Eine Absage und ein Ende des Ludwig-Erhard-Gipfels wäre der notwendige Schlussstrich gewesen. Doch der Familienbetrieb Weimer Media Group mit Wolfram Weimer an der Spitze macht einfach weiter, als wäre nichts geschehen. Übermorgen beginnt der Ludwig-Erhard-Gipfel – ein Treffen, das vor Jahren wesentlich auf den Medien-Münchhausen-Geschichten von Wolfram Weimer aufgebaut wurde.
Auch seine Familie lässt sich nicht lumpen. Gattin Götz-Weimer etwa behauptete ungeniert gegenüber Medienvertretern, ein vergangener Durchgang des Gipfels habe „eine knappe Milliarde User“ online gehabt. Das ist die ganz große Kunst der Hochstapelei: so groß zu denken, dass es schon wieder glaubwürdig wirkt. Denn wer würde schon annehmen, dass jemand derart dreist übertreibt – oder doch?
Weimer hat sich mit der Weimer Media Group als Veranstalter des Ludwig-Erhard-Gipfels ein Medienhaus aufgebaut, dessen eigentliche Aufgabe offenbar darin bestand, potenziellen Kunden den Eindruck zu vermitteln, die Gruppe verfüge mit ihren zahlreichen Produkten über einen beneidenswerten Einfluss in der deutschen Presselandschaft und auf Entscheiderebene.
Die traurige Wahrheit hinter der Fassade: Alle Produkte dieser Gruppe zusammen erreichen weniger Leser, als Alexander-Wallasch.de allein auf die Waage bringt. Dennoch wird das Magazin „TheEuropean“ bei den Weimers weiter als „Deutschlands großes Debattenmagazin“ präsentiert. Dieser Eindruck wurde über Jahre hinweg von Tausenden Autoren genährt, die Weimer als seine Autoren ausgegeben hatte – obwohl die meisten nie bei „TheEuropean“ veröffentlicht hatten und oft nicht einmal davon wussten. Darunter AfD-Parteichefin Alice Weidel oder Plagiatsjäger Stefan Weber.
In Nacht-und-Nebel-Aktionen löschte der amtierende Noch-Kulturstaatsminister im Oktober 2025 Artikel um Artikel und Autor um Autor. Mit jeder neuen Enthüllung auf Alexander-Wallasch.de ging die Löschorgie weiter. Falsche Lesezahlen wurden ebenso entfernt wie reihenweise „Partner“ des Ludwig-Erhard-Gipfels, die erst durch die Veröffentlichungen erfuhren, dass die Weimer Media Group ihren guten Namen für windige Geschäfte genutzt hatte.
Was für Geschäfte das waren? Die Weimer Media Group verkaufte an Unternehmen teure Pakete für Gipfeltreffen am Tegernsee, in Frankfurt und anderswo – inklusive Werbeflächen in den eigenen Medien und exklusiv abgedruckter Interviews. Werbung und Interviews, die wegen fehlender Verbreitung allerdings kaum jemand zu lesen bekam.
Es ist schwer vorstellbar, dass nicht zumindest einige Unternehmer ahnten, wie sie hier übers Ohr gehauen wurden. Wahrscheinlich war es unter den solventen Teilnehmern sogar ein offenes Geheimnis. Die erhoffte Win-win-Situation bestand offenbar im direkten Kontakt zu Politikern und anderen Entscheidern. Weimers Trickserei wurde dabei billigend in Kauf genommen.
Die Liste der Vorwürfe gegen Wolfram Weimer ist noch deutlich länger:Und trotzdem findet vom 28. bis 30. April 2026 trotz des Supergaus und des faktischen Zusammenbruchs des Lügengebäudes der nächste Durchgang des Ludwig-Erhard-Gipfels der Weimer Media Group am Tegernsee statt.
Die „Welt“ lässt es sich nicht nehmen, ihrem ehemaligen Chefredakteur Wolfram Weimer und dem Weimer-Media-Unternehmen eine freundliche Grußadresse an den Tegernsee zu schicken. Nur der Vollständigkeit halber: Weimer-Sohn Valentin bekleidet in der „Welt“-Chefredaktion den Posten des Chief of Staff.
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In diesen Kreisen scheint man das so zu handhaben. Schließlich war auch der Sohn von Springer-Boss Mathias Döpfner Chief of Staff bei Peter Thiel – der anschließend 50 Millionen in ein Unternehmen des Döpfner-Sohnes investierte, mit dem dieser wiederum in der Rüstungsindustrie bei einem Drohnenhersteller einstieg.
Die "Welt" übernimmt im Wesentlichen eine bereits vorformulierte Meldung der Deutschen Presseagentur (dpa): Die dpa ist mittlerweile – das ist schon wieder eine eigene Geschichte – gemeinsam mit den linksradikalen Aktivisten von Correctiv ins lukrative Faktenchecker-Geschäft eingestiegen. Der klassische Journalismus lohnt sich finanziell kaum noch, und seit es Künstliche Intelligenz gibt, noch weniger.
Also macht die dpa, was nötig ist. Schließlich ist ausgerechnet Kulturstaatsminister Weimer derjenige, der demnächst die milliardenschweren Demokratie-Zwangsgelder der Social-Media-Konzerne einsammeln und verteilen soll. Ist Weimer unberührbar geworden, weil er diesen gigantischen Klingelbeutel an der Hüfte trägt?
Die Deutsche Presseagentur beschränkt sich für die „Welt“ darauf, lediglich „Probleme mit Einfluss auf Politiker“ anzudeuten. Der eigentliche Weimer-Skandal wird elegant umschifft, und Frau Götz-Weimer darf unwidersprochen erklären, das alles sei Unsinn. Springer selbst macht im Grunde nichts anderes: Der Konzern verdient hunderte Millionen mit einer Tochterfirma, die vor allem Kontakte verkauft. Weimer war nur so ungeschickt, es auf einen Flyer zu drucken, den Apollo News von den Weimers bekommen hatte.
Weil das aber der am wenigsten wirkmächtige Vorwurf gegen Weimer war – Springer und Co machen es genauso –, meinte dpa, der „Welt“ heute eine heitere Grußbotschaft an die Veranstalter am Tegernsee liefern zu dürfen. Weiter entfernt von längst überfälligen Rücktrittsforderungen an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kann man kaum stehen. Die „Welt“ schließt ihren von dpa gelieferten Blumenstrauß mit folgendem Absatz:
„Spätestens nach dem Ende des Gipfels dürften hinter den Kulissen die Planungen für das kommende Jahr umgehend wieder Fahrt aufnehmen. Und insgeheim dürfte sie dann auch wieder aufkommen, die Hoffnung, irgendwann einen deutschen Kanzler am Tegernsee begrüßen zu dürfen.“
Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder – lässt man der Fantasie einmal freien Lauf – wie es ein professioneller Hochstapler vielleicht formulieren würde:
Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und genau deshalb, meine lieben Freunde aus Wirtschaft, Politik und den besten Kreisen, lade ich Sie ganz persönlich zum Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee ein – dem exklusivsten, einflussreichsten und absolut diskretesten Treffen der Republik. Während die anderen noch zögern, während Berlin im Sumpf versinkt, während die Kritiker mit ihren lächerlichen ‚Interessenkonflikt‘-Vorwürfen herumfuchteln… genau dann, mein Bester, brauchen wir diese letzte Hoffnung. Bei mir am Tegernsee stirbt die Hoffnung nicht nur nicht – sie wird hier neu geboren. Mit einem exklusiven Abendessen mit Ministern, einem kleinen, ganz privaten Gespräch mit den echten Entscheidern und einer Rendite, die sich nicht in Prozenten, sondern in Einfluss, Kontakten und Zukunft misst. Nur für Sie. Nur für die, die noch Vision haben. Die anderen? Die lesen hinterher in meiner weltgrößten Debattenzeitung davon. Kommen Sie. Zahlen Sie. Profitieren Sie. Die Hoffnung stirbt zuletzt? Nein, meine Damen und Herren. Bei mir am Tegernsee zahlt sie Zinsen – und zwar satte. Ich erwarte Sie. Diskret. Wie immer. (mit diesem typischen, leicht verschwörerischen Lächeln und dem perfekten Handshake).
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