„Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt hat eine sehr wahre Kolumne über die Correctiv-Lüge geschrieben. Und er hat daraus auf der Meta-Ebene eine Abrechnung mit dem regierungsnahen Mainstream-Journalismus gemacht. Es gibt nun aber leider ein gravierendes Problem mit diesem Text: Er wurde von Ulf Poschardt geschrieben und er ist in der Welt erschienen.
Zur Vorgeschichte: Am 10. Januar 2024 erschien beim auch staatsfinanzierten linksaktivistischen Portal Correctiv eine Geschichte über ein Treffen von Rechten und Konservativen in einer Potsdamer Villa mit dem Titel „Geheimplan gegen Deutschland“.
Noch am selben Tag erschien bei Alexander-Wallasch.de ein Artikel mit dem Titel: „Geheimplan gegen Deutschland“ oder lupenreine Politkampagne gegen die AfD?“. Ohne übertriebenes Eigenlob kann dieser Artikel zum Nachlesen empfohlen werden, um zu verstehen, wie Neue Medien den Correctiv-Artikel bereits Stunden nach Erscheinen eingeordnet hatten. Etwa mit folgender Feststellung:
„Die Aufmachung des Correctiv-Artikels macht nicht nur einleitend inhaltlich diesen Eindruck, sondern erscheint bis hin zur gestalterischen Aufmachung wie eine orchestrierte Kampagne gegen die AfD: Correctiv hat unscharfe Fotos durch Hotelsprossenfenster gemacht und präsentiert sie in schwarz-weiß, als ginge es um Fahndungsfotos von seit Jahrzehnten untergetauchten Mafia-Bossen. Fraglos steht diese reißerische Präsentation in keinerlei Verhältnis zum Inhalt.“
Meine Einordnung des Artikels am Erscheinungstag: „Dafür muss man eigentlich einen neuen Begriff finden, vielleicht „Diffamierungslyrik““. Und weiter:
„Der Artikel ist aufgemacht wie ein Theaterstück, die Zwischenüberschriften beginnen mit „Akt 1, Szene 1“ usw., dazu werden die heimlichen Bühnenbilder fotografiert, sogar eine vollkommen sinnlose Skizze, die das angemietete Zimmer des Correctiv-Mitarbeiters zeigt, wird mitgeliefert, gezeichnet, als wäre es der Tatort eines besonders grauenvollen Verbrechens. Und genau so will es Correctiv auch gelesen wissen!“
Und was hat die Welt am Erscheinungstag des Correctiv-Artikels berichtet? Bei „Welt“-TV übernimmt der Moderator am Erscheinungstag die Correctiv-Erzählung, dass bei dem Treffen verhandelt worden sei, wie man Deutsche mit Migrationshintergrund abschieben könne. Die „Welt“ unter der Regie des damaligen Chefredakteurs Ulf Poschardt war also einer der Treiber der Lügengeschichte.
Der junge Innenpolitik-Redakteur Frederik Schindler spricht unter anderem von einer „millionenfachen Ausbürgerung“, die laut Correctiv in Potsdam verhandelt worden sei. Das hätten Menschen, die dabei waren, Correctiv erzählt. „Hier könnten Familien auseinandergerissen werden, wenn es nach den Vorstellungen des Rechtsextremisten Sellner geht“, so Schindler weiter im „Welt“-Video.
Nachdem der ebenfalls beim Potsdamtreffen anwesenden Prof. Ulrich Vosgerau in mehr als zwei Jahre etliche Gerichtsurteile erkämpft hatte, gilt all das aber heute einfach als frech gelogen. Und die „Welt“ mit ihren Dutzenden von Redakteuren und Rechercheuren sah nicht – oder wollte nicht sehen – was wir schon Stunden nach Erscheinen berichteten: Selbst der Correctiv-Artikel war bereits aufgebaut wie ein Theaterstück!
Ulf Poschardt war zu dem Zeitpunkt der verantwortliche Chefredakteur. Heute ist er Herausgeber. Und wer schauen will, was Poschardt selbst am 10. Januar 2024 oder in den Tagen danach etwa in den sozialen Medien dazu geschrieben hat, wird enttäuscht, denn Poschardt hat seine X-Beiträge allesamt gelöscht, als er sein Mainstream-kritisches Buch „Shitbürger“ veröffentlichte. Über die Gründe kann man nur spekulieren – weil er selbst der größte Shitbürger von allen ist? So wie Wolfram Weimer – der von 1998 bis 2000 Vorgänger von Poschardt als Chefredakteur bei „Welt“ war – und in einer Nacht- und Nebel-Aktion einen Großteil seiner von Alexander-Wallasch.de beanstandeten „TheEuropean“-Inhalte löschte.
Ulf Poschardt hat heute kurz nach 9 Uhr eine sehr wahre Kolumne über die Correctiv-Lüge veröffentlicht. Aber der „Welt“-Herausgeber hat die politische Dimension der Berichterstattung der Mainstream-Medien zum „Potsdamer Geheimtreffen“ zu einer Journalismuskritik auf der Meta-Ebene genutzt. Das hätte er besser nicht tun sollen. Denn so hat Poschardt den Fokus vom erfolgreichen Kampf Vosgeraus ohne Not umgelenkt auf eine generelle Journalismus-Kritik und sich und sein Blatt damit selbst in den Fokus gestellt – eine denkbar schlechte Idee.
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Poschardt beginnt also: „Guter Journalismus lebt davon, dass er nicht nur kritisch auf die Mächtigen und Reichen blickt, sondern auch auf sich selbst.“ Und weiter schrieb Poschardt: „Eine Lernkurve blieb insbesondere in den regierungsnahen Medien aus. Und zwar vollkommen.“ Aber was die „Welt“ und Poschardt gelernt haben – davon könnte er ja direkt berichten – kommt in der Kolumne einfach nicht vor.
Wo ist der geforderte kritische Blick des Trägers des Verdienstordens dritter Klasse der Ukraine für Propaganda für Waffenlieferungen? Der – und an der Stelle muss man ihn so einordnen: – Ex-Journalist Poschardt stellt sich außerhalb seiner berechtigten Kritik am Journalismus und steht doch mitten im Zentrum. Stolz präsentiert er seinen Orden.
Poschardt ist tatsächlich die zentrale Figur eines schwer kontaminierten Journalismus, der Portale der Neuen Medien wie Alexander-Wallasch.de so erfolgreich gemacht hat. Aber er ist eben auch eine geniale Spürnase dafür, wann sich der Wind dreht – der deutsche Opportunist in edelster Blüte. Der ebenfalls bei Springer angestellte Journalist Paul Ronzheimer hat den Orden der Ukraine übrigens nicht angenommen, er sei Journalist. Damit hat Ronzheimer unmissverständlich klargestellt, was Poschardt seitdem nicht mehr sein kann.
Der seitdem als politischer Aktivist ordensausgezeichnete Ulf Poschardt schreibt über die Arbeit der Aktivisten von Correctiv:
„Das Ineinandergreifen von Aktivismus und Journalismus begann mit der unkritischen und in Teilen hysterischen Weiterverbreitung des Potsdam-Schauermärchens durch öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und linkslastige Leitmedien.“
Wie viele Tage oder Wochen hatte Poschardts „Welt“ gebraucht, bis sie sich von der Correctiv-Lügengeschichte lossagte? Kein Wort darüber, dass auch die „Welt“ die Wirkmacht der Lüge abwartete und erst kritischer wurde, als die großen Demonstrationen schon durch Deutschland gezogen waren, das AfD-Verbot zunächst wahrscheinlicher machten und die letzten Konservativen in der CDU disziplinieren sollten.
Poschardt schreibt weiter:
„Eine in zentralen Bestandteilen erdichtete Geschichte hat so maximalen politischen Schaden angerichtet. Leider war es ausschließlich Sache einzelner, überwiegend dem bürgerlichen oder konservativen Spektrum zugeordneter Stimmen, Zweifel zu formulieren.“
Nein, Ulf Poschardt, das waren wir! Und zwar schon wenige Stunden nach Erscheinen des Correctiv-Artikels, der in rasender Geschwindigkeit unkritisch auch bei der „Welt“ und weiteren Springer-Kanälen mit Hinweis auf Correctiv verbreitet wurde. Kein Wort davon in dieser Kolumne, die damit für sich schon wieder Teil einer Täuschung ist – Poschardt als Tatortreiniger?
Besonders peinlich wird es da, wo Poschardt die Rolle von Springer kleinreden will, indem er den Schaden minimieren will: „Nichts hat der AfD so sehr geholfen wie diese „Recherche““. Das mag am Ende und nach Jahren so gewesen sein. Aber warum? Weil so mutige Betroffene wie Prof. Vosgerau sich juristisch dagegen gewehrt hatten! Auch gegen die Berichterstattung der Mainstreammedien! Denn das war der Kardinalsfehler von Correctiv: Sie hatten übersehen, dass sie einen der klügsten Juristen des Landes direkt mit ihrer Lügengeschichte angegriffen hatten.
Noch ein Kuriosum: Poschardt empfindet offenbar keinerlei Scham, solche Sätze aufzuschreiben, ohne dabei an sich selbst und der Rolle Springers herabzuschauen: „Der journalistische Sündenfall von „Correctiv“ ist damit auch der Sündenfall eines opportunistischen Medienmilieus.“
Aber es wird in dieser Kolumne noch grotesker, wenn Poschardt formuliert:
„Wie soll der – seit Jahrzehnten überwiegend linke – Journalismus Vertrauen zurückgewinnen (…) wenn die Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern so demonstrativ unterbleibt?“
Grotesk deshalb, weil der „Welt“-Herausgeber exakt im Moment des Schreibens mit seiner Kolumne 1:1 demonstriert, wie man die Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern demonstrativ unterlässt.
Der Ex-Journalist Ulf Poschardt endet mit einem Blick in die Zukunft. Gelänge es den Medien in Deutschland nicht, „umfassend, grundsätzlich und ohne jede Relativierung ihre verhängnisvolle Rolle in den gesellschaftlichen Diskussionen unserer Zeit zu hinterfragen“, dann werden „das liberale Prinzip und auch Grundzüge der Gewaltenteilung in Deutschland“ demontiert.
Poschardt hat exemplarisch mit dieser bigotten Kolumne bewiesen, dass die Mainstream-Medien genau nichts hinterfragen werden. Lieber löschen sie ihre X-Accounts, erzählen weiter Münchhausengeschichten und vermarkten für Hunderte von Millionen Euro ihre politischen Kontakte, wie es bei Poschardts Springer mittlerweile zu einer Haupteinnahmequelle geworden ist.
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