Fahri Yardim und Christian Ulmen sind (waren?) mehr als nur eng miteinander befreundet. Sie waren Serienpartner über viele Jahre. Zudem in einem Format, das immer wieder auch die Grenzen zwischen Fiktion und Realität dieser Freundschaft sprengte. Der Erfolg des Formats „Jerks“ lebte sogar existenziell von dieser Grenzüberschreitung und dem Striptease privater freundschaftlicher Gefühle der Akteure zueinander.
Auch verdienten beide am gemeinsamen Werbepartner Telekom Magenta. Ulmens Ehefrau Collien Fernandez spielte die geschiedene Ehefrau von Christian Ulmen, heute ist sie es.
Fahri Yardim hat sich jetzt per Instagram zu den Anschuldigungen gegen seinen Freund geäußert und sich auf die Seite von Collien Fernandez gestellt, wie es schon zuvor der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre tat, der ebenfalls mit Ulmen befreundet gewesen sein soll. Es wird einsam um Ulmen.
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Hier das Bekennerschreiben von Fahri Yardim für die Ex-Frau seines besten Freundes (um Übertragungsfehler zu vermeiden, bitte am anhängenden Original orientieren):
ich bin genauso geschockt wie viele andere.
ich bewundere colliens mut. ich bin dankbar für den zuspruch, den sie erhält. ich fühle mit ihr. und ich bin dankbar dafür, wie sie ihre persönliche geschichte in eine kraft übersetzt, die echte strukturelle veränderung möglich macht. dafür hat sie meine volle solidarität.opfern zu glauben ist für mich eine grundlegende normative haltung. die vorwürfe verdienen schutz, ernsthafte aufmerksamkeit und die klare priorisierung der perspektive der betroffenen.
mir ist bewusst, dass mein zögern nicht neutral ist. es hat wirkung. es beeinflusst, welche deutungen gewicht bekommen, welche perspektiven sich verfestigen und welche schutzräume gestärkt oder geschwächt werden. auch wenn ich das nicht beabsichtige, bin ich teil dieser wirkung.ich weiß auch, dass zögern in solchen konstellationen historisch und strukturell oft dazu beigetragen hat, dass betroffenen nicht geglaubt oder ihnen nicht ausreichend schutz gewährt wurde.
trotzdem: ich konnte nicht anders. ich brauchte zeit.
aus der besonderen situation heraus, auf zwei ebenen berührt zu sein.diese beiden ebenen – eine öffentliche und eine persönliche – stehen für mich nicht in konkurrentz. sie existieren gleichzeitig. und genau diese gleichzeitigkeit ließ sich für mich nicht in eine schnelle,
eindeutige position übersetzen, ohne dass etwas wesentliches verloren gegangen wäre.
vielleicht gibt es eine ahnung davon, was es bedeutet, wenn sich solche abgründe im engen freundeskreis auftun. wie besonders der schock gerade dort ist.ich will diese ambiguität nicht romantisieren: sie kann erkenntnis ermöglichen, aber auch verantwortung verschieben, entscheidungen: sie verzögern erkenntnisse verzögern und bestehende machtverhältnisse stabilisieren.
so notwendig ambiguität für emanzipatorische bewegungen ist, darf sie keine moralische entlastung werden. ihre stärke liegt nicht im ausweichen vor entscheidungen, sondern in der fähigkeit, komplexität auszuhalten, ohne daraus unverbindlichkeit zu machen.
ich versuche, mich genau in dieser spannung zu verorten: nicht zwischen positionen, sondern innerhalb einer verantwortung, die klarheit verlangt – und selbstkritik. das heißt auch, die eigene perspektive nicht als abgeschlossen zu begreifen, sondern ihre blinden flecken mitzudenken.das ist keine abschließende antwort.
aber ich sehe klarer, dass mein zögern – und das ausbleiben einer rechtzeitigen position – selbst bereits eine position ist. mit realen folgen. und ich versuche, mich diesen folgen nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch zu stellen.
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