Sellner: „Wir fordern die Öffnung und wir gehen rein und drehen es auf“

Fluchtinterview mit Martin Sellner: Die Identitären wollten Nord Stream 2 aufdrehen

von Alexander Wallasch (Kommentare: 7)

„Ich hoffe, dass Wolfgang Kubicki schon einen Mitgliedsantrag gestellt hat. Wir geben ihm einen Schraubenzieher in die Hand, dann kann er mitkommen und mit uns gemeinsam den Schalter suchen und Nord Stream 2 in Betrieb nehmen.“© Quelle: Foto privat

Der rechte Aktivist Martin Sellner und etwa fünfzehn weitere Mitglieder seiner Identitären haben heute versucht, das Nord Stream 2-Terminal in Lubmin östlich der Stadt Greifswald zu stürmen, um symbolisch das Gas aufzudrehen.

Sicherheitskräfte vor Ort konnten ein Vordringen eines Teils der Aktivisten verhindern, die Polizei war im Großeinsatz, auch Helikopter sollen zum Einsatz gekommen sein.
Die Aktivisten flohen in ein nahes Wäldchen, vier von ihnen konnten von den nachsetzenden Polizeikräften festgenommen werden.

Wir erreichten Martin Sellner telefonisch. Wo er sich aufhält, will er zu dem Zeitpunkt nicht sagen. Jedenfalls, so sagt er, noch irgendwo unterwegs in Deutschland, „aber schon weit weg“, wie er alexander-wallasch.de gegenüber erklärt.

Alexander Wallasch: Martin, kannst Du uns etwas zur Aktion heute erzählen?

Martin Sellner: Ja, sehr gerne. Also wenn Du Fragen hast, kann ich gerne alle beantworten.

Alexander Wallasch: Sag mal was zur Vorplanung, wie es dazu kam, zum Ablauf und was danach passiert ist.

Martin Sellner: Ja. Dem voraus ging eine konzentrierte Debatte im patriotischen Lager. Über die Gesamtsituation, die Lage und auch die Tatsache, dass welche von uns reagieren wollen auf diese Krise. Für uns ist halt Nord Stream 2 wirklich ein Symbol dafür, dass die Regierung aus ideologischen Gründen etwas, was die Lage entspannen könne, etwas, das dem Volk helfen könnte, einfach nicht macht.

Alexander Wallasch: Das heißt, da seid ihr ja direkt auf Wolfgang Kubickis Linie. Der hat ebenfalls eine Öffnung von Nord Stream 2 gefordert.

Martin Sellner: Exakt. Kubicki, Wagenknecht und viele andere sagen das auch. Aber die reden halt nur, und wir haben uns gedacht, wir machen es einfach.
„Ende Gelände“, „Extinction Rebellion“, seit Monaten blockieren sie nur. Greenpeace hat am 24. März mit einer großen Blockadeaktion von Nord Stream 1 die Abschaltung gefordert und wir haben uns gesagt, wir machen mal das Gegenteil von „Ende Gelände“. Wir kleben uns nicht fest, wir blockieren nicht den Straßenverkehr, sondern wir fordern die Öffnung der Pipeline, wir gehen rein und drehen auf.

Das war der Plan. Wir wussten nicht, ob das klappt und was dann drinnen los ist. Wir haben uns Werkzeug mitgenommen, sind hingefahren mit dem Kastenwagen und mit dem Banner, damit die Leute wissen, warum wir hier sind. Damit die wissen, dass wir nicht von Greenpeace sind. Das wäre nämlich eine Beleidigung für uns.

Weil, die Arbeiter glauben ja sonst, wir demonstrieren gegen Nord Stream. Da haben wir gleich klargemacht: Nein, wir sind dafür. Wir haben uns vorher noch ein bisschen umgehört im Ort, in Lubmin und den umliegenden Ortschaften. Die waren alle voll für Nord Stream 2 und ich glaube sie feiern unsere Aktion auch ziemlich. Zumindest habe ich das auf lokalen Chat-Gruppen schon gesehen, dass sie sehr begeistert sind von der Aktion.

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Alexander Wallasch: Das heißt, dass Ihr es schaffen konntet, quasi unentdeckt von Polizei und auch von Antifa-Gruppen und so weiter dort zumindest erst mal an den Eingang zu kommen.

Martin Sellner: Ja, absolut. Wir konnten ungehindert von Polizei und Antifa mit einem großen Kastenwagen anfahren, haben die Aktion durchgezogen und dann sind einige Aktivisten mit Werkzeug auf das Gelände gegangen. Die wollten quasi die Leitungen anschließen oder zumindest mal schauen, was da geht.

Alexander Wallasch: Das ist doch aber eher symbolisch oder? Etwas anderes, als mit der C-Star aufs Mittelmeer zu fahren. Das war ja kein aktivistischer Akt. Dort habt ihr wochenlang viel Bildmaterial gemacht von den illegalen Schlepp-Aktionen der NGOs auf dem Mittelmeer.

Martin Sellner: Da gebe ich Dir recht, aber das liegt natürlich daran, dass eine Gasleitung aufzubauen deutlich schwieriger ist, als ein Schiff zu chartern. Dennoch allerdings wäre es natürlich auch interessant gewesen, da mal reinzugehen, nach dem Rechten zu sehen. Und wir haben eben auch gesehen, dass Nord Stream 2 wirklich fertig gebaut ist. Die Linken sagen dauernd, sie wollen etwas lahmlegen. Uns geht es um das Gegenteil. Wir wollen aufdrehen!

Alexander Wallasch: Ich staune ein bisschen, weil es ja auch im amerikanischen Interesse ist, dass es da keine Fürsprecher für Nord Stream 2 gibt. Das war ja schon vor dem Ukrainekrieg so. Erstaunlich, dass die Dienste Euch da nicht auf dem Schirm hatten und die Aktion vorher gestoppt haben. Das spricht zunächst einmal dafür, dass Ihr gut organisiert sein müsst.

Martin Sellner: Richtig. Und es war natürlich sehr gut und wichtig, dahin zu kommen, das zu machen, logistisch auch sehr schnell zu agieren, auch in der Kommunikation vorher gut aufzupassen, wenn man so was macht.

Der Öko-Aktivismus, „Ende Gelände“ und Klima-Aktivismus wird ja von der Presse permanent gelobt. Und die sagen ja auch, man muss Grenzen überschreiten und man muss bei den Aktionen über die Stränge schlagen. Das ist ja mittlerweile schon Gang und Gebe im linken Journalismus. Da haben wir uns gedacht: Na ja, machen wir doch auch mal so eine Aktion, aber nicht Blockade, sondern aufdrehen.

Alexander Wallasch: Macht ihr Euch Sorgen wegen Polizeiverfolgung jetzt?

Martin Sellner: Die Securities vor Ort sind eingeschritten. Die haben verhindert, dass wir weiter auf das Gelände vorgekommen sind.

Alexander Wallasch: Wie viele Leute waren da von der Security, sind die sehr gut gesichert gewesen? Vorbereitet?

Martin Sellner: Fünf bis zehn Securities waren dort. Die haben keinerlei Gewalt angewandt, klarerweise. Und ja, es kam dann zum massiven Polizeieinsatz. Unsere Leute sind dann zum Teil in das Wäldchen am Ufer gegangen. Es gab dann Polizei, Helikopter und so weiter.

Alexander Wallasch: Das klingt ja alles so ein bisschen wie linke Proteste in Gorleben oder Frankfurt, Startbahn West.

Martin Sellner: Ja, es war alles ziemlich krass auch mit dem Polizeieinsatz, der darauf folgte und die unsere Leute gejagt und vier vom Team festgenommen haben. Der Rest ist vor der Verhaftung entkommen. Die vier befinden sich immer noch im Polizeigewahrsam und die anderen Aktivisten sind an einem unbekannten Ort und machen gerade Medienarbeit. Es ist ein kleines Interview hochgeladen worden.

Alexander Wallasch: Aber das heißt, wenn wir jetzt sprechen, dass gegen Dich aktuell nicht ermittelt wird oder nichts vorliegt. Du weißt zumindest nichts davon?

Martin Sellner: Na ja, sie ermitteln wegen einer unangemeldeten Versammlung und angeblich auch wegen Landfriedensbruch. Zweiteres halte ich für völlig illusorisch, weil wir das natürlich nicht gemacht haben.

Alexander Wallasch: Woher weißt Du das schon?

Martin Sellner: Weil es einen Zeitungsbericht gibt, wo die Polizeisprecherin das gesagt hat. Und unsere Leute haben das auch gesagt. Wir schauen jetzt, dass wir unsere vier Leute da rauskriegen, aber wir sehen das gelassen, das war eine friedliche, symbolische Aktion.

Alexander Wallasch: Also ähnlich wie Brandenburger Tor und Mittelmeer C-Star? Wobei Eure Aktion auf dem Mittelmeer ja vom zeitlichen Aufwand her deutlich größer war.

Martin Sellner: Und natürlich war der finanzielle Aufwand bei der C-Star deutlich größer. Entscheidend ist für uns bei der Aktion jetzt, dass wir den Fokus auf Nord Stream 2 rücken, weil wir glauben, dass das Terminal wirklich einen Symbolcharakter und -wert hat. Natürlich löst das Aufdrehen von Nord Stream nicht alle Probleme. Die Frage ist, wie viel Gas da durchkommt. Aber es ist auf jeden Fall eine Form der Entlastung und Entspannung.

Alexander Wallasch: Glaubst Du, dass Wolfgang Kubicki das gutheißen wird?

Martin Sellner: Ich hoffe, dass er schon einen Mitgliedsantrag gestellt hat bei uns. Er kann gern das nächste Mal mitmachen. Wir geben ihm einen Schraubenzieher in die Hand, dann kann er mitkommen und mit uns gemeinsam den Schalter suchen und Nord Stream 2 in Betrieb nehmen.

Alexander Wallasch: Obligatorische Schlussfrage: Um Gotteswillen, ist es überhaupt erlaubt, mit vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch beobachteten Aktivisten ein solches Gespräch zu führen?

Martin Sellner: Ja, ist es. Denn jeder ernsthafte Demokrat in Deutschland nimmt den Verfassungsschutz sowieso nicht mehr ernst, sondern erkennt ihn als ein politisches Instrument.

Alexander Wallasch: Danke für das Gespräch.

Martin Sellner: Danke Dir.

Quelle: M.Sellner

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