Ist Greta Thunberg, die Ikone der weltweiten Klimabewegung, jetzt bei der AfD angekommen? Zumindest inhaltlich könnte man das annehmen, wenn die 23-jährige Schwedin zuletzt in Berlin an Protesten gegen den Waffenproduzenten Rheinmetall teilgenommen hat.
„Rheinmetall entwaffnen“ hatte unter dem Motto „Wedding ohne Waffen – gemeinsam gegen Krieg“ dazu aufgerufen. Das Bündnis ist ein linksradikales, antimilitaristisches Netzwerk, das seit 2018 gegen Rüstungsexporte und die Firma Rheinmetall protestiert. Es wird maßgeblich von der Interventionistischen Linken (IL) und anderen linksautonomen Gruppen getragen und gilt bei den einschlägigen politischen Behörden als linksextremistisch beeinflusst.
Tatsächlich muss sich in Acht nehmen, wer hier mit dem Kampf gegen Rheinmetall sympathisiert, denn das Bündnis wird vom Verfassungsschutz beobachtet und teilweise explizit extremistisch eingestuft.
Damit allerdings hat auch die AfD Erfahrung. Hier müsste man dann mal einen aktiven Verfassungsschützer fragen, was mehr gefürchtet wird, die AfD oder Linksextreme. Politisch gewollt ist jedenfalls eine flächendeckende Einschätzung der AfD als extremistisch. Laut Polizeiangaben sollen am Samstag etwa 1800 Menschen protestiert haben. Ziel der Demonstration war die Rheinmetall Waffe Munition GmbH am Humboldthain im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen.
Ab Mitte 2026 werden dort Komponenten für Artilleriemunition wie Patronenhülsen für großkalibrige Waffen hergestellt. Es handelt sich um ein Komponentenwerk – keine fertigen Geschosse, keine Sprengstoffe oder vollständige Munition. Rheinmetall ist einer der wichtigsten westlichen Rüstungspartner der Ukraine und liefert Waffen, Munition sowie militärische Ausrüstung. Das Engagement reicht von der Lieferung schwerer Gefechtsfahrzeuge und Luftabwehrsysteme über Artilleriemunition bis hin zum Aufbau eigener Produktions- und Wartungsstätten in der Ukraine. Damit ist das Werk die erste größere Rüstungsproduktion in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg.
2023 wurde das Joint Venture Rheinmetall Ukrainian Defense Industry LLC gegründet. Der Auftragsbestand lag Ende 2025 bei mittlerweile über 60 Milliarden Euro. Aktionäre profitieren massiv über Kursgewinne und deutlich höhere Dividenden. Der größte bekannte Einzelaktionär bei Rheinmetall ist Blackrock, der frühere Arbeitgeber von Kanzler Merz. Über Friedrich Merz’ persönliches Aktien-Depot ist nur sehr wenig öffentlich bekannt.
Eine Nähe zur AfD kann hier schon deshalb angenommen werden, weil Tino Chrupalla immer wieder auf diesen Kurs der AfD hinweist, so zuletzt vor wenigen Tagen im n-tv-Frühstücksfernsehen: Dort hatte der Co-AfD-Chef Verteidigungsminister Pistorius „Kriegsminister“ genannt. Mit Blick auf den Konflikt mit Russland sagte Chrupalla: „Ich sehe die Eskalation auch von Herrn Pistorius.“ Der spreche davon, dass Deutschland kriegstüchtig werden müsse. Und weiter: „Kriegstüchtig heißt, man möchte in einen Krieg ziehen und man möchte weiter mit eskalieren“, unterstellte Chrupalla.
Auch auf Nachfrage blieb Chrupalla bei der Bezeichnung des SPD-Politikers. Er sehe keine Bemühung dieser Bundesregierung, „diesen Krieg in der Ukraine endlich zu beenden, an dem wir uns mittlerweile ja nicht nur mit Geld beteiligen.“
Links wie Rechts nutzen das Wort „gegen den Krieg“, meinen damit aber unterschiedliche Dinge: Die Linken machen ihre Systemkritik am „militärisch-industriellen Komplex“ und an westlicher Außenpolitik fest. Und die AfD übt hier zunächst einmal Kritik an der Ampel-Regierung, an woken Eliten und an einer „vasallenhaften“ NATO-Politik.
Bei den linksradikalen Aktivisten klingt die Vorbereitung auf den Protest gegen Rheinmetall in Berlin erst einmal so:
„Rheinmetalls Waffen werden unter anderem von der Türkei gegen die Revolution in Kurdistan und von Israel für den Genozid an der palästinensischen Bevölkerung genutzt. Auch an den aktuellen Bombardierungen im Iran verdient erneut Rheinmetall. Deutschland ist viertgrößter Rüstungsexporteur der Welt. So setzt beispielsweise Saudi-Arabien seit über einem Jahrzehnt deutsche Waffen im Krieg gegen Jemen ein. Die Bundesregierung und Rüstungskonzerne sind also aktive Mittäter in den brutalsten Kriegen unserer Zeit.“
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Das Rheinmetall-Engagement in der Ukraine – die Finanzierung durch die Bundesregierung und damit durch den deutschen Steuerzahler – das zum Hauptkritikpunkt bei Teilen der AfD gehört, wird von den Linksradikalen verschämt hinten angehängt, wenn es da weiter heißt:
„Im Schatten der sogenannten Zeitenwende, des Kriegs in der Ukraine und des Beschlusses der Bundesregierung, den Rüstungsetat unbegrenzt zu erhöhen, konnte Rheinmetall seine Profite extrem steigern.“
Der Preis hierfür seien einerseits enorme Kürzungen im sozialen, Bildungs-, Gesundheits- und Kulturbereich und andererseits ein weltweiter Anstieg bewaffneter Konflikte.
Die Frage nach der generellen Sinnhaftigkeit des Ukrainekrieges wird hier noch vermieden. Immerhin sind die Grünen die deutschen Hauptkriegstreiber und gleichzeitig die Verbündeten der Klimabewegung inklusive ihrer radikaleren Ausführungen. Hier will man die Stricke offenbar nicht vollends kappen – ein Eiertanz sondergleichen.
Und dann stehen Linke plötzlich neben den kriegsfernen Teilen der AfD um Chrupalla und andere. Der Aktienkurs von Rheinmetall hat sich mittlerweile verzehnfacht. Der frühere Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) ist seit 2025 Mitglied im Aufsichtsrat des Unternehmens. Auch der EU-Abgeordneten und Rüstungslobbyistin Strack-Zimmermann (FDP) wird immer wieder eine Nähe zu Rheinmetall nachgesagt.
Im Februar 2025 berichtete die „Zeit“, dass Blackned, eine Tochterfirma von Rheinmetall, Spenden an mehrere Bundestagsabgeordnete überwiesen habe, die über milliardenschwere Aufträge mitentscheiden. Die Tochterfirma soll damals per E-Mail geschrieben haben:
„Unsere Intention ist es, Abgeordnete, die im Rahmen ihrer Aufgaben für die Ausrüstung der Bundeswehr speziell im digitalen Umfeld einen Beitrag leisten, bei ihren Wahlkämpfen für die anstehende Bundestagswahl mit einer kleinen Summe zu unterstützen.“
So steht Greta Thunberg mal wieder etwas verloren neben sich. Die einstige Ikone einer globalen Klimabewegung protestiert gegen Rheinmetall und hat Gaza im Kopf. Währenddessen befeuern ihre grünen Freunde in Deutschland in einer beispiellosen Kriegstreiberei den Ukrainekrieg und weit und breit sind keine diplomatischen Bemühungen zu sehen. Aus einem gefährlichen Regionalkonflikt ist das Potenzial für einen Weltkrieg geworden.
Die Welt ist so verrückt geworden, dass jene, die das Töten beenden wollen, enger zusammenrücken – nein, gerückt werden wider Willen. So entsteht inhaltlich eine erstaunliche Nähe vom Team Thunberg zu jenen Positionen, welche eine neue Friedensbewegung innerhalb der AfD definieren:
Ablehnung der Kriegseskalation, Kritik an der Profitorientierung der Rüstungsindustrie und Skepsis gegenüber der bedingungslosen Unterstützung der Ukraine. Eine unfreiwillige Nähe, die ganz sicher weder Thunberg noch die AfD aktiv gesucht haben, die aber zeigt, wie sehr sich in der Debatte um Krieg und Frieden die politischen Fronten verschieben.
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