Im Auto-Interview: Martin Sellner

Identitäre auf der Autobahn – Sellner zurück in Österreich

von Alexander Wallasch (Kommentare: 6)

Ein Livestream aus dem Niemandsland© Quelle: Sellner Telegram, Screenshot

Martin Sellners Flucht nach vorn war gestern aus Mediensicht die Geschichte des Tages. Der rechte Aktivist hatte sich von Wien aus nach Passau aufgemacht, um mal zu schauen, wie ernst es die deutschen Behörden mit der angedrohten Verweigerung der Einreise tatsächlich meinen.

Der vom Verfassungsschutz scharf ins Visier genommene Gründer der Identitären Bewegung hat in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit der Correctiv-Affäre die Republik erschüttert.

Heute bringt der Österreicher Hunderttausende auf die Straße. Aber sicher anders, als es sich der in Potsdam auf dem "Geheimtreffen" vortragende Sellner erhofft haben mag, als er einer privaten Gesellschaft von Unternehmern und Parteileuten aus CDU und AfD plus WerteUnion seine Idee einer Remigration näherbringen wollte und dabei von linken Correctiv-Aktivsten, von Greenpeace und mutmaßlich dem Verfassungsschutz ausspioniert wurde.

Auf dem Weg nach Passau wurde Sellner von der Polizei aufgehalten, durfte dann aber weiterreisen. Wir sprachen mit ihm auf seiner Rückfahrt nach Wien.

Ihre “Deportation” zurück nach Österreich nehmen Sie jetzt freiwillig vor?

Ja, ich remigriere mich selbst. „Remigration“ setzt ja vor allem auf Freiwilligkeit. Insofern: Ja, meine Rückreise von Passau nach Wien ist ein Akt von Remigration, meine freiwillige Ausreise.

Markus Krall hatte zuletzt definiert, es kann keine Deportationen geben zurück in die Heimat ...

Völlig richtig, das ist eine freiwillige Heimkehr, die gerade stattfindet.

Schildern Sie bitte die Szene im Polizeiwagen, als sie festgehalten bzw. festgenommen wurden ...

Es war spannend, das war ein gemütliches Verhältnis. Ich habe mich gut unterhalten mit den Polizisten. Wir haben auch ein bisschen geplaudert über Handball und über Fußball. Dazwischen haben sie mir halt Fragen gestellt. Und zwar doch recht detailliert. Was habe ich in Deutschland vor? Wie lange will ich bleiben? Woher kenne ich die Leute, mit denen ich im Auto fahre? Und die Zahnbürste, die sie bei der Perlustrierung bei mir gefunden haben, die hat mich verdächtig gemacht. Denn ich hatte ja gesagt, ich will nur kurz nach Deutschland. Sie haben gemeint, wenn man eine Zahnbürste dabei habe, wolle man länger bleiben. Was mich dann gerettet hat, war das Mietauto, weil ich tatsächlich laut Vertrag nachweisen konnte, dass ich sofort wieder zurückfahre. Also ich sage nur: Wenn bei illegalen Migranten die Behörden auch so ein Augenmerk darauf legen würde, dass sie nur kurz in Deutschland sind, dann würde Deutschland anders ausschauen.

Aber das Verhältnis zwischen Österreich und Deutschland ist doch ein anderes innerhalb der EU als zwischen Deutschland und Syrien?

Eben, das sollte noch strenger sein.

Was war denn die rechtliche Grundlage, überhaupt eine Durchsuchung vorzunehmen? Ich habe die Bilder gesehen, Sie wurden abgetastet usw...

Ich möchte nicht wissen, was da im Hintergrund in den Amtsstuben gerade abgelaufen ist. Denn eigentlich wurde lauthals verkündet, es wird nach mir gefahndet und mir droht eine Ausweisung. Und dann hat aber offenbar die bayerische Polizei keine Schuld an mir gefunden. Ich nehme an, dass sich die Bayern auf die Hinterbeine gestellt haben und gesagt haben: Nein, wir blamieren uns hier nicht, wir weisen den nicht aus.

Wer gestern als Journalist bei der Bundespolizei nachfragte, der wurde einmal quer durch Deutschland geschickt: Niemand zuständig, aber gefühlt jede Dienststelle mit eigenem Pressesprecher. Und dann landete man bei der Ausländerbehörde, die inhaltslose Pressemitteilungen verschickte. Aber Sie sind letztlich gar nicht von der Bundespolizei, sondern von der bayerischen Polizei durchsucht worden?

Ganz genau. Und das ist auch das Interessante: Ich glaube, dass es noch nicht ausgestanden ist. Ich halte es für durchaus möglich, dass ich das nächste Mal nicht einreisen darf. Und wenn ich zum Beispiel gesagt hätte, ich halte eine Rede oder so etwas, ich bin bei einer Veranstaltung eingeladen, dann wäre es wahrscheinlich anders gekommen.

Ich glaube tatsächlich, dass es noch nicht ausgestanden ist. Nächster Schritt von mir wird sein: Ich werde erneut eine Einreise nach Deutschland planen, allerdings in Verbindung ganz explizit zu einer politischen Veranstaltung, vielleicht einer Buchpräsentation, einer Rede oder einer Kundgebung. Und bin gespannt, wie das dann ausgehen wird.

Sie meinen, es wäre für Sie betreff Einreise erfolgversprechender, man würde Sie zu einer Briefmarkentauschbörse oder einem Schubert-Chorsingen einladen?

Ich bin für alles offen, kreative Vorschläge sind willkommen. Ich bin auch sehr interaktiv unterwegs. Die Leute konnten abstimmen, in welches Café es in Passau gehen sollte, ich werde die Community mitentscheiden lassen, wie es weitergeht.

Sie haben heute wie nebenbei einen Rekord aufgestellt: Der technisch schlechteste Live-Stream aller Zeiten vom Licht zum Ton bis zur Kamera, aber 20.000 Zuschauer und Platz 1 auf Twitter mit #Sellner ...

Technisch gesehen war das nicht perfekt. Das lag aber auch daran, dass wir ein bisschen im Stress waren. Wir hatten auch einen Wettlauf mit dem Licht, die Sonne ging unter und das Internet hat nicht mitgespielt ...

Aber man hätte schon vorher darauf kommen können, dass man, wenn man von Österreich nach Deutschland wechselt, dann auch die Netze wechseln muss?

Ja, ich gebe Ihnen Recht, es wäre besser gewesen, wenn wir einen anderen Streamer dabeigehabt hätten. Da muss ich auch darauf verweisen, dass ich leider nicht das „Correctiv“ bin. Ich bekomme kein Steuergeld, ich bekomme keine Millionen von Soros, ich bin mehr oder weniger eine One-Man-Show, aus dem Grund bitte ich auch um Staatszuschüsse (lacht).

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Machen wir es doch mal konkret: Wenn Ihnen morgen Alexander Soros 100.000 Euro geben würde, was machen Sie?

Dann gibt es einen Stream mit Drohnen. Und dann sollten die ganzen Correctiv-Redakteure ganz genau aufpassen, was sie das nächste Mal beim privaten Geheimgespräch so bereden, denn dann gibt es vielleicht eine Gegenrecherche. Nein, so etwas würde ich nie machen! So tief sinken wir nicht.

Sie haben sich in einem weiteren Stream bei Nancy Faeser bedankt, um was ging es da?

Ich bedanke mich bei Innenministerin Nancy Faeser. Ich gehe davon aus, dass in Deutschland polizeilich nichts geschieht, das nicht Faesers Brief und Siegel hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Polizei gegen den Willen von Frau Faeser gehandelt hat. Insofern muss ich davon ausgehen, dass ich Frau Faeser doch irgendwie das Herz bezwungen habe. Wie Schiller sagt: ‚Es ist mir gelungen, ich habe das Herz ihr bezwungen.‘ Und sie hat dann offenbar doch entschieden, diesen österreichischen Autor in Passau Kaffee und Kuchen konsumieren zu lassen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor? Nehmen wir das Jahr 2030 ...

Ich sehe das positiv. Ich glaube, wir schaffen es, diese irrationale, kindische und vergangenheitsfixierte Politik zu überwinden. Wir schaffen es, nach einer vielleicht für manche schmerzhaften, aber am Ende seriösen, vernünftigen Migrationsdebatte das größte Problem, nämlich Islamisierung und illegale Migration, zu überwinden und dann als Europa – Österreich hat dasselbe Problem wie Deutschland – auch wieder ein normaler Player zu werden auf der Weltbühne, der dann auch erneut auf Augenhöhe mit allen anderen kooperieren kann.

Einige Mitbürger mit Migrationshintergrund, die hier seit Jahren oder Jahrzehnten arbeiten, die ihren Teil leisten, haben es nach Potsdam mit der Angst gekriegt ...

Das gab es eine dämonische Drohkulisse, die aufgebaut wurde, wonach wir jeden mit Migrationshintergrund abschieben wollen. Das ist natürlich absoluter Schwachsinn. Das stimmt in keiner Weise, habe ich nie behauptet und so nie gesagt.

Selbstverständlich gibt es auch Migranten, die extrem viel beitragen hier zu der Gesellschaft. Insbesondere die europäische Migration, also aus europäischen Ländern, sind Migranten, die sich integriert, zum Teil sogar perfekt assimiliert haben und extrem viel zu der Gesellschaft beitragen. Da braucht natürlich niemand Angst haben.

Wir haben fast 50 Prozent Einheimische in Bürgergeld, teilweise in zweiter, dritter Generation. Wie kriegen wir diese Abgehängten wieder in Arbeit? Wie können wir sie wieder für die Gesellschaft motivieren?

Arbeit muss sich wieder lohnen. Es braucht wieder eine klare Perspektive. Aber da muss Deutschland vor allem geopolitisch, wirtschaftspolitisch, energiepolitisch wieder auf Schiene gebracht werden. Im Moment, wenn du mit einem jungen begabten Menschen sprichst, dann sagt er dir: Ich will auswandern. Dann sagt er: In diesem Land, das ist derartig innovationsfeindlich, da will ich nichts tun.

Und bei so einem Klima entsteht ja doch eine große Gruppe an Leuten, die zum Teil zu Recht sagt, warum soll ich in diesen Staat Geld investieren. Wenn allgemein ein Leistungswille entsteht, wenn es weniger um bedingungslose Maximalversorgung geht als in die Richtung Belohnung für echte Leistung, und die Leute auch nicht mehr Angst haben, dass Geld, das von Steuern abgezogen wird, vergeudet wird, dann ändert sich die gesamte Stimmung im Land. Daran glaube ich.

Ich glaube nicht, dass es besser wird, indem man Sozialbetrüger jagt oder nur auf ohnehin schon arme Leute hinschlägt. Man muss auf der anderen Seite wieder echte Motivationen erzeugen für Leistungsträger. Das ist mein Gedanke. Aber ich bin keine Partei, ich habe kein wirtschaftspolitisches Programm, das ist alles nur so aus dem Bauch heraus.

Haben Sie in Österreich denn keine eigenen Probleme?

Wir haben in Österreich mehr als genug Probleme. Und wissen Sie, wer die Probleme macht? Deutschland macht die Probleme. Der Migrantenmagnet Deutschland hat Österreich zu einem Durchzugshaus gemacht, zu einem riesigen Aufmarschgebiet, einer Art Fußmatte für Merkels Migranten. Gut, vielleicht ein bissel übertrieben jetzt. Aber natürlich steht und fällt auch Österreich, das kleine Österreich, mit dem, was in Deutschland passiert. Das beeinflusst uns sehr stark. In aller Bescheidenheit: Ich finde es als Österreicher schon wichtig, dass man auch immer wieder einen Blick von außen auf die deutschen Verhältnisse wirft.

In aller Bescheidenheit als Deutscher, Ihr seid ein ganz schön bigotter Haufen, oder? Auch Ihr nehmt unser Geld, aber die östlichen und südlichen Grenzen lasst Ihr offen. Warum macht Ihr da hinten nicht einfach zu, dann haben wir doch hier vorn diese Probleme gar nicht ...

Da gebe ich Ihnen völlig Recht. In keinster Weise würde ich Nehammers Politik verteidigen, ganz und gar nicht. Der muss genauso weg wie Scholz und Faeser und Co. Und ein Volkskanzler Kickl wird machen, was Victor Orban macht. Deshalb sollten auch Bundesbürger hoffen, dass Kickl gewählt wird. Worauf ich noch hinweisen will, ist, dass der Magnet, der große Pullfaktor, welcher Migranten an Italiens Küste, an Griechenlands Küsten, an Österreichs Süd- und Ostengrenze zieht, leider immer noch in Berlin sitzt.

Danke für das Gespräch.

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