Kritischer Journalismus schont weder Herrschende noch ihre Gegner

Entweder Journalist oder Parteisprecher – Dazwischen gibt es nichts

von Alexander Wallasch (Kommentare: 1)

Warum echter Journalismus notwendig ist© Quelle: Pixabay/divotomezove, privat, Montage: Wallasch

Meinungsfreiheit verteidigen ist keine „Haltung“, sondern journalistische Pflicht. Wer stattdessen Partei ergreift, ist kein Journalist mehr. Der Einsatz für Meinungsfreiheit verpflichtet zu nichts – außer zu unbequemer Wahrheit. Ein Standpunkt gegen lagerübergreifenden Haltungsjournalismus.

Als Journalist für Freiheit und Meinungsfreiheit einzutreten, bedarf keiner Haltung. Es gehört zu einer journalistischen Ethik zwingend dazu. Entweder ist man Journalist oder eben Parteisprecher oder Mitarbeiter einer Unternehmenskommunikation.

Muss man sich als Journalist automatisch mit einer Bewegung gemein machen, die für die Meinungsfreiheit kämpft? Ist Kritik an so einer freiheitlichen Bewegung automatisch Verrat? Es wäre im Gegenteil Verrat, auf Kritik zu verzichten.

Journalismus à la Georg Restle und Co positioniert sich mit Haltung gegen angebliche Feinde der Freiheit, gegen Rechts usw. Zu beachten ist hier allerdings: Abschließend historisch kann erst viel später beantwortet werden, wer auf der freiheitlichen Seite stand.

Die Leitplanken des Journalisten sind seine journalistisch-ethischen Prinzipien. Sie umfassen etwa das Streben nach Wahrheit, Objektivität und Sorgfalt in den Recherchen. Im Überbau ist es die Achtung der Menschenwürde und der Einsatz für Meinungsfreiheit.

Der Journalist ist immer darum bemüht, sich einer neutralen Position anzunähern. ABER: Wo er damit scheitert, ist die Idee an sich dennoch nicht in Frage gestellt. Fortwährende Feinjustierung ist das Stichwort!

Der Journalist kann auf der Bühne nicht der Schiedsrichter sein. Aber er ist jene Instanz, die im Idealfall den Lesern einen unbeeinflussten Überblick über die Fakten garantiert. Und wo der Journalist des Vertrauens eine Einordnung vornimmt, da macht er es grundsätzlich und ausschließlich auf eigene Rechnung.

Und für eine kommentierende Einordnung gilt idealerweise: Niemals zum Selbstzweck. Niemals Argumente und Fakten unterordnen, weil sei der persönlichen Einordnung im Wege stehen.

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Wichtige Erkenntnis hier: Nur weil niemand wirklich neutral sein kann, bedeutet das nicht automatisch, dass man es nicht immer wieder anstreben sollte!

Maßgeblich beteiligt am Entstehen der desaströsen politischen Situation waren gerade solche Medien, die mit der Bundesregierung oder der grünen Ideologie paktiert haben. Und zwar nicht ausschließlich die Öffentlich-Rechtlichen, sondern vor allem Medien wie „Spiegel“, „Süddeutsche Zeitung“, „Zeit“ und „Welt“.

Die Idee, Ex-Journalisten wie Restle, Hayali und Klamroth jetzt auf der gegenüberliegenden Seite parteiische Journalisten entgegenzusetzen, ist nicht zielführend, weil damit automatisch der kritisierte Haltungsjournalismus der Gegenseite akzeptiert wird.

Übrigens unabhängig davon, ob man als Journalist persönlich und privat der Auffassung ist, einer bestimmten Bewegung nahe zu stehen. Gerade dann hat man seine Veröffentlichungen noch aufmerksamer zu beobachten und zu überprüfen.

Ich verstehe es als Aufgabe, Regierungspolitik und etablierte Medien dort scharf zu kritisieren, wo Kritik angebracht ist. Aber ich werde einen Teufel tun, deshalb mit der politischen Opposition zu fraternisieren. Die Vierte Gewalt kritisiert die Herrschenden. Das ist ihre Aufgabe. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb der politischen Opposition gegenüber unkritischer ist – im Gegenteil.

Als kritischer Journalist ist man da angekommen, wo die Luft dünner wird. Aber das gelingt nur, wenn man sich den Klauen der Politik erfolgreich widersetzt hat.

Ernsthafter Journalismus kann niemals der Wasserträger der Politik oder politischer Bewegungen sein. Dafür gibt es Pressesprecher. Aber umgekehrt kann die Politik eine Position teilen, welche die Meinungsfreiheit und den Journalismus stützt. Aber daraus kann niemals die Forderung nach einer Gegenleistung erwachsen. Niemals.

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