Die im Juli 2026 von Senator Rand Paul freigegebenen privaten Tagebuchnotizen von Anthony Fauci, dem langjährigen Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases und zentralen Gesicht der US-amerikanischen Corona-Politik, eröffnen einen ungewöhnlich intimen Einblick in die Diskrepanz zwischen öffentlichen Aussagen und privaten Aufzeichnungen während der Pandemie.
Die Dokumente, die als Regierungsunterlagen auf HHS-Servern gefunden und in mehreren PDF-Paketen veröffentlicht wurden (insbesondere das „Tony’s Diary Package“), sind vollständig und durchsuchbar unter https://faucisdiary.com/ sowie in auditierter Form mit Seitenverweisen unter https://tonysdiary.org/ einsehbar. Die Original-PDFs finden sich auf der Senate-Seite von Rand Paul unter https://www.paul.senate.gov/.
Warum dürfen private Tagebücher veröffentlicht werden? Weil sie keine rein privaten Unterlagen waren, sondern auf Regierungs-Servern abgelegt und damit als öffentliche Behördenunterlagen eingestuft wurden. In den USA gilt: Alles, was ein Beamter oder Angestellter auf dienstlichen Computern und Servern erstellt oder speichert, gehört grundsätzlich dem Staat und unterliegt der öffentlichen Aufsicht und Transparenzpflicht.
Fauci hat die Notizen zwar als persönliche Erinnerungsstütze für seine Autobiografie geführt, sie aber auf den offiziellen Systemen abgelegt und am Ende seiner Amtszeit sogar per dienstlicher E-Mail an sich selbst geschickt. Genau dadurch wurden sie zu Regierungsdokumenten.
Zu den bekannteren Stellen gehören etwa die private Einschätzung der Fallsterblichkeit vom 8. Februar 2020, in der Fauci nach einem Gespräch mit Tom Frieden notierte, das Virus verhalte sich wie eine schwere Influenza und die Fallsterblichkeitsrate liege eher bei 0,2–0,3 Prozent, während er wenige Wochen später vor dem Kongress von etwa einem Prozent und der zehnfachen Letalität der Grippe sprach und damit die Dramatik deutlich erhöhte.
Viel besprochen wurde bisher auch sein stolz festgehaltener Einfluss auf die Schul- und Geschäftsschließungen in New York und Kalifornien am 15. März 2020 sowie die frühen Diskussionen über eine mögliche Manipulation des Virus, dass bestimmte genetische Merkmale des SARS-CoV-2-Virus nicht natürlich entstanden, sondern künstlich und absichtlich in das Virus eingefügt worden sein könnten.
Besonders brisant und in der deutschen Debatte bislang deutlich weniger beachtet sind zwei persönliche und institutionelle Vorgänge:
Am 19. Juni 2021 schrieb Fauci nach akuten Brustschmerzen und einem CT-Scan:
„Horrible roller coaster day – Due to some acute transient right posterior chest pain 2 days ago, Ted Li order a CT scan. … I got a call from the radiologist at Sibley hospital … telling me that I had a lesion in my right lower lobe that he felt was a cancer (non-small cell carcinoma). I felt like I got hit like by a Mack truck. … In addition, I had a pulmonary infarct in the right lowest segment that was definite. … Finally, they showed the films via computer to Dr. Elliot Fishman who is the top radiologist at Hopkins. He agreed that it was more likely inflammatory and that the only definite thing on the film was the pulmonary infarct. He recommended a follow-up CT in three months and begin anticoagulation immediately with Eliquis.“
(Übersetzung: „Schrecklicher Achterbahn-Tag – Aufgrund akuter vorübergehender rechter hinterer Brustschmerzen vor zwei Tagen ordnete Ted Li ein CT an. … Ich bekam einen Anruf vom Radiologen im Sibley Hospital … der mir sagte, ich hätte eine Läsion im rechten Unterlappen, die er für Krebs hielt (nicht-kleinzelliges Karzinom). Ich fühlte mich, als hätte mich ein Lastwagen getroffen. … Zusätzlich hatte ich einen eindeutigen pulmonalen Infarkt im rechten untersten Segment. … Schließlich zeigten sie die Aufnahmen per Computer Dr. Elliot Fishman, dem Top-Radiologen an der Hopkins. Er stimmte zu, dass es eher entzündlich sei und dass das einzige Eindeutige auf dem Film der pulmonale Infarkt war. Er empfahl ein Kontroll-CT in drei Monaten und sofortige Antikoagulation mit Eliquis.“)
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Der Eintrag ist im freigegebenen Material (u. a. Seiten um 782–783 des Tony’s Diary Package) nachlesbar. In manchen späteren Versionen der PDFs wurde die Passage zeitweise geschwärzt, der vollständige Text ist jedoch über faucisdiary.com und frühere Spiegelungen weiterhin zugänglich.
Der Vorfall ereignete sich rund fünf bis sechs Monate nach Faucis Moderna-Impfung, ohne dass er ihn öffentlich erwähnte, während er gleichzeitig die Sicherheit der Impfstoffe betonte.
Ebenso wenig breit diskutiert wurde der massive Druck, den Fauci im September 2021 auf Rochelle Walensky, die Direktorin der amerikanische Seuchenbehörde ausübte, als der ACIP (der wissenschaftliche Beratungsausschuss der CDC) mit 9 zu 6 Stimmen dagegen stimmte, Booster für bestimmte jüngere und beruflich exponierte Gruppen zu empfehlen – unter anderem wegen des dokumentierten Myokarditis-Risikos bei jungen Männern und unzureichender Sicherheitsdaten.
Fauci notierte, er habe Walensky angeschrieben und „literally begged her to override that decision“ (sie wörtlich angefleht, die Entscheidung zu überstimmen), weil das Weiße Haus und das gesamte Team auf seinen Einfluss zählten und eine Ablehnung „a fatal mistake“ wäre. Am nächsten Tag schrieb er:
„Alas! Rochelle listened to me. She overruled the recommendation of the ACIP. … I congratulated her on what she had done and told her that she has now shown clear leadership.“
(Übersetzung: „Ach! Rochelle hat auf mich gehört. Sie hat die Empfehlung des ACIP überstimmt. … Ich gratulierte ihr zu dem, was sie getan hatte, und sagte ihr, dass sie jetzt klare Führungsstärke gezeigt habe.“)
Diese Passagen finden sich im Tony’s Diary Package (u. a. um die Seiten 883–887) und sind unter https://faucisdiary.com/ sowie https://tonysdiary.org/ mit den entsprechenden PDF-Seitenverweisen nachlesbar.
Zusammen mit den übrigen Einträgen – der privaten Relativierung der Impfstoff-Wirksamkeit gegen die Ansteckung und umfangreich verschwundenen Einträgen der Tagebücher – wirken diese Passagen besonders vernichtend. Sie zeigen nicht nur, dass Fauci selbst einen Lungeninfarkt erlitt und ihn verschwieg, während er gleichzeitig die Sicherheit der Impfstoffe predigte. Sie belegen auch, wie er aktiven politischen Druck auf die US-Seuchenbehörde ausübte, um wissenschaftliche Bedenken zu Myokarditis bei jungen Männern beiseitezuschieben. Was privat notiert wurde, stand im krassen Widerspruch zu dem, was öffentlich verkündet wurde.
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