Die Edeka-Konzernzentrale verschickte zuletzt Disziplinierungsschreiben an viele der regionalen Genossenschaften sowie an Gesellschafter und Genossenschaftler des stark verzweigten Unternehmens. Roland Tichy hatte für „Tichys Einblick“ umfassend darüber berichtet und schrieb erneut aus der Perspektive der Betroffenen.
Was Edeka mit seinem Schreiben durchsetzen wollte, war ein klares „Werbt nicht bei XY“:
„Wie ihr wisst, steht EDEKA für Vielfalt, Respekt und ein demokratisches Miteinander. Umso wichtiger ist es, dass unsere Werbung möglichst nicht in Umfeldern erscheint, die diesen Werten widersprechen oder problematische Inhalte verbreiten.“
Dahinter steckt die NGO Campact, nicht zu verwechseln mit Jürgen Elsässers Magazin Compact. Im Kern geht es um Werbung auf liberal-konservativen und rechten YouTube-Kanälen. Campact hatte eine Art Feindesliste veröffentlicht, die unter anderem der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming via X zugänglich machte.
Für mich hat diese Geschichte eine persönliche Vorgeschichte. Zwischen 2015 und 2021 schrieb ich tausende Artikel für Tichys Einblick und kann wohl sagen, dass ich einen bescheidenen Teil zur DNA des Unternehmens beigetragen habe. Ich erinnere mich gut an die Angriffe, die seit der Gründung gegen Tichy und seine Autoren gefahren wurden. Zuallererst hatte das mit unserer Kritik an der illegalen Massenmigration und der „Herrschaft des Unrechts“ zu tun. Diese Kritik war 2015 eine Art Gotteslästerung und wurde entsprechend verfolgt. Was heute als neue Kampagne daherkommt, ist die Fortsetzung eines alten Ansatzes.
Im Winter 2016 stellte Gerald Hensel Roland Tichy und seine Autoren an den Pranger und wollte Tichys Einblick – insbesondere auch Henryk M. Broders „Achse des Guten“ – gezielt wirtschaftlich ruinieren. Hinter dem damaligen Komplott stand Hensel mit seiner Aktion #KeinGeldFürRechts. Der „Stern“ schrieb Mitte Dezember 2016:
„Vor zwei Wochen führte Gerald Hensel noch ein normales Leben. Doch dann rief der Strategy Director bei der Agentur Scholz & Friends die Aktion #KeinGeldFürRechts ins Leben. Er möchte Werbetreibende dafür sensibilisieren, keine Banner auf rechten Websites zu buchen. Auf seiner inzwischen nicht mehr öffentlich zugänglichen Homepage hat er eine Liste mit Seiten präsentiert, die er als rechts einstuft.“
Hensel hatte seinen Angriff explizit gegen Tichys Einblick gerichtet. Der Versuch ging gründlich in die Hose. Hensel und seine Mitstreiter hatten nicht mit der Empörung in den sozialen Medien und einem Shitstorm in Orkanstärke gerechnet. Die Kritiker erwiesen sich vor zehn Jahren als sensibel genug für eine Empörung gegenüber solchen an Nazi-Methoden erinnernden Feldzüge gegen Andersdenkende und die Pressefreiheit.
Hensel tauchte unter. Seine Diffamierungskampagne war Geschichte. Danach heulte er in den regierungsnahen Gazetten aus einer selbstgewählten Opferrolle heraus. Der „Stern“ zitierte ihn mit den Worten: „Ein Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld.“ Das gab ausgerechnet jener zu Protokoll, der selbst einen Angriff auf das wirtschaftliche Überleben und das Arbeitsumfeld jener organisiert hatte, die ihm politisch nicht in den Kram passten.
Ich schrieb Ende 2016 bei Tichys Einblick über den gescheiterten Vorstoß. Hensel erklärte dem „Stern“ damals, er habe „ein großes Interesse an dem Thema ‚manipulative Knoten‘ im Netz“. Und weiter: „Die eine Hälfte Deutschlands denkt, ich bin Gott, die andere denkt, ich bin der Teufel. Wahrscheinlich stimmt beides nicht.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass Hensel Gott ist, war allerdings schon 2016 verschwindend gering. Dass er einen gehörigen Knoten in den Synapsen hat, lag allerdings viel näher.
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Doch Hensel blieb nicht lange weg. Die große Online-Enzyklopädie schreibt, er sei dann „Co-Gründer mehrerer Nichtregierungsorganisationen“ geworden. 2017 gründete Hensel die NGO „Fearless Democracy e.V.“, die laut Wikipedia „als inhaltlicher Partner von öffentlichen Institutionen, Journalismus und Privatwirtschaft eine Rolle gegen Populisten und Extremisten“ spielen soll.
2019 gründete Hensel gemeinsam mit der Kampagnenplattform Campact und der ehemaligen Campact-Mitarbeiterin Anna-Lena von Hodenberg die gemeinnützige GmbH HateAid. HateAid gehört zu je einem Drittel Fearless Democracy, Campact und von Hodenberg. HateAid wurde von der Bundesnetzagentur als Trusted Flagger anerkannt und erhält staatliche Förderung. Campact ist explizit nicht staatlich gefördert und klagt massiv gegen jeden – so auch gegen mich –, der diese beiden Sachverhalte unzulässig vermischt.
Dennoch ist Hensel über HateAid eng mit Campact verbunden. Und Campact setzt nun fort, woran Hensel vor zehn Jahren mit #KeinGeldFürRechts so kläglich gescheitert war – zweifellos eine der größten Demütigungen in seiner beruflichen Laufbahn.
Scholz & Friends, Hensels frühere Agentur, verantwortet seit 2017 für mehrere Millionen Euro die begleitenden Kampagnen für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums. HateAid erhielt 2025 aus diesem Programm eine knappe halbe Million Euro.
Das NETTZ (Vernetzungsstelle gegen Hate Speech), ebenfalls aus dem Programm „Demokratie leben!“ gefördert, hatte 2017 seinerseits Hensels Fearless Democracy über einen eigenen Förderwettbewerb unterstützt.
Mit dabei ist nun Deutschlands größter Lebensmitteleinzelhändler. Edeka hatte bereits Ende August 2024 – kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg – die Anti-AfD-Kampagne „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ ins Leben gerufen. Die verantwortliche Werbeagentur war Jung von Matt. Die Agentur arbeitete 2017 für die CDU und Angela Merkel und ist seit 2024 verstärkt für Bündnis 90/Die Grünen tätig.
Und nochmal zur Einordnung der Schärfe solcher Kampagnen, wie jetzt vom Campact über Edeka gegen Tichy und andere: Noch 2018 griff der damalige „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt Hans-Georg Maaßen öffentlich scharf an. Heute schreibt derselbe Poschardt von einer „kulturellen und zivilisatorischen Eroberungsmigration“. Die Grenzen des Sagbaren bzw. des Verbotenen – je nach Perspektive – haben sich verschoben. Ausgrenzungskampagnen gegen kritische YouTube-Kanäle laufen dennoch weiter.
Roland Tichy fasst den Kern der aktuellen Entwicklung zusammen:
„Erstaunlich ist, wie schnell die EDEKA-Zentrale der Aufforderung der Kampagnen-Organisation Campact folgt. Campact hatte der Pressestelle in Hamburg am Freitag, 14. August, um 11.55 Uhr geschrieben, also kurz vor Dienstschluss. Bereits am darauffolgenden Mittwoch wurde aus der EDEKA-Zentrale die Unterwerfungs-Mail an ihre regionalen Gliederungen versandt.“
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Kommentar von F. Lo
„Folgende Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen: Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, Immoscout, Edeka, Flixtrain, Bifi, Klosterfrau, Procter & Gamble. Darüber hinaus haben Miniatur Wunderland, LG Electronics, Krombacher, Sparkasse, Sumup, Lenor, Rewe, Booking und Samsung zurückgemeldet, sie wollen dies prüfen.“
Die interessante Frage ist meines Erachtens doch immer, wie die, sagen wir mal, Unterwerfungs-Bereitschaft zustande kommt. Da verschickt eine private, linke NGO (!!!) Schreiben, und die Angeschriebenen machen Männchen, als hätte sich der Verfassungsschutz persönlich oder ein höheres Gericht bei ihnen gemeldet, um ihre implizite Rechtsextremität zu überprüfen. Man wüsste es gern: Ist die Unterwerfungs-Bereitschaft das Ergebnis eines firmen-/konzern-internen (demokratischen) Abstimmungsprozesses oder spielen hier einzelne Leute, ggf. Abteilungen eine große Rolle, die sich ins Zeug legen, ohne dass sie Widerspruch aus den eigenen Reihen erfahren. Ich nehme ja auch mal an, die braven Unternehmen bestreiten diese Aktion eher klammheimlich, als dass sie sich in Pressemitteilungen stolz dazu bekennen.