Von Joachim Kleppe
Wer kann schon Einwände haben, wenn seine Ersparnisse in Fonds nachhaltig, sozial und ökologisch von Banken und Versicherern angelegt werden?
ESG-Fonds sind z.B. Publikums-, Aktien- oder Rentenfonds, von denen Anleger glauben sollen, ihr Geld werde für Nachhaltigkeit, Klimaziele oder ähnlich gute Dinge angelegt. ESG bedeutet „environmental“ (Umwelt), „social“ (Soziales), „governance“ (verantwortungsvolle Unternehmensführung). Wer sein Geld in solchen Fonds verwalten lässt, der fühlt sich in der Regel moralisch gut und hofft, die Welt mit seinen Ersparnissen etwas besser machen zu können.
2025 verwalteten ESG-Fonds alleine in Deutschland 1.25 Billionen Euro! Fünf große Akteure sind die Allianz (Allianz Global Investors), Deutsche Bank (DWS), Deka Investment, Union Investment und Amundi.
Leitlinien für solche ethischen Fonds beschreibt eine EU-Aufsichtsbehörde, die ESMA. Der Zweck der Leitlinien „… besteht darin, die Umstände zu spezifizieren, unter denen Fondsnamen, die ESG- oder nachhaltigkeits- bezogene Begriffe verwenden, unfair, nicht eindeutig oder irreführend sind.“ Im Final-Report vom 14. Mai 2024 hat die ESMA für Fonds, die sich nachhaltig nennen dürfen, Investments in konventionelle Rüstung und sogar Atomwaffen zugelassen.
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Die bis dahin geltende 10 Prozent Umsatzgrenze für Rüstungsgüter wurde gestrichen. Damit sind also Waffen bis hin zu Atombomben mit Nachhaltigkeit und mit Klimazielen vereinbar definiert. ESG-Fond-Anbieter dürfen ihre Produkte für Klimaziele und mit Begriffen wie „grüne Transformation“, „Net Zero Asset Owner Alliance“ u.ä. bewerben und gleichzeitig massiv in Rüstung investieren. Dies mit Gütesiegel der EU!
Alle großen deutschen Anbieter haben sofort den Startschuss vernommen und ihre Fondsregeln umgeschrieben. Die AGI (Allianz Global Investors), eine Gruppe der Allianz Versicherung, hat im Frühjahr 2025 ihre Regularien für eine Zulassung von Invests in Rüstung und Atomwaffen geändert.
DWS (Deutsche Bank), Deka Investment, Union Investment und Amundi haben nachgezogen. In der Folge sind seit Mitte 2025 die Anteile von Rüstungsaktien in vielen ESG-Fonds spürbar gestiegen und damit auch die Renditen. Atombombenbau kann so auch Kleinanleger und Rentner bereichern.
Durch eine kleine Veränderung „ethischer“ Leitlinien hat eine EU-Kommission einen Billionen Euro großen Kapitalmarkt für die Rüstungs- und Atomwaffenindustrie eröffnet. Politiker haben nicht protestiert und Medien nur sehr spärlich berichtet.
Eine öffentliche Debatte, ob man Atombomben für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung braucht, fand nicht statt. So kann der deutsche Michel beruhigt weiterschlafen bis zum großen Knall, der mit seinen Ersparnissen finanziert wird.
Joachim Kleppe ist ausgebildeter Gymnasiallehrer, danach war er 35 Jahre lang Unternehmer in der Automobil-Branche
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