Mit soviel Hass hat der parteilose Völklinger Stadtrat nicht gerechnet

Ex-Grüner wird von AfD aufgestellt – Zur Strafe soll sein Lebenswerk für Schulkinder zerstört werden

von Alexander Wallasch (Kommentare: 8)

„Wer Klimaschutz will, muss zunächst dafür sorgen, dass Kriege enden.“© Quelle: Pixabay / Taken

Die Alt-Medien von „Bild“ bis T-Online inszenieren es als Paukenschlag: Zwei Völklinger Stadträte treten bei den Grünen aus und werden als Parteilose von der AfD für die kommenden Wahlen aufgestellt.

Alexander-Wallasch.de spricht mit Dr. Gerold Fischer, er ist einer der beiden Grünen-Aussteiger. Und was der zu erzählen hat, liest sich wie ein düsteres deutsches Sittengemälde der Gegenwart. Da ist von Ausgrenzung, von Diffamierung und Verfolgung die Rede, wie sie mindestens ältere Semester sicherlich im 21. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten hätten.

Dr. Gerold Fischer wirkt emotional sehr angeschlagen. Mehrfach erwähnt er im Gespräch mit Alexander-Wallasch.de, dass es ihm aktuell gar nicht gut gehe. Er habe versucht, alles richtigzustellen, versichert er. Aber jetzt habe er das Gefühl, dass eine mediale Hinrichtung stattfinde. Fischer erzählt weiter, er habe in dieser Situation lernen müssen, wer wirklich die Freunde sind und wer nicht. Mit solchen Konsequenzen habe er wirklich nicht gerechnet.

Vor 25 Jahren hat Dr. Gerold Fischer als Schulleiter mit anderen gemeinsam einen Verein zur Nachmittagsbetreuung gegründet. Und dieser Verein ist gewachsen und gewachsen und betreut jetzt Schüler aus elf Schulen in der Umgebung. Und nachdem das jetzt alles in der Zeitung stand, innerhalb kürzester Zeit – man hat nicht mit Dr. Fischer gesprochen, sondern lediglich mit der Geschäftsführerin – habe er erfahren, dass man erwäge, die Trägerschaft für den Verein wegen ihm zu kündigen. An dem Verein hängen 80 Arbeitsplätze, sagt Fischer empört.

Er wundert sich, er habe ja als Parteiloser für den Stadtrat kandidiert. Das sei eine rein lokale Angelegenheit. Es könne ja nicht sein, dass ein Verein, dessen Vorsitzender er sei, plötzlich als rechtsradikal gelten soll.

Er sei extra nicht AfD-Mitglied geworden, denn er sei gerade erst bei den Grünen ausgetreten, weil er sich mit der Bundespolitik nicht mehr identifizieren konnte. Und dann trete er doch jetzt nicht in eine andere Partei ein.

Dr. Fischer schickt noch eine E-Mail hinterher, wo er seine Beweggründe selbst zusammenfasst:

1) Ich bin den Grünen im Jahr 1983 beigetreten. Das war das Jahr, als die Grünen in den Bundestag kamen und Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. Zu den Grünen kam ich über den Ostermarsch. Die Friedensbewegung war also mit ein Grund für meine Mitgliedschaft. Ein Jahr später wurde ich über die Liste der Grünen in den Stadtrat gewählt. Ich gehörte dem Stadtrat außer in der Zeit zwischen 1999 und 2009 während 6 Wahlperioden an. Die aktuelle Wahlperiode endet im Juni 2024.

2) Ich würde mich immer noch als liberalen Grünen bezeichnen. Die aktuelle Politik der Bundesregierung schafft allerdings mehr Probleme, als sie löst. Wer Klimaschutz will, muss zunächst dafür sorgen, dass Kriege enden. Vor allem aber darf die Klimapolitik nicht dazu führen, dass die Wirtschaft zusammenbricht.

3) Mein Kontakt zur AfD ist rein auf kommunaler Ebene, wo ich konstruktiv mithelfen will, konkrete Probleme zu lösen. Die Klimapolitik der AfD teile ich nicht.

4) Ich habe mich von den Grünen getrennt, weil ich nicht für die Politik der Partei auf Bundesebene verantwortlich gemacht werden wollte. Da wäre es doch mehr als töricht, jetzt zu einer anderen Partei zu wechseln, wo das Problem in verschärfter Form ebenfalls vorhanden ist.

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Dr. Fischer erzählt gegenüber Alexander-Wallasch.de weiter, dass sein grüner Fraktionsvorsitzender letztes Jahr verstorben sei und dann kam eine andere Grüne nachgerückt „von einer jüngeren Generation“. Und nachdem sie „AfD“ gehört habe, sei bei ihr sofort die Klappe runtergefallen, und sie habe gar nicht mehr nach Zusammenhängen gefragt.

In so einem Stadtrat, so Fischer, gäbe es auch individuelle und persönliche Kontakte. Die AfD habe im Völklinger Stadtrat vier Mitglieder und die Grünen drei. Auch mit den AfD-Mitgliedern könne man ganz normal reden. Auch bei Entscheidungen, die zu treffen seien, spiele die Parteizugehörigkeit eigentlich keine Rolle. Da sei man bisher relativ offen im Stadtrat. Da ginge es ja nicht um Bundespolitik. Die AfD-Stadträte seien doch keine Björn Höckes, fügt Fischer noch an.

Was den von ihm gegründeten Verein angeht, das sei im Saarland das System mit den freiwilligen Ganztagsschulen. Und die Nachmittagsbetreuung werde hier in der Regel von einem gemeinnützigen, sozialen Verein gemacht. Das sei eine Vereinbarung zwischen Schule, Verein und Schulträger, Landkreis oder Kommunen. Und das soll jetzt von Seiten der Schulen aus gekündigt werden.

Um den Verein zu schützen, gab Dr. Fischer den Vorsitz ab. Ob man damit nun zufrieden sei, werde sich noch herausstellen, fügt er an: Er habe ein Herzensprojekt schweren Herzens freiwillig aufgegeben. Und Fischer besteht noch darauf, zu betonen, er habe in den Jahrzehnten im Schuldienst auch seine grüne politische Meinung immer zurückgenommen. Er habe das immer fein sorgfältig zu trennen gewusst, wie sich das gehöre.

Als die jüngere Grüne kam, sei die Kommunikation dann aber schwieriger geworden. Er hätte ja auch Knall auf Fall alles hinschmeißen können, erzählt er Alexander-Wallasch.de. Aber weil er jahrelang die Kasse geführt habe, hat Fischer dann auf der Hauptversammlung noch die Kassenprüfung machen lassen. Und die Kasse sei entlastet worden. Dann habe er gesagt, er mache die Kasse noch bis zum Ende des Jahres, um den Rechenschaftsbericht vorzubereiten.

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