Deutschland holt sich die Kriegserfahrung frei Haus, während es immer tiefer in den Konflikt rutscht

Frontschweine aus Kiew unterrichten die Bundeswehr

von Alexander Wallasch

Lernen deutsche Wehrpflichtige bald von denselben Kämpfern, die einst Pipelines in der Ostsee knackten?© Quelle: https://www.buchfreund.de/de/d/p/103873124/der-landser-grossband-0931-charkow-1943, Screenshot

Gerade erst, am vergangenen Freitag, haben die Verteidigungsministerien Deutschlands und der Ukraine ein Abkommen unterzeichnet: Ukrainische Soldaten, kriegserprobt und frisch von der Ostfront, sollen künftig als Ausbilder in die Bundeswehr kommen – vor allem an den Truppenschulen des Heeres.

Ihr Spezialwissen: Drohnenabwehr, moderne Führungstechnologien und das pure Überleben im Schlamm des Donbas. Nur für Wochen, dann zurück an die Front, wo sie dringend gebraucht werden.

Eine Zäsur, abgesegnet von Pistorius: Deutschland macht sich Russland endgültig zum Feind – und importiert die Lektionen, wie man nicht so schnell stirbt.

Der Opa konnte das Geräusch der Stalinorgel nachmachen. Und er erzählte von den Jungs der Waffen-SS, die sie unter hohen Verlusten nach Tagen aus dem Dilemma herausholen konnten – nicht wenige hatten volle Hosen. Andere zitterten und es hörte nicht auf.

Der andere Großvater lag einmal gekrümmt unterm Bett, berichtete die Großmutter. Ein LKW hatte beim Vorbeifahren gehalten und seine Scheinwerfer zu lange ins Schlafzimmer gehalten.

Die beiden waren Kriegsteilnehmer. Der eine erzählte davon, der andere nie. Die Bundeswehr hat sich die Gruselgeschichten jetzt frei Haus geholt. Ukrainer sollen als Ausbilder in die Bundeswehr. Nur für ein paar Wochen, an der Front werden sie gebraucht. Es sind Überlebende eines Krieges, in den Deutschland von 5000 Helmen über eine von Kanzler Scholz ausgerufene Zeitenwende hin zu Panzern und zig Milliarden in vier Jahren immer tiefer involviert ist.

Mit jeder neuen Bestellung aus Kiew und jeder neuen Entsprechung aus Berlin ist Deutschland mehr zum Kriegsteilnehmer geworden. Aber noch verrecken keine Soldaten an der schlammigen oder gefrorenen Front im Donbas. Der Großvater bekam bei Charkow einen Schuss in den Arsch. Er sollte mit seinem Krad der Artillerie den Weg weisen, die dann über ihn hinweg nach Osten ballerte, aber der Russe war schneller und es schlug kurz hinter dem Opa ein.

Der Opa sprach perfekt Russisch, aber das hat ihm an der Front nichts genutzt, er konnte ja nicht hinüberrufen: „Hört endlich auf damit“, die Deutschen hatten ja angefangen.

Als vor einigen Monaten die Debatte um Wehrpflicht anfing, kannte die Heuchelei keine Grenzen mehr. Deutschland müsse verteidigungsfähig sein. Ausgeblendet wurde, dass das, als man sie abschaffte, kein Thema mehr war. Es mangelte an potenziellen Feinden, Putin sprach im Bundestag, eine Pipeline wurde geplant, die beiden Ländern noch mehr Wohlstand bringen sollte.

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Aber dann machten sich Spezialkräfte der Ukraine daran, die Gasleitung nach Deutschland zu sprengen. Vertreter der Bundesregierung beklatschten die Tat noch. Jetzt kommen solche Ukrainer nach Deutschland als Ausbilder. Sie sollen Deutsche darauf vorbereiten, sich gegen russische Drohnen zur Wehr zu setzen.

Werden auch Wehrpflichtige dabei sein?

Werden auch die Minentaucher der Bundeswehr in Eckernförde Ausbilder aus der Ukraine bekommen, die ihnen erzählen, wie man unterwegs in einem zivilen Segelboot Gasleitungen sprengt?

Dieses Vorhaben – abgesegnet vom Verteidigungsminister – ist eine Zäsur. Jetzt ist klar, wozu das alles dient. Scholz und Merz – zwei Bundesregierungen in Folge haben alles dafür getan, sich den Russen zum Feind zu machen. Jetzt sollen Deutsche wieder lernen, wie man tief im Osten sein Leben aushaucht. Oder eben nicht so schnell. Dieses „nicht so schnell“ vermitteln jetzt Frontschweine aus der Ukraine.

„Frontschweine“ ist hier nicht despektierlich gemeint, es zitiert den deutschen Großvater, der sich und seine Kameraden mit Stolz so nannte. Der in einer Armee kämpfte, die etwa 10 Millionen Rotarmisten getötet hat. Der Opa sprach Russisch, er war in russischer Gefangenschaft. Wieder zu Hause hörte er russische Lieder auf seinem kompakten Dual-Schallplattenspieler. Er war im Herzen nie Feind der Russen. Er war ein Überlebender.

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