Heute vor einem Jahr ist Michi umgekippt

Eine etwas andere Ostergeschichte: Der Tod ist friedlich, aber unglaublich langweilig

von Alexander Wallasch

Ich stand mit David Guetta auf der Bühne, man konnte meine Eier sehen.© Quelle: Michi #HeinerULTRAS

Michael genannt "Michi" ist „Vater von fünf Kindern, über 50 Jahre alt". Auf X heißt er @derliebeMichi und schreibt von sich, er sei der "mit der zweiten Chance". Was vor einem Jahr sein Leben veränderte, erzählt er am heutigen Ostersamstag in den sozialen Medien. Wir hatten beim Lesen mehr als einen Kloß im Hals.

Ostersamstag vor einem Jahr bin ich umgekippt.

Einfach so, nach 2h Gartenarbeit von der Couch gefallen. Dank der Herzmassage meiner Frau und meiner Tochter überlebte ich bis der Notarzt kam. Nach weiteren langen Minuten am Defi kam ich ins Leben zurück, weiterhin ohne Bewusstsein ging es ins Krankenhaus. Diagnose Herzinfarkt, nach einem weiteren Herzinfarkt und Reanimation bekam ich einen Stent eingesetzt und lag nun mit Schlauch im Hals auf ITS.

Durch die Druckbeatmung bekam ich eine Lungenentzündung, mittlerweile lag ich eine Wocheim künstlichen Koma.Wieder war es auf des Messersschneide ob ich überlebe. Mein ganzer Körper wurde runter gekühlt, ich wurde auf dem Bauch gelagert.Auch das schaffte ich, die nächste Überraschung, es wurde ein 4 MRGN Krankenhauskeim diagnostiziert, mein Besuch musste sich ab jetzt verkleiden.

Ich bekam nichts von all dem mit, voller Morphium und kruder Träume schlief ich, während meine Familie und Freunde sich schon bald zwei Wochen unglaubliche Sorgen machten. Das war eigentlich das Schlimmste rückblickend betrachtet, aber die Erkenntnis darüber kam erst viel später.

Mein Zustand war mittlerweile so stabil, dass man mich aufwecken wollte, nur klappte das bei mir mit dem Schlauch im Hals nicht, ich war zu angespannt. Ich wurde erneut operiert, ein Tracheostoma, ein Periskop zur Beatmung wurde in die Luftröhre eingesetzt und ich wurde darüber beatmet. Der Schlauch im Hals wurde entfernt, ein weiterer Versuch zum Aufwachen wurde unternommen.

Am 21.04. war es soweit, nach zwei Wochen im künstlichen Koma schlug ich die Augen auf. Voller Morphium verstand ich weder, wo ich war, noch was los war. Als meine Frau und meine Töchter zu Besuch kamen, erkannte ich alle, kannte ihre Namen, ich freute mich sehr, bekannte Gesichter zu sehen.

Sprechen konnte ich noch nicht, da die Ärzte den Sprechverschluss für den Luftröhrenschnitt noch nicht freigegeben hatten. Ich verstand nicht warum ich nicht sprechen konnte, verstand nicht warum ich im Krankenhaus war, wollte nach Hause und konnte eigentlich noch nicht mal sitzen.

Ich hatte die irrsten Träume, ein Foto von mir ging weltweit viral, ich stand mit David Guetta auf der Bühne, man konnte meine Eier sehen. Leider gibt es dieses Foto nicht. Vielleicht können wir das nachholen?

Ich träume von Reisen nach Schweden, fuhr mit dem Postschiff in Norwegen, suchte das Raucherzimmer ich vermischte ständig Realität mit Morpiumtraum. Mein Physio war ein Engel, er wusste mich gut zu motivieren, hatte Humor und eine gute Seele, ich habe mich jeden Tag auf seinen Besuch gefreut. Und es ging aufwärts ich konnte stehen, ein paar Schritte laufen, auf dem Flur laufen, übte Treppensteigen.

Nun musste ich wieder lernen zu essen, ich war fast vier Wochen künstlich ernährt worden, was mit dem Loch im Hals gar nicht so einfach war. Erst gab es nur Suppen und Protein-Drinks, die Medikamente wurden gemörsert, das war schnell nervig. Nachdem das Periskop den Hals verlassen hatte und ich wieder normal essen durfte, war ich schon sehr glücklich.

Michi #HeinerULTRAS 🤍(ewiger Azubi)
@derliebeMichi

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Ich ging viel spazieren und wurde dann nach 6 Wochen im Krankenhaus entlassen. War sooo toll endlich wieder bei meinen Lieben zu sein. Nun musste ich fitter werden. Jeden Tag 100 m weiter laufen und plötzlich waren das 3 km, und dann wurde es immer schneller. Ich ging ins Gym, ernährte mich gesünder, aber die 13 Medikamente am Tag blieben, und das Herz blieb schwach. Die Herzpumpleistung betrug immer noch unter 35 %, mir wurde angeraten, einen Defibrillator zu implantieren, der mich im Fall der Fälle automatisch zurückholen kann.

Die OP war interessant, da ich bei Bewusstsein war, mit dem Prof. gequatscht hab.Danach kam eine Reha und die Wiedereingliederung begann.Ziemlich genau 7 Monate nach meinem Herzinfarkt ging ich wieder regulär arbeiten.

Warum ich das alles hier schreibe?

Weil ich sehr dankbar bin, für so vieles. Eine tolle Frau und wunderbare Kinder habe, denen ich mein Leben verdanke, die so gelitten haben, was mir immer noch leid tut. Meine Freunde und Kollegen, die meine Familie versorgt haben, mit Trost und Ablenkung. Alle Verrückten hier auf X, die über diverse Kanäle Updates zu meinem Gesundheitszustand bekamen, und Eure Freude, wo ich wieder online war. Ich hatte die tollsten Schwestern und Pfleger auf ITS, die mich rasiert haben, meinen Rücken gewaschen haben, mir die Zähne geputzt haben. Meine 1000 Kabel so verlegt haben, dass ich besser liegen konnte. Mein toller Physio, der mir das Laufen wieder beigebracht hat, mich aufgemuntert hat.

Das Leben ist toll, wir sollten stärker versuchen es uns gegenseitig nicht so schwer zu machen. Es kann so schnell vorbei sein. Der Tod ist friedlich, aber unglaublich langweilig.

Ich hab Euch alle sehr lieb, danke für Eure Unterstützung und Anteilnahme an meinem Schicksal. 🤍

Outtakes:

  • Zuerst habe ich gedacht ich wäre zu einer OP dort und meinte zu meiner Frau sie solle darauf achten, dass sie mir nicht die Klöten abschneiden.
  • Das Thema Wärmepumpen hat mich auch verfolgt, in meinem Traum in Dänemark hatten wir ein Haus, welches Energie aus Eis erzeugt. Es war dauernd zu kalt.
  • Protein-Drinks von Fresenius sind das Schlimmste was ich jemals getrunken habe.
  • Wenn die Stimmbänder keine Töne erzeugen, weil die Luft vorne am Hals rauskommt, ist das maximal verstörend.
  • Wenn man einen Krankenhauskeim hat, weiß in D keiner, was er machen soll.
  • Die deutsche Rente ist ein furchtbares Bürokratie-Monster.
  • Das erhaltene Krankengeld muss man im Folgejahr versteuern.
  • Von Krankengeld wird man nicht reich.
  • Ein Defi ist auch ein Herzschrittmacher, den kann man am PC konfigurieren. Es ist sehr verstörend, wenn der Arzt beim Test die Geschwindigkeit des Herzens nach oben dreht.
  • Es ist ziemlich erniedrigend in eine Windel machen zu müssen.
  • Ich bin immer noch sauer, dass es das Foto von David Guetta, mir und meinen Eiern nicht gibt.

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