Als Journalist für Freiheit und Meinungsfreiheit einzutreten, bedarf keiner Haltung. Es gehört zu einer journalistischen Ethik zwingend dazu. Entweder ist man Journalist oder eben Parteisprecher oder Mitarbeiter einer Unternehmenskommunikation.
Muss man sich als Journalist automatisch mit einer Bewegung gemein machen, die für die Meinungsfreiheit kämpft? Ist Kritik an so einer freiheitlichen Bewegung automatisch Verrat? Es wäre im Gegenteil Verrat, auf Kritik zu verzichten.
Journalismus à la Georg Restle und Co positioniert sich mit Haltung gegen angebliche Feinde der Freiheit, gegen Rechts usw. Zu beachten ist hier allerdings: Abschließend historisch kann erst viel später beantwortet werden, wer auf der freiheitlichen Seite stand.
Die Leitplanken des Journalisten sind seine journalistisch-ethischen Prinzipien. Sie umfassen etwa das Streben nach Wahrheit, Objektivität und Sorgfalt in den Recherchen. Im Überbau ist es die Achtung der Menschenwürde und der Einsatz für Meinungsfreiheit.
Der Journalist ist immer darum bemüht, sich einer neutralen Position anzunähern. ABER: Wo er damit scheitert, ist die Idee an sich dennoch nicht in Frage gestellt. Fortwährende Feinjustierung ist das Stichwort!
Der Journalist kann auf der Bühne nicht der Schiedsrichter sein. Aber er ist jene Instanz, die im Idealfall den Lesern einen unbeeinflussten Überblick über die Fakten garantiert. Und wo der Journalist des Vertrauens eine Einordnung vornimmt, da macht er es grundsätzlich und ausschließlich auf eigene Rechnung.
Und für eine kommentierende Einordnung gilt idealerweise: Niemals zum Selbstzweck. Niemals Argumente und Fakten unterordnen, weil sei der persönlichen Einordnung im Wege stehen.
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Wichtige Erkenntnis hier: Nur weil niemand wirklich neutral sein kann, bedeutet das nicht automatisch, dass man es nicht immer wieder anstreben sollte!
Maßgeblich beteiligt am Entstehen der desaströsen politischen Situation waren gerade solche Medien, die mit der Bundesregierung oder der grünen Ideologie paktiert haben. Und zwar nicht ausschließlich die Öffentlich-Rechtlichen, sondern vor allem Medien wie „Spiegel“, „Süddeutsche Zeitung“, „Zeit“ und „Welt“.
Die Idee, Ex-Journalisten wie Restle, Hayali und Klamroth jetzt auf der gegenüberliegenden Seite parteiische Journalisten entgegenzusetzen, ist nicht zielführend, weil damit automatisch der kritisierte Haltungsjournalismus der Gegenseite akzeptiert wird.
Übrigens unabhängig davon, ob man als Journalist persönlich und privat der Auffassung ist, einer bestimmten Bewegung nahe zu stehen. Gerade dann hat man seine Veröffentlichungen noch aufmerksamer zu beobachten und zu überprüfen.
Ich verstehe es als Aufgabe, Regierungspolitik und etablierte Medien dort scharf zu kritisieren, wo Kritik angebracht ist. Aber ich werde einen Teufel tun, deshalb mit der politischen Opposition zu fraternisieren. Die Vierte Gewalt kritisiert die Herrschenden. Das ist ihre Aufgabe. Das heißt aber nicht, dass sie deshalb der politischen Opposition gegenüber unkritischer ist – im Gegenteil.
Als kritischer Journalist ist man da angekommen, wo die Luft dünner wird. Aber das gelingt nur, wenn man sich den Klauen der Politik erfolgreich widersetzt hat.
Ernsthafter Journalismus kann niemals der Wasserträger der Politik oder politischer Bewegungen sein. Dafür gibt es Pressesprecher. Aber umgekehrt kann die Politik eine Position teilen, welche die Meinungsfreiheit und den Journalismus stützt. Aber daraus kann niemals die Forderung nach einer Gegenleistung erwachsen. Niemals.
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Kommentar von F. Lo
„Entweder Journalist oder Parteisprecher – Dazwischen gibt es nichts.“ Auch: Entweder Journalist oder Aktivist. Und: Entweder Politiker oder Aktivist der Straße. Alles andere produziert Rollenkonflikte.
Man kann nicht unabhängigen Journalismus betreiben und gleichzeitig einer bestimmten Politik/Partei/Weltanschauung zum Durchbruch verhelfen wollen. Weil das immer bedeutet, Entwicklungen und Zustände so zu interpretieren, dass sie mit der von einem selbst bevorzugten Politik/Partei/Weltanschauung übereinstimmen – bzw. um Himmels willen nicht mit diesen im Widerspruch stehen. Daraus resultiert dann die berühmtberüchtigte selektive Wahrnehmung, die routinierte Suche nach Bestätigung der eigenen Position, eine eingeschränkte, einseitige Aufmerksamkeit für alles, welches das persönliche Weltbild zementiert und keine kognitiven Dissonanzen (dumm: etwas Beobachtetes passt irgendwie nicht zu meiner Überzeugung) hervorruft.
Der entscheidende Satz oben ist m. E.: „Nur weil niemand wirklich neutral sein kann, bedeutet das nicht automatisch, dass man es nicht immer wieder anstreben sollte!“ Jeder Medienvertreter, jeder Richter, jeder Wissenschaftler, jeder politisch tätige Mensch hat politisch-weltanschauliche Voreinstellungen. (Es ist naiv anzunehmen, dass z.B. ein Jurist im luftleeren Raum urteilt, ohne politische Grundpositionen.) Seine vornehmste Aufgabe ist deshalb, sich nicht von diesen überwältigen zu lassen, sondern sich zu bemühen einigermaßen fair zu allen Seiten zu sein. Wie schwer das ist, lehrt uns tagtäglich die Alltagserfahrung. Und erfährt man hier und da ja auch am eigenen Leib.
Antwort von Alexander Wallasch
Vielen Dank für den so klugen Kommentar! Danke von Herzen!