Helsinki / London / Kiew. (multipolar)Die Ukraine hat bis Ende November 2024 bis zu 520.000 getötete Soldaten zu verzeichnen, Russland hingegen bis Ende Juni 2024 nur rund 35.000. Das geht aus Berechnungen des britisch-US-amerikanischen Konfliktforschers Alexander Grable vom King’s College London hervor. Demnach übertreffen die ukrainischen Verluste die russischen um mehr als das Zehnfache. Die Zahlen präsentierte Grable auf einer Veranstaltung der finnischen National Defence University im Februar, sie sind zudem in der Dokumentation seines Vortrags (ab Seite 160) festgehalten.
Grable nutzt für seine Schätzung das Verhältnis zwischen getöteten und amputierten Soldaten in vorangegangenen Kriegen. So habe für das Vereinigte Königreich im Ersten Weltkrieg ein Verhältnis von rund 18 Getöteten pro Amputiertem und für die USA im Vietnamkrieg ein Verhältnis von rund elf Getöteten pro Amputiertem vorgelegen. Im „Globalen Krieg gegen den Terror“ seien für die US-Streitkräfte ungefähr 6,5 tödlich Verwundete je einem amputierten Soldaten zu verzeichnen gewesen. Die Absenkungen dieses Verhältnisses im Laufe der Zeit sei auf Verbesserungen der Militärmedizin sowie der Bergung von Verwundeten auf dem Schlachtfeld zurückzuführen.
Zur Schätzung der ukrainischen Getöteten verwendet der Forscher die Anzahl von 93.566 bis 120.000 amputierten Soldaten, die er einem Bericht der ukrainischen Regierung entnommen hat. Diese Zahlen werden von einer Reihe weiterer Berichte bestätigt. Zwar geht Grable davon aus, dass das Verhältnis von Getöteten pro Amputiertem bei den Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte höher ist als das der US-Armee während des Krieges gegen den Terror. „Zum Zwecke der Argumentation“ hat er jedoch letzteres Verhältnis noch einmal um ein Drittel auf 4,31 reduziert und kommt durch Multiplikation der Anzahl der amputierten Soldaten mit diesem Verhältnis auf geschätzte rund 400.000 bis 520.000 Getötete bis Ende November 2024.
Zur Schätzung der russischen Getöteten im Krieg in der Ukraine nutzt Grable ein russisches Datenleck, das vom US-Staatssender „Radio Liberty“ veröffentlicht wurde. Daraus gehe hervor, dass bis Ende Juni 2024 rund 3.200 Amputationen an verwundeten russischen Soldaten – einschließlich der Angehörigen der privaten Wagner-Gruppe – vorgenommen wurden. Unter der Annahme, dass das russische militärmedizinische System nicht effizienter ist als das des US-Militärs in Vietnam, verwendet der Forscher ein Verhältnis von 11,02 Getöteten je Amputiertem und kommt so auf etwas mehr als 35.000 getötete russische Soldaten.
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Dieser Unterschied zwischen getöteten ukrainischen und russischen Soldaten um mehr als das Zehnfache werde auch von dem Verhältnis beim Austausch der Leichen getöteter Soldaten zwischen Russland und der Ukraine bestätigt, argumentiert Grable. Dieses liege bei rund 12,5 ukrainischen Getöteten pro russischem Getöteten. Weitere öffentlich verfügbare Daten untermauerten die Schätzung, sagte der Konfliktforscher. Sowohl Anfang 2023 als auch Anfang 2024 sei berichtet worden, dass Russland zehnmal so viele Artilleriegeschosse wie die Ukraine und dreißigmal so viele aus der Luft abgeworfene Bomben abgefeuert habe. Mithilfe historischer Vergleiche weist der Forscher nach, dass selbst in einem Stellungskrieg ein Angreifer mit überlegener Feuerkraft deutlich weniger Verluste verzeichnen kann als der Verteidiger.
Grable erklärt weiter, seine hohen Schätzungen ukrainischer getöteter Soldaten würden auch mit den Angaben von Wadym Iwtschenko, Mitglied des Ausschusses für nationale Sicherheit, Verteidigung und Nachrichtendienste des ukrainischen Parlaments, übereinstimmen. Iwtschenko hatte Ende 2025 von mehr als einer halben Million getöteter ukrainischer Soldaten berichtet. Grable schließt aus seiner Untersuchung, dass sich die Ukraine „höchstwahrscheinlich auf der falschen Seite des Zermürbungskurvenverlaufs“ befindet und den Krieg verliert.
Das Nachrichtenportal „T-Online“ meldete Ende Oktober hingegen „historische Verluste“ der russischen Armee in der Ukraine. Demnach sollen seit Beginn des Krieges 400.000 bis 450.000 russische Soldaten getötet worden sein. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski bezifferte die Anzahl der getöteten ukrainischen Soldaten im Februar auf 55.000. Hinzu komme eine „große Zahl“ vermisster Personen, heißt es im „Deutschlandfunk“. Werde der Tod eines ukrainischen Soldaten im Kampfeinsatz anerkannt, müsse der ukrainische Staat den Angehörigen umgerechnet knapp 300.000 Euro auszahlen.
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Kommentar von Axel Berger
Um diese Zahlen seriös bewerten zu könnten hätte wenigstens ein Satz zu den Nordkoreanern und den mit irreführenden Versprechen aus Afrika Angeworbenen gesagt werden müssen.