

Unternehmensberater und Publizist Dr. Markus Krall antwortete via X als einer der ersten:

„Wie lange haben ihre Wackeldackel denn gebraucht, um die Drohne von dem polnischen Hühnerstall abzumontieren und nach Rumänien zu fahren? Haben sie wenigstens diesmal das Klebeband abgemacht?“

Der „Tagesspiegel“ berichtet, NATO-Angaben zufolge stamme die Drohne aus Russland. Und weiter:

„Der Sprecher des NATO-Oberkommandos der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape), Martin O’Donnell, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Drohne sei ‚russisch‘.“

Auch Russlands Präsident wird zitiert. Putin behauptete, die Herkunft der Drohne sei noch unklar: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand sagen, woher diese oder jene Drohne stammt, solange keine Untersuchung der Drohne stattgefunden hat“.

Der Vorfall wurde von der NATO zum Anlass genommen, vorübergehend militärische Ausrüstung nach Rumänien zu verlegen, bis das Land seine eigene Luftverteidigung modernisiert habe, so Rumäniens Präsident Nicușor Dan.

Und zuletzt erklärt NATO-Generalsekretär Mark Rutte via X , der Vorfall zeige erneut, dass die Auswirkungen des illegalen Angriffskrieges nicht an den Grenzen haltmachten. Oder anders ausgedrückt, möchte man anfügen: „The same procedure as every year.“

Und zuletzt hatte Rumäniens Präsident Nicușor Dan dann am Freitag erklärt, dass die russische Drohne ihre Flugbahn wahrscheinlich nach einem Treffer durch ukrainische Flugabwehr über der ukrainischen Stadt Reni (Region Odessa) geändert habe.

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