Heute steht der Springerjunge Ulf Poschardt und weitere Akteure wie vor über zehn Jahren wieder Schulter an Schulter mit der grünen Katrin Göring-Eckardt, als habe es die Verwerfungen seit Beginn der illegalen Massenzuwanderung von Millionen von Muslimen – unter ihnen eine unbekannte Zahl an gewaltbereiten Islamisten – niemals gegeben.
Während Springer 2015 mit der „Welcome Refugees“-Kampagne die Schließung der Grenzen propagandistisch verhinderte, stand die Grüne Katrin Göring-Eckardt am 20. November 2015 vor der Bundesdelegiertenkonferenz ihrer Partei und übersetzte die Forderungen von Springer in die Sprache der politischen Ideologie. Sie sagte damals wörtlich und in beseelter Stimmlage unter anderem:
„Es wird bunter werden, ja wie wunderbar ist das! Das haben wir uns immer gewünscht. Wahrscheinlich wird es auch religiöser werden – na klar! Unser Land wird sich ändern und zwar drastisch. Und ich sag Euch eins: Ich freu mich drauf!“
Heute, über zehn Jahre später, ist Julian Reichelt – ehemals „Bild“ zum lautesten Sprachrohr gegen die „Willkommenskultur“ geworden, und Poschardt inszeniert sich ein prodeutsches Coming-out. Aber wie stabil sind solche Pro-Deutschland-Bekundungen?
Offenbar bleibt die Sollbruchstelle programmiert: Ein demonstratives Gebet von Mittelfeldspieler Felix Nmecha und weiteren Spielern beider Mannschaften am Mittelkreis nach dem Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao sorgt für eine kollektive Erregung in den neuen Medien von Poschardt bis Reichelt und von Adrat bis Tichy. Gefeiert wird hier exakt jene neue Religiosität, auf die sich die ehemalige grüne EKD-Präses Göring-Eckardt so freute.
Und Nius-Chef Julian Reichelt zitiert beseelt zu einem Foto der Gebetrunde am Mittelkreis Jesaja 6, Vers 8: „Hier bin ich, sende mich!“
Und da ist dann auch die Wiedervereinigung von Reichelt mit seiner Welcome-Refugees-Betschwester im Geiste: Göring-Eckardt erinnert sich wohl an die gemeinsame Zeit von 2015 und schreibt ein paar Stunden nach Reichelt mindestens ebenso beseelt:
„Das ist ein wirklich berührender Moment. Sportlich. Und zusammen beten zeigt das tiefe Wissen, dass man nicht auf sich allein gestellt ist. Ich mag es sehr.“
Kommen wir zu Ulf Poschardt, der stammt aus einem strenggläubigen, methodistischen Elternhaus. Sein Vater Dieter Poschardt war Laienprediger bei den Methodisten und predigte regelmäßig. Die Familie ging sonntags in die Kirche, und Poschardt beschreibt seine Erziehung als „protestantischer, als man sich kaum vorstellen kann“.
Poschardt hakte sich ebenfalls bei Reichelt und Göring-Eckardt unter. In seiner „Welt“-Kolumne, die ihn noch als „Herausgeber“ führt, schwärmt Poschardt von einer „berührenden Geste bei der Fußball-WM“. Während auf Kirchentagen eine kartoffelweiße Theologie der Woken verehrt werde, bekenne sich „ein Nationalspieler mit migrantischen Wurzeln zur Botschaft des Christentums“.
Ein verdrehter Satz des Springer-Autors. Denn das Christentum ist ja kein deutsch-exklusives. Dann kuschelt Poschardt ganz eng bei Göring-Eckardts „Ich freu mich drauf“:
„Diese neutestamentliche Liebe zum Gegner und zum Besiegten schuf eindrucksvolle Bilder, und es ist mehr als bezeichnend, dass ein zweiter schwarzer Nationalspieler, nämlich Jonathan Tah, die kleine Runde ergänzte. ‚Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen‘, heißt es im Matthäus-Evangelium, ‚da bin ich mitten unter ihnen.‘“
Irrtum. Denn zwei Drittel aller religiösen Schwarzen sind Christen. Es ist also wahrscheinlicher, einem farbigen Christen auf dem Bolzplatz zu begegnen als einem farbigen Muslim. Für Poschardt hat „Danke, Felix Nmecha!“ offenbar Jesusqualitäten. Hier seine Heiland-2.0-Sehnsucht:
„Der Fußballnationalspieler, kein Akademiker, hat gezeigt, was die eigentliche Botschaft des Christentums ist: Nächstenliebe – und das Gebet als Akt der Liebe.“
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Aber was meint der fußballferne Poschardt aus der Szene nach dem Spiel herausgelesen zu haben? Nächstenliebe gegen was? Es gab im gesamten Spiel keine einzige gelbe Karte! Welchen Krieg auf dem Platz soll der übrigens gut aufspielende Nmecha da stellvertretend überwunden haben? Von der Verleugnung christlicher Wurzeln schreibt Poschardt. Vollkommener Unsinn!
Denn zur bunten Folklore des Fußballs gehört doch die Bekreuzigung der christlichen Spieler immer schon dazu. Jeder macht es auf seine Art, und ab und zu reckt dann auch mal einer der Muslime den Finger gen Himmel, was als Geste dann intensiver gelesen wird, weil es den Islamisten zugeschrieben wird.
Aber was genau führt zu dieser Hysterie von Poschardt bis Reichelt? Das ist vollkommen grotesk. Tichys Einblick bläst zwar im Prinzip ins selbe Horn, aber immerhin differenziert das Blatt und bemüht sich wenigstens darum, eine Antwort zu finden:
„In jedem Fall markieren Nmechas selbstverständliche Bezugnahme auf den Glauben, die Wahrnehmung seiner Haltung durch die Medien und die Diskussion darüber, dass Religion wieder zunehmend einen Platz in der öffentlichen Debatte beansprucht – sicherlich auch im Rahmen der verstärkten Präsenz des Islam, die zur Auseinandersetzung mit den Inhalten und der Rolle von Religionen und Glaubensüberzeugungen einlädt.“
Besser kann man die Poschardt-Göring-Eckardt-Falle kaum beschreiben: „Wahrscheinlich wird es auch religiöser werden – na klar! Ich freu mich drauf!“
Der christlich-religiöse Auftritt einiger Spieler auf dem Platz wird jetzt gnadenlos von jenen instrumentalisiert und ausgeschlachtet, die der Islamisierung Europas mit einer Reconquista begegnen wollen. Hier gleichen sich woke Ideologie und Glaube wie ein Ei dem anderen. Und Reichelt, Poschardt und Göring-Eckardt spielen in derselben Mannschaft wie Matussek, Kelle, Stein, Adrat, Kissler und wie die konservativen Christen alle heißen – vornweg der Kämpfer Martin Sellner?
Der Clash der Kulturen wird hier zum Clash der Religionen. Dabei werden die Werte Europas gleichgesetzt mit jenen des Christentums. Es kann kaum einen größeren Irrtum geben. Die Werte Europas sind aber vor allem Resultat eines Sieges über die blutige Herrschaft der Religionen. Die großen Aufklärer waren es nicht wegen, sondern trotz des Christentums.
Europa hat sich über viele Jahrhunderte von der Zwangsbeglückung durch das Christentum befreit und in Renaissance, Aufklärung und Säkularisierung den freien und selbstbestimmten Menschen geformt. Er huldigt jetzt der Fußballmesse. Das Spiel dauert neunzig Minuten. Und nachher ist alles wieder gut.
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