Die private Hölle eines Weltenretters beim ÖR ohne Altersbeschränkung

In der ZDF-Mediathek: Crystal Meth rauchender Chef-Klimaaktivist beim Chemsex mit Ehemann

von Alexander Wallasch (Kommentare: 5)

„Wenn man zwölf Jahre Klimaaktivist ist, ist es gar nicht so leicht, nicht deprimiert zu werden“, verteidigt Tadzio Müller den Gebrauch von illegalen harten Drogen beim schwulen Sex.© Quelle: ZDF Mediathek / Y-Kollektiv, Montage Alexander Wallasch

Chrystal Meth, schwule Drogenpartys, Kokain und Klimarettung: Das ZDF/Y-Kollektiv produziert eine Legitimation für harte Drogen über Klimarettung und Homosexualität. Eine Grenzüberschreitung, wie sie in der Form auch im deutschen Fernsehen singulär sein dürfte.

Tadzio Müller ist so etwas wie die graue Eminenz der Klimaaktivisten. Er wird regelmäßig von den Medien befragt, wenn es darum geht, Aktionen zu kommentieren, wie zuletzt Straßensperren von Klimaklebern, in deren Folge eine Frau verstarb. Mutmaßlich, weil ihr wegen der Staus nicht schnell genug geholfen werden konnte.

Tadzio Müller kommentierte den Tod der Radfahrerin via Twitter mit „Shit Happens“ und kassierte daraufhin einen Shitstorm.

Ein Shitstorm für einen Müller-Auftritt beim öffentlich-rechtlichen Youtube-Format Y-Kollektiv ist bis heute allerdings ausgeblieben. Müller wird dort für eine dreißig Minuten lange Dokumentation beobachtet, wie er Crystal Meth, Kokain, Ketamin und andere illegale Drogen einnimmt und 36 Stunden lang mit seinem Ehemann sogenannten Chemsex hat.

Müller ist Klimaaktivist der ersten Stunde. Er ist 46 Jahre alt und Co-Autor eines Buches über den Klimawandel. Am vergangenen Dienstag allerdings erklärte Müller die Klimabewegung gegenüber dem Tagesspiegel für gescheitert. Diese sei „vorerst besiegt“.

Müller wird schon seit Jahren mit Statements zum Klimawandel durch die Gazetten gereicht. Beispielsweise 2010 sprach Journalist Jan Fleischhauer mit Tadzio M. darüber, warum es „hip“ sei, Aktivist zu sein. Der Spiegel stellte das Gespräch mit folgenden einleitenden Worten vor:

„Die Sprecherin der Grünen Jugend, Gesine Agena, und der radikale Klimaschützer Tadzio Müller über Demokratieverdruss, modernen Widerstand und antikapitalistische Alternativen.“

Um die Rolle Müllers in der Klima-Bewegung zu verstehen, kann ein vierzehn Jahre alter Artikel in der taz hilfreich sein, der überschrieben wurde mit der Schlagzeile: „Der Importeur des Klimacamps“. Müller soll laut taz mitgeholfen haben, die Idee der „Klimacamps“ aus England nach Deutschland geholt zu haben.

Der Artikel erzählt auch, dass Müller gut mit den Medien kann:

„Tadzio Müller ist im Stress. ,Das Medieninteresse ist riesig'", sagt der 32-Jährige. Ununterbrochen klingelt das Telefon, das ZDF ruft an, die Welt, dpa.“

In Hamburg soll Müller damals „Camp-Sprecher“ gewesen sein. Nur wenig später schaffte er es bereits in den niedersächsischen Verfassungsschutzbericht 2010, wo er als Sprecher einer vom Geheimdienst beobachteten Anti-Castor-Kampagne mit einem Aufruf zur Zerstörung von Bahngleisen zitiert wird.

Im gleichen Bericht wird auch Die Linke aufgeführt. Müller wird später bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der politischen Stiftung der Linkspartei „Referent für Klimagerechtigkeit und internationale Politik“. Diese Position hat er bis 2021 inne.

Noch einmal, vor einem Jahr, kamen dann der Spiegel und Müller für eine große Interview-Geschichte zusammen. Hier warnte Müller vor einer RAF-ähnlichen Radikalisierung unter Klimaschützern. Eine These, die, als sie die RAF-Expertin Bettina Röhl vor wenigen Wochen so ähnlich äußerte, für Empörung sorgte. Bei Müller blieb diese Empörung aus, der Spiegel schreibt Ende 2021:

„Wer Klimaschutz verhindert, schafft die grüne RAF. Werden die Klimaproteste militant, wenn sie ohne Wirkung bleiben? Ja, aus Notwehr, warnt der langjährige Aktivist Tadzio Müller. Ob sich daraus eine Untergrundbewegung entwickle, habe die Gesellschaft in der Hand.“

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Müllers „Shit happens“-Empörungsblendgranate sorgte für mediale Aufmerksamkeit, Jakob Augsteins Freitag machte gleich mal Platz frei für ein großes Interview. Tadzio Müller weiß zweifellos, wie man sich den Medien verkauft. Beim Freitag klang Müller allerdings ungewöhnlich resigniert: „Ihr macht mich zur Zielscheibe, um die Klimakrise zu verdrängen."

Verglichen mit Tadzio Müllers Interviews der letzten Jahre sind das erstaunlich verletzliche Töne. Ahnte Müller hier bereits, dass ihm eine ganz andere Sache medial – möglicherweise auch beruflich – mehr schaden könnte, als es sein „Shit-Happens“-Tweet je vermögen würde?

Die Rede ist von Müllers Privatleben, das eigentlich keine Rolle spielen sollte, schon gar nicht, wenn es um Müllers sexuelle Orientierung geht. Aber Müller ist nicht nur als Chef-Klimaaktivist eine öffentliche Person. Das Online-Magazin Queer.de beispielsweise berichtete vielfach unverhohlen begeistert über Müller. Und der macht im Gegenzug in der Tradition der 68er ziemlich geschickt das Private politisch und stellt es öffentlich zur Debatte.

Aber nicht jeder will von politischen aktiven Menschen unbedingt wissen wollen, wie sie im Detail ihre sexuellen Vorlieben praktizieren. Der Freitag findet's dennoch interessant genug, Tadzio Müller in einem Interview zum tragischen Tod einer Radfahrerin darauf anzusprechen:

„Sie sind ja auch sonst nicht für Zurückhaltung bekannt, nennen sich selbst BDSM-Hure, nennen Deutschland einen amoralischen Sauhaufen, rufen nach Sabotage ...“

Die taz schrieb 2017 über Müller:

„Tadzio Müller ist Klimaaktivist, links und HIV-positiv. Ein Gespräch über Schuld und Scham, politische Kämpfe und Eiswürfel im Arsch.“

Müllers angegriffene Gesundheit kann ihm keiner abnehmen. Wenn man es so interpretieren will, ist der Aktivist noch zusätzlich zu seiner Klimasorge mit einer ganz individuellen Endzeitstimmung geplagt.

Tadzio Müller spricht darüber auf eine aggressiv wirkende Weise offensiv, die nicht nur unbedarfte Gemüter beim Lesen abstoßen empfinden könnten.

Das alles ist aber nichts gegenüber dem, was im Frühjahr 2021 für Empörung sorgte, als der aus ZDF-Zwangsgebühren öffentlich-rechtlich betriebene Youtube-Kanal „Y-Kollektiv“ eine Dokumentation veröffentlichte, die zumindest auf YouTube mittlerweile nur noch von Erwachsenen angeschaut werden kann, aber in der ZDF-Mediathek noch unbeschränkt abrufbar ist.

Das schwule Magazin Queer.de faßt den Inhalt der Sendung in einem Satz zusammen: „Die Reportage begleitet das schwule Berliner Ehepaar Tadzio und Wolf in einer Nacht voller Sex und Drogen“.

Queer.de stellt den Film online mit der Schlagzeile „Zu Gast auf einer Chemsex-Party“. „Bahnbrechend“ sei die Reportage, schreibt das Magazin begeistert.

Der dreißig Minuten lange Chemsex-Report beginnt mit dem Satz: „Mit diesem Film brechen wir die Verschwiegenheit der schwulen Szene. Denn es gibt schwule Männer, die auf harten Drogen hemmungslosen Sex haben.“ Queer.de kommentiert:

„Kokain, GHB, Mephedron, Ketamin oder Crystal Meth helfen manchen schwulen Männern, beim Sex länger geil zu sein, den Druck zu vergessen und sexuelle Normen zu sprengen. Ein Akt der Befreiung von gesellschaftlichen Moralvorstellungen?“

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Was dem heterosexuellen älteren Herrn also mitunter seine blaue Viagrapille, soll beim schwulen älteren Mann Crystal Meth sein? Eine gewagte These, die davon ausgeht, dass Sex zwischen Mann und Frau eben langweilig und missionierend ist, während Schwule eine Art himmelhartes Kamasutra auf Drogen praktizieren würden.

Allerdings gibt es unabhängig von einer sexuellen Orientierung durchaus Menschen mit unterschiedlich intensivem Sexualleben. Der Fokus durfte eher auf der Frage liegen, wie verbreitet illegale harte Drogen in der schwulen Szene sind und ob es hier eine Art instinktive Nähe gibt zwischen schwuler Subkultur und illegaler Drogenszene.

Queer.de schreibt: „Vor allem in den schwulen Metropolen dieser Welt sind Chemsex-Partys nicht selten, finden in Privaträumen statt.“ Was nichts daran ändert, dass der Konsum illegaler Drogen eben genau das bleibt, was er ist: potenziell ein Straftatbestand.

Und wenn jetzt ein medial bekannter Chef-Klimaaktivist von den Medien aufgefordert wird, sich zu Aktionen der „Letzte Generation" zu äußern, dann darf hier eine Art Vorbildfunktion mitgedacht werden. Tadzio Müllers Twitter-Account wurde zwischenzeitlich gesperrt, man darf gespannt sein, ob die angekündigte Amnestie vom neuen Twitter-Boss Elon Musk auch für Müller gilt, was immer er da zum Besten gegeben hatte.

Der Autor des Films ist ebenfalls schwul, wie er zu Beginn seines Films erklärt. „Chemsex“ wurde mittlerweile über 670.000 mal aufgerufen. Und Tadzio Müller gibt gleich zu Beginn erste Chemsex-Tipps, er zeigt der Kamera zwei kleine Fläschchen in seiner Hand:

„Jetzt habe ich hier zwei Flaschen Poppers. Es ist total super, für Leute, die sich in den Arsch ficken lassen wollen.“

Im Anschluss an Müllers drastische Worte betont der Regisseur voller stolz:

„Bei einer Chemsex-Nacht mit der Kamera dabei sein, das hat es in Deutschland aber noch nicht gegeben. Genau das machen wir in diesem Film.“

Das allerdings ist starker Tobak, denn das Porno-Regal in den Online-Videotheken ist voll, es gibt wohl keine abartige Sex-Variante, die dort nicht zu finden wäre. Die Besonderheit ist der Auftritt in einem Zwangsgebühren finanzierten Format.

Das muss man als Grenzüberschreitung werten. Möglicherweise sogar als eine justiziable, bedenkt man, das unter den 1,07 Millionen Abonnenten viele Minderjährige zu finden sind, die selbstredend überwiegend keine Schwierigkeiten damit haben, diese Dokumentation trotz Ü-18-Barriere bei Youtube anzuschauen. Die Schranke mag sogar ein besonderer Anreiz sein, extra zu schauen.

Jetzt könnte man meinen, was Jugendliche sehen wollen, das schauen sie auch. Aber hier geht es explizit um die öffentlich-rechtliche Legitimation und Akzeptanz von Handlungen durch das ZDF/Y-Kollektiv, die sonst gewissermaßen nur im Dark-Room des Internets zu finden sind. Der Film will „den Drogenkonsum verstehen wollen, ohne die Gefahren außer Acht zu lassen“, heißt es.

Der Filmemacher sagt aus dem Off, er wolle nicht, dass das Klischee entsteht, „Schwule huren auf Drogen rum und ficken bis zum Morgengrauen“. Also macht er einen Film, indem in etwa das passiert? Tadzio Müller geht sogar noch über besagtes Morgengrauen hinaus: „Ich werde jetzt 36 Stunden Sex haben“, erzählt der Klimaaktivist, während er im Youtube-Format des Zwangsgebührenfernsehen seine illegal eingekauften Drogen präsentiert.

„Wozu brauchst Du Drogen“, versucht es einmal der Filmemacher, „warum kannst Du Dich nicht so exzessiv durchvögeln lassen?“ „Wenn man zwölf Jahre Klimaaktivist ist, ist es gar nicht so leicht, nicht deprimiert zu werden“, verteidigt Müller den Gebrauch von harten Drogen beim schwulen Sex, sein Leben sei „anstrengend und stressig“.

Dann kommt Tadzio zum für ihn Wesentlichen gegenüber den ÖR-Zuschauern: „OK, ich bin ein einfach geiles Loch, das gefickt werden will.“ Wolf und Tadzio sind verheiratet, aber haben verschiedene Partner beim Sex, erfährt man von der Off-Stimme.

Das Filmteam trifft die beiden Protagonisten Tage später noch einmal. Die Beziehung wird jetzt als gescheitert bezeichnet, Tadzio Müller meint, er bräuchte halt einen sexuell dominanten Partner, das könne Wolf einfach nicht sein.

„Chemsex“ will ein aufklärender Film sein. Im Ergebnis ist es eine Tristesse, ein trauriger Film über das Scheitern schwuler Lebensmodelle, das Scheitern vermeintlicher, weil nur mit harten Drogen hochgepushter Gefühle, ein Scheitern, das viel mit den Protagonisten selbst und ganz wenig mit der Gesellschaft zu tun hat, die so oft für das Scheitern schwuler Lebensmodelle verantwortlich gemacht wird.

Wenn politische Parteien, Institutionen oder der Volkswagen-Konzern die Regenbogenflagge hissen, dann werden damit explizit auch solche Lebensmodelle verteidigt. Der per Zwangsgebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert in einem Youtube-Format eine Reportage über den Konsum illegaler harter Drogen mit allen Folgen.

Der Protagonist im Mittelpunkt der Dokumentation ist als Klimaaktivist so etwas wie ein Vorbild auch für viele minderjährige Klima-Aktivisten. Müller forderte sie jetzt indirekt über ein Interview mit T-Online auf: „Pipelines zu zerstören, ist unsere verdammte Pflicht“.

Der Artikel bei T-Online von Mitte November beginnt so:

„Tadzio Müller hat eine anstrengende Woche hinter sich. Doch er öffnet die Tür zu seiner Neuköllner Altbauwohnung mit einem Lächeln. (…) ,Kaffee? Tee?', fragt er und zeigt auf ein großes Sofa in seinem Wohnzimmer. ,Tisch habe ich keinen', sagt er entschuldigend. ,Das soll helfen, meine ADHS-Persönlichkeit ein bisschen zu stoppen.'"

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